19. Juni 2007, 01:14 Uhr - von Thomas Hinrichs
Das lässt keinen kalt. Ein Busunfall in Deutschland, erst werden sieben Tote gemeldet, dann elf, schließlich 13. Wichtig ist, jetzt richtig zu berichten. Sachlich, fundiert, zuverlässig. Die endgültige Zahl wird erst wenige Minuten vor der tagesschau um 17 Uhr bestätigt. Wir geben sofort einen Crawl raus, also ein Schriftband und weisen auf die anschließende Sendung hin. Der Zuschauer will jetzt gerade von uns und vor allem sofort informiert werden. Dennoch gilt der Grundsatz: Zuverlässigkeit vor Schnelligkeit. Die Chefs vom Dienst hatten heute genau zwei Sekunden, um abzuwägen, was getan werden sollte.
Das sind dann genau die Tage, an denen man froh ist, dass so unglaublich erfahrene Redakteure bei ARD-aktuell im Geschirr sind. In der tagesschau um 17 Uhr hatten zwei CvDs die Verantwortung über den Sendeablauf, die zusammen 124 Lebensjahre und knapp 80 (!) Jahre Berufserfahrung in die Waagschale werfen konnten. Gerade weil so häufig behauptet wird, nur mit jungen Menschen sei man leistungsfähig, will ich dagegen halten: Soviel Kompetenz und Erfahrung gibt es sonst nirgends in unserem Geschäft.
Die journalistische Vorgabe war klar: Die Sendung sollte mit dieser erschütternden Story aufgemacht werden. Wenn möglich. Um kurz vor 17 Uhr hatten die Kollegen vom mdr alle Informationen beisammen. Susanne Holst begann also die Sendung mit der Meldung über den Unfall. Während sie die Meldung vortrug, stand die Live-Option für die Hintergrundinformationen technisch aber noch nicht. Die Infos hätten am Ende der Sendung nachgereicht, andere Themen dazwischen geschoben werden müssen. Benachbarte Programme gingen auf Nummer sicher und begannen mit einer Nachbetrachtung der Frankreich-Wahl. Wollten wir nicht, soweit die Absprache. Unmittelbar bevor die Meldung zu Ende ging, tauchte auf dem Vorschaumonitor in der Regie die Kollegin vor Ort auf der Live-Position auf. Unsere Regisseurin hatte allerdings bereits die übernächste Position durchgegeben, als der CvD dazwischen ging und innerhalb von zwei Sekunden entschied: Wir gehen drauf. Regisseurin und Susanne Holst sowie die Kollegin am Ort des Geschehens mussten sofort den Hebel umlegen, auf der Live-Position schubste unsere Korrespondentin sogar noch einen Technikkollegen aus dem Bild und dann gingen die Informationen über den Sender. Ohne Hektik, sachlich, fundiert, zuverlässig. Trotz der Anspannung, trotz des furchtbaren Anlasses. Mehr war journalistisch nicht drin. Inhalt, Form, Schnelligkeit, alles passte. Auftrag erfüllt.
blog tagesschau.de - hinter den Nachrichten.
Thomas Hinrichs |
19.06.2007 01:14 Uhr
Kategorie: ARD-aktuell Chefredaktion
Schlagworte: ARD-aktuell, Busunfall, Chef vom Dienst, CvD, Hintergrundinformation, Live-Schalte, Quelle, Susanne Holst, Tagesschau, Themenauswahl
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Am 19. Juni 2007 um 07:13 Uhr
Die Überschrift ist ein klarer Fall für den Hohlspiegel! Auch und gerade bei zwei CvDs, die zusammen 124 Lebensjahre und knapp 80 (!) Jahre Berufserfahrung in die Waagschale werfen können. Viele Grüße aus Wien.
Am 19. Juni 2007 um 08:15 Uhr
Was will uns der Autor damit sagen?
Vielleicht, dass das TS-Team erfahren ist (eigentlich m.E. eine Grundvoraussetzung), oder gar, dass man bei der TS “seine Hausaufgaben” macht?
Diese Art von Selbstbeweihräucherung haben Sie doch wirklich nicht nötig, lieber Herr Hinrichs.
Im Übrigen habe ich zu Ihrem einleitenden Satz nur zu fragen: hängt der “Sensations-Index” jetzt - nach Auffassung “der TS” - von der Anzahl der Toten ab?
.. dann begäben Sie sich aber schon auf das Niveau der Zeitung mit den vier Grossbuchstaben! (muss doch nicht sein, oder?)
