Eine Reihe von Leuten hat uns in den vergangenen Tagen zur Berichterstattung von ARD-aktuell über den Amoklauf von München geschrieben und vielfach Kritik an der langen Sondersendung ab 20 Uhr geäußert und Fragen gestellt. Die Journalisten vor Ort seien immer “dasselbe gefragt” worden, es sei zu früh gewesen, um sich länger damit zu befassen. Warum wurde das Gesicht des Täters unkenntlich gemacht? Erlauben Sie mir bitte, etwas genauer auf die Abläufe am 22. Juli einzugehen.
Auch wenn die tagesthemen zur Fußball-Europameisterschaft lediglich Kurzausgaben in den Halbzeitpausen senden, liefert die Redaktion zusätzlich wichtige Hintergründe: Die Sendung wird online fortgesetzt. Zum Attentat in Orlando wird heute unmittelbar nach der Acht-Minuten-Ausgabe im Ersten auf tagesschau.de eine Extraausgabe der tagesthemen starten. Thomas Roth wird den Terrorexperten Georg Mascolo zu den Hintergründen des Massakers interviewen.
tagesthemen als Second Screen
Die Digital-Marke tagesthemen als Hintergrundformat wird auch durch Live-Expertengespräche auf facebook gestärkt. Wir werden Fragen und Reaktionen der User in diese Gespräche integrieren. Auch zu den Olympischen Spielen werden bei Kurzausgaben die tagesthemen online vertiefen.
Wir wollen dabei auch unterschiedliche Formen der Zuschauerbeteiligung testen, also auch Themen, die die Redaktion dann vertieft, hin und wieder zur Wahl stellen. Nach EM und Olympia werden wir Bilanz ziehen, welche Online-Formate sich bewährt haben. Diese führen wir weiter.
Die Stärke der Redaktion und das Gewicht unseres Korrespondentennetzes werden wir zunehmend für Onlineangebote, die an die Sendung anknüpfen, einsetzen. Wir freuen uns auf Ihr Feedback und Ihre Ideen.
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hat ARD und ZDF für ihre Berichterstattung kritisiert. Sie sei realitätsfern, so Seehofer in einem aktuellen Spiegel-Interview. Da die Tagesschau in wesentlichem Maße zur Berichterstattung beiträgt, ist das Interview für uns allemal ein Grund, Seehofers Vorwürfe zu reflektieren.
Seit heute Abend gibt es ein Video auf YouTube, das ein Fahrgast in Bad Aibling unmittelbar nach dem Unglück im Zug gedreht hat. Das Video dokumentiert den Schockzustand, das Trauma und die Verletzungen der Menschen im Zug. Die Bilder der Opfer und das Wehklagen der Menschen, das über Minuten zu hören ist, kann man kaum ertragen. Schwer zu entscheiden, ob wir dieses Video für die Berichterstattung in der Tagesschau verwenden.
Selten hat ein Gerücht die Gemüter so bewegt wie im Fall der 13-Jährigen, die angeblich entführt und vergewaltigt worden sein soll. Und schon lange haben wir uns nicht mehr so schwer getan mit der Frage, ob wir einem bestimmten Thema eine Meldung in der Tagesschau widmen sollen wie heute. Denn wie wir jetzt wissen, war an dem Gerücht nichts dran. Warum bitteschön soll die Tagesschau berichten, dass ein Gerücht nicht stimmt? Dann hätten wir künftig alle Hände voll zu tun.
Eine Meldung aus der Tagesschau von heute: Nach 18 Tagen hat die Polizei den ersten Verdächtigen festgenommen, der in der Silvesternacht an den sexuellen Angriffen auf Frauen beteiligt gewesen sein soll. Nach 18 Tagen! Anlass, nach fast drei Wochen noch einmal zurückzublicken auf unsere Berichterstattung. Denn die Diskussion über den Zeitpunkt der überregionalen Berichterstattung reißt nicht ab.
Ich möchte Sie nicht langweilen mit Weisheiten nach dem Motto, “Kinder, wie die Zeit vergeht”. Tatsächlich habe ich aber in diesem Jahr das Dutzend voll gemacht d.h. ich bin seit 12 Jahren Chefredakteur bei ARD-aktuell. Und nun hat mir die ARD die Chance gegeben, fünf weitere Jahre dranzuhängen. Ein großer Vertrauensvorschuss, eine Ehre und eine Gelegenheit, den Blick mal in Richtung 2020 zu richten.
Tausende Flüchtlinge werden am Münchner Hauptbahnhof willkommen geheißen, Helfer verteilen Wasser, Eis für Kinder, fremde Menschen winken sich zu. Nachrichten im Wechselbad der Gefühle. Zuvor hatte der Tod des 3jährige Aylan Millionen Menschen aufgerüttelt. Erst in Syrien schutzlos den Kriegsparteien ausgeliefert, dann von Schleppern auf dem Meer dem Tod überlassen. Der Anblick ist unerträglich. Und der Gedanke, dass Aylan nur eines von womöglich hunderten Kindern ist, die auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken sind, lässt den Atem stocken. Es braucht diese Bilder, um zu verstehen, aus welchen Situationen Menschen als Kriegsflüchtlinge zu uns kommen. Davor hatte uns der Lastwagen, in dem 71 Menschen erstickten, aufgewühlt. Nachrichtenbeiträge aus Europa sind selten so emotional aufgeladen wie in den vergangenen Tagen.