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09.02.2010

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Teurer Absturz

26. September 2008, 12:11 Uhr - von Christian Thiels

Nun ist es also raus. Der Erstflug für den Militärtransporter Airbus A400M ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Damit ist offiziell, was Experten schon seit Monaten ahnen: Das Prestige-Projekt entwickelt sich zum Rüstungsdesaster. Und wer zahlt die Zeche? Na klar!

Der Steuerzahler und die Soldaten. Das wundert inzwischen kaum noch. Als sich die Bundesrepublik unter Rot-Grün und dem SPD-Verteidigungsminister Struck und Kanzler Schröder 2003 entschied, statt der fertig entwickelten und (im Gegensatz zum Airbus) bereits fliegenden Antonov-An70 oder der Boeing C-17 auf eine komplette Neuentwicklung zu setzen, warnten auch Militärs vor diesem Wagnis. Im “Bericht aus Berlin” haben wir mehrfach über den Airbus-Albtraum berichtet.

Airbus hatte keine Erfahrung mit dem Bau von militärischen Transportflugzeugen, aber der Politik ging es um Prestige und Wirtschaftsförderung - für eine Firma, die sich auch sonst nicht wirklich über mangelnde staatliche Unterstützung beschweren kann.

Nun also wird die Bundeswehr ein dringend benötigtes Flugzeug auf absehbare Zeit nicht bekommen und dafür ihre betagten Transall-Flieger mühsam und für viel Geld (der Steuerzahler) länger am Leben erhalten müssen. Wer jetzt anmerkt, dass man doch gleich auf das milliardenschwere Rüstungsprojekt A400M verzichten könne, dem sei gesagt, dass Transportflugzeuge der Bundeswehr sehr häufig auch für humanitäre Missionen eingesetzt werden (etwa bei der Erdbebenhilfe in Pakistan), sie also unabhängig von militärischen Einsätzen in Afghanistan oder sonstwo durchaus sinnvolle zivile Aufgaben wahrnehmen - im Gegensatz zu deutlich umstritteneren rein militärisch einsetzbaren Maschinen wie dem Eurofighter.

Auch der stammt aus dem Airbus-Mutterkonzern EADS und wurde um ein Vielfaches teurer als geplant. Zur Ergänzung sei noch erwähnt, dass die Bundeswehr schon lange auf Transporthubschrauber des Typs NH-90 wartet und der (ebenfalls verspätete) Kampfhubschrauber Tiger in der aktuellen Version nicht mal schießen kann. Übrigens alles Spitzenprodukte aus dem Hause EADS.

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16 Reaktionen zu “Teurer Absturz”

  1. 1: unwichtig

    Angesichts dieser wiederholten fehlschläge frage ich mich ernsthaft, wieso die EADS immer wieder die Aufträge bekommt.

    Gleichzeitig werden von Seiten der Politik militärische und humanitäre Missionen in aller Herren Länder gefordert … mit welchem Material diese dann erfüllt werden sollen ist offenbar zweitrangig - wichtig ist das politische Statement was tun zu wollen.

  2. 2: Part 2: Was sind Blogs? - Ein Definitionsversuch « Ge | dan | ken | so | lo

    [...] Tagesschau Blog [...]

  3. 3: Andy

    Ich hasse es! Da wird aus kaum nachvollziehbaren Prestigegründen auf einen EADS Eigenentwicklung gesetzt, statt den wesentlich günstigeren (und leistungsfähigeren) AN70 hier in Deutschland in Lizenz zu fertigen.

    Man möchte brechen…

  4. 4: Frank Schönemann

    Für humanitäre Hilfs- oder für einen Militäreinsatz gebaut?

    Der Traum ist es, dass man künftig nur noch in ein, ja leider gibt es das, Katastrophengebiet und nicht in ein Kriegsgebiet fliegt.

  5. 5: Simon

    In der militärischen (und auch zivilen) Luftfahrt gibt es (fast) keine Großprojekte, die zeit- und kostenkonform abgeschlossen werden.

    Was aber weniger an der Unfähigkeit von EADS oder sonstwem liegt, sondern daran, dass der Kunde während der Entwicklung dauernd seine Wünsche ändert.

    @1:
    Was daran liegen könnte, dass EADS der einzige Rüstungshersteller ist, der u.A. in Deutschland militärische Flugzeuge entwickelt und herstellt.

  6. 6: Familienvater

    Verbieten Sie bitte den Politikern irgendwelche Nebentätigkeiten.

    Die Gier, der Verlusst an Realität und das finanzielle Ausmergeln der gesamten Erdbevölkerung zum Wohle einer verschwindend kleinen Gruppe von Menschen -muss- aufhören.

    Fragen Sie sich bitte, wer etwas davon hat, wenn viele Menschen etwas geben müssen, z.B. ihr Leben.
    Fragen Sie sich bitte weiter, wem Privatisierungen einen Nutzen bringen, und wem einen Schaden.

