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ARD-aktuell

26. März 2017

Der Schulz-Effekt

Geradezu euphorisch ist die SPD in den ersten Landtagswahlen des Jahres gegangen. Schließlich hat sie seit Nominierung ihres Spitzenkandidaten Martin Schulz im ARD-Deutschlandtrend in anderen vergleichbaren Umfragen satte zwölf Punkte zugelegt. Warum sollte sich das nicht auch in einen landespolitischen Erfolg im Saarland ummünzen lassen?

Neben den exzellenten Werten von Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer und einem fast Rekordwert für die Arbeit der Landesregierung, fällt vor allem eines auf: Die extrem hohe Zufriedenheit der Saarländer mit ihrer gegenwärtigen Situation. In der Wahltagsbefragung heute haben nach gegenwärtiger Berechnung 85 Prozent der Befragten angegeben, dass sie ihre persönliche wirtschaftliche Lage als gut einschätzen. Gefragt nach der wirtschaftlichen Lage des Saarlandes, geben immerhin 66 Prozent ein gutes Urteil ab (+ 18 gegenüber 2012). Das ist keine Lage, in der man Regierungen abwählt. Und besonders auffällig: Bei dem Thema, auf das die Politik von Martin Schulz im Kern setzt, gehen die Saarländer nicht mit – bei der Gerechtigkeit. Im Gegenteil, bei der Frage, ob es in unserem Land eher gerecht oder ungerecht zugeht, antworten 60 Prozent der Befragten im Saarland mit „gerecht“. Das ist der höchste Wert, den wir bisher vor einer Landtagswahl gemessen haben. Wenn also die Kernthese von Martin Schulz nicht übernommen wird, wenn die Verhältnisse nicht als ungerecht empfunden werden, ist es schwer ein Umfragehoch auch in einen Wahlsieg zu verwandeln.

Trotzdem zeigt auch unsere Vorwahlumfrage aus dem Saarland großen Respekt. Für Martin Schulz: 76 Prozent bewerten positiv, dass er „frischen Wind in die Politik“ bringe. 72 Prozent finden es gut, dass Martin Schulz die „Arbeitsmarktpolitik der SPD korrigieren will“. Und 64 Prozent erkennen dank Martin Schulz wieder „sichtbare Unterschiede zwischen SPD und CDU“. Und damit wird auch deutlich was der Kern des Schulz-Effekts ist: Er hat die zweite große Partei in diesem Land wieder wettbewerbsfähig gemacht und somit gibt es erkennbare Alternative zur Union, das findet eine große Mehrheit der Wählerinnen und Wähler gut – egal für welche Alternative sie sich am Ende entscheidet.

 

 

10 Kommentare

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1: Maria A.:

26. März 2017 um 19:09 Uhr

Der Schulz-Effekt existiert in den eigenen Reihen und unter den Journalisten. Also, da funktioniert er besonders gut, würde ich vermuten. Was mich sogar etwas froh stimmt in diesen tristen Zeiten, denn mir ist dieser Herr Schulz vorrangig aufgrund seiner während seiner Amtszeit in Brüssel gehaltenen Reden suspekt, nicht wegen der bislang verbreiteten Informationen über
sein dortiges Luxus-Leben mit hohen Tagegeld-Sätzen, Chauffeur und Kammerdienern(!)…

2: Klaus Hommel:

26. März 2017 um 19:25 Uhr

Ich kenne die saarländischen Verhältnisse nicht im Detail, aber warum sollte man eine erfolgreiche Ministerpräsidentin abwählen (auch wenn sie garnicht meine politischen Ansichten vertritt). Die Saarlandwahl war doch nach allen Einschätzungen (auch des Deutschlandfunks) sehr von lokalen Themen dominiert und daher spielte die Person der Ministerpräsidentin auch so eine entscheidende Rolle. Großen Respekt für ihre politische Leistung. Ich möchte ihr zu dieser Wahl herzlich gratulieren. Die Saarländer haben allerdings übersehen, dass die letzte Regierung auch eine Koalition mit der SPD war und auch sie Anteil an den Erfolgen hatte. Ich wünsche Frau Kamp-Karrenbauer alles Gute für die kommenden Jahre. Die Bundestagswahl ist damit aber noch lange nicht entschieden. Martin lass’ dich nicht unterkriegen.

