19. November 2009, 23:31 Uhr - von Dr. Kai Gniffke
Jeden Tag setzen wir unsere Sendungen der Kritik aus. Das machen wir einerseits intern, wie zum Beispiel gestern, als der frühere Intendant des Deutschland-Radios, Ernst Elitz, eine sehr fundierte Sendungskritik hinlegte. Oder es geschieht öffentlich, so wie heute, als unser ehemaliger Kollege Uli Wickert in der FAZ die Nachrichtensendungen von ARD und ZDF abbürstete.
Wegen der Bekanntheit des Kritikers hagelte es heute Anfragen von diversen Medien, die wissen wollten, wie wir über Wickerts FAZ-Artikel denken. Auch wenn ich mich lieber mit Zukunftsfragen von Nachrichten auseinandersetze, durfte es also heute noch mal ein Blick zurück sein. Ohne Zorn. Vielmehr möchte ich kurz auf einige Kritikpunkte eingehen. Da ist zunächst einmal das angebliche Versäumnis, wir hätten die Kabinettsliste nicht vollständig aufgezählt. Nun finde ich, dass sich dieser Vorwurf nur schwer mit unserer Berichterstattung vom 23. Oktober verträgt, in der wir in ausführlichen Beiträgen über MinisterInnen und die künftige inhaltliche Ausrichtung ihrer Häuser berichtet haben. Das geht dann doch über das Aufzählen von Namen hinaus.
Auch kann ich nichts Unrechtes daran finden, dass wir am Sonntag nach der Vorstellung der Koalitionsvereinbarung mit den schweren Anschlägen im Irak mit 130 Todesopfern aufgemacht haben. Das ist (zum Glück) kein Alltag in Bagdad, sondern waren die schwersten Anschläge seit zwei Jahren. Das gehört nach meinem Nachrichtenverständnis natürlich vornehin in die Tagesschau, noch vor die Bestätigung des Koalitionsvertrages durch einen euphorisierten FDP-Parteitag.
Sehr überrascht hat mich die Diagnose, uns fehle das Bewusstsein für den öffentlich-rechtlichen Auftrag. Das hatte ich so noch nicht gehört. Vielmehr neckt man uns ja gelegentlich damit, wir seien zu staatstragend. Besonders unterhaltsame Elemente jedenfalls hat man der 20Uhr noch nie nachgesagt. Insofern ist das wirklich neu. Nur kursorisch noch zwei, drei andere Punkte: Das angebliche Versagen am 9. November vermag ich angesichts einer 30minütigen (!) 20Uhr-Tagesschau und einer Tagesthemen-Ausgabe live aus dem gläsernen Studio am Brandenburger Tor nicht so recht zu sehen. Und unsere Texte finde ich sprachlich außerordentlich akurat, und zudem gewinnen sie durch den unfallfreien, engagierten Vortrag unserer Präsentatoren. Last not least: Nein, wir schieben Informationen nicht ins Netz ab, denn Tagesschau und Tagesthemen sind genau so lang wie eh und je. Dies ergänzen wir dann im Web, so wie es unserem Auftrag entspricht.
Nun aber sind Sie am Zug. Was sagen Sie zu der Kritik an den öffentlich-rechtlichen Nachrichten? Ernst Elitz übrigens hat mir heute seine Meinung zur Wickert-Kritik gemailt. Die Mail endet mit dem Satz: “Sie sehen, auch die Altvorderen können unterschiedlicher Meinung sein.” Fand ich nett.
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Dr. Kai Gniffke |
19.11.2009 23:31 Uhr
Kategorie: ARD-aktuell Chefredaktion
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Am 20. November 2009 um 00:30 Uhr
Das Problem ist eher die äußerst unkritische Berichterstattung über die deutsche Politik und die Fokussierung auf das politische Spitzenpersonal nach dem Motto Politiker A sagt dies und das, worauf Politiker B dies und jenes geantwortet hat. Bringt doch mehr über außerparlamentarische Gruppen und Bewegungen. Bei arte Info wird das gar nicht schlecht gemacht. Schaut nur keiner.
Am 20. November 2009 um 00:48 Uhr
Sehr geehrter Herr Gniffke, ich habe mir die Sendung vom 23. nochmal angeschaut und muss feststellen, dass nur die Namen Schäuble, Rösler, Brüderle, Guttenberg, de Maiziere, von der Leyen, Westerwelle auftauchen. Herr Wickert hat somit natürlich vollkommen recht mit seiner Kritik, dass das Kabinett eben nicht vollständig aufgezählt wurde. Es fehlten noch: Leutheusser-Schnarrenberger, Pofalla, Jung, Niebel, Schavan, Aigner, Ramsauer, Röttgen.