Am 19. Juni 2007 um 08:22 Uhr
Hatte mir auch gerade überlegt, wie sich 13 Tote anspannen können. Vorstellen will ich mir das jetzt nicht - aus Respekt vor den trauernden Angehörigen. Vielleicht sollte der weblog-Schreiber eher seine Hirnzellen anspannen bei der Überlegung, ausgerechnet anlässlich dieser Katastrophe die superduper Kompetenz seiner Kollegen so hervorzuheben.
Am 19. Juni 2007 um 08:49 Uhr
Tja, da hat man laut medienrauschen (http://www.medienrauschen.de/archiv/2007/06/18/grimme-online-award-die-gewinner/) den Grimme Online Award gewonnen und schon gehört er wegen solcher Blog-Einträge auch schon wieder entzogen. Ich kann mich allen vorherigen Kommentatoren nur anschließen.
Am 19. Juni 2007 um 08:50 Uhr
Guten Morgen.
Auch ich habe die Überschrift erst dreimal lesen müssen,…um doch nicht schlau daraus zu werden.
Was hat sich Herr Hinrichs dabei gedacht?
Es gibt normalerweise gute Gründe, warum ich gerade diese Seite hier besuche, und nicht die der BLÖD-Zeitung oder die vermeintlicher “Nachrichtensender”.
Um so mehr ärgert mich dieser Text und dessen Aufmachung, denn der gehört garantiert nicht zu diesen Gründen.
Am 19. Juni 2007 um 09:01 Uhr
Guten Morgen Herr Hinrichs,
tatsächlich scheint bei Ihnen die Selbstbeweiherung wichtiger als das Unglück zu sein.
Was Sie mit (Zitat) “Der Zuschauer will jetzt gerade von uns und vor allem sofort informiert werden.” bezeichnen, benenne ich Sensationslüsternheit.
Liebe Grüße
Am 19. Juni 2007 um 09:11 Uhr
Wertes Tagesschau-Team!
Ein Busunglück mit 13 Toten - eine schreckliche Sache! Aber dafür eigens einen Brennpunkt nach der TS zu senden finde ich absolut übertrieben.
Am 19. Juni 2007 um 09:45 Uhr
Guten Morgen Herr Hinrichs,
nach Ihrem Beitrag fragt man sich, ob Sie planen, zur privaten Konkurrenz zu wechseln. Derartige Inkompetenzen erwartet man nicht bei der Tagesschau. Schade, dass die erfahrenen CvDs sich nicht auch diesen Beitrag vorher angesehen haben.
Am 19. Juni 2007 um 09:46 Uhr
Schließe mich dem vorherigen Kommentar an,
der Brennpunkt enthielt keinerlei zusätzliche Informationen, die ihn gerechtfertigt hätten. Man merkte, dass es die Macher schwer hatten, die Zeit zu füllen. Erst Portraits der einzelnen Krankenhäuser, zum Unfallhergang eher wenig, weil wenig bekannt, ein langweiliges Standardinterview mit einem Auto-Lobby-Vertreter mit der obligatorischen Frage, ob wir nun nicht alle umdenken müssen.
Am 19. Juni 2007 um 10:26 Uhr
So langsam scheint die Tagesschau sich auf das Niveau ihrer privaten Konkurrenten begeben zu wollen.
Sicherlich darf ein solcher Unfall nicht fehlen in der Berichterstattung. Auch 13 Tote kommen nunmal nicht täglich vor… moment. Afrika? Irak? Afghanistan? Um nur mal ein paar zu nennen.
Wo bitte ist da denn die Relation, wenn ein gewöhnlicher Verkehrsunfall mit ein paar Toten wichtiger wird, als das fortwährende Sterben ganzer Bevölkerungsgruppen?
Ok, an sich ein Bericht wäre in Ordnung. Aber scheinbar kam auch der nur wegen den Toten - und damit verliert die TS wieder an Niveau…
Am 19. Juni 2007 um 10:45 Uhr
Also crank, das meinst Du nicht ernst, oder? Es macht sicher einen Unterschied, ob vor unserer Haustür Menschen durch einen Unfall sterben oder ob sich der elftausendste Selbstmordattentäter in [hier bitte ein Land Deiner Wahl einsetzen] in die Luft sprengt. Sicher sind beides schlimme Ereignisse, die am Besten gar nicht passieren dürfen. Aber Irak, Afghanistan oder andere zur Top-Meldung zu machen, würde wohl auch nicht passen.
