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Auslandskorrespondenten

30. Oktober 2013

Hungaricum

„Listen Shitheads“, so beginnt ein Brief des Brüsseler Korrespondenten der regierungsnahen ungarischen Tageszeitung „Magyar Nemzet“ an die Kollegen der Auslandspresse in Ungarn. István Lovas zieht darin so richtig vom Leder. Die ausländischen Korrespondenten in Ungarn hätten die „gigantischen Skandale der Sozialisten“ vergessen zu erwähnen.

Lovas bezieht sich aktuell auf den Streit um ein angeblich gefälschtes Video, das Stimmenkauf im südungarischen Baja zugunsten der Regierungspartei Fidesz zeigen soll (Cathrin Kahlweit berichtete in der „Süddeutschen Zeitung“ darüber). Derzeit wird geklärt, ob die Sozialisten nicht vielleicht die Auftraggeber des Videos waren. Die Wochenzeitung „HVG“ räumte ein, „voreilig“ gehandelt zu haben, als sie die Story als “klaren Beweis für den Wahlbetrug des Fidesz” veröffentlichte, Chefredakteur Gábor Gavra nahm seinen Hut.

Der „Magyar-Nemzet-Korrespondent“ kommt jedenfalls in seinem Brief zu dem Schluss: Sicher werde die ausländische Journaille schon bald wieder „Dutzende Artikel über Antisemitismus schreiben und das Verschwimmen von Regierungspartei und Rechtsextremen“. Es folgt noch ein Gruß an die „Arschlöcher“ und die Empfehlung: „Fresst Scheiße, um  Eure Ernährung umzustellen, die Euch von Euren Verlegern verordnet wurde“. Der Brief ist kein Fake. Er ist echt. Lovas hat gegenüber HIPA, dem ungarischen Verband der Auslandspresse bestätigt, ihn genau so geschrieben zu haben.

Wie verzweifelt muss man eigentlich sein, um auf diesem Niveau zu kommunizieren ?

Jedenfalls hat sich Lovas mit diesem Brief keinen Gefallen getan: Auf der Internet-Seite des Investigativ-Portals átlátszó.hu hagelte es hämische Kommentare. Einer fragt, warum Lovas eigentlich im Ausland studiert hat. Diese Sprache hätte er auch zu Hause lernen können. Einer macht darauf aufmerksam, dass sich “gerade wieder eine Nazi-Partei gründet”. (Ehemalige Mitglieder der rechtsextremen Partei “Jobbik”, die im ungarischen Parlament ist, wollen dem Vorbild der griechischen “Morgenröte” folgen.)

Auf Átlátszó.hu ist der Originalbrief von Lovas veröffentlicht:

http://atlatszo.blog.hu/2013/10/29/egyetek_szart_seggfejek_lovas_istvan_a_kulfoldi_tudositoknak

BBC-Reporter Nick Thorpe, den Lovas als lobendes Gegenbeispiel erwähnt, wehrt sich gegen die Lovas-Lorbeeren in der linken Tageszeitung “Népszava”: “Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde”. Mit den ausländischen Korrespondenten-Kollegen in Ungarn erklärte sich Thorpe “solidarisch”.

Danke.

 

Medien

23. Oktober 2013

Realität schlägt Satire: Flaschenpfand soll sich wieder lohnen

Das Satiremagazin „Der Postillon“ hat gemeldet, die neue Große Koalition wolle als eine der ersten Maßnahmen das Flaschenpfand erhöhen. “Wenn Menschen, die ihr Leben lang ehrlich gearbeitet haben, im Alter von ihrer Rente nicht mehr leben können, bleibt ihnen das Wühlen im Müll oft als einzige würdevolle Alternative zum Betteln”, erklärte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihre Pläne zur Pfanderhöhung, schrieb das Satire-Magazin. Die Erhöhung sei wahrscheinlich, da die SPD bereits ihre Zustimmung signalisiert habe, so „Der Postillon“ weiter. Im Netz sorgte die Satire für viel Heiterkeit. Der sozialdemokratische Geist sei bereits in der Großen Koalition zu spüren, spotteten Nutzer.

„Der Postillon“ hat eine große Fan-Gemeinde, das Magazin schafft es immer wieder, wirklich politische Satire zu schreiben. Es werden nicht einfach tollpatschige Politiker verulkt, sondern gekonnt aktuelle Debatten karikiert.

Doch in diesem Fall musste gar nichts mehr karikiert werden. Weiterlesen