Am 20. November 2009 um 00:49 Uhr
Ich stimme Ulrich Wickert in seiner Argumentation voll und ganz zu. Der sprachlich saloppe Schlendrian ist wahrnehmbar, wenn auch nur über einen langen Zeitraum. Herr Wickert hatte seine große Korrespondentenzeit ja eher in den Achtziger Jahren.
Herr Gniffke, wenn Sie permanentes “Aufpeppen” Ihrer Nachrichten inhaltlicher Substanz und seriöser Berichterstattung opfern dann wird es auch weiterhin Kritik geben. Finden Sie sich damit ab.
Auch eine “politische Grundversorgung” rückt immer weiter in den Hintergrund. Die Debatte über die Konstituierende Sitzung des Bundestags ist noch frisch in Erinnerung.
Wickert mahnt! Sie sollten ihm zuhören - Und dann auch ernstnehmen.
Am 20. November 2009 um 02:19 Uhr
Grundsätzlich fällt schon auf, dass sich der Ton der 20 Uhr-Ausgabe geändert hat. Auch die Sprecher werden mehr und mehr zu Moderatoren, was sich in der Art vieler ihrer Texte spiegelt. Auch lesen auch die 20-Uhr-Sprecher inzwischen fast nur noch vom Prompter ab.
Am 20. November 2009 um 02:31 Uhr
Uli Wickert hat Recht. Form und Inhalt der Tagesschau verflachen zusehends. “Das
Raketenschild” und “der Wachstum” sind zu ständigen Begleitern geworden. Kein Tag ohne grammatisch waghalsige Konstruktionen bei mindestens einer der vier angesprochenen Sendungen von ARD und ZDF. Auch kann ich einen “unfallfreien, engagierten Vortrag” leider nicht bestätigen. Von den vielen Versprechern und Räusperern mal abgesehen lässt ganz im Gegenteil die Art und Betonung mancher Nachrichtenverlesung auf inhaltliches Unverständnis der Meldung schließen. Das verwundert aber auch nicht, da manche Inhalte schlicht falsch sind. So wurde gestern(inzwischen vorgestern) bei einem Bericht über die Studentenproteste in der 20Uhr der frühere Diplomabschluss in seinem Wert mit dem heutigen Bachelor gleichgesetzt, um nur mal ein aktuelles Beispiel zu nennen.
Sehr begründet und wichtig finde ich Uli Wickerts Klage über mangelnde Information zugunsten bloßer Nachrichten der Art “Während der Dow-Jones-Index 0,23 Prozent zulegte, gab der Nasdaq-Composite 0,15 Prozent nach.” Information bedeutet Einordnung und Bewertung durch eine Person, die man politisch zumindest grob einschätzen kann. Ein in dieser Hinsicht vorbildlicher Moderator ist für mich Herr Kleber, der immer mal wieder - manchmal auch ironisch - einfließen lässt, dass er sich selbst für einen recht konservativen Menschen hält. Wenn die Fronten klar sind, kann man auch mit von der eigenen Meinung stark abweichenden bestens umgehen und sich auseinandersetzen. Dann sind auch derartige Meinungen eine hilfreiche Information. Leider umgekehrt verhält es sich bei den Tagesthemen, wo ich bei Frau Miosga und Herrn Buhrow manchmal das Gefühl habe, mir soll in Indoktrinationsabsicht eine bestimmte Meinung untergejubelt werden.
Was Herr Wickert zur “Zusammensetzung der neuen Regierung” und der “die Bombe im Irak” sagt, sind für mich beides Konsequenzen eines Veränderungsprozesses, der in vielen Nachrichtenredaktionen Platz gegriffen hat: dem Einzug neoliberalen Leuchtturm- und Ranking-Denkens. Die Fläche zählt nicht mehr, nur noch die Spitze. Es ist ein Guinness-Buch-artiger Nachrichtenwettbewerb entstanden.
„Jeden Tag setzen wir unsere Sendungen der Kritik aus“ schreiben Sie, „öffentlich“ und „intern“. Dann hoffe ich mal, dass das auch für diesen zwischen den beiden Polen liegenden blog gilt.
