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ARD-aktuell Chefredaktion

12. Juni 2014

Zum Tod von Frank Schirrmacher

Frank Schirrmacher hatte Prägekraft für diese Republik. Als Journalist hat er sich in Themen vertieft, der Analyse Raum verliehen und sich dann mit beachtlicher intellektueller Kraft zu Wort gemeldet. Dieses war oft richtungsgebend für eine Debatte und ein Anstoß zur Reflexion über den Tag hinaus. Wie das Internet die Kommunikation einer Gesellschaft verändert, wie die digitale Revolution das Gefüge der Kulturen durchdringt, dies hat ihn zuletzt stark beschäftigt. Als Herausgeber der FAZ widmete er diesem Thema viele Schwerpunkte, weil er überzeugt war, dass es das Zusammenleben fundamental beeinflusst. 

Schirrmacher hat sich Themen genähert, ohne den Weitblick zu verlieren. Er hat den kritischen Blick, die scharfe Analyse, die verdichtete Conclusio gewagt, wissend sich selbst deutlicher Kritik auszusetzen. Diesen Mut aufzubringen, ist Aufgabe eines Journalisten. So wie Frank Schirrmacher diese jedoch gelebt hat, hat er sich eine Vorbildfunktion im Journalismus erarbeitet. Welcher Verlust sein Tod ist, zeigt die heutige Betroffenheit so vieler Repräsentaten der Republik. Sein Tod ist eine Erschütterung des Qualitätsjournalismus, der ohne Journalisten seines Kalibers kaum Bestand hätte. Gerade in einer Zeit des stark beschleunigten, weltweiten Informationsflusses bedarf es Journalisten, die inne halten und zugleich Richtung geben. Wie er.

Auslandskorrespondenten

30. Mai 2014

Helikopterabsturz Slowjansk, Ukraine

Die Manipulation von Informationen und Bildern ist im Ukraine-Konflikt ein gängiges Muster. Als Korrespondenten sind wir um höchste Sorgfalt bemüht. Das ARD-Team prüft unter hohem Zeitdruck Quellen, ordnet ein und hat selbst Manipulationen aufgedeckt und hierüber berichtet. Trotz unseres intensiven Bemühens, ist uns nun ein Fehler unterlaufen. Das ukrainische Fernsehen hat gestern einen kurzen Ausschnitt von einem abstürzenden Helikopter gezeigt, den wir – neben authentischen Material der Nachrichtenagentur AP – als etwa zweisekündige Sequenz in Beiträge aufgenommen haben. Tatsächlich stammen die Bilder des abstürzenden Hubschraubers nicht aus Slowjansk, sondern aus Syrien, und sie sind vom vergangenen Jahr. Die Bilder wurden von anderer Seite offensichtlich gezielt manipuliert: Es wurde eine Ausschnittsvergrößerung vorgenommen, zugleich wurde ein neuer Ton unterlegt.

Die Tatsache des Abschusses selbst war zu dieser Zeit gestern unstrittig. Uns fehlte an dieser Stelle sicher das nötige Misstrauen, mit dem wir sonst an externes Bildmaterial herangehen. Dafür entschuldigen wir uns und bedauern es sehr. Die Bilder sind im Archiv und Netz inzwischen ausgetauscht worden, die Veränderung wurde kenntlich gemacht.

Unsere Beiträge haben die Geschehnisse ansonsten korrekt wiedergegeben, der Kontext ist richtig. Nach Aussage der OSZE verfügen die Separatisten im Raum Slowjansk tatsächlich über Boden-Luft-Raketen und haben mit diesen auch in der Vergangenheit erfolgreich ukrainische Hubschrauber abgeschossen.
 
Dennoch: Unser Misstrauen fremden Quellen gegenüber ist noch weiter geschärft worden. Wir danken dem User, der uns auf den tatsächlichen Ursprung des Videos hingewiesen hat!

ARD-aktuell

26. Mai 2014

Andrei Mironow stirbt durch Mörserbeschuss

Der militärische Konflikt im Osten der Ukraine ist täglich Teil unserer Berichterstattung. Unsere Korrespondenten leisten wertvolle Aufklärungsarbeit in einem sehr gefährlichen Umfeld. Dies ist am Wochenende noch deutlicher geworden: Der italienische Journalist Andrea Ronchelli starb am Samstag nahe der Rebellenhochburg Slawjansk durch Mörserbeschuss. Neben ihm wurde auch ein “Übersetzer” getötet, verbreiteten die Agenturen. Er heißt Andrei Mironow und hat wertvolle Arbeit auch für die ARD geleistet. WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich, die mit ihm zusammengearbeitet hat, hat uns mit folgenden Zeilen informiert:

