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ARD-aktuell

5. August 2020

Aufnahmen aus Beirut in tagesschau und tagesthemen

Es waren Bilder, die verstörend waren: eine Explosion. Blutüberströmte Menschen. Glassplitter auf den Straßen. Staubwolken, die ein ganzes Stadtviertel unter sich begraben.
In Beirut sind am gestrigen Abend bei einer Detonation am Hafen über 100 Menschen gestorben, mehrere Hundert werden noch vermisst und die Zahl der Verletzten liegt nach offiziellen Angaben bei rund 4000. Eine unglaubliche Tragödie.
Über Social Media haben wir schnell reagiert und ausführlich berichtet, aber hätten wir dieses Ereignis nicht auch im klassischen Fernsehen besser abbilden müssen?
Um es kurz zu sagen: Ja, hätten wir. Es war eine journalistische Fehleinschätzung.
Bilder sind auch Nachrichten und unser Anspruch ist es, Sie zu Augenzeugen bei relevanten Ereignissen zu machen.
Im Nachhinein ist es schwierig zu erklären, warum wir es gestern nicht ausreichend gemacht haben, denn es war eigentlich so offensichtlich. Es sind marginale Details, die am Ende zu einer Fehlerkette führen.
Die tagesschau um 20 Uhr hatte einen Beitrag in der Sendung, allerdings auch diesen zu weit am Schluss der Sendung.
Die tagesthemen hatten einen Kurzbericht im Nachrichtenblock. Auch das war zu wenig.
Beide Teams grämen sich heute, dass dies dem Nachrichtenereignis nicht angemessen war. Sie können davon ausgehen, dass Redakteurinnen und Redakteure von ARD-aktuell die schärfsten Kritiker ihrer eigenen Produkte sind. So ein Abend wie gestern nagt an unserem Selbstverständnis. Sie schenken uns jeden Abend Ihr Vertrauen und das wollen wir nicht enttäuschen.
Unser Social-Media-Team hat schnell reagiert und einen sehr erfolgreichen Livestream gebaut, sodass man dort ab 19 Uhr tatsächlich zum Augenzeugen werden konnte und auch der Chef vom Dienst bei tagesschau.de hat die Live-Bilder aus Beirut in den Artikel gesetzt.
Sie werden jetzt sagen, das ist unser Job und damit haben Sie recht.
Dieser Abend hat uns eines gezeigt: Wir müssen immer wieder an uns arbeiten, damit wir besser werden. Wir sind Deutschlands Nachrichtenmarke Nr. 1 und Sie haben einen Anspruch darauf, auf jedem Ausspielweg das beste Nachrichtenprodukt zu bekommen.

Die ARD-aktuell Chefredaktion

Marcus Bornheim, Helge Fuhst und Juliane Leopold