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ARD-aktuell/Verifikation

28. September 2016

Aleppo: Sind die Youtube-Filme aus dem Kriegsgebiet authentisch?

An manchen Tagen steckt in knapp dreißig Sekunden Film in der tagesschau besonders viel Arbeit – häufig dann, wenn wir über die dramatische Lage in schwer zugänglichen Kriegs- und Krisengebieten informieren. Am Dienstag erreichten uns Meldungen über eine groß angelegte Bodenoffensive syrischer Regierungstruppen und ihrer Verbündeten auf Aleppo. Der Angriff wurde auch aus der Luft unterstützt und richtet sich gegen den von Rebellen kontrollierten Ostteil der Stadt. Dort sind bis zu 300.000 Zivilisten eingeschlossen.

Da sich aus Sicherheitsgründen im Moment kein Korrespondent der ARD in Syrien befindet, beobachten wir die Kanäle zahlreicher syrischer Agenturen und Aktivisten in den sozialen Netzwerken noch intensiver. Da die verschiedenen Kanäle zumeist jeweils einer Kriegspartei nahestehen, überprüfen wir zunächst die Authentizität der Bilder unabhängig – und entscheiden dann, ob wir sie zeigen. Weiterlesen

ARD-aktuell/Verifikation

7. September 2016

Chlorgasangriff auf Aleppo?

Die Bilder sind schrecklich. Kinder ringen nach Atem, kriegen Masken übergestülpt, damit sie wieder Luft kriegen können.
Im Laufe der vergangenen 24 Stunden erreichten uns immer mehr Fotos und Videos aus Aleppo, die zeigen sollen: rund 80 Menschen sind
Opfer eines Chlorgas-Angriffs geworden. Angeblich von Kampfflugzeugen des syrischen Regimes über Ost-Aleppo abgeworfen.

Wir haben die Bilder aus Aleppo bislang nicht gezeigt. Warum?

Bevor wir solche Videos, die uns über Twitter und YouTube erreichen, ausstrahlen, überprüfen wir sie erstmal auf ihre Authentizität.
Wichtig ist zunächst, dass es sich nicht um alte Bilder handelt. Oft kursieren Videos im Netz, die nicht von heute oder gestern stammen.

Im Falle der Krankenhaus-Bilder hilft uns dabei der Youtube-Metadaten-Viewer.

Chlor3
Hier werden aus einem Video Standbilder gemacht, die man wiederum über eine Bilderrückwärts-Suche zurückverfolgen kann.
Dieser erste Test zeigt: diese Bilder tauchen noch nicht früher im Netz auf, sind also wahrscheinlich aktuell.

Gut möglich auch, dass die Aufnahmen aus einem Krankenhaus in Aleppo stammen. Indizien dafür lassen sich auf dem Video nicht verifizieren.

Wichtig ist auch, ob wir der Quelle vertrauen können. Schließlich handelt es sich bei dem Video nicht um Aufnahmen eines unserer Korrespondenten vor Ort.
Sowohl das “Aleppo Media Center” (AMC) als auch die “Syria Civil Defense”, die die Aufnahmen hochgeladen hatten, sind keine unbekannten Quellen für uns. Beide Organisationen sind seit Längerem in Aleppo unterwegs, haben viele Follower im Netz und wir haben mehrfach bereits Material von ihnen verwendet

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Unklar bleibt aber nach allen Recherchen, ob es sich bei dem eingesetzten Mittel wirklich um Chlorgas gehandelt hat. Ein Arzt wird zitiert, “es habe nach Chlor gerochen”.
Im Netz kursieren aber auch Kommentare, die behaupten, eine Chlorgasvergiftung führe zu Atembeschwerden und geröteten Augen. Letztere sind bei den Patienten in den Videos nicht zu sehen.
Unklar ist auch, welche Seite die angeblichen Chlorgasbomben eingesetzt haben soll: die Regierung, die Aktivisten? Von unabhängiger Seite konnte weder der Einsatz des Gases bestätigt werden, noch wer der Urheber war.

Insgesamt also eine nicht ausreichende Indizienlage für die tagesschau. Das Video haben wir demnach in den Sendungen bislang nicht gezeigt.
Sollten sich die Indizien weiter verdichten und weitere Belege hinzukommen, prüfen wir erneut.