Die Gewalt in der Ukraine ist soeben bei mir persönlich angekommen. Einer meiner besten Kontakte während des Tschetschenienkrieges, Andrei Mironow starb gemeinsam mit dem italienischen Fotografen Andrea Ronchelli in der Ostukraine. Sein Tod ging etwas unter, vielleicht, weil er ‘nur’ der Übersetzer war. Aber Andrei war durch und durch politischer Kopf und analytischer Journalist. Dazu Menschenrechtler der ersten Stunde. Er saß als Dissident im sowjetischen Lager und half später uns westlichen Journalisten, das neue Russland zu verstehen. Die Tagesschau, Tagesthemen, der Weltspiegel – sie verdanken dem Mann im Hintergrund gute Themen und gute Einordnung. Er war anständig, gebildet, unendlich hilfsbereit. Ich mochte seinen Mut und Scharfsinn. Ich bin traurig, wütend.”

Wir trauern mit ihr!

 

ARD-DeutschlandTrend

25. Mai 2014

Schlechte Karten in Bayern

Das hat die CSU also davon, wenn sie im Wahlkampf auf eigene Rechnung antritt. Während die CDU in 15 Bundesländern ihr Ergebnis in 2009 halten konnte, erleidet die CSU in Bayern schmerzhafte Verluste. Ihre Strategie, sich zwar „für Europa“ auszusprechen, gleichzeitig aber die Verhältnisse in der EU zu kritisieren, ist nicht aufgegangen. Unsere Wahltagsbefragung zeigt: CSU-Wähler sind genau so europafreundlich wie CDU-Wähler. Sie hatten es eben nur mit einer Programmatik zu tun. Und noch einen wesentlichen Unterschied gibt es zwischen den Parteien. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat über Parteigrenzen hinweg glänzende Werte: 67 Prozent sind zufrieden mit ihrer politischen Arbeit. Horst Seehofer hingegen kommt in Bayern gerade mal auf 54 Prozent. Weiterlesen

ARD-DeutschlandTrend

25. Mai 2014

AfD spricht nicht für die schweigende Mehrheit

Eigentlich ist es ja das Wesen von Protestparteien: Sie behaupten das anzusprechen was die Mehrheit der Bevölkerung angeblich denkt. Natürlich ist das Ergebnis der AfD für die Partei, die bisher in keinem deutschen Parlament vertreten ist, ein Erfolg. Eine Überraschung ist es aber nicht. Seit Monaten liegt sie in Umfragen genau dort, wo sie heute gelandet ist, zwischen sechs und sieben Prozent. Auf den ersten Blick hat sie zumindest im Vergleich zur Bundestagswahl ihr Ergebnis ausbauen können. Auf den zweiten Blick ist es ihr aber nicht gelungen zusätzliche Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen. Wenn die 2,06 Millionen Zweitstimmen bei der Bundestagswahl im Herbst dürften umgerechnet auf die heutige Wahlbeteiligung allenfalls knapp erreicht sein. Sie hat also ihren harten Kern mobilisiert, aber keine neuen Anhänger dazu gewonnen. Weiterlesen

ARD-aktuell

16. Mai 2014

Unsere Ukraine-Berichterstattung

Es gibt kaum ein Thema, zu dem wir so viel Feedback bekommen haben, wie zur Lage in der Ukraine. Dabei gibt es viele kritische Anmerkungen zu unserer Berichterstattung, die manchem Nutzer zu kritisch gegenüber der Position Russlands erscheint. Ich möchte gar nicht spekulieren, ob es sich dabei um eine Kampagne handelt und wer potenzielle Initiatoren sein könnten. Die Kritik ist da und wir setzten uns mit ihr auseinander. Weiterlesen

ARD-aktuell

28. März 2014

Die vermeintlichen “ARD-Lügner”

Im Moment kursiert in den sozialen Netzwerken (mal wieder) ein Anonymous-Video über “Die ARD und ZDF-Lügner”. Es handelt von einem Amateurvideo, das in der Tagesschau und im “heute journal” verwendet wurde – allerdings einmal mit der Ortsangabe Homs (Tagesschau)  und einmal mit dem Hinweis Kabul (ZDF). Die Geschichte ist schon ein bisschen alt und ist auch schon mehrfach erzählt worden. Aber offensichtlich bedarf sie der erneuten Klärung. Weiterlesen

ARD-aktuell

7. März 2014

Viel Erfolg, Pinar Atalay!

Wieder mal eine Premiere bei ARD-aktuell. Heute hat Pinar Atalay ihren ersten Einsatz bei den Tagesthemen. Sie ist Nachfolgerin von Ingo Zamperoni, der seit einigen Wochen als ARD-Korrespondent in Washington arbeitet. Pinar Atalay übernimmt die Moderation der Tagesthemen in den Wochen, in denen Caren Miosga und Thomas Roth in Urlaub sind. Für unsere neue Kollegin heißt es heute: Leinen los! Weiterlesen