Ich finde die Entscheidung der Tagesschau, über den Unfall zu berichten, völlig richtig. Sich an dem Blogeintrag des Kollegen Hinrichs hochzuschaukeln, finde ich etwas übertrieben. Ich glaube, er wollte nur die Hintergründe erläutern, wie es dazu kommt, dass solch ein Unfall zur Top-Meldung wird und dass es logischerweise hektisch zugeht in solch einer Situation. Ist es nicht dieser Blick “behind the scenes”, den wir durch solch ein Blog haben wollen? Mit Selbstverherrlichung hat das nichts zu tun. Das könnte man, wenn man wollte, auf das gesamte Blog übertragen.
Am 19. Juni 2007 um 11:07 Uhr
@ Daniel Große: Eine Beschreibung dessen, was “behind the scenes” abläuft, geht auch ohne den selbstbeweihräuchernden Tonfall, der hier vorherrscht.
Am 19. Juni 2007 um 11:11 Uhr
Mit einer Überdosis Adrenalin auf Boulevard-Trip - ist ein trauriger, gleichwohl gewöhnlicher Busunfall mit 13 Toten für die ARD jetzt die höchste Stufe der Nachrichten-Relevanz?
http://www.axel-springer-akade...../#more-361
Am 19. Juni 2007 um 11:49 Uhr
Hallo tagesschau!
Ich finde ihre Sendung super und ein Blog, dass einen so gut hinter die Kulissen blicken lässt findet man in der deutschen Medienlandschaft sonst nicht. Die schreckliche Meldung über das Reisebusunglück hat wohl alle geschockt. Trotzdem frage ich mich, wieso dazu ein Brennpunkt nötig ist? Folgt man damit nicht nur dem schlechten Beispiel anderer Sender nach massenmedialen Voyeurismus?
Ich begrüße eine Antwort.
Am 19. Juni 2007 um 12:11 Uhr
Witzig. Ich bin durch die Grimme-Verleihung und das Titanic-Magazin auf diesen Blog aufmerksam geworden.
Aber wofür haben Sie den Preis bekommen? Weil Sie das einzige Format sind, dass die Nachricht hinter der Nachricht zeigt oder sowas?
Herr Hinrichs, kennen Sie zufällig das TV-Format Galileo-Mystery? Sehen Sie da Vergleichsmomente zu Ihrem Format hier, so wie ich?
Grüße
Christoph Merkelbach
PS: Wenn schon reißerisch, dann auch richtig - so mit Koks auf der Redaktionstoilette und so, halt wie es wirklich abgeht in der “Medienbranche”
Am 19. Juni 2007 um 12:22 Uhr
Das Statistische Bundesamt schreibt, dass 2006 5091 Menschen an Verkehrsunfällen gestorben sind. Das sind im Schnitt mehr als 14 Tote pro Tag!
Daher schließe ich mich der Meinung der meisten anderen Kommentare hier an, dass eine solch große Berichterstattung über 13 Tote wirklich nicht angebracht war und höchstens als Sensationslust angesehen werden kann. Auch die 31 verletzten sind angesichts von über 1000 Verkehrsverletzungen pro Tag nicht weiter relevant.
Ich habe gestern die Meldung über den Unfall auf tagesschau.de wohlwissentlich lange ignoriert. Irgendwann gegen Abend habe ich dann den Teaser zu den Tagesthemen gesehen in dem der Unfall als Hauptthema angekündigt und auch der Brennpunkt erwähnt wurde. Ich dachte dann, dass vielleicht mehr dahinter stecken könnte. Ich las den Artikel. Es steckte nichts dahinter. Ich hätte ihn nicht lesen brauchen.
Bitte verschonen Sie uns in Zukunft mit solch reißerischen aber doch unwichtigen Meldungen, es gibt sicher wichtigeres worüber es sich zu berichten lohnt - noch hat das Sommerloch schließlich nicht angefangen.
Am 19. Juni 2007 um 12:32 Uhr
Mir ist nur aufgefallen, dass in den Tagesthemen der Unfall die erste und die Befreiung von 31 Kindern aus den Händen eines britischen Kinderpornorings die letzte Meldung war. Hier gilt leider wieder ‘only bad news are good news’. Schade.