    Ich habe resigniert.
    Kein Vertrauen in meine Staatsführung.
    Kein Vertrauen in die Rente.
    Kein Vertrauen mehr, irgendwo einen “ehrbaren” Geschäftsmann zu treffen, was zählt ist die Marge, nicht die Qualität.

    Wir müssen etwas ändern.
    Fangen wir doch damit an, wieder etwas mehr deutsch zu sein.
    Anständig zu sein, Vernunft vor Profit zu setzten und endlich wieder an einem guten Ruf des “made in germany” zu arbeiten.

    Politiker dürfen nicht nebenbei arbeiten, denn ansonsten sind die Herren und Damen befangen.

    Kein Vertrauen mehr in die Staatsführung, wir werden alle nur benutzt und dumm gemacht, so dumm, das wir es nichtmal geschafft haben, diese lächerliche Rechtschreibreform zu unterbinden oder aus der Sommerzeit wieder auszusteigen.

    Wir bringen nichts Wirkliches mehr. Kein “made in germany” mehr möglich.

    … und nun sollen wir den Topf wiedermal auslöffeln ? Sind diese Herren in ihren Oberstuben noch klar ? Wie kann man gesellschaftlich besser gestellt sein, wenn man möglichst viel Geld zusammen kreditiert hat !?… das ist nicht deutsch, das ist erbärmlich.

  7. 7: Wolfgang

    “Fangen wir doch damit an, wieder etwas mehr deutsch zu sein.”

    Na ja, ob das die Lösung ist? Zu Zeiten, als wir alle richtig deutsch waren (so ca. 60 Jahre her), war es aber mit den Rüstungsausgaben und dem Vertrauen in die Regierung auch nicht viel besser bestellt.

    Eigentlich muß sich auch jeder Pazifist darüber freuen, daß solche Aufträge aus dem Ruder laufen und verspätet, überhaupt nicht und sowieso immer überteuert erfüllt werden. Friedensdemos haben noch keinen Militärapparat besiegt, sinnlose Totrüstung aber schon einige (auch wenn man mit dem Geld wirklich sinnvolleres tun könnte, aber man muß ja auch mal die langfristigen Vorteile sehen). Aktuelles Beispiel…die USA. Wenn die Pech haben, dann ist das durch den Irak-Krieg bedingte Rekorddefizit, die explodierten Ausgaben für die Heimatverteidigung nach 9/11 zusammen mit der Finanzkrise der Anfang vom Ende der Supermacht. Russland kann sich freuen.

    Für alle, die sich fragen, warum EADS die Aufräge bekommt, obwohl es die Antonov-AN70 und Boeing C-17 gibt, folgende Denkanregung: Könnte es nicht sein, daß Europa tatsächlich unbemerkt von vielen auf dem Weg zu einer eigenen, gemeinsamen Militärstreitmacht ist? So ähnlich, wie man sich im Zweifelsfall nicht auf das amerikanische GPS verlassen will, und deshalb eigene Satelliten zur Positionsbestimmung in den Orbit schießen will, so wenig sinnvoll ist es, wenn man langfristig vielleicht von den Amerikanern und Russen unabhängig sein will, deren Fabrikate zu kaufen. Und deutsche Militärprodukte sind zwar ewig teuer, aber wie an den neuen U-Booten zu sehen, durchaus Weltmarktführer, was bestimmte Technologien betrifft. Nun ja, insofern wär es eben sinnvoll nur bei EADS einzukaufen, da bleibt das Geld nämlich im eigenen Wirtschaftsraum.

  8. 8: Simon

    “Eigentlich muß sich auch jeder Pazifist darüber freuen, daß solche Aufträge aus dem Ruder laufen und verspätet, überhaupt nicht und sowieso immer überteuert erfüllt werden.”

    Rüstungskonzerne sind die größten Pazifisten, die es gibt. Keiner wandelt soviel gefährliches Rüstungsgeld in harmloses Papier und nicht funktionierende Projekte um ;)

    @6: NPD-AgitProp?

  9. 9: Nikolas Trenner

    Also von den “Nachrichten hinter den Nachrichten” ist hier weit und breit nichts zu sehen Herr Thiels.

    Außer der persönlich Einstellung dass Sie es eher (und vorher!) schon besser gewusst haben kann ich aus Ihren Zeilen nichts herauslesen.

    Haben Sie mal einen Artikel zum Thema verfasst oder sind Sie denn erst seit heute der Rüstungsexperte? Anders kann ich mir Ihre polemischen Zeilen nicht erklären.

  10. 10: ArnoNym

    @9: Ärgerlich, das ihre EADS Aktien sinken?

  11. 11: Christian Thiels

    @9
    Lieber Herr Trenner,
    besten Dank für Ihren völlig unpolemischen Kommentar. Wie Sie ja bereits in meinem Beitrag lesen können, haben wir bereits mehrfach über das Thema A400M berichtet. Vielleicht hilft Ihnen das bei der Erklärung meiner Zeilen.

  12. 12: bambergforever

    Sehr geehrter Herr Thiels,

    ich verstehe ihren Unmut nicht. Ich selber finde es gut, dass man eher auf eine komplette Neuentwicklung eines Airbusflugzeug setzt, anstatt einen bereits fertigen Boeing- bzw. Antonovflieger setzt.

