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21.11.2009

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Das tut richtig weh

12. Juli 2007, 21:09 Uhr - von Dr. Kai Gniffke

Am Abend der Verleihung des Grimme Online Awards haben Thomas Hinrichs und ich kurz mit Stefan Niggemeier gesprochen (benannt nach dem gleichnamigen blog). Er hatte uns damals ermuntert, öfter im blog auch mal dahin zu gehen, wo’s weh tut. Also gut: Heute habe ich das Manuskript einer Hörfunksendung gelesen, die sich dieser Tage mit der Tagesschau beschäftigt hat. Herbergsvater, sind wir da verprügelt worden!Das ganze Ding lief am Dienstag im Deutschlandfunk. Erstklassige Adresse also. Hatte schon ganz vergessen, dass da mal jemand bei uns war, der dafür recherchierte. Ist ja auch schon eine Weile her, denn Walter von Rossum (der Autor des Radio-Features) war im Dezember 2006 bei uns. Sieben Monate später ist sein Beitrag fertig geworden, und ich muss schon sagen, die Arbeit hat sich echt gelohnt. Haut der uns auf die Fresse! Gottohgottohgott, sind wir schlechte Menschen. Über handegestoppte 28 Manuskriptseiten weist er uns nach, dass wir imperialistische Kriegstreiber, Büttel des Großkapitals, elende Ami-Schergen und fußballgeile Quotenhuren im chauvinistischen Vollrausch sind. Und überhaupt irgendwie die letzten Penner. Da werden die Hörer ja mal eine Dreiviertelstunde richtig Spaß gehabt haben. Falls sich jemand von Ihnen den Tag hintenraus noch mal so richtig nett machen will, kommt hier natürlich der Link zum Radiofeature des Herrn von Rossum. Sollte ich jetzt noch was Inhaltliches zu dem Feature schreiben? Ach was – lesen Sie selbst. Es tut richtig weh.

blog tagesschau.de - hinter den Nachrichten.

 

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43 Reaktionen zu “Das tut richtig weh”

  1. 1: Chris

    Was soll man sagen? Für mein Gefühl haben die recht und diese Vorwürfe muss sich die Tagesschau gefallen lassen.

  2. 2: william wolfo

    Eine sehr gute Analyse, ich empfehle den Bericht als Audio anzuhören:
    ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2007/07/10/dlf_200707101915.mp3

    Die Berichterstattung der TS ist wirklich eine Schande, besonders weil einfach nicht anerkannt wird, dass wir und die USA unterschiedliche Interessen haben (in Bezug auf Rußland sprach Horst Kläuser unten in einem Beitrag vom 28.6 von der “judo-christlichen Welt”). Wir wollen keinen Konflikt mit Rußland und dem gesamten Nahen Osten, wir können uns das nicht leisten! Wem nützt also die andaurnde einseitige Kriegshetze, zz gegen den Iran?

    Einfach zum Lachen ist dieser Satz: Bush wird oft schlicht als “der Präsident” bezeichnet, obwohl er doch als Kriegsverbrecher nach Den Haag gehört. Mein Tipp: Einfach nicht mehr anschalten! Wer Bush als seinen Präsidenten anerkennt, sollte die US-Staatsbürgerschaft annehmen.

  3. 3: afrobacon

    Da hat Walter van Rossum voll ins Schwarze getroffen! Zwar ist es einfacher, hinterher die Fehler anzustreichen, aber dennoch sollte die Tagesschau versuchen, sie vorher gar nicht erst zu machen.
    Ein Lehrstück für die Redakteure in Hamburg wie auch für die Autoren vor Ort.

  4. 4: m.

    Tja, an der Kritik ist was dran. Ab und an kann es nicht schaden mal kritisch den Spiegel im Alltagsgeschäft vorgehalten zu bekommen, das ist gut für das eigene Selbstverständnis.

    Vorschlag: Laden sie den Kollegen doch einmal ein und fragen ihn nach seinen konkreten Verbesserungsvorschlägen - das könnte für beide Seiten interessante neue Erkenntnisse mit sich bringen.

    Was das “harte Ringen” um Meldungen angeht: Wenn es eine Meldung über Christoph Daums Arbeitsbeginn wegen ein paar tausend “Betroffenen” in die Tagesschau schafft, ringen sie doch bitte mal um fünf Minuten um ausgewogene Berichterstattung über z.b. die Vorratsdatenspeicherung, die bald alle Bürger und Bewohner dieses Staates betreffen wird. Die Experten zu diesem Thema haben sie übrigens in ihrer Onlineredaktion sitzen.

    Oder mal öfter auch ein anderes Thema abseits des Mainstreams - oder müssen Sie sich etwa vor der Politik rechtfertigen? ;)

    mit einem zwinkerndem Auge,

    m.

  5. 5: Stefan Schneiderhoff

    Na ja, weh tut Polemik wohl immer. Ich finde das Feature über weite Strecken einfach ungerecht und eben polemisch. Wer lange genug sucht, wird auch in einem Dossier in der Zeit oder bei einem arte-Themenabend noch Aspekte vermissen und kann dies dann genau so anprangern, wie es der Autor des DLF-Stücks getan hat. Der setzt seine Einschätzung von politischen Vorgängen und Nachrichten als absolut und spielt sich zum Oberschiedsrichter über das Weltgeschehen auf.
    Natürlich kann die Tagesschau in einem Nachrichtenbeitrag nicht immer jeden Aspekt beleuchten. Soll sie auch gar nicht.