Am 19. Juni 2007 um 13:04 Uhr
Beim Brennpunkt ging es wohl um Quote und nicht um Information. Leider verliert die ARD momentan ihre Stellung als politische und gesellschaftliche Instanz. Ganz davon abgesehen, dass gerade 100Mio € unserer GEZ gebühren für die Fussball EM draufgegangen sind. Dann lieber mit Werbung.
Am 19. Juni 2007 um 13:13 Uhr
Bitte doch die ritualiserte Berichterstattung nach solchen Unfällen nicht immer und immer gebetsmühlenartig wiederholen. Warum ein “Brennpunkt”? Reicht nicht die schlichte Information? Warum ein solcher Hype ob eines zwar schlimmen aber durchaus in Relation zu den Verkehrsopfern auf unseren Strassen zu setzendes Ereignis? Welche Art von “Information” ausser einer Schilderung des Unfallhergangs und der Zahl der Toten und Schwerverletzten ist wirklich relevant? Und welche Art von Information belässt man besser dort, wo sie hingehört: In den privaten Raum der Angehörigen und/oder Verletzten.
Nach jedem Busunglück, Flugzeugabsturz und/oder Terroranschlag gibt es sofort den Ruf nach strengeren Gesetzen und/oder einem “Umdenken”. Und danach setzen sich die gleichen Redakteure, die dieses Umdenken fordern, in ihre Autos und fahren nach Hause oder jetten für den Sender um die Welt.
Bitte nicht in diesen Alarmismus verfallen.
Am 19. Juni 2007 um 13:40 Uhr
Bin grade zum ersten mal auf dieses Blog gestoßen, weil heise.de über den “äußerst professionellen” Grimme Online Award berichtete und dieses Blog als einen Gewinner nannte.
Bei diesem Posting wird auch sofort klar warum…
Peinlicher geht’s kaum noch…
Am 19. Juni 2007 um 13:46 Uhr
“Soviel Kompetenz und Erfahrung gibt es sonst nirgends in unserem Geschäft.”
Peinlich, peinlich, von Kompetenz und Erfahrung da zu sprechen, wo zumindest Kompetenz, so sie denn mit Qualität noch zu tun haben soll, sich so augenfällig verabschiedet hat. Auch die ARD setzt nun Emotion an die Stelle von Information. Es wäre nicht so erschreckend, wenn es noch seriöse Alternativen geben würde …
Am 19. Juni 2007 um 13:52 Uhr
Die Überschrift ist entweder ein Versehen oder geschmacklos. Jedenfalls peinlich. Es war übrigens der erste und vielleicht auch letzte TS-Blog, den ich lese.
Am 19. Juni 2007 um 13:56 Uhr
Ein Unfall wie gestern auf der A 14 passiert in Deutschland gefühlte fünf Mal pro Tag: Stauende, einer schafft es noch rechtzeitig mit dem Bremsen, der nächste nicht mehr. In diesem Fall war das Ausmaß der Opfer zwar größer, als wenn statt BUS/LKW “nur” z.B. LKW/LKW aufeinander geprallt wären. Warum also der ARD-Brennpunkt? Verständnislose Grüße
Am 19. Juni 2007 um 14:05 Uhr
Danke Nick, sprichst mir aus der Seele.
Da kommt man von tagesschau.de hier hin, weil dort groß der Grimme-Preis gefeiert wird und bekommt dann solche Kost vorgesetzt.
Erschreckend !
Am 19. Juni 2007 um 14:16 Uhr
Brennpunkt ohne Fokus…
Gestern abend habe ich zufällig nach der Tagesschau den Brennpunkt zum Busunglück in Sachsen-Anhalt gesehen (Den Beitrag gibt es auch online). Richtigerweise wurde das Thema in der eigentlichen Tageschau Sendung an erster Stelle behandelt. Es…
Am 19. Juni 2007 um 14:21 Uhr
“Sachlich, fundiert, zuverlässig.”
Sollte ich das von der Tagesschau nicht als selbstverständlich erwarten können?
Am 19. Juni 2007 um 14:35 Uhr
Der Brennpunkt anschließend an die Tagesschau war unter aller Kanone. Der Außenreporter war vollkommen überfordert, dieser Betroffenheitstonfall furchtbar. Weitere Informationen wurden auch nicht wirklich vermittelt.