Michael Wegener

ARD-aktuell/Verifikation

2. August 2016

Abschuss eines russischen Helikopters: Verifikation von YouTube-Videos

Am Montag wurde auf dem Rückflug aus dem umkämpften Gebiet um die syrische Stadt Aleppo ein russischer Militärhubschrauber abgeschossen, alle fünf Insassen kamen ums Leben. Für Russland ist es der schwerste Verlust an einem einzelnen Tag seit Eintritt in den Konflikt im September 2015. Über die Kämpfe in Aleppo und den Hubschrauberabsturz haben wir auch in unserer Sendung um 20 Uhr berichtet – und dabei Ausschnitte aus Youtube-Videos verwendet. Hier wollen wir erklären, wie wir ihre Authentizität geprüft haben.

Nach den ersten Meldungen über den Abschuss des Helikopters entdeckten wir auf Youtube dieses Video:

Tiqa-News

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17. Juni 2016

Das Rätsel um die Wrackteile von EgyptAir MS804

Seit gestern gibt es wieder Hoffnung, die Ursachen für den Absturz des EgyptAir-Fluges MS804 am 19. Mai südlich von Kreta zu finden. Nachrichtenagenturen meldeten, Wrackteile und der zweite Flugschreiber seien gefunden worden. Schnell kursierten die ersten Bilder der Trümmerteile im Netz, zum Beispiel bei den Kollegen der “Daily News Egypt”. Eine auf den ersten Blick vertrauenswürdige Quelle, schließlich ist die Zeitung in Ägypten beheimatet.

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8. Juni 2016

Tote in Aleppo: Verifikation von YouTube-Videos

In kaum einem anderen Gebiet in Syrien gibt es in diesen Tagen so viel Gewalt und Tote wie in Aleppo und im Umland der Stadt. Regime, Rebellen und der “Islamische Staat” bekämpfen sich gegenseitig. Am Nachmittag lesen sich die Nachrichten der Agenturen wie folgt:

“Bei Luftangriffen auf Rebellengebiete in der nordsyrischen Stadt Aleppo sind mindestens 15 Zivilisten getötet worden, darunter Kinder. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, viele schwer, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch meldete. (…) Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge starben in Aleppo allein zehn Menschen, als in dem Stadtteil Al-Schaar Bomben in unmittelbarer Nähe eines Krankenhauses einschlugen. Demnach setzte die syrische Luftwaffe international geächtete Fassbomben ein.” Quelle: dpa


Erster Hinweis über Twitter

Noch bevor die Agenturen über den Vorfall berichteten, wurde die Tagesschau-Redaktion über Twitter auf den Vorfall aufmerksam. Über das Recherche- und Organisationswerkzeug Tweetdeck stießen wir auf einen Video-Tweet auf dem Account von Hadi Alabdallah: Weiterlesen

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7. Juni 2016

Anschlag in Istanbul: Verifikation via Youtube und Twitter

Heute Morgen um 7:46 Uhr hat die Redaktion eine erste Eilmeldung der Agentur Reuters zu einem Anschlag in Istanbul erreicht:

“EXPLOSION ROCKS ISTANBUL DISTRICT NEAR BUS STOP, SOME WOUNDED – CNN TURK”

Im Anschluss wurden die Meldungen und Berichte sowohl der Nachrichtenagenturen als auch unserer Kollegen im ARD-Studio Istanbul immer konkreter. Demnach explodierte im Zentrum von Istanbul gegen 7.40 Uhr eine ferngezündete Bombe, als ein Fahrzeug mit Bereitschaftspolizisten vorbeifuhr. Erst später wurde bekannt: Die Bombe war gegenüber einem bei Touristen beliebten Hotel in der Nähe der U-Bahnstation Vezneciler platziert, von der aus zahlreiche Sehenswürdigkeiten in der Altstadt wie der Große Basar oder die Süleymaniye-Moschee schnell zu erreichen sind.

