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ARD-aktuell

1. März 2016

Darf man mit Assad reden?

Er hat Giftgas eingesetzt, er hat Städte bombardiert, er lässt Menschen aushungern, in seinen Gefängnissen wird gefoltert – und mit so jemandem führen wir ein Interview. Gibt es für Journalisten eine moralische Grenze, mit wem man spricht? Darf man mit Baschar al-Assad reden? Weiterlesen

ARD-aktuell

9. Februar 2016

Das Augenzeugenvideo aus dem Zug

Seit heute Abend gibt es ein Video auf YouTube, das ein Fahrgast in Bad Aibling unmittelbar nach dem Unglück im Zug gedreht hat. Das Video dokumentiert den Schockzustand, das Trauma und die Verletzungen der Menschen im Zug. Die Bilder der Opfer und das Wehklagen der Menschen, das über Minuten zu hören ist, kann man kaum ertragen. Schwer zu entscheiden, ob wir dieses Video für die Berichterstattung in der Tagesschau verwenden. Weiterlesen

ARD-aktuell

29. Januar 2016

Die 13-Jährige in der Tagesschau

Selten hat ein Gerücht die Gemüter so bewegt wie im Fall der 13-Jährigen, die angeblich entführt und vergewaltigt worden sein soll. Und schon lange haben wir uns nicht mehr so schwer getan mit der Frage, ob wir einem bestimmten Thema eine Meldung in der Tagesschau widmen sollen wie heute. Denn wie wir jetzt wissen, war an dem Gerücht nichts dran. Warum bitteschön soll die Tagesschau berichten, dass ein Gerücht nicht stimmt? Dann hätten wir künftig alle Hände voll zu tun. Weiterlesen

ARD-aktuell

19. Januar 2016

Der erste Verdächtige von Köln

Eine Meldung aus der Tagesschau von heute: Nach 18 Tagen hat die Polizei den ersten Verdächtigen festgenommen, der in der Silvesternacht an den sexuellen Angriffen auf Frauen beteiligt gewesen sein soll. Nach 18 Tagen! Anlass, nach fast drei Wochen noch einmal zurückzublicken auf unsere Berichterstattung. Denn die Diskussion über den Zeitpunkt der überregionalen Berichterstattung reißt nicht ab. Weiterlesen

ARD-aktuell

8. Dezember 2015

Wer sucht da eigentlich Schutz in unserem Land?

Weder habe ich Krieg erlebt, noch ahne ich wirklich, was er anrichten kann. Wir sind Kinder des Friedens. Viele Schutzsuchende aber kommen aus dem Krieg. Ich stelle also Fragen aus einer friedlichen Welt. Das klingt so:

Gehe zu einer Erstaufnahmeeinrichtung, drehen dort etwas für die Tagesthemen, frage höfliche Afghanen: Könnte es sein, dass unter Euch Flüchtlingen auch Terroristen sind? Sie bewahren die Form, aber sie sind über diese Frage verwundert. Klingt wohl naiv in ihren Ohren. „Ja natürlich, kann das sein. Terroristen können alles tun, wenn sie wollen. Deshalb sind sie ja Terroristen.“ Stimmt. „Deshalb sind wir doch genau vor diesen Leute geflohen.“ Stimmt auch. Und natürlich denke ich sofort, für wen hat dieser Junge in Afghanistan gekämpft? Sie kommen ja schließlich nicht aus der Schweiz, nicht aus dem Robinson Club, sie kommen aus dem Krieg und irgendwas haben sie da natürlich auch gemacht. Ich taste mich heran, an die Neuen. Weiterlesen

ARD-aktuell

2. November 2015

Was an der Flüchtlingskrise ist historisch?