Am 19. Juni 2007 um 15:03 Uhr
Zustimmung zu Eintrag Nr. 7 von
Jörg Stratmann
heute um 12:32 Uhr
auch MIR ist nur aufgefallen, dass in den Tagesthemen der Unfall die erste und die Befreiung von 31 Kindern aus den Händen eines britischen Kinderpornorings die letzte Meldung war. Hier gilt leider wieder ‘only bad news are good news’. Schade. - Denn es kann nicht oft und ausführlich genug über erfolgreiches Engagement gegen Pädokriminelle berichtet werden!! Also beim nächsten Mal bitte zumindest ein Blogbeitrag zu dem Thema -denn ein Award bringt genügend Aufmerksamkeit, um dieser Thematik mehr Beachtung zu widmen (vgl. http://www.magnusbeckerblog.de.....rschlagen/ ).
Am 19. Juni 2007 um 15:12 Uhr
@Fritz Niemann, Carl-Otto Danz, Wilhelmine, etc.
Ja, da habe ich gestern wohl einen Bock geschossen! Die Überschrift meines Blogeintrags ist wirklich nicht gelungen, da gibt es nichts zu deuteln. In der tagesschau wäre das nicht durchgegangen, und es ist auch keine Entschuldigung, dass es ein harter Tag war und ich erst nachts um ein Uhr zum Schreiben gekommen bin. Ganz konkret wollte ich beschreiben, wie es gelingen muss, auch bei schwierigsten Themen journalistisch sauber zu arbeiten. Ich habe mich dabei nur auf die 17 Uhr tagesschau bezogen, weil da die Produktionsbedingungen aussergewöhnlich waren. Das sollte ein Blick hinter die Kulissen sein. Und wir schreiben ja auch häufiger, wenn etwas nicht gelingt. Insofern kann ich nicht nachvollziehen, warum es ungehörig sein sollte, das journalistische Agieren unserer CvDs zu beschreiben, wenn es gelingt.
Die Brennpunkt-Entscheidung haben wir von ARD-aktuell nicht getroffen, halten sie aber für richtig.Die Gestaltung der Sendung Brennpunkt liegt nie bei ARD-aktuell, das machen die jeweils ansässigen Landesrundfunkanstalten.
Schließlich, um auch den letzten Vorwurf aufzunehmen: natürlich ist es nach allen geltenden journalistischen Kriterien ein Unterschied, wo sich ein Unglück dieser Art und dieses Ausmaßes ereignet. Emotionalität ist kein Kriterium, dass wir von ARD-aktuell vordringlich gewichten, ganz im Gegenteil. Dieser Vorwurf ist uns nun wirklich nicht zu machen. Im Umkehrschluss aber zu denken, ein Thema sei nicht zu behandeln, weil es tief bewegend ist, ist in der geäußerten Grundsätzlichkeit schlicht und einfach falsch.
Am 19. Juni 2007 um 15:24 Uhr
Ich kann mich dem Grundtenor der Kommentare so gar nicht übereinstimmen - offenbar haben sich knapp fünf Millionen Menschen für den Brennpunkt gestern abend interessiert. Es kann doch nicht sein, dass jedes Thema abseits von Politik und Wirtschaft stiefmütterlich behandelt werden sollte, selbst wenn es definitiv relevant ist und Aufmerksamkeit in allen gesellschaftlichen Schichten in Deutschland auf sich zieht.
Man kann bei vielen Themen geteilter Meinung sein, ob sie einen Brennpunkt rechtfertigen - es gab auch schon Situationen, in denen er fehlte, obwohl er journalistisch durchaus wünschenswert gewesen wäre. Unglücke größeren Ausmaßes in Deutschland zu einer reinen Angelegenheit der Privatsender zu machen, wäre falsch, denn die Qualität der Berichterstattung ist dort häufig geringer. Das kann man m.E. der gestrigen Sendung nicht vorwerfen - sie war handwerklich gut gemacht, hatte einwandfreie Live-Aufsager und war mit zehnminütiger Dauer auch nicht übertrieben lang. Wenn ich da z.T. an die holprigen, mit technischen Pannen übersähten Sendungen einiger ARD-Anstalten in der Vergangenheit denke, muss man dem MDR eine gute Arbeit attestieren.
Im Übrigen: Die Schnelligkeit und Flexibilität in der tagesschau-Ausgabe um 17 Uhr (um die es in dem Blog-Eintrag von Herrn Hinrichs ja hauptsächlich ging) war vorbildlich - das war ja auch schon mal anders, vgl. 11.September.
Am 19. Juni 2007 um 15:47 Uhr
@30
Mein Problem ist auch nicht die Berichterstattung an sich.