    Klar, manche Themen sind auch mir in der Tagesschau falsch aufgehoben (ich erinnere da mal an Küblböck und seinen Gurkenlaster). Aber der Redaktion in Klassenkampf-Rhetorik Böswilligkeit zu unterstellen ist mir persönlich zu billig. Das Feature wäre dann gut und richtig gewesen, wenn es sachliche Kritik an der Tagesschau angebracht hätte. Hat es aber nicht. Wenn der Feature-Macher am Ende seines Beitrages sagt:
    “Dass an diesem Tag wieder so etwa 30.000 Kinder
    irgendwo auf unserem Planeten ihr kurzes Leben neben einer stinkenden Pfütze aushauchten, hatte für die Tagesschau auch heute keinen Nachrichtenwert.” macht das für mich alles klar. Da verwechselt ein hauptberuflicher Weltverbesserer und verbiesterter “Kulturkritiker” eine Nachrichtensendung mit einem Essay über die Schlechtigkeit der Welt.

  6. 6: Christoph

    Hmmm… es werden einige Fragen aufgeworfen - nur schade dass man bei der Befragung von Tagesschaumachern diese Fragen nicht einfach gestellt hat. Hätte aber wohl auch nicht wirklich in diesen Bericht gepasst.
    Hier hat jemand gut gelernt. Beim Herrn Michael Moore….

  7. 7: Greebo

    Man kann durchaus feststellen, dass im Beitrag des DF eine gute Portion Pathos mitschwingt, wenn etwa gegen Ende des Berichts die Millionen leidender Drittweltler aus der Betroffenheitsschublade gekramt wird (Was bitte nicht falsch zu verstehen ist. Die Problematik an und für sich ist existent und schlimm, nur leider keine Neuigkeit). Im Grundsatz bleibt mir nach sorgfältigem Nachhören allerdings doch das Gefühl, dass viele Kritikpunkte (bzw. häufig vielmehr nuancierte Fragen) etwas mehr verdient hätten als lapidaren Sarkasmus und die Feststellung dass die Herstellung etwas länger gebraucht hat.
    Ich fürchte einfach, dass die Tagesschau sich immer mehr dem Verständnis von Nachrichtenmaterial der Privatsender beugt, um nicht Quotentechnisch vom Medienfastfoodtisch verstoßen zu werden.
    Übrigens verteufelt von Rossum die Tagesschau nicht generell, so war er etwa fair genug, nach dem Beispiel der “Filmwerbung” auch die kritische Diskussion innerhalb des Tagesschaustabs wiederzugeben.

  8. 8: Walter

    Anstelle eines Kommentars zum Feature Walter von Rossums eine philosophische Betrachtung Anne Wills über die Wahrnehmung von Wirklichkeit und die Fiktion von Wahrheit (Private Videoclips über Nahost-Krise, http://www.tagesschau.de/sendu.....1_,00.html) Dies kann auch als Zusammenfassung einer Kritik des gar nicht so schmerzhaften Features herhalten. Danke Herr von Rossum. Letztlich wissen wir eben nicht, wann wir die Wahrheit gefunden haben…

  9. 9: Bernhard W.

    Da hat Herr v. Rossum ja hingelangt! Im Grund kann er das aber bei fast jeder anderen TV- oder Radionachrichtensendung machen - letztlich auch im DLF.

  10. 10: Udo

    Donnerwetter!
    Der alte Sokrates erkannte bereits, das er nicht Alles wissen konnte und es daher auch weise wäre, nicht zu glauben man wüsste Alles.
    Mit Herrn Rossum haben wir augenscheinlich endlich jemanden gefunden, der Alles zu wissen scheint und vor Allem Alles besser!
    Das er dabei seiner persönliche Wahrheit einen fast dogmatischen Status verleiht, macht diese leider nicht wahrer.
    Leider entwertet der Autor dadurch auch die wenigen Ansätze, die zumindest noch den Anschein von Diskussionswürdigkeit vermitteln könnten.
    Wenn ich das Alles Mangels intellektueller Befähigung nicht verstanden habe und Frau Koenicke doch Recht hat, nehme ich zukünftig rechtzeitig vor jeder Tagesschau eine Schmerztablette. :-)
    Das könnte auch beim Lesen solcher Beiträge helfen! :-)

  11. 11: Martin Hiegl

    Der Unterschied zwischen informieren und bewerten ist wohl nicht jedem klar. Und dass nicht jedes Mal, wenn über den Irakkrieg in irgendeinem Punkt berichtet wird, der ganze Beginn des Irakkrieges und die Frage nach dem richtig/falsch neu aufgedröselt werden kann (vor allem nicht in knapp 15 Minuten und schon gar nicht in Beitragslänge) scheint auch schwierig zu verstehen sein. Es geht in der Tagesschau schließlich darum, was tagaktuell ist.

  12. 12: Der Zuschauer

    Kann es vielleicht sein, dass Herr von Rossum sich mal bei ARD-aktuell beworben hat und nicht genommen wurde? Anders kann ich mir diesen Hass auf die tagesschau nicht erklären. Und vor allem kann ich mir nicht erklären, warum eine Redakteurin beim Deutschlandfunk dieses Feature abgenommen hat. Man kann jedes beliebige Medium auf diese Weise zerpflücken. Schade um die Sendezeit.

  13. 13: Goldstein

    Wie mir scheint wollte der Herr v. Rossum die spezifischen Aufgaben von Tagesschau und Tagesthemen nicht verstehen. Die Tagesschau hat, wie nicht zuletzt in diesem Blog wieder und wieder gesagt, nur die Aufgabe ihre Zuschauer über neue, relevante Entwicklungen zu informieren. Die Analysen dazu sucht sich dann jeder Zuschauer schon selbst - indem er die Tagesthemen schaut, entsprechende Zeitungen liest, sich im Internet informiert, etc.

    Wenn hier nun ein O-Ton von Anne Will (TT) über die Außenpolitische Analyse zur Kritik an der Tagesschau verwendet wird, dann ist das entweder dumm oder böswillig. Möglicherweise auch beides.
    Dies soll nur ein Beispiel sein für die lange, absurde Liste der angeblichen, strukturellen Mängel in der Tagesschau, aus der dieses Stück besteht.

