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ARD-aktuell

4. September 2016

Struktur der AfD-Wählerschaft

Mit Mecklenburg-Vorpommern zieht die AfD nun in den neunten Landtag ein und die demografische Struktur der Wählerschaft ist von Wahl zu Wahl sehr ähnlich. Infratest dimap hat für die ARD die Wählerschaften der AfD aus den acht Bundesländern, in denen sie bereits in den Landtag eingezogen ist, zusammen gefügt. Insgesamt geht es dabei um rund 1,8 Millionen Stimmen.

Etwa eine Million davon sind Personen, die in der vorangegangen Wahl nicht teilgenommen haben oder kleinere Parteien gewählt haben oder zum ersten Mal wahlberechtigt waren. Über 800.000 Stimmen kommen aber von anderen im Parlament vertretenen Parteien. Den größten Aderlass hat über die acht Länder hinweg die CDU zu verzeichnen – mit 357.000 Wählerinnen und Wählern. Es folgt die SPD mit 187.000 und die Linke mit 114.00. Das ist, gemessen an der Größe der Partei, der proportional größte Verlust. Die Grünen kommen auf 85.000 abgegebene Wähler (vor allem in Baden-Württemberg) und die FDP auf 83.000. Die Auswertung zeigt: Auch wenn die Politik der AfD klar rechts verortet ist, liegt ein guter Teil der Wähler fast in der Mitte oder sogar im linken Lager. Das bestätigt auch eine Umfrage im Rahmen des ARD DeutschlandTrend im November 2015, bei der die AfD-Wähler/innen gebeten wurden sich im politischen Spektrum selbst einzuordnen. Damals nannten sich 42 Prozent der AfD-Anhänger/innen rechts, 44 Prozent ordneten sich der Mitte zu, und 14 Prozent dem linken Lager.

Zurück zur kumulierten Wählerschaft der AfD in acht Bundesländern: Im Durchschnitt erreichte die Partei Stimmanteile von 13 Prozent. Bei den Männern 16, bei den Frauen 11. Was eine klar männlich dominierte Wählerschaft ausweist.

Die Partei wir von allen Bildungsschichten gewählt – vor allem aber im mittleren und unteren Bildungsbereich. Bei einem Durchschnittsparteianteil von 13 Prozent kommt sie bei Wähler/innen mit mittlerer Reife auf 18 Prozent, mit Hauptschulabschluss auf 14 Prozent, mit Abitur auf 11 Prozent und mit Hochschulabschluss auf 8 Prozent.

Auch bei der Altersstruktur der Wähler gibt es ein klares Muster. Die höchsten Anteile hat die AfD in den Altersschichten zwischen 25 und 44 mit 16 Prozent. Den geringsten Anteil bei den über 70-jährigen mit acht Prozent.

Etwas irreführend ist die Auswertung nach Berufsgruppen. Da hat die AfD bei den Arbeitslosen zwar mit 21 Prozent einen deutlich überdurchschnittlichen Anteil, und gerade in dieser Gruppe Stimmen von SPD und Linken abgezogen, allerdings bilden die Arbeitslosen in der Gesamtwählerschaft nur eine sehr kleine Anteilsgruppe. Für den Erfolg der AfD sind sie somit letztlich nicht ausschlaggebend.

7 Kommentare

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1: Merkwürdig.:

4. September 2016 um 20:48 Uhr

Die Partei “Die Linke” wird besonders von Menschen um unterem Bildungsbereich gewählt. Nur ist das bei den Wahlergebnissen merkwürdiger Weise keine Erwähnung wert.
23% Prozent der Hauptschüler wählen “Die Linke” und 38% der Menschen mit Mittlerer Reife (in NRW).
Zu diesen Zahlen wirkt die Wählerschaft der AFD geradezu hochgebildet.

Quelle: Buch “Die Partei DIE LINKE in Nordrhein-Westfalen”

2: K.Schmitt:

4. September 2016 um 22:09 Uhr

Guten Abend,

woher kommen eigentlich die unterschiedlichen Hochrechnungsergebnisse. AfD beim ZDF 21,1, Grüne 4,7. Bei der ARD AfD 21,4 und die Grünen 4,9. Spielen Sie da mit der Hoffnung der Grünen. ;-) Ist ein Scherz. Muss auch einmal sein.