Die halte ich für seriös und auch zulässig,
nur die Überschrift hier im Blog :
“Höchste Anspannung bei 13 Toten”
Also diese Überschrift …
Vielleicht kommt im Winter ja der Blog Eintrag
“Lockeres Abhängen bei 12 Beinbrüchen”
Darauf hofft und wartet ziemlich pietätlos
W.
Am 19. Juni 2007 um 15:51 Uhr
Auftrag erfüllt. So endet ihr Beitrag, Herr Hinrichs. Und man möchte sagen: “Genau”. Mehr war es nicht. Kein Grund für ein solches Eigenlob-Pamphlet. Dass die Tagesschau sachlich, fundiert und zuverlässig berichtet, erwarte ich für meine Fernsehgebühren einfach. Und ihre gutbezahlten Kollegen sind auch nicht die einzigen, die in ihrem Beruf ganz kurzfristige Entscheidungen treffen müssen. Das klingt nach Wichtigtuerei. Und was soll das für eine Rolle spielen, wie viele Jahre Berufserfahrung da rumsitzen? Dass diese Berufserfahrung nicht vor bösen Patzern bei Überschriften schützt, zeigt ihr Beitrag.
Die Entscheidung, über diesen Unfall so umfassend zu berichten halt ich für durchaus richtig. Aber warum machen Sie im Nachhinein aus diesem schrecklichen Schicksal eine Werbeveranstaltung für sich selber?
Am 19. Juni 2007 um 15:52 Uhr
Mir gefällt dieser Blog, weil er eine Möglichkeit zum Kontakt mit Deutschlands wichtigster Nachrichtenredaktion ist.
Mir gefällt dieser Blog, auch wenn die Redakteure der wichtigsten deutschen Nachrichtenredaktion sich darin mal sprachlich vergaloppieren. Kann schließlich jedem passieren.
Mir gefällt dieser Blog aber vor allem wegen der Kommentare, die erfrischend direkt sind und wunderbar zeigen, was Leser/Zuschauer vom Journalismus erwarten - mit Recht erwarten!
Am 19. Juni 2007 um 17:10 Uhr
Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer.
Am 19. Juni 2007 um 18:27 Uhr
Ich schließe mich den meisten Schreibern an, obwohl ich die Tagesschau nur am Rande mitbekommen habe und mir den Brennpunkt erspart habe, der mir für solch ein Thema unverständlich ist. Ich finde dieses Forum allerdings ganz toll, denn ich wollte schon öfter meinen Ärger bekunden, wusste jedoch nicht wie. Die Gebühren hätte ich für manch einen Mist auch schon nicht mehr bezahlt, doch darauf besteht meine Frau. Am schlimmsten finde ich immer die Einblendungen aus dem Bundestag, bei denen Politiker Worthülsen von sich geben.
Am 19. Juni 2007 um 19:21 Uhr
Ich habe mich - gerade als Leser dieses Blogs - sehr gewundert, dass in der 20.00-TS über den Busunfall berichtet wurde, jedenfalls in dieser Ausfährlichkeit. Hieß es nicht mal, in der TS werden nur allgemein relevante Themen behandelt? Einzelfälle passten nicht in das TS-Profil?
Gut, ein ausführlicher Bericht in der 17.00-Sendung ist vertretbar, diese Aktualität erhöht den Nachrichtenwert. Aber in der 20.00? Reicht nicht eine simple Meldung?
Kleinigkeiten, Dramatik und Emotionalismus, Wiederholungen, Werbung für den landwirtschaftlichen Verein… Das war kein Glanzstück.
Am 19. Juni 2007 um 21:38 Uhr
Ich schließe mich der Meinung der meisten meiner Vorschreiber an: Zwar war der Busunfall sicherlich traurig und tragisch, aber ich frage mich doch, wo beim ihm die gesellschaftliche Relevanz zu finden ist, die eine solch breite Erörterung begründen könnte: In diesem Blog wird doch immer wieder betont, wie stolz man bei der Tagesschau darauf ist, über Einzelfälle nicht zu berichten und nur gesamtgesellschaftlich wichtige Themen zu bringen. Und man muss ganz klar sagen, dass dieser Unfall, so tragisch er auch war, ein Einzelfall war. Eine ähnliche Zahl von Toten gibt es jeden Tag im deutschen Straßenverkehr. Es mag ja sein, dass gestern auf der Welt nicht viel passiert ist und ich gestehe Ihnen ja auch zu, Ihre 15 Minuten irgendwie füllen zu müssen, aber dennoch war die breite Berichterstattung über den Unfall in meinen Augen völlig übertrieben. Auch den Brennpunkt dazu finde ich nicht gerechtfertigt. Auch, dass die Tagesschau am Ende der Sendung noch eine halbe Ewigkeit darüber berichtet, wie toll es doch sei, dass sie sich die Übertragungsrechte für die Fußball-Europameisterschaft 2008 gesichert hat (vollkommen einseitig und kritische Stimmen völlig ausblendent), finde ich eine Unverschämtheit. Diese ewige Selbstbeweihräucherung ist es auch, was mich an diesem Blog stört. Ich mag eigentlich sehr gerne, weil es interessante Einblicke hinter die Kulissen liefert und und man eine Ahnung vom Geschäft Ihrer Redaktion bekommt, aber dieses penetrante Eigenlob, was ich jedem zweiten Eintrag steckt, stinkt zum Himmel.
