Gestern Nachmittag habe ich im Blog für ein bisschen Aufregung gesorgt, als ich geschrieben habe, dass unter den Piraten-Wählern auch Protest-Wähler seien. Nun konnte ich gestern noch nicht offen mit unseren Daten umgehen, aber hier ein paar Zahlen aus unserer Vorwahlumfrage der vergangenen Woche:

Das wichtigste für die Piraten-Wähler ist, dass die Partei dafür sorgt, „dass endlich auch mal die Jüngeren was zu sagen haben“. Das sagen 93 Prozent. Aber 86 Prozent sehen sie auch als eine „Alternative für die, die sonst gar nicht wählen würden“. Das deutet darauf hin, dass die Piraten im Lager der Nichtwähler einige Stimmen gewonnen haben dürften. Das Entscheidende aber ist: 59 Prozent der Piraten-Wähler sagen, die Partei hätten sie „gewählt, um den anderen Partei einen Denkzettel zu verpassen“. Das ist natürlich nichts Schlimmes, aber es ist das Kennzeichen von Protest-Wählern.

Jetzt aber ein paar spannende Daten aus unserer Wahltagsbefragung mit 20.000 Interviews in den Wahllokalen. Das Ganze ist noch nicht vollständig ausgewertet, die Zahlen können sich im Detail noch ändern, aber die Trends sind klar: Wieder mal haben die Jungen Piraten gewählt, aber diesmal reicht die Wählerschaft bis Mitte 30, also deutlich höher als etwa bei der Bundestagswahl. Unter den 18- bis 34-Jährigen erreichen die Piraten 15 Prozent und auch in der mittleren Altersgruppe zwischen 35 und 44 Jahren sind es erstaunliche neun Prozent. Nur darüber bricht es ab. 45 bis 59 Jahre sieben Prozent und bei den über 60-Jährigen drei Prozent.

Ihr gutes Ergebnis verdanken die Piraten nicht nur den Erstwählern (14 Prozent Wähleranteil), sondern vor allem den Kurzentschlossenen. 13 Prozent derer, die sich erst in der vergangenen Woche zum Wählen oder für eine Partei entschlossen haben, haben den Piraten ihre Stimme gegeben und dafür für deutlich bessere Werte gesorgt, als sie nach den Umfragen der vorletzten Woche zu erwarten waren.

Und noch ein paar Trends: überdurchschnittliche Ergebnisse erreichen die Piraten unter Selbständigen und unter Arbeitslosen, für ihre Wähler ist das Thema soziale Gerechtigkeit das Wahlentscheidende. Und der Bildungsstand der Piraten ist leicht überdurchschnittlich: unter Abiturienten und Hochschulabsolventen erreichen sie zehn Prozent der Stimmen.