3: el_emka:

4. September 2016 um 22:12 Uhr

@Merkwürdig: Die Wählerstruktur wird nicht nur für die AfD erhoben, sondern auch für die anderen Parteien und auch diese werden veröffentlicht. Da die “übliche” Wählerzusammensetzung der verschiedenen bisher vertretenen Parteien allgemein bekannt ist, ist es durchaus nachvollziehbar (und ebenso normal), dass sich die Statistik-Berichterstattung einen Schwerpunkt auf die AfD legt. Jede Zahl darin einem detaillierten Vergleich mit den anderen Parteien zu unterziehen, würde den Artikel dann doch ausufern lassen.

Unabhängig davon: Ich bezweifle, dass 23% der Wähler mit Hauptschulabschluss und 38% derer mit Mittlerer Reife in NRW die Linke gewählt haben. Mangels Vorliegen des genannten Buchs, mutmaße ich hingegen, dass 23% bzw. 38% der Linke-Wähler einen Haupt- bzw. Realschulabschluss erworben haben. Das Wählerpotential der AfD und der Linken ist sicherlich ähnlich, aber die von Ihnen genannten Zahlen sind auf Grund unterschiedlicher Bezugsgrößen nicht mit den o.g. vergleichbar.

4: Peter Frey:

4. September 2016 um 23:38 Uhr

Ich würde mir von der ARD eine unparteiische Berichterstattung wünschen.

Wenn es eine Wählerwanderung von der NPD zu den etablierten Parteien geben würde, wäre das Lob der Journalisten groß, Stichwort Rückgewinnung von Wählern. Wandern die Wähler der NPD jedoch zur AfD, was mir die schlüssigste aller Wanderungen ist, so fragt der Journalist kritisch, ob Frau Petry keine Bedenken hätte, als ob ehemalige NPD Wähler in der folgenden Wahl keine gültigen Stimmen hätten.

Diese Parteiergreifung der Journalisten schadet dem Ansehen des Journalismus im Ganzen, und hier sollte die ARD eindeutig eine Vorbildfunktion ausüben.

5: Lyserg:

5. September 2016 um 03:57 Uhr

Die Wahlergebnisse sind sehr interressant (und bereiten mir Übelkeit, was aber keine Rolle spielt). Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass die SPD sogar Wähler hinzu gewinnen konnte (absolut) und auch die Verluste der CDU halten sich in Grenzen (absolut), anders als bei der Linken oder den Grünen. Entscheident dabei scheint, ob die Wählerwanderung an die AFD, durch die Nichtwähler ausgeglichen wird. Zugleich speist sich stets ein großer Teil der AFD-Wähler auch aus den Nichtwählern. Dieses Muster findet sich auch in vorherigen Wahlen. Die Frage ist: Wer wählt Protest? Die Wechselwähler oder die Nichtwähler? Warum dreht sich die Debatte vor allem um die Wechselwähler und nicht um die Nichtwähler? Und ich sage mal voraus, dass auch die Wahlbeteidigung in Berlin ansteigen wird.

6: ohrenzwicker:

10. September 2016 um 15:52 Uhr

Mich interessiert vielmehr die Struktur der AfD, die einst von Hans-Olaf Henkel (BDI) mitgegründet wurde. Im Vorstand sich überwiegend Hinterbänkler von CDU und FDP befinden, finanziell unterstützt von August von Finck. Mit PR-Agenturen PEGIDA inszenieren und eine Pogromstimmung erzeugen, um damit die Wähler in die Irre zu führen. Propaganda vom Feinsten, genauso erfolgreich wie vor 80 Jahren. Wirklich alles zu tun, nur um eine gerechtere und sozialere Politik zu verhindern.

7: Elisabeth Tronecker:

18. September 2016 um 19:29 Uhr

ich wünschte mir weniger Hetze sowohl von der AfD, als auch von den Journalisten gegen diese. Journalismus ist dies jedenfalls nicht, völlig überzogene Parteiergreifung für oder gegen Parteien. Bei 12 oder 23 % der Wähler für eine Partei aus durchaus mittleren Haushalten stammenden Wählern ist diese Hetze ein Armutszeugnis für Deutschland. Die AfD wird so lange Wähler finden, bis Frau Merkel als Kanzlerin Geschichte ist. Sie wird abgewählt werden, weil sie nur für Fremde was tut und die Kosten der arbeitenden deutschen Bevölkerung aufhalst.

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