    Es wäre aber ganz sicher, auch mal ein kritischer Blick auf den Autor dieses Features hilfreich: thing-frankfurt.de/home/archive/tt-mb01_result.php?id=110

    In Anbetracht dieser Sachlage: Nehmt dieses Pamphlet als Auszeichnung an. Tatsächlich erhöht es euch.

  14. 14: Christian

    Oh, da hat jemand mit dem Windows Movie Maker und einem DAT-Rekorder ein wenig herumgespielt. Künstlerisch wertvoll, wie sinnlos die einzelnen Audioschnipsel in den (von investigativem Schournalismus nur so triefenden) Aufklärerbeitrag hineingefallen sind. Nur schade, dass selbst WvR nicht so recht bekannt ist, was er eigentlich damit sagen will; bis auf: ich kann das auch.
    Da sage ich: durchgefallen, Herr (von) Rossum.

  15. 15: nolookpass

    Danke, Niggemeier.

  16. 16: Stefan

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Stefan Niggemeier gemeint hat, dass Sie auf diese Weise auf Ihre Kritiker reagieren. So wie ich Niggemeier aus seinem eigenen Blog kenne, wollte er Sie ermuntern, Kritik aufzugreifen und sich Ihren eigenen Schwächen zu nähern.

    Dass dies hier fehlt, fällt mir besonders bei den Beiträgen von Dr. Gniffke immer wieder auf. Ohne den DLF-Beitrag gehört zu haben und allein aus dem Lesen der Kommentare, scheint ja die Kritik, um die es hier gerade geht, nicht so absurd zu sein, wie Dr. Gniffke es anfangs darstellt.

  17. 17: p!

    Stefan Niggemeier ist nach seinem Blog benannt? Dachte da hätten seine Eltern die Finger mit drinn gehabt. …oder hab ich den Gag nicht verstanden?

  18. 18: Wortmogul

    Ich habe die Sendung im Deutschlandfunk gehört.
    Der missgünstige, besserwisserische, deutschmichelhafte Mini-Moore hat halt andere Antennen als die meisten Zuschauer der Tagesschau.
    Ihm ist die Sendung wohl zu “rechts”, mir manchmal zu “links”. Also scheint sie doch ganz gut und ausgewogen zu sein und der Realität angenähert und der Objektivität verpflichtet.
    Was mir ganz interessant erschiene: In diesem Blog ab und zu ein Beitrag nach dem Motto: Was wir heute nicht gesendet haben [und warum].

  19. 19: Mo

    Ich vermisse in diese Blog manchmal die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen Themen. Ich habe das Gefühl, daß hier alles was ein bisschen heikel ist hier nicht angefasst wird. Herr Schäuble ist z.B. nicht gerade Stammgast hier im Block, obwohl er doch eigentlich geradezu darum bettelt.

  20. 20: Niklas

    Habe mir das ganze gerade mal angehört. Ich muss sagen, der Beitrag ist absolut nicht von der journalistisch erstklassigen Qualität, die Ich sonst vom Deutschlandfunk gewohnt bin. Aber dennoch bin ich der Meinung, dass an der Argumentation des Autors etwas dran ist.
    Recherchen oder kritische Reflexion sind bei der Tagesschau einfach Mangelware; und damit meine ich nicht das, was Panorama oder Monitor dem Zuschauer servieren. Man scheint sich oft einfach damit zufrieden zu geben, die Nachrichten des Tages möglichst verständlich und ausführlich zusammenzufassen. Als deutsches Nachrichtenflagsschiff sollte die Tagesschau ihrere Messlatte jedoch höher ansetzen.