Am 19. Juni 2007 um 21:57 Uhr
Ich komme gerade aus den USA, wo CNN Domestic das ganze Wochenende “This Week at War” gesendet hat, mit eingestreuten Grüßen gesponsort vom US-Militär an die Väter anlässlich des dortigen Vatertags. Unterbrochen wurde die unreflektierte breiige Mediensoße durch dauernde Medikamenten-Werbung alle 5 Minuten.
Der Blog-Eintrag von Thomas Hinrichs zeugt von einem hektischen Tag, die Schlagzeile qualifiziert sich für den Hohlspiegel, aber der eigentliche Punkt war doch wohl auch (s)ein Lob an das TS-Team, das in einer angespanten Situation offenbar (ich habe die Sendung nicht gesehen) gute Arbeit geleistet hat. Dass das eine Selbstverständlichkeit war, hat niemand bestritten. Bei aller inhaltlich berechtigten Kritik (auch am Brennpunkt), lasst uns doch nicht immer alles zerreden und uns froh sein, dass des ARD-Aktuell gibt und dass die Chefredaktion die Arbeit der Leute auch mal lobt. Das ist keinesfalls deplatziert in einem Blog und die Sender-Alternativen (besonders international) sind oftmals nicht wirklich besser.
Am 19. Juni 2007 um 23:15 Uhr
Vieles was ich hier bisher gelesen habe, ist eine Milchmädchenrechnung.
Berichtet die TS nicht über das Busunglück, so fühlen sich viele Menschen nicht genügend informiert, macht sie es doch, so heißt es gleich: Sensationsjournalismus. Berichten ja, aber die Kamera vielleicht zwei Meter weiter weg von den Leichen positionieren, als es die Privaten tun.
Im Irak sterben täglich Menschen und die TS berichtet auch fast täglich darüber, ausserdem haben innerdeutsche Themen einen anderen Stellenwert. Und wenn das schwerste Busunglück seit 15 Jahren passiert, so ist eine Berichterstattung vom Ort des Geschehens, der Trauerfeier und Hintergründen zum Unfall eine Selbstverständlichkeit.
Fragen wir Zuschauer uns doch mal selbst…wie weit sind wir abgestumpft ? Was möchten wir sehen ? Warum gibt es bei Unfällen so viele Schaulustige ? Was denken wir, wenn wir ein Blaulicht sehen und ein Martinshorn hören ?
Ich bin gegen den Sensationsjournalismus und dagegen, dass sich einige Autoren in diesem Blog etwas vormachen.
Am 19. Juni 2007 um 23:17 Uhr
Ich bin neu hier und halte diesen Beitrag für den fragwürdigsten in diesem Blog seit dem 8.6. - so weit reicht die History meines Feedreaders. Meine Gründe finden sich auch in den anderen Kommentaren - was soll diese pseudofachsprachliche Berichterstattung mit Selbstbeweihräucherungstendenz? Schon ohne Kenntnis dieses Blogs hatte ich gedacht, dass die Tagesschauredaktion ihren Job versteht.
Von dem Rest war ich eigentlich sehr angetan - er berichtet von dem, was ich in journalistischen Meldungen allzu oft vermisse.
Am Heitersten finde ich gerade einen Satz in den Kommentarrichtlinien: “…sind wir gezwungen, Einträge nur nach vorheriger Kontrolle durch die Redaktion zu gestatten.” Da beißt sich was: Wie kann man gezwungen sein, etwas zu gestatten? Das macht ja wohl jede Prüfung überflüssig.