Wie historisch ist das, was wir gerade erleben und was man mit dem Begriff “Flüchtlingskrise” versucht zu umschreiben? Auf dem Hinflug zur German American Conference an der Harvard Universität in Boston dachte ich darüber nach, unter mir dieses Meer, was seine Unschuld verloren zu haben scheint. Deutsche Studenten, die an der Elite-Uni studieren, haben in ihrer Freizeit diese zweitägige Denkveranstaltung (oder soll ich sagen Denk-Messe, es fand nämlich in einer Kirche statt) organisiert. Nicht Gedenk, sondern Denk. Da reden Vertreter der us-amerikanischen Gesellschaft mit Deutschen, streiten und messen sich miteinander. Sie kommen aus der Kultur, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Mit der Flüchtlingskrise haben die Deutschen jetzt einen Punktvorteil. Einen im Bereich Menschlichkeit. Da konnte in Harvard niemand dran vorbei. Und die Flüchtlingskrise war in jedem Gespräch dort Thema Nummer eins. Auch der deutsche Botschafter in den USA, Peter Wittig, fand, der Austausch über Flucht und Integration sei für die transatlantischen Beziehung wichtig. Wir könnten von den Amerikanern lernen. Das Thema bewegt sich aus der Multi-Kulti-Ecke dahin, wo die Wirklichkeit es gerade hinkatapultiert: Es steht oben auf der Agenda. Weiterlesen

Auslandskorrespondenten

27. Oktober 2015

Statement zur Wahl in Polen

Liebe Internetgemeinde!

Als ehemaliger ARD-Korrespondent in Warschau (2009 – 2014) habe ich mich am Wahlabend über Twitter zu Wort gemeldet und meine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, Kaczynski und seine “Partei für Recht und Gerechtigkeit” sollten die Wahl trotz entgegenlautender Umfragen nicht gewinnen. Ich habe das sehr flapsig formuliert und werde seitdem im Netz in übelster Weise angegriffen und beschimpft. Da aber auch ernsthafte Stimmen darunter waren, suche ich durchaus die Diskussion. Über Twitter ist das bei erlaubten 140 Zeichen nur schwer möglich. Da ich keine eigene Webseite habe und einer der Vorwürfe ist, als ehemaliger ARD-Korrespondent sei ich nie privat und könne ich mich doch nicht auf eine Seite schlagen, habe ich die Kollegen von tagesschau.de gebeten, mir Raum zur Verfügung zu stellen, damit ich meine Argumente ausbreiten kann. Freundlicherweise haben sie dem zugestimmt. Weiterlesen

ARD-aktuell

12. Oktober 2015

Die Tagesschau bis 2020

Ich möchte Sie nicht langweilen mit Weisheiten nach dem Motto, “Kinder, wie die Zeit vergeht”. Tatsächlich habe ich aber in diesem Jahr das Dutzend voll gemacht d.h. ich bin seit 12 Jahren Chefredakteur bei ARD-aktuell. Und nun hat mir die ARD die Chance gegeben, fünf weitere Jahre dranzuhängen. Ein großer Vertrauensvorschuss, eine Ehre und eine Gelegenheit, den Blick mal in Richtung 2020 zu richten. Weiterlesen

ARD-aktuell Chefredaktion

7. September 2015

Informieren aus Verantwortung

Tausende Flüchtlinge werden am Münchner Hauptbahnhof willkommen geheißen, Helfer verteilen Wasser, Eis für Kinder, fremde Menschen winken sich zu. Nachrichten im Wechselbad der Gefühle. Zuvor hatte der Tod des 3jährige Aylan Millionen Menschen aufgerüttelt. Erst in Syrien schutzlos den Kriegsparteien ausgeliefert, dann von Schleppern auf dem Meer dem Tod überlassen. Der Anblick ist unerträglich. Und der Gedanke, dass Aylan nur eines von womöglich hunderten Kindern ist, die auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken sind, lässt den Atem stocken. Es braucht diese Bilder, um zu verstehen, aus welchen Situationen Menschen als Kriegsflüchtlinge zu uns kommen. Davor hatte uns der Lastwagen, in dem 71 Menschen erstickten, aufgewühlt. Nachrichtenbeiträge aus Europa sind selten so emotional aufgeladen wie in den vergangenen Tagen.

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