  21. 21: Frank Schönemann

    Es ist schon ein verrücktes Spiel mit den Medien. Und irgendwie hat dies auch alles mit dem 11.9. zu tun. Es srebte auseinander, wo man voher eine gute Entwicklung glaubte. Die internationale Stimmung wurde rauer, was auch verständlich ist. Eigentlich können wir zwei Meinungsfronten beobachten, die sich gegenseitig versuchen ihren Standpunkt aufzuzeigen, wer moralisch die bessere Meinung vertritt. Eine aktuelle Sendung jedoch sollte etwas neutraler oder bzw. mehrere Wahrheiten beleuchten, da genau dies aktuell ist. Über den Feind von den USA lässt sich nur wenig ein verwertbares Bild darstellen. Es sind eben die Unmenschen, die zu jeder Greueltat bereit sind. Aber es wird nicht gesagt, warum sie dazu bereit sind. Wie würdest du reagieren, wenn du deine Familie verloren hättest und siehst in der Zeitung eine Karikatur darüber, dann ist es auch nicht mehr makaber lustig. Und es wurde darauf hin ein Vergleich über Meinungsfreiheiten in der westlichen und in der östlichen Welt vom Zaune los gebrochen. Dabei muss man betrachten, dass der Osten eine andere historische Entwicklung hat. Es ist also keine respektvolle Kommunikation vorhanden. Dann erst rief der Papst zum friedlichen Dialog zwischen den Kulturen auf. Warum zeigt man nicht auch die schlechte Versorgung und die Zerstörung der Infrastruktur. Ja, einen Bericht gab es, aber es wiederspiegelte nicht die reale Not, welche vielleicht auch den Irak-Einsatz in Frage stellt. Vielleicht hätten die Flüchtlingsströme aufgehalten werden können. Doch ich kann Ihnen irgendwie auch nicht weiter helfen, erstens bin ich kein Präsident und zweitens auch kein Jounalist.
    Doch dass sich drei Länder gegen den Einmarsch in den Irak entschieden haben, hat Herr Bush eben nicht als gut gemeinten Rat aufgefasst. Stattdessen erhärteten sich die deutsch - amerikanischen Beziehungen, zumindest in der transatlantischen Kommunikation. Erst zwei Jahre später kam es wieder zu einer Annährung. Die Tsunami-Hilfe begann dagegen als Konfrontationsbeispiel, dass eigentlich die Menschen die Bilder vom Krieg satt haben. Dass es auch andere Werte gibt, für die man sein Leben einsetzen kann. Doch dies hat doch nicht der Schöter gemacht. Jedoch vertreten hat er diese Aktion mit hoher Staatsmännischkeit. Daraufhin kamen die Diskussionen in die Öffentlichkeit. Wie zum Beispiel, die Fischer brauchen ihre Boote zurück, Spendengelder gelangen nicht an den Ort der Not, wie muss die Hilfe aussehen, es wird Trinkwasser gebraucht, wir benötigen medizinische Hilfe und die Diskussion über ein Frühwarnsystem. Dies sind auch alles christliche Werte, welche für das Leben stehen. Es muss jemanden gegeben haben der alle Hifsorganisationen interdisziplinär und auch international kurz geschlossen hat. Sonst wäre dieser Kraftakt zu den Weihnachtsfeiertagen nicht zustande gekommen. Schlecht war nur, dass Hilfsorganisationen in Gebiete gelandet sind, wo Rebellen Ihr Unwesen treiben. Bis eben Frau Merkel auf die Bühne trat. Aber warum benehmen sich Bush und dieser französische Präsident so unstaatsmännisch gegenüber dieser Frau? Ich glaube, Clinton hätte diese Situation eindeutig besser gemeistert. Aber der hat ja bekanntlich wegen der Lewinski Affaire die christlichen Wähler verloren. Oder ist die ganze Geschichte doch ein Machtspiel? Dass wir endlich wieder Frieden haben und dass die Terroristen keinen Grund mehr haben Anschläge zu verüben, wäre doch ein gemeinsames Ziel. Doch vorerst werden wir von Herrn Schäuble virtuell beobachtet. Die links und rechts Diskussion wird geführt und geschürt wie zu Zeiten des kalten Krieges, dies sind alles Indikatoren, dass wir nicht nach vorne schreiten, sondern in der Entwicklung einen Schritt zurück gehen. Dabei wäre der dritte Weg auf dem wir vorwärts kommen würden, der der gegangen werden muss.

  22. 22: Asdrubal

    Ich habe die Radiobeitrag im Deutschlandfunk gehört und finde ihn absolut unter alle Kanone. Sicher gibt es genug an der Tagesschau zu kritisieren, aber dann soll man auch konkret werden und Kritikpunkte herausarbeiten. Der Kollege ergeht sich aber in düsteren und verschwommenen Andeutungen. Nirgendwo nennt er konkrete Thesen, was die Tagesschau seiner Meinung nach denn falsch macht.

    Besonders herzig fand ich Formulierungen wie “Die Tagesschau enthält ihrem Publikum die Wahrheit über den Irak vor.” Schön, dass Herr von Rossum der einzige ist, der die Wahrheit im Irak kennt. Da hat er sämtlichen Kollegen außerhalb der Landes und vermutlich auch den Korrespondenten im Irak Welten an Wissen voraus. Hut ab!

    Insgesamt kann man das Feature getrost in die akustische Mülltonne kloppen.

  23. 23: Frank Schönemann

    So jetzt muss ich mich noch einmal mit einem geschriebenen Text an sie wenden. Dies scheint wirklich eine sehr fachmännisch geführte Diskussion über Walters von Rossum ausgearbeiteten Feature. Ich persönlich kann darin eine kurze Darstellung der Arbeit im Alltag der Mitarbeiter erkennen, die aus den Informationen eine anspruchsvolle, seriöse Sendung produzieren, die mehrmals am Tag und immer aktualisiert in den Wohnzimmern der Bevölkerung über das Medium Fernseher ausgestrahlt wird. Ich konnte auch keine Kritik in diesem Feature an die Tagesschau erkennen. Schade, dass ich versehentlich die zufälligen, ausgewählten Themen in meinen vorhergehenden Blogbeitrag zu einer Analyse des Weltgeschehens ausgearbeitet habe. Das tut weh und bin damit eigentlich total am Thema vorbei geschlittert. Doch im Übrigen finde ich es nicht negativ, wenn man ab und zu daran erinnert wird, dass nicht alle Menschen auf dieser Welt so gut leben können wie wir. Als letztes möchte ich noch anmerken, die Themen der Blogs waren auch schon einmal besser gewesen. Man sollte doch lieber das schöne Wetter draussen nutzen. Aber da sind wir schon wieder beim Thema Laptop.

  24. 24: ben.gt

    Du liebe Güte. Die Kritik scheint ja manche tagesschau fans härter zu treffen als die taggeschau selbst.

  25. 25: Peter

    Je bekannter eine Seite wird um so mehr Besucher bekommt Sie. Leider beobachte ich seit einiger Zeit das Phänomen in einigen Foren und Blogs, das am Anfang bei wenig Besuchern noch eine Diskussion möglich ist, aber sobald das Forum/Blog größer wird, zieht es immer unweigerlich einige bestimmte Zeitgenossen an, die es sich zur Aufgaben machen, das Forum/Blog durch ihre unqualifizierten Kommentare zerstören zu wollen. Das wiederfährt meiner Meinung nach nun auch diesem Blog. Deshalb würde ich es begrüßen, das eine noch gründlicher Vorauswahl der Kommentare getroffen wird.

    Peter

  26. 26: Kai Gniffke

    @ Peter
    Habe nicht den Eindruck, dass hier potentielle Blog-Zerstörer am Werk sind. Find auch die Diskussion nicht unqualifiziert. In gewisser Weise hat 16 ja Recht. Ich hätte mich mehr inhaltlich mit dem Herrn von Rossum auseinandersetzen können. Aber angesichts dieser gewaltigen Breitseite würde das gigantischen Raum erfordern.