Am 20. Juni 2007 um 12:32 Uhr
Zum einen haben wohl die meisten, die auf den Artikel geantwortet haben, nicht die Kategorie “ARD-aktuell Chefredaktion” des Beitrags gelesen. Es geht also wie schon ein vorheriger Beitrag erwähnte um “behind the scenes” in dem Artikel und weniger um das Bus-Unglück, das in diesem Fall auch ein Aufhänger ist, um den Ablauf in der Redaktion an diesem Tag auf zu zeigen.
Aber auch ich hätte eher einen etwas nüchternen Blog-Beitrag der Redaktion erwartet anstelle eines kleinen “Helden-Epos”.
Nun ist es aber wohl jedem klar, dass Nachrichtensendungen wie auch Zeitungen mit einem reißenden Aufmacher beginnen müssen oder wollen, um ihre Quote bzw. Absätze zu erreichen. Aber das Szenario hätte ich nicht in dieser Weise dargestellt, auch wenn in solchen Situationen sehr kurzfristige Entscheidungen getroffen werden, die auf fachlicher Kompetenz und Erfahrung beruhen sollten.
Aber ich hoffe, dass die Tagesschau-Redaktion weiter an Qualität festhält und nicht auf das Leitmotiv “Quote, Quote, Quote” umsattelt.
Wer diese Art einer Informationssendung sucht, wird schon bei den privaten Sendern fündig, allen voran bei einem Privatsender mit einer 2 am Ende.
Am 20. Juni 2007 um 20:20 Uhr
Ich finde es erstaunlich, dass in den Nachrichten auf den Unfallhergang orientiert wird. Solche Unfälle sind doch Standard auf den Autobahnen, damit muss man rechnen. Insofern ist der Verweis auf den Eibau von Abstandswarnsystemen schon richtig, doch hier haben Konstruktionsmängel am Bus zum Tod der Insassen geführt! Das Dach hat die komplette Last des Fahrzeugs nicht halten können, das aber wäre Voraussetzung gewesen, das Leben der Insassen zu schützen! Der Bus muss im Dachbereich besonders leicht sein, um bei der enormen Höhe noch einigermaßen gut manövrierbar zu sein. Eine Konstruktion, die leicht und stabil zugleich ist, kann nur durch spezielle Materialien, die auch sehr teuer sind, bewerkstelligt werden. Diese hohen Kosten scheuen die Hersteller. Sie investieren lieber in ESP, ABS usw., das ist deutlich billiger und liest sich in den Werbeprospekten der Hersteller ganz fantastisch! Welcher Busunternehmer wäre auch bereit, für ein richtig stabiles Busdach einen deutlich höheren Preis zu bezahlen? Aber welchen Nutzen haben diese “Hightech-Pappen” für die reisende Gesellschaft? Selbst wenn das Ding auf technischem Stand ist: Der Tod fährt immer mit!
Am 21. Juni 2007 um 20:47 Uhr
@Thomas Hinrichs: Keinen Bock geschossen. Ganz im Gegenteil, ich finde es gut, daß Sie das Wort Blogging ernst genommen und in diesem Beitrag ihre persönliche Sichtweise des Geschehens offen und ehrlich geschildert haben, statt einen für den typischen Fernseh- und Zeitungsleser mund- und magengerecht gemachten Medien-Einheitsbrei abzuliefern. Insofern sind die Reaktionen auf Ihren Eintrag aber auch nur allzu logisch - ich hoffe Sie lassen sich dadurch nicht beirren und werden auch weiterhin gelegentlich einen Blich hinter die beruflichen und seelischen Kulissen eines Reporters ermöglichen…
Am 22. Juni 2007 um 10:33 Uhr
Es ist tragisch, dass in den letzten paar Tagen so viele Unschuldige Menschen ihr Leben bei diesen Busunfällen verloren haben.
Aber es ist schon immer wieder erstaunlich, wie blöd die Menschen, die von unseren Steuergeldern finanziert werden, reagieren.
Nein, man kann nicht fordern, dass ältere Autofahrer den Führerschein abgeben müssen. Gabs da nicht mal so ein Recht auf Selbstbestimmung?
Oder am Beispiel des Unglücks des Transrapids im Emsland. (23 Tote glaube ich) Da wurden sofort Stimmen aus der Regierung laut, diese Technologie zu verbieten. In diesem Sinne:
Verbietet doch einfach den LKW-Verkehr, dann werden solche Unfälle viel seltener!!!