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ARD-Hauptstadtstudio

5. September 2013

Pippi Langstrumpf und die Politik

Ich fürchte, die schräge und leider schlecht gesungene “Pippi-Langstrumpf”-Gesangseinlage der SPD-Generalsekretärin Nahles bei der letzten großen Debatte im Bundestag werden wir bis zur Wahl leider noch öfter zu hören bekommen (berichtet wurde darüber schon viel: Allein 7.380 Presse- und Online-Erwähnungen seit Mittwoch und 92.000 Treffer bei Google, wenn man die Namen Nahles und Langstrumpf zusammen eingibt…) Hier können Sie das Original hören. Tja, Wahlkampf macht eben zuweilen übermütig… Und: Die Laune der Chef-SPDler in Berlin ist merklich gestiegen, seit Sonntagabend (1.9.) - nachdem das TV-Duell für Steinbrück einigermaßen unentschieden ausgegangen war, zumindest also dem Kanzlerkandidaten kein Eigentor passiert war. Das hatte die SPD ja doch insgeheim befürchtet.

Davon abgesehen, dass das Nahles-Geträllere eher ein Eigentor der Sozialdemokratin war: Ich finde, Frau Nahles sollte sich symbolisch bei Pippi Langstrumpf entschuldigen und auch bei ihrer Schöpferin, Astrid Lindgren, post mortem gleich mit. Denn Nahles zielte mit ihrer Lindgren-Rezitation auf die CDU-Kanzlerin und deren angeblichen Realitätsverlust – und nutzte dabei eine Zeile aus dem “Hey, Pippi Langstrumpf”-Song (Intro-Lied der Fernsehserie, Text stammt von Lindgren): “…ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt!”.

Damit setzt sie Angela Merkel und Pippi Langstrumpf gleich. Dieser Vergleich geht gar nicht! Das wäre so, als würde man Peer Steinbrück mit “Michel aus Lönneberga” vergleichen. Langstrumpf ist eine absolute Freidenkerin, die sich niemals in – Parteiproporzen geschuldete – Kompromisse einbinden lassen würde. Sie sagt immer, was sie denkt – im Gegensatz zu Angela Merkel. Die kann gar nicht immer sagen, was sie denkt, sonst wäre sie nicht immer auf CDU-Parteilinie. Wenn sie etwa das von der CSU in die schwarz-gelbe-Koalition hineinverhandelte “Betreuungsgeld” uns Wählerinnen und Wählern als supergeniale Politik verkauft, dann tut sie das nicht, weil sie denkt, dies sei supergeniale Politik. Sondern weil sie halt Kompromisse macht in einer Dreier-Koalition aus CDU/CSU und FDP.

Pippi würde sowas nie tun. Eher wäre also Ursula von der Leyen die Pippi Langstrumpf von der CDU, die hat das Betreuungsgeld offen mal (länger her) kritisiert. Aber – wie gesagt – Pippi würde sich nicht in einer Volkspartei tummeln wollen, sondern eher selber eine gründen. Und so ist eben auch die Liedzeile gemeint: ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt!” Nicht, dass sie Realitätsverluste hat, sondern sie nach ihrem freidenkerischen Gusto – Stichwort Villa Kunterbunt” wirklich verändert.

 

 

2 Kommentare

RSS Feed der Kommentare

1: Hendryk:

6. September 2013 um 00:46 Uhr

Was für ein Unsinn.! Mahles vergleicht hier gar nichts – das Zitat wird ständig in diesem Kontext genutzt und ist allgemein verständlich. Niemand denkt bei diesen Worten an die charakterlichen Eigenschaften Pippi Langstrumpfs.

Außer Sie. Mit gespielter Empörung.

2: ohrenzwicker:

9. September 2013 um 07:45 Uhr

Dass Merkel eine Freidenkerin ist, das kann man ihr nun wirklich nicht nachsagen! Aber Pippi Langstrumpf würde auch keine neue eigene Partei gründen, weil ihr das zuwider wäre und es sie in ihrer eigenen Freiheit und ihren freien Geist beeinträchtigen würde. Was Pippi aber immer tat, das war alles zu hinterfragen, herumzudrehen und auf den Kopf zustellen, um zu sehen ob es nicht auch bessere Anwendungen gibt. In diesem Sinne sollten alle Journalisten und Politiker auch eine Pippi Langstrumpf im Herzen haben.

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