  27. 27: 94rb07

    Warum berichtet die TS denn nicht über skandalträchtige Themen, die jeden Bürger schockieren müssten? wie zum Beispiel, dass die EU Verfassung, die uns demnächst als “Grundlagenvertrag” untergeschoben wird, die Todesstrafe erlauben würde und dass eine Tötung bei der Auflösung einer Demonstration rechtens wäre?

    Wacht auf Leute und lest die Bestimmungen, die die da oben beschließen und lasst nicht zu, dass uns die Verfassung, die uns vor einem wildgewordenem Staat beschützen soll, kaputt gemacht wird!

    94rb07

  28. 28: Goldstein

    @27: Ich habe die EU-Verfassung vor mir liegen. Nenne mir doch bitte mal die Artikel, die angeblich die Todesstrafe, etc. erlauben… Ich lese dort nur etwas wie: “Art. II-62: Abs. 2: Niemand darf zur Todesstrafe verurteilt oder hingerichtet werden.”
    Also höre bitte auf mit deiner europafeindlichen Propaganda!

  29. 29: Peter

    @Kai Gniffke (26)

    Ich beziehe auf solche Beiträge wie z.B. 27, wo nachweislich falsche Behauptungen wie von 28 bewiesen freigeschaltet werden, nur um z.B. die Stimmung gegen die EU anzuheizen.

    Ich hoffe Sie verstehen so meinen Beitrag besser und können ihn auch besser einordnen.

  30. 30: Marcel

    @Peter
    So falsch ist Kommentar 27 gar nicht. Von Gerhard Wisnewski gibt es einen recht gut begründeten Artikel mit Titel “EU: Genehmigung zum Schießbefehl?” (wer sucht, der findet), der das einschränkende Kleingedruckte betrachtet, das zu diesem Art. II-62: Abs. 2 gehört.

    Darüber kommt man dann auf die Negativdefinition:

    „Eine Tötung wird nicht als Verletzung dieses Artikels betrachtet, wenn sie durch eine Gewaltanwendung verursacht wird, die unbedingt erforderlich ist, um

    c) einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen.”

    Das könnte heißen, dass, nachdem eine Demonstration zu einem rechtswidrigen “Aufstand” erklärt worden ist, von Sicherheitskräften auf Demonstranten geschossen werden darf.

    Nun kann man sicherlich zutreffenderweise sagen, dass sicher niemand beabsichtigt, auf eine Demonstration zu schiessen. Andererseits darf man sicherlich zurecht fragen, warum die Regelung über den Umweg durch das Kleingedruckte in die Verfassung einbezogen wurde. Man kann zum Beispiel kritisieren, dass die Verfassung so umfangreich ist, dass die Grundrechte - die den Menschen vor der Staatsgewalt schützen sollen - verwaschen wurden.

    @Kai Giffke
    Die Selbstkritik von Kommentar Nr 26 sehe ich sehr positiv. Da die Diskussion der Qualität der Nachrichten in der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren recht kurz gekommen ist, ist es nun nicht verwunderlich, dass sich das ein Diskussionsbedarf angestaut hat, der gigantischen Raum erfordern könnte. Es wäre erfreulich, wenn es zukünftig tatsächlich eine stetige Diskussion über die Qualität der Nachrichten der Tagesschau geben würde, ein Anfang ist hier im Blog ja schon gemacht.

    Dass über die Qualität der Nachrichten der Tagesschau diskutiert wird, soll übrigens nicht heißen, dass diese Nachrichten im Vergleich zu den Nachrichten anderer Massenmedien schlechter sind. Meiner Meinug nach ist eher das Gegenteil ist der Fall.

    PS: Schade, dass der Trackback vom Parteibuch Blog hier anscheinend nicht angekommen ist. Dort findet unter dem Titel “Frontalangriff auf die Tagesschau” auch eine Diskussion über den Beitrag von Walter van Rossum statt.

  31. 31: 94rb07

    Ja, Sorry, mir ist schon klar, dass man mir nicht glauben kann, wenn ich keine Quelle poste. Die hatte ich eigentlich gleich hinterhergeschickt ?!

    Also hier:
    tinyurl.com/36b9rq
    ist eine Ausarbeitung der Kritikpunkte. Die beiden Dinge, die ich angeführt hatte, von denen schon eines von Marcel bestätigt wurde, habe ich selbstverständlich nachgeschlagen.

    Betreff Todesstrafe
    Zitat:
    „Ein Staat kann in seinem Recht die Todesstrafe für Tatenvorsehen, die in Kriegszeiten oder bei unmittelbarer
    Kriegsgefahr begangen werden; diese Strafe darf nur in den Fällen, die im Recht vorgesehen sind,und in
    Übereinstimmung mit dessen Bestimmungen angewendet werden…“. (Quelle in bereits gepostetem Link zu finden)

    Das würde doch heißen, dass wenn der Europarat den Krieg gegen den Terror ausruft, dass dann im Namen der Terrorbekämpfung alle möglichen und unmöglichen staatlichen Methoden aufgefahren werden können, um eine Person zum “Schweigen” zu bringen. Oder irre ich mich etwa? Sagt mir dass man das nicht so interpretieren kann und ich kann wieder etwas ruhiger schlafen!

  32. 32: Goldstein

    @30: Das irreführende an der Sache ist doch: Diese Regelung entspricht dem status quo. Es würde sich durch die Verfassung also keine Verschlechterung zur derzeitigen Situation ergeben.
    Weder >>erlaubt>bekräftigt

  33. 33: Goldstein

    @30 und 31: Das irreführende an der Sache ist doch: Diese Regelung entspricht dem status quo. Es würde sich durch die Verfassung also keine Verschlechterung zur derzeitigen Situation ergeben.
    Weder _erlaubt_ die Verfassung die Todesstrafe, noch das Töten bei Fluchtversuchen, Festnahmen oder auf Demos. Das kann sie gar nicht, da dies einigen (allen?) nationalen Verfassungen widersprechen würde. Sie _bekräftigt_ eben nur schon bestehende Rechte. Die Bundesregierung kann also nicht mal eben die Todesstrafe ins Kriegsrecht schreiben, da dies dem GG widersprechen würde.

