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Wahl 2013

1. September 2013

1:1 oder 2:1, nur für wen?

Wir sind schon weit über die Halbzeit: Unter Journalisten, Politikern und geladenen Gästen in Berlin-Adlershof wird die Aufmerksamkeit weniger, oder sagen wir: differenzierter. In den CDU-Reihen schauen Schäuble und von der Leyen auf die Smartphones (erste Deutungen interessieren). Armin Laschet, CDU-Chef in NRW, teilt mit Schauspielerin Uschi Glas ein Glas Weißwein, indem er es auf zwei Gläser verteilt und nimmt dann ein kleines Schlückchen (später steht er dann direkt an den Tischen der heftig tippenden Journalisten und tauscht sich mit ihnen gelegentlich aus).

Heiner Geißler wiederum hat sich an die Bar gesetzt, runzelt die runzlige Stirn und macht gelegentlich Notizen. Neben sitzen die ehemalige Chefredakteurin der taz, Bascha Mika, und TV-Moderator Michel Friedman. Vor Geißler steht ein kleines Glas Sekt, voll. Keine Zeit für sowas. “Es steht 2:1 für uns”, sagt einer aus den CDU-Reihen, Merkel habe bei Rente und dem Euro gepunktet. Pkw-Maut – hm, schwierig, eher Steinbrück. Ein anderer im CDU-Lager freut sich, dass die Kanzlerin erstmals Herrn Seehofer (CSU!) beim Thema Pkw-Maut ganz klar in die Schranken gewiesen hat, aber: “das wird morgen Thema sein und nicht leicht für uns”.

Bei der SPD sitzt Generalsekretärin Nahles wieder, dafür steht einer ihrer Vorgänger und sagt: Der Steinbrück schafft es heute wirklich zu mobilisieren: “Es läuft gut für uns”. Steinbrück sei angriffslustig, aber nicht zu sehr. Man spürt noch zwischen den Sätzen des SPD-Mannes die Angst vor der Duell-Situation, Steinbrück könnte sich doch wieder zu sehr aus der Deckung wagen.

Einen solchen Spannungs-Moment gibt es mal zwischendurch im Duell: Als Anne Will die beiden fragt, ob Politiker in Deutschland genug verdienten. Eine Anspielung auf eine frühere Aussage von Steinbrück, dass man als Kanzler nicht angemessen verdiene, was ihm seither so ziemlich in jedem Porträt um die Ohren gehauen wird.

Doch der ließ sich nicht in die Ecke treiben: “Was bezwecken sie mit der Frage, Frau Will?” – Will: “Ja oder nein?” – Steinbrück: “Diskutieren sie das bitte unter sich!” und lacht. Zum ersten Mal lachen auch die Journalisten und schauen von ihren Bildschirmen auf: “Sehr gut!” ruft eine Kollegin aus den Medien, die der Parteilichkeit absolut unverdächtig ist.

ARD-Hauptstadtstudio

1. September 2013

“Jawoll”, sagt Schäuble und schaut interessiert

Auf weißen Loungemöbeln haben sich hier in der Gästehalle in Adlershof die Lager zum “public viewing” der anderen Art zusammengerottet. In der Hallenmitte die Unionisten, darunter Ursula von der Leyen neben Ex-Generalsekretär Peter Hintze, hinter der Sitzgruppe hat sich Wolfgang Schäuble positioniert, neben ihm der tennisspieler und Symathisant Michael Stich. Sie versuchen trotz auf sie gerichteter Kameras keine Miene zu verziehen, wenn Steinbrück spricht, hingegen entspannt auszuschauen, wenn die CDU-Vorsitzende spricht. Im ersten Themenblock ruft von der Leyen “Herrn Schäuble”, den sie siezt, begeisterte Worte zu, er ruft “jawoll” zurück. Und kann sich wenig später ein Grinsen nicht verkeifen, als Moderatorin Anne Will Steinbrück fragt, ob es nicht blöd für Steinbrück sei, dass sich zwei Drittel aller Deutschen wirtschaftlich zufrieden geben, also keine Wechselstimmung herrsche.