3: Rudi:

26. März 2017 um 19:33 Uhr

Sehr spannende Analyse! Mich würde interessieren, inwieweit rot-rote Koalitionsüberlegungen die Wahl zugunsten der CDU verschoben haben.

4: Roland Schmiermund:

26. März 2017 um 19:33 Uhr

Ich sehe eine deutliche Veränderung in Saarland. Solche Prozesse sind nicht immer sofort sichtbar: Das Saarland wählt konservativ und ist wieder zur politischen Mitte zurückgekehrt.

Mit Stimmen für die CDU und der AfD ist der Linksruck im Saarland beendet. Zudem ist nun eine neue Kraft im Landtag, die sich nun behaupten darf: Die AfD.

Es wäre auch denkbar, dass die CDU und AfD koaliert.

5: Constance Tondue:

26. März 2017 um 19:54 Uhr

Betr.: Berliner Runde

Warum wird die AfD nicht eingeladen, immerhin jetzt 4.stärkste Partei im Saarland u.zum 1.Mal dabei?
Sollte die Presse nicht unparteiisch sein ?
Und da wundern Sie sich, daß der Bürger den Medien nichts mehr glaubt ?

6: Kai Weckner:

26. März 2017 um 20:02 Uhr

Ich nehme aus dieser Wahl mit, dass Sie bei den Prognosen weiterhin im Trüben fischen, egal wie klein die Gruppe der Wahlberechtigten auch sein mag.
Mein Vorschlag: Lassen Sie die Prognsen vor dem Wahltag komplett sein. Sparen Sie Geld und: Senken Sie die Rundfunkbeiträge.

7: c4–:

26. März 2017 um 20:20 Uhr

Mir persönlich (und damit gehöre ich wohl nicht zur Mehrheit) gefällt diese Entwicklung gar nicht. Mir war eine etwas rechtere SPD immer sympatisch; jedenfalls sehr viel sympatischer als eine, die bereit ist mit der Linkspartei zu regieren, nicht auszudenken was da für grauenhafte Veränderungen auf das Land zukommen könnten…

8: Sibylle:

26. März 2017 um 20:46 Uhr

Sagen wir’s doch einfach so:
Frau Kramp-Karrenbauer hat für das Saarland einen guten Job gemacht (wie vor Jahren auch und ganz besonders Oskar Lafontaine), ist volkstümlich – auch wichtig – und ihre Mitbewerberin Rehlinger bot keine Alternative.

In NRW sieht’s anders aus: das ist die Heimat vieler entmutigter SPD-Wähler, die seit Jahren nach einem Lichtblick lechzen – da hat die SPD mit den Bundes-Leitfiguren Schulz und Steinmeier jetzt wieder ganz andere Chancen.

Fazit: wenn die Frau K-K den Saarländern gut tut, ist doch alles bestens – freuen wir uns, dass die AfD auf wenig Gegenliebe gestoßen ist.

9: Jürgen Horn:

26. März 2017 um 21:23 Uhr

Die Wahl hat gezeigt: Die Schulz-Hype war eine Blase, die jetzt geplatzt ist. Zu Recht: Die Suggestion, “etwas stimme nicht” in unserem Staat, ein paar inhaltsleere Streicheleinheiten für das Wähler-Ego (“Respekt vor der Lebensleistung”) und sattsam bekannten Umverteilungsphantasien aus der roten Mottenkiste reichen nicht, um der Parteileiche SPD wieder neues Leben einzuhauchen

10: Lorenz Gilxh:

27. März 2017 um 03:01 Uhr

In unserem Blog haben wir schon längst herausgefunden,daß der Schulz-Hype lang verpufft ist:wahlstatistik.blog/2017/03/09/zwi… #annewill @AnneWillTalk

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