    PS: Eine Vorschau für Blogeinträge wäre schön. Ich hatte diesen Beitrag gerade schoneinmal geschrieben, nur leider hat ein gewisses Zeichen dafür gesorgt, dass nur die Hälfte angekommen ist. Und zwar dieses: “>”

  34. 34: Vasco M.

    Da sind wir ja nun irgendwie von Kritik an der tt zur EU-Verfassung gelangt…

    Mich stört die Überschrift “Das tut richtig weh”, aber der Text folgt ihr ja völlkommen. Mir scheint, dass dies hier gepostet wurde, um im Blog eben diese umfangreiche Kritik abwerten zu lassen. Versteht es doch einfach als feedback, das nicht einzeln beantwortet werden muss, das man aber durchaus mal durchdenken darf. Es wird ja nicht dier einzige Kritik der tt sein. Ist es so schlimm, wenn man “aus heiterem Himmel” plötzlich mehr Kritik empfängt als sonst in wohl fünf, sechs Jahren zusammen? Ihr müsst euch ja nicht jeden Schuh daraus anziehen.

    Vasco M.

  35. 35: Katia

    Natürlich kann man auf jedes Medienprodukt einschlagen. Und Herr von Rossum hat sich eben die Tagesschau ausgesucht, die wegen ihrer großen Popularität ruhig öfter mal kritisch betrachtet werden sollte.
    Nun hatte Herr von Rossum für seine Sicht der Dinge aber auch ‘ne ganze Menge Zeit, die die TS einfach nicht hat. Tagesschau-Redakteure bekommen keine 30 Minuten, um ein Thema zu vermitteln. Inhaltliche Verkürzungen sind also kaum zu verhindern. Und trotzdem war ich ganz besonders über zwei Aspekte froh, die im DLF-Feature zum Tragen kamen: 1.) das ewige Parteienhinundher (”ganz ausgewogen”, versteht sich). Diese Köpfe, die einmal rechts im Bild, dann links ihre Phrasen ins Mikro klopfen. Kein Mensch will dem mehr folgen; Parteienstreit bei jedem Thema, ob die O-Töne sinnvoll sind oder nicht, Hauptsache, man hat sie eingefangen… Mag sein, daß damit der Demokatie Rechnung getragen werden soll. Aber ich glaube, da täte die TS besser, die Zeit für genauere Einordnungen zu nutzen. Und 2.) die volksferne Wirtschaftsberichterstattung. Das war ganz wunderbar im Feature hervorgehoben. Massenentlassungen werden schnell genannt; die Folgen davon spielen in der Tagesschau keine Rolle, und ich denke, das ärgert viele Zuschauer.

  36. 36: Textkoch

    Podcast sei Dank, habe ich mir das Radio-Feature heute in der S-Bahn genehmigen können. Wieso soll das bitte wehtun? Kein Kritikpunkt dieses Features ist mir neu. Im Politik-Studium haben wir uns schon vor über zehn Jahren der Tagesschau-Analyse gewidmet, mit nahezu den gleichen Ergebnissen: (zu) häufig (zu) wenig Hintergrund bei den einzelnen Themen (auch für eine Nachrichtensendung), die Zerstückelung von Zusammenhängen in Einzel-Meldungen, (zu) viel Raum für offizielle Parteivertreter und immer wieder die Projektion und letzlich Reduktion von Themen auf einen Parteienstreit und - das fehlte in diesem Feature - hohe Anteile an Unterhaltung: Zweiminütige Beiträge über Messeeröffnungen mit bunten Bildern, die Bundesliga oder Badebilder über den kurzen Sommer 20007 wie neulich in den Tagesthemen haben eher unterhaltenden als informativen Charakter und sie stehlen die Zeit, die Hintergundinfos brauchen.

    Auch nicht im Mittelpunkt dieses Features: Wie häufig eigentlich die Bild- und Textinformation auseinanderklaffen oder besser: Die Information steckt im Text, nicht im Bild, letzteres hinterlässt aber den nachhalterigen Eindruck beim Zuschauer. ZUgegeben Ein Grundproblem des Fernsehens: Bebildere mal die Gesundheitsreform.

    So ist ein Teil der Kritik auch nicht Tagesschau-spezifisch, sondern weist auf ein weiteres grundsätzlichen Problem von Journalismus hin: Der insgesamt enge Blick auf die ruckartigen Veränderungen der Welt. Nur ein Beispiel: Tankerkatastrophe, 100.000 Tonnen Öl fließen ins Meer. Das ist fraglos ein relevantes Thema, das aber jährlich sowieso mehrere 100.000 Tonnen Öl in unzählichen Kleinstmengen abgelassen werden, ist hingegen keine Meldung, für die Meeresverschmutzung indes problematischer.

    Journalisten und insbesondere Fernsehjournalisten interessiert vor allem die plötzliche und - wegen der Bilder - möglichst sichtbare (Ölpest !) Veränderung, weniger die stetige oder schleichende, was insofern ein Zerrbild der Wirklichkeit ergibt, als das die langsame Veränderung der Normalfall ist, ob nun in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder Natur. Die plötzlich Veränderung markiert die Ausnahme, definiert so gesehen auch Nachricht. Aber das ist eben genau kein Abbild der Welt oder des Tages. Ein stetiges (sic) Bemühen immer wieder auch langsame Veränderungen zu thematisieren, wäre daher bereits ein großer Fortschritt.

