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ARD-aktuell

24. September 2017

Wer sind die AfD-Wähler/innen?

Die Wahlbeteiligung von rund 75 Prozent ist bisher nur eine grobe Schätzung, legt man die zugrunde, dürften 5,5 bis 6,0 Millionen Menschen heute AfD gewählt haben. Dabei ist die Ost-West-Spaltung deutlich. In den ostdeutschen Ländern dürfte der durchschnittliche Stimmanteil am Ende über 20 Prozent liegen. Dabei erreicht die Partei von den ganz Alten abgesehen, alle Altersgruppen fast gleichmäßig. Die höchsten Ausschläge gibt es in den mittleren Gruppen zwischen 35-44. Da sind es bundesweit etwa 16 Prozent. Bei den über 70-Jährigen hingegen nur sieben Prozent. Wirtschaftlich geht es den AfD-Wähler/innen nur unwesentlich schlechter als dem Durchschnitt der Bevölkerung. Während insgesamt 84 Prozent der Wähler ihre wirtschaftliche Situation als gut oder sehr gut bezeichnen, sind es unter den AfD-Wählern immerhin 73 Prozent, das ist nur leicht unterdurchschnittlich. Entsprechend ist die Sozialstruktur der AfD-Wählerschaft, sie weicht vor allem bei Arbeitern und Arbeitslosen vom Durchschnitt ab. Hier erreicht die Partei mit jeweils um die 20 Prozent überdurchschnittliche Werte. Allerdings: Der Anteil der Arbeiter in der Gesellschaft schrumpft seit Jahren kontinuierlich, und die Zahl der Arbeitslosen ist über Jahre kontinuierlich zurück gegangen. Kernklientel der AfD sind und bleiben Angestellte und (kleine) Selbstständige. Das haben wir schon bei den vorangegangenen Landtagswahlen beobachtet.

Über die Motivation AfD zu wählen – abgesehen von der Protestbotschaft an die anderen Parteien – ist viel diskutiert worden. Unsere Daten legen nahe, dass soziale Not oder der Wunsch nach stärkerem sozialen Austausch nur bei wenigen dieser Gruppe den entscheidenden Ausschlag gibt. Vielmehr ist unter den AfD-Wählerinnen und Wählern der Wunsch extrem stark verbreitet Veränderungen in unserer Gesellschaft zu vermeiden. 95 Prozent der Wählerinnen und Wähler haben zum Beispiel Sorge, dass die deutsche Kultur und Sprache in den Hintergrund geraten. Dieses und andere Statements machen deutlich: Die AfD ist vor allem ein kulturelles und kein sozialpolitisches Phänomen.

 

ARD-aktuell

24. September 2017

Tektonische Verschiebungen

Die Verschiebungen im Parteiensystem sind so gewaltig, dass man über Worte wie „große“ und „kleine“ Parteien oder „Große Koalition“ wohl in den nächsten Tagen noch mal nachdenken muss… denn es ist ein Wahlergebnis der Extreme.  Die Union schneidet so schlecht ab wie seit 1949 nicht mehr. Und für die CSU ist besonders bitter, dass sie mit ihrem schlechtesten Ergebnis in Bayern seit 1949 dazu deutlich beigetragen hat. Bei der SPD ist es das schlechteste Ergebnis überhaupt. Und das führt dazu, dass nach jetzigem Prognosestand die „Große Koalition“ im Osten überhaupt keine Mehrheit mehr hätte.

Das Parteiensystem hat sich um die AfD erweitert, weil Millionen Wählerinnen und Wähler gesellschaftliche Probleme sehen, auf die sie bei keiner der anderen Parteien eine Antwort finden. Dabei wählen sie die AfD übrigens nicht aus Überzeugung, sondern um ein Signal zu setzen. In der heutigen Wahltagsbefragung hat Infratest dimap die Wählerinnen und Wähler aller Parteien gefragt, ob sie ihre Entscheidung aus Überzeugung für die eigene Partei oder Enttäuschung über die anderen Parteien getroffen haben. Und während die Wählerschaften aller Parteien mehrheitlich aus Überzeugung abgestimmt haben, ist es bei der AfD anders. Gut 60 Prozent erklären, dass ihre Entscheidung aus Enttäuschung über die Anderen getroffen wurde. Beim großen Teil der AfD-Wähler/innen kann man also nicht gleichzeitig auch von AfD-Anhänger/innen sprechen