Ein paar Meter weiter das SPD-Lager, das ab und zu bei Merkels Äußerungen leise buht (die CDU verkneift sich solcherartige Fußball-Atmo bisher): SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sitzt eher allein etwas von den Mitkämpfern entfernt, nach zwanzig Minuten hält es sie nicht mehr am Sitz, sie steht auf. “Der Steinbrück macht das nicht schlecht bisher”, sagt ein namhafter Journalist der älteren Garde, der der Parteilichkeit unverdächtig ist. Ein Kollege von den Zeitungen gibt bereits ein erstes Interview: “Es macht Spaß , den beiden zuzuschauen” – Merkel und Steinbrück diskutierten doch heute abend auf Augenhöhe.

Was denken Sie?

ARD-Hauptstadtstudio

1. September 2013

Loungemusik und hoher Puls bei der SPD

Noch summt entspannte Loungemusik – es ist keine halbe Stunde mehr vor dem TV-Duell im Medien- und Besucherzentrum Berlin-Adlershof, das so groß wie eine kleinere Sporthalle (Handball etc.) wirkt. Wenige Meter nebenan üben die Kanzlerin und ihr Herausforderer innerlich sicher die letzten Sätze, die sie vor dem gleich einschaltenden Millionenpublikum unbedingt loswerden wollen.
Ganz so entspannt, wie die Musik suggeriert, ist es hier jedoch nicht. Ein SPDler am Rauchertisch draußen gibt zu: Der Puls sei spürbar erhöht. Zigarette als Beruhigungszigarette. Zuviel Medien-Druck auf Steinbrück („letzte Chance“, „jetzt muss er liefern“)? Nö, dies sei doch eine echte Chance für die SPD, zu mobilisieren. Was er nicht sagt, aber grüne Gäste hier einem zuraunen: Die SPD habe arg viele Fehler bisher gemacht, jetzt aber…
Währenddessen holt sich CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe am Currywurst-Stand (auch draußen, direkt neben den Rauchertischen) Currywurst mit Pommes. Er findet das Duell vor allem unter medienpolitischen Gesichtspunkten spannend: Da die Deutungsmaschine ja durch Twitter, facebook und Co. Quasi live anfange – und wie sich das „wer gewinnt, wer hat gewonnen“ bis zum nächsten Tag dann verändere. Typisch: Für die CDU-Leute hier ist die Frage, ob die Kanzlerin punkten kann, wohl keine mehr. Ist eh klar für sie. Sicher?
Da muss man schon in die Reihe der politischen unionsnahen Beobachter gehen, um da doch Sorgen zu hören: Ist Angela Merkel – als Siegerin ja fast vorausgesagt – zu selbstgewiss, zu selbstzufrieden, wird Steinbrück als in dieser Rolle des Kanzlerkandidaten vielgescholtene Underdog doch am Ende Sympathien kriegen?
Letzte Strategiefragen werden diskutiert: Wie kann Steinbrück das unterschwellige Mann-Frau-Thema lösen (Die Regel: ein Gentlemann greift eine Frau nicht aggressiv an)? Was machen die beiden Streitenden mit dem Umstand, dass sie sich eigentlich aus gemeinsamen Regierungszeiten schätzen? „Es wäre Quatsch, das zu übertünchen“, sagt uns Gröhe bei der Currywurst.
Gleich sind wir schlauer. Noch ein paar Beobachtungen , schnell in den Block vorab notiert: Noch trinken hier alle nur Alkoholfreies oder Wasser. Und die Zahl der Glatzköpfe (Symbol für schlaue Köpfe, Regierungsberater und Strategen) ist überdurchschnittlich hoch. “Hoffentlich fängt heute mal der Wahlkampf wirklich an, ich warte seit Wochen drauf”, seufzt ein Politprofi. Bis gleich!

ARD-aktuell Chefredaktion

28. August 2013

Jo Brauner goes Twitter auf #wahlschau!