  37. 37: roperter

    Das Flaggschiff kritisch gesehen…

    Der Deutschlandfunk hat in der vergangenen Woche ein bemerkenswertes Feature gesendet. Der Radio-Journalist Walter von Rossum beleuchtet die Tagesschau – die meist gesehene Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen –  einmal von ein…

  38. 38: Marcel

    Sicher ist die Tagesschau nicht die optimale Nachrichtensendung, aber wenn man immer 100% korrekt und neutral sein will und immer ausreichend Hintergrund, dann kann man die Tagesschau gleich 24 Stunden am Stück senden.

    Die optimalen Nachrichten gibt es nicht und wird es nie geben. Die Tagesschau ist meiner Meinung nach das beste Nachrichtenangebot in Deutschland. Ich, als 18jähriges Schüler, bevorzuge die Tagesschau, weil hier wirklich mal Nachrichten, die man auch so nennen kann, denn in den Nachrichten auf den Privatsendern bestehen mehr aus Boulevardschrott oder irgendwelchen unwichtigen Randnotizen. Was juckt mich ob Paris Hilton einen Hilton einen neuen Pickel hat oder es irgendwo in der US-Provinz mal wieder eine Verfolgungsjagd gegeben hat.

    Die Tagesschau war bisher und wird für mich immer die erste Wahl in Sachen Nachrichten bleiben, mögliche “Mängel” in der Berichterstattung hin oder her.

  39. 39: Susanne

    Ich habe die Sendung letzte Woche im Deutschlandfunk gehört. Ich war erstaunt über soviel Kritik. Mich interessiert, wie die Redaktion mit dieser Kritik umgegangen ist.

  40. 40: J.T.

    Es ist durchaus sinnvoll, dass auch ein Format wie die TS sich kritisch hinterfragt und hinterfragen lässt. Und selbst, wenn man meint, die gewählte Strategie wäre “die Richtige”, zumindest anzuerkennen, dass dies auch ganz anders rüber kommen kann, als vielleicht beabsichtigt.

    Wo sieht denn nun die TS ihre Aufgaben? Im Infromieren und Aufklären der Bevölkerung? Das Verbreiten von Meldungen von allgemeiner Relevanz? Und wird sie diesen gerecht?
    Eine kritische Analyse wie die von WvR finde ich da mehr, als nur angebracht.. - wobei man natürlich über seine persönlichen An- und Einsichten streiten kann.

    Nehmen wir das Beispiel in dem Beitrag des Wechsels des Telekomchefs. Da wurde das ganze z.B. mehr als eine “Personen-Vorstellung” aufgezogen, als den Wechsel der Führung und die damit möglichen verbundenen Konsequenzen für betroffene Arbeitnehmer und Kundschaft. Dies wurde mit jeweils einem Satz abgespeist.. (mehr Entlassungen, mehr Service.., toll). Dafür aber ständig der Herr ins Bild gesetzt und zu Wort kommen gelassen.
    Aber mal ehrlich: welche Rolle spielt es für mich, ob nun ein Hans Pansen oder ein Liesschen Müller die Repräsentanz des Konzerns übernimmt, wenn ich nicht gleichzeitig Infos über deren Vorgeschichte oder die Bedeutung, welche Rolle dies spielt, bekomme, dass ausgerechnet diese Person die Leitung übernimmt? (aber anscheinend hat es ja eine Rolle für mich zu spielen, immerhin war’s in der TS)
    Bedeutung hat es, so wie es in dem Beitrag dargestellt wurde, allerhöchstens für sein Ego, seine Großmutter (”ach guck, der Enkel hat’s aber weit gebracht!”) oder seine früheren Studienkollegen..
    Das, was den boulevardesken Privat-Nachrichten ihre Paris Hiltons sind, sind dem vermeintlich überlegenen Format und ihren Rezipienten ihre Wirtschaftsbosse… Denn eigentlich sollte im wirtschaflichen Kontext der Fokus doch wohl nicht auf seine “Person” sondern wohl eher auf seine “Funktion” gesetzt werden.
    Welchen Sinn hat es also gehabt? Der Telekom ein neues “Gesicht” zu geben? Warum? Warum muss etwas so sachliches wie Wirtschaft personalisiert werden, dagegen aber menschliche Schicksale (wie z.B. Kriegstote) versachlicht?
    Oder geht es beim Herrn Telekom um neue Idole (das ist ein erfolgreicher Mann, ein Vorbild!) und neue Feindbilder (noch so ein Bonze..).. Und wieder wären wir (eigentlich) auf dem Niveau boulevardesker Berichterstattung.. Nur nicht so offensichtlich. Wäre es nicht sinnvoller zu berichten in dem Stil: “die Führungsspitze hat gewechselt, mit diesem Wechsel sind auch folgende Richtungsänderungen geplant mit folgenden Folgen..? Und dieses dann sachlich darzulegen?

    Wie sehr vermisse ich im Übrigen die Zeiten, in der man noch nicht in jedem Hintertupfingen mit einem Kamerateam vor Ort war.. Denn schreit so eine Amok-Drohung wirklich nach einem Filmbeitrag? Der einzige Unterschied zu den Privaten war da doch nur, dass nicht noch verängstigte Schüler zu Wort kamen.

    Bezüglich der sterbenden Kinder in den Entwicklungsländern: Hier wird WvR vorgeworfen, da nochmal auf die Tränendrüse drücken zu wollen. Klar ist es nichts neues. Aber die westliche Gesellschaft schafft doch recht gut, diese tragische Realität zu verdrängen. Und die Medien tragen ihren Teil dazu bei. Besonders die vermeintlich seriösen..Wie würde die Bevölkerung dazu stehen, damit umgehen, wenn es tagtäglich berichtet würde? Welche Konsequenzen hätte das für die Hilfbereitschaft des Einzelnen und für die Entwicklungsausgaben des Bundes?
    Aber nicht zuletzt die TS bestimmt, was von allgemeiner Wichtigkeit ist, womit sich der Kleinbürger zu beschäftigen hat - und vor allem wie..