    Wenn man schon Geld des deutschen Steuerzahlers nimmt, dann sollte man dies auch wieder der deutschen Wirtschaft zurückgeben, wovon auch wieder der Steuerzahler was hat.

    Insgesamt wurden meines wissen ca. 190 Flugzeuge diesen Typs von Airbus geordert, darunter 60 von Deutschland, 50 von Frankreich und je 25 von Spanien und Großbritanien (hab die Zahlen jetzt nicht extra nachgeschaut, jedoch glaub ich dies noch so im Hinterkopf zu haben, die Bestellungen waren ja schon ungefähr 2003).

    Also exakt die 4 Länder haben die meisten Flugzeuge geordert, wo auch selber die Montagewerke von Airbus stehen. Somit sichern sie u. a. ein Teil der 57000 Mitarbeiter die Arbeitsplätze und unterstützen nicht selber die ausländische Wirtschaft mit unserem Geld.

    Ich bin auch dafür, dass die deutsche Polizei nur mit deutschen Automarken rumfährt und nicht wie erst gesehen, teilweise schon mit Japanische Autos rumfahren. Auch habe ich selber nicht verstanden, wieso sich das US-Pentagon gegen Boeing bei den US-Tankflugzeugen entschieden hat. Als Staat sollte man doch schauen, dass seine eigene Wirtschaft gut läuft und nicht die Ausländische unterstützen.

  13. 13: Sven

    Hi Herr Thiels - so gehen die Geschmäcker auseinander, der eine beschwert sich über “Meinung” in einem Blog, ich begrüße es und freue mich, dass/wenn Sie auch weiterhin die ein oder andere Meinung zum besten geben (und wo wäre sowas besser aufgehoben als in einem Blog ;-) ), denn wenn jemand seine subjektive Meinung sagt beweist das: man hat einen Menschen vor sich. Und genau das will ich, wenn ich Blogs lese. Wenn ich “Neutrales” lesen will (wobei zu diskutieren wäre, ob das tatsächlich “neutral” ist oder es überhaupt “Neutralität” gibt) bliebe ich auf den normalen TS-Seiten.

    Kurz: gerade Ihre Beiträge empfinde ich als die erfirischendsten hier im TS-Blog. Bloß nix dran ändern, bitte :-)

  14. 14: Andi

    Lieber Christian,

    ich kann Dir leider nur zustimmen. Aus diversen Auslandsaufenthalten als Journalist in Krisengebieten ist mir die Lage der Bundeswehr mit Ihren Transalls sehr bekannt. Natuerlich koennen diese fliegen und werden instand gehalten. Als die Transall jedoch vor vielen Jahren entwickelt wurde, hat niemand an einen Einsatz zum Beispiel in Afghanistan gedacht. Deshalb sind diese Maschinen auch nicht dafuer konzipiert. Mit den Nachteilen muessen jetzt die Piloten (die scharenweise die Bundeswehr verlassen) und die Soldaten in den Kriseneinsaetzen leben.
    Leider ist der Druck auf die Politik offensichtlich noch nicht gross genug.

    Waehrend andere Nationen noch fliegen duerfen, muessen die Bundeswehrmaschinen oftmals aus diversen Grueden am Boden bleiben. Hier waere die Politik gefragt - es besteht dringender Handlungsbedarf!

    Muesste uns das nicht peinlich gegenueber den anderen Nationen sein?

  15. 15: Christian B.

    Da fällt mir gleich die alte Weisheit der Indianer ein: “Wenn du merkst das du ein totes Pferd reitest…….”

    zu 1: Warum die immer wieder Aufträge erhalten? Diese Frage ist etwas naiv. Man schaue sich einfach mal die Korruptionsaffären dieses Konzerns an. Vielleicht werden auch nur wieder bequeme Betten gebaut für scheidende Abgeordnete und deshalb kommen die Aufträge?Ein Schelm der böses dabei denkt.
    Sicherlich gibt es dadurch neue Arbeitsplätze in Europa das stimmt. Nur sollten gerade unsere Volksvertreter auch immer ein bißchen die Wirtschaftslage im Hinterkopf behalten. Das gerade dies der damaligen SPD schwerfiel dürfte hinlänglich bekannt sein. Dieser Herr Schröder war nicht gut für unser Land. Wir dürfen gespannt sein, um viele Hundert Millionen mal eben überschritten wurde.

  16. 16: Teurer Absturz

    [...] Teurer Absturz Nun ist es also raus. Der Erstflug für den Militärtransporter Airbus A400M ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Damit ist offiziell, was Experten schon seit Monaten ahnen: Das Prestige-Projekt entwickelt sich zum Rüstungsdesaster. Und wer zahlt die Zeche? Na klar! Der Steuerzahler und die Soldaten. Das wundert inzwischen kaum noch. Als sich die Bundesrepublik unter Rot-Grün und dem SPD-Verteidigungsminister […] [...]

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