Hier ist das erste deutsche Fernsehen mit der #wahlschau bei tagesschau24! So oder so ähnlich wird er’s sagen, und ich glaube, das könnte kultig werden. Wenn der ewig junge Jo Brauner mit gewohnt sonorer Stimme ab kommendem Sonntag Ihre Tweets und Posts veredelt, das hat was. Denn auf  diese klassische Art retweetet zu werden, kann nicht jeder bieten. Ein Ritterschlag der besonderen Art. Einen Vorgeschmack gibt’s hier auf der Seite unter der Überschrift #wahlschau. Weiterlesen

ARD-aktuell Chefredaktion

14. August 2013

Inlandskorrespondententreffen

Einmal im Jahr lädt ARD-aktuell nach Hamburg-Lokstedt ein, um den Telefonstimmen ein Gesicht zuordnen zu können. Denn die Kopfredaktion in Hamburg telefoniert täglich mit allen Kolleginnen und Kollegen draußen, die die Sendungen mit ihren Beiträgen erst ermöglichen. Es kommt immer nur ein kleiner Teil, Arbeit geht vor und es gibt auch nur Currywurst und Pommes im Innenhof der Tagesschau-Zentrale. Das Treffen ist aber immer ein Gewinn und hilft, bessere Sendungen zu bauen. Weiterlesen

ARD-aktuell Chefredaktion

5. August 2013

Thomas Roth, der Anchorman

Heute feierte Thomas Roth Premiere. Wobei das nicht ganz richtig formuliert ist, würde er wohl sagen. Denn er  hat nicht gefeiert, er hat seine journalistische Arbeit gemacht. Roth steht für Sachlichkeit, für Kompetenz und für ein Wissen, das uns alle von Neuem beeindruckt hat. Wir neigen hier oben im Norden eher zur Nüchternheit. Bei aller gebotenen hanseatischen Zurückhaltung darf ich aber vermelden: Das passt.

 

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ARD-DeutschlandTrend

1. August 2013

Worte machen Zahlen

Ich weiß, dass viele Leser sich jetzt die Augen reiben. Dieser DeutschlandTrend wird ein Fest für Schwarz-Gelb, genauer für die amtierende Bundesregierung unter Angela Merkel. Es wird einige Höchstwerte geben. Und die Diskussion über NSA, die irreführenden Äußerungen von Herrn de Maizière oder die tapsige Amerika-Reise von Herrn Friedrich scheinen in einer anderen Welt stattzufinden. Weiterlesen

ARD-aktuell Chefredaktion

29. Mai 2013

Herzlichen Glückwunsch Tom Buhrow!

Die letzten zwei Wochen waren eine aufregende Zeit, lieber Tom. Das hatten wir noch nicht, dass einer unserer Moderatoren Kandidat für den Posten des Intendanten eines ARD-Senders ist. Dein Umgang mit dieser Situation war außergewöhnlich und vorbildlich. Mit großer Gelassenheit, noch mehr Humor und hoher Professionalität hast Du alles bewältigt. Die Arbeit für die Tagesthemen hat nicht gelitten, an keiner Stelle. Das soll Dir mal einer nachmachen. Wir danken, ich danke ganz persönlich für eine tolle, sehr erfolgreiche  Zusammenarbeit in den letzten Jahren. Wir werden das zusammen feiern, dafür wirst Du Dir Zeit nehmen müssen trotz der neuen, großen Aufgabe.   Weiterlesen

ARD-aktuell

24. Mai 2013

Kleber, Wickert und die Tagesschau

Seit eineinhalb Tagen werde ich von Journalisten mit der Frage bedrängt, Herr Gniffke, was sagen Sie zu den Äußerungen von Claus Kleber, die Tagesschau habe sich überlebt? Zuerst einmal habe ich dazu gar nichts gesagt, weil wir auch sonst noch genug zu tun haben. Dann habe ich Kleber selbst gefragt, wie er das gemeint hat und gestern Abend  habe ich mir die ganze Schwarte in der aktuellen Print-Ausgabe der ZEIT mal komplett durchgelesen. Zwei reifere Herren (Wickert, Kleber) philosophieren über Nachrichten, und da möchte ich Ihnen die Haltung eines dritten reiferen Herren (nämlich Gniffke) nicht vorenthalten. Weiterlesen