    Die Nachrichten stehe vor einer großen Herausforderung: Wo noch vor nicht allzu langer Zeit für den Einzelnen lokale Dinge von Belang waren (dann regionale, dann nationale, dann internationale), sind es nun globale.
    Neben der Selektion kommt vor allem die Integration dieser Informationen den Nachrichten zu. Und damit ein Zuschauer in dieser komplexen Welt *informiert* ist, muss man eben vor allem die Zusammenhänge herstellen. Ohne die Integration sind es fragmentarische Informationsfetzen.. Und ob man diese nun in sich zusammen sammelt oder nicht, welche Rolle spielt es, wenn sie einfach nur im luftleeren Raum hängen?

    Die Welt “ist”, welches Bild wir von ihr haben, wichtig ist, womit wir uns beschäftigen. Und wenn die TS nun meint, sie wäre in ihrer Berichterstattung nur ach so neutral, sollte sie bedenken, dass allein schon in der Selektion eine Wertung steckt.

    Man sieht ja an sehr vielen Kommentaren hier, dass die vermeintlich seriöse Tageschau mehr oder weniger unangreifbar ist- und das nur, weil sie die Tageschau ist. Diesen Menschen fehlt vielleicht die kritische Distanz zu ihrer eigenen Erlebniswelt und möglicherweise die Phantasie, dass es auch vollkommen anders sein könnte (und in dem Falle möglicherweise als genauso selbstverständlich hingenommen werden würde).

    Und wenn die Redaktion der Tagesschau meint, sie wäre über all’ dies erhaben, dann lügt sie sich so selten naiv was in die Tasche - denn auch sie ist nur einfach (bedingendes) Teil des (herrrschenden) Systems und Spiegel der Mentalität unseres Zeitalters. Mit “neutral” hat das nichts zu tun….

    Und zum Schluss: wenn die Redakteure nun meinen, sie würden aber sehr gewissenhaft arbeiten und ihre Arbeit durchaus reflektieren, vielleicht sollten sie dann mal anstrengen, dass über ihr Format eine wissenschaftliche Analyse gemacht wird; auf allen Ebenen.. von der Selektion über die Präsentation bis hin zur Wirkung. *Das* wäre selbstkritisch..
    Und von aussen sieht man manchmal eben doch mehr..

  41. 41: Rolf

    /Über handegestoppte 28 Manuskriptseiten weist er uns nach, dass wir imperialistische Kriegstreiber, Büttel des Großkapitals, elende Ami-Schergen und fußballgeile Quotenhuren im chauvinistischen Vollrausch sind./
    Können sie die Anschuldigungen entkräften? Nein? Hat man Ihnen angeordnet nicht auf diese Kritik zu reagieren? Tja so läufts :-)

  42. 42: marvin

    Manchmal kann ich mich nur noch wundern: In 41 Beiträgen fiel noch nicht der Name “Christiansen”. Dabei ist van Rossums Kritik doch ziemlich offensichtlich eine Fortsetzung seiner “Sonntage mit Sabine Christiansen” zu einem Zeitpunkt, an dem Christiansen selbst ihm abhanden kommt. Anne Will sollte sich nicht dran stören, die Tagesthemen waren nebenbei auch gar nicht betroffen.

    Was an van Rossums Kritik allerdings zutrifft - und das ist eine Menge - gewinnt seine Brisanz gar nicht aus der Tatsache, dass es zutrifft, sondern mehr aus der, dass die Damen und Herren von der TS es gar nicht mehr wahrnehmen und verletzt darüber reagieren. Dass die TS z.B. einen noch so falschen Satz von Herrn Bush unkommentiert wiedergibt, ist ja eher banal zu nennen: Soll sie ihn denn nicht zitieren, obwohl es vielleicht die Geschichte bestimmt? Natürlich wird aus einer eher kurzen Nachrichtensendung über weite Strecken automatisch eine reine “Verkündigungsmaschine” dessen, was Politik und Wirtschaft für sie produzieren. Natürlich messen Medien sich dabei auch noch aneinander (wer diesen Blog mitliest, findet bereits Beispiele), und deren Macher neigen deshalb leicht zu der Ansicht, dass es nur gebe, was bei ihnen vorkommt - also letztlich tatsächlich nur die Auffassungen der Mächtigen.
    Und natürlich ist nichts falscher.

    Diese Hybris, das Gesendete gebe die relevanten Dinge auch nur im Ansatz wieder, ist das eigentliche Problem. Mein Dank deshalb an Stefan Niggemeier für den tollen Tip, auch mal dahin zu gehen, wo es schmerzen könnte: Verletzt scheint mir nämlich nur das eigene Selbstbild. Dabei kann man, bei allem Anspruch, eine viertelstündige Nachrichtensendung doch ohnehin niemals ernstlich perfekt nennen. Es gibt nach jeder Sendung immer noch ganz viele andere Nachrichten da draussen, man kann ganz viele andere Meinungen vertreten; und das muss man deshalb auch zulassen und sollte es als Bereicherung begreifen. (Mein ceterum censeo: Vor allem im Forum.)

    Neuerdings darf man ja auch Caren Miosga zitieren:
    “Wenn zu perfekt, liebe Gott böse!” ;)

  43. 43: ius

    Die Tagesschau sachlich und fundiert auseinandergenommen - beeindruckend und erhellend. Was dennoch festzuhalten bleibt, ist die Offenheit der Redaktion für Kritik - die Verlinkung und Thematisierung des Radiobeitrags spricht für sich. Damit hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk immer noch die Fähigkeit zur Selbstkritik und Einkehr eröffnet - eine Fähigkeit, die man bei den Privaten mit ihren schmierigen Pressesprechern vergeblich sucht.

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