Wie in solchen Fällen üblich, überprüfte die Tagesschau-Redaktion die bekanntesten Socialmedia-Kanäle wie u.a. YouTube, Facebook und Twitter, um mögliche Augenzeugenberichte zu finden und deren Inhalt und ihren Ursprung zu überprüfen. Weiterlesen

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2. Juni 2016

Hochwasser in Simbach: Auf dem Bahndamm, im Lkw, am Fenster

Häuser liegen in Trümmern, Autos stecken mit dem Dach voran im Schlamm, Straßenlaternen sind wie Strohhalme umgeknickt. Am Tag nach dem verheerenden Hochwasser wird in Simbach am Inn das Ausmaß der Katastrophe deutlich. In Niederbayern hat die Flutkatastrophe mindestens fünf Menschen das Leben gekostet.

Auch bei Facebook, Twitter und YouTube sammeln sich seit gestern vielerlei Eindrücke. Menschen in Ausnahmefällen wie derzeit in Braunsbach oder Niederbayern werden zu Zeugen, halten per Griff zum Mobiltelefon das Geschehen – manchmal das Unfassbare – fest. Mit Freunden oder der Familie geteilt, landet manches Video über Umwege oder direkt im Internet. Die Folge: Likes, Shares, Retweets – beeindruckende Filmchen verbreiten sich in Windeseile.

Eine Herausforderung auch für die Tagesschau: Die Redaktion beobachtet die Socialmedia-Kanäle und greift besondere Aufnahmen heraus. Weiterlesen

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30. Mai 2016

Unwetter in Braunsbach: Die Geschichte hinter dem Video

Im Süden Deutschlands haben Unwetter am Sonntagabend und in der Nacht zum Montag für erhebliche Verwüstung gesorgt. Währenddessen und vor allem in den Stunden nach den teils heftigen Unwettern landeten viele Informationen, Bilder und Videos in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Youtube und Twitter. Auch ARD-aktuell wertet die Beiträge in den sozialen Netzwerken aus, um ein möglichst umfassendes Bild von wichtigen Ereignissen darstellen zu können. Doch bevor Material aus dem Internet in unseren Berichten landet, wird die Herkunft der Bilder ermittelt und der Inhalt geprüft.

Besonders viel Aufmerksamkeit im Internet erhielt nach den Unwettern in Süddeutschland ein 45-sekündiges Video aus dem 900-Einwohner-Ort Braunsbach. Weiterlesen

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23. Mai 2016

Detektivarbeit hinter den Kulissen der tagesschau

Manchmal ist es enorm, wieviel Arbeit hinter einer kurzen Meldung in der tagesschau steckt. So auch heute morgen, als wir über Anschläge in den syrischen Küstenstädten Jableh und Tartus erfuhren, bei denen mehr als hundert Menschen starben. Die ersten Berichte kamen – wie inzwischen oft – nicht mehr über die klassischen Nachrichrichtenagenturen, sondern über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Der Tweet verlinkt auf ein youtube-Video, das zerstörte Autos zeigt und ganz offensichtlich kurz nach einem Anschlag aufgenommen wurde. Doch kann man diesem Video trauen, stammen die Bilder überhaupt von heute und aus Jableh – oder sind sie älter und ganz woanders aufgenommen worden?  Auch heute war die Suche nach den richtigen Bildern Detektivarbeit. Weiterlesen

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19. Mai 2016

Flug MS804: Sind die Fotos von mutmaßlichen Wrackteilen aus sozialen Netzwerken echt?

In den vergangenen Jahren sind Informationen, Bilder und Videos aus sozialen Netzwerken wie Facebook, Youtube und Twitter zu immer wichtigeren Quellen für tagesschau und tagesthemen geworden. Warum? Immer mehr Menschen weltweit besitzen ein Smartphone. Und egal, ob ihnen etwas Schönes oder Trauriges passiert, viele Nutzer fotografieren oder filmen es und teilen ihre Erlebnisse so mit anderen.

Aus Sicht einer Fernseh-Nachrichtenredaktion bedeutet das: Millionen Nutzer sind dort, wo wir selbst nicht oder noch nicht drehen können. Ihre Handy-Videos dokumentieren mitunter Zeitgeschichte und zeigen, wie grausam diese manchmal ist. Weiterlesen