Am 20. November 2009 um 08:24 Uhr
Ohne das Interview von Uli Wickert vollständig gelesen zu haben muss ich doch in den Kernpunkten durchaus zustimmen. Auch mir fällt es auf, dass die Sprache der Tagesschau seit einiger Zeit ziemlich flach und erzählerisch geworden ist, in der Wirkung jedenfalls ziemlich schlampig. Es gibt einen Unterschied zwischen einer verständlichen Berichterstattung und einem Vorlesen im Plauderton. Die Tagesschau hat sich zu meinem Leidwesen mehr in Richtung Plauderton bewegt, auch wenn es noch nicht ganz so schlimm ist wie im ZDF oder gar bei RTL/Sat.1. Da sollten Sie sich lieber den “Vorwurf” einhandeln lassen, zu staatstragend zu sein als mit einer Wischiwaschi-Berichterstattung natürlicher wirken zu wollen!
Ausserdem ist es auch mir negativ aufgefallen, dass die Tagesschau weder alle neuen Minister kurz vorgestellt hat, ja es wäre auch sehr interessant für den Zuschauer gewesen, zu erwähnen, dass einige schon zu Kohls Zeiten in Verantwortung gesessen sind und früher, was sozusagen die wieder ausgegrabene Führungsriege inzwischen getan hat.
Auch die Berichterstattung zum Gedenken dem Tag des Mauerfalls war wirklich keine Glanzleistung der ARD! Bei jedem eher unwichtigen Fußballspiel wird die Tagesschau einfach in die Halbzeit verlegt anstatt weiterhin pünktlich um 20h zu kommen, aber bei einem feierlichen Staatsakt mit allerlei politischer Prominenz aus ganz Europa ist dies natürlich nicht der Fall und es wird auf Phoenix verwiesen, den mythischen Sender den die Mehrheit im Lade wohl gar nicht kennen dürfte.
Aber auch die Sendung aus Berlin war ein ziemlicher Unfug, denn auch wenn man meinen sollte, das Programm und die Gäste wären schon etwas länger bekannt gewesen, hatte man weder das Programm in der ARD offiziell angepasst, noch die schnöde Unterhaltungssendung nach der Tagesschau aufgegeben. Schlimmer noch, die Moderatoren in Berlin, auch ein Uli Deppendorf, waren scheinbar in völliger Unkenntnis über Ablauf und Programm der Feierlichkeiten, konnten weder etwas über zeitliche noch personelle Abläufe sicher sagen und haben extrem hilflos und unprofessionell gewirkt!
Ich weiß nicht wie sie das nennen, vermutlich eine kleine Häufung von Fehlern im Betriebsablauf, aber ich bezeichne diesen Sendetag als eine Kulturschande ersten Ranges! Da hat Deutschland schon ein so glückliches Jubiläum mit allerlei politischen Gästen und einem Programm dass zugegebenermaßen der Sache nicht unbedingt würdig war sondern wie eine Außenwette bei Wetten dass wirkte, aber trotzdem, die öffentlich-rechtlichen Sender vereinten sich in solider Unkenntnis, mangelndem Feingefühl und zu starren Programmabläufen um sich darauf in einer befriedigenden Weise einzulassen!
Dass die privaten Sender es völlig versäumten sollte hier kein Grund sein, stolz zu sein!
Am 20. November 2009 um 08:30 Uhr
Der Tond macht die Musik, wie bekannt. Große Abendsendungen mit “Nachrichten” sind kaum zu ertragen - insbesondere durch die modische Art des Moderierens, die übrigens auch schon zu Wickerts Zeiten aufgebaut wurde, - wichtigtuerisch, sarkastisch, plauderig, beliebig.
Die Reaktion auf die Kritik hier sowie in anderen von den Medien zitierten Auszügen zeigt: Die oberen TV-Etagen sind weiterhin unfähig, Kritik aufzunehmen.
Am 20. November 2009 um 08:55 Uhr
Guten Morgen
Ich habe diesen Blog mit Interesse gelesen und bin erstaunt,dass dieses Thema erst jetzt disskutiert wird.
Ich schaue schon seit Jahren keine Tagesschau mehr.Ich konnte die sich immerwieder gleichenden Bilder und Nachrichten nicht mehr ertragen.
Die Nachrichten,die für uns journalistisch aufbereitet werden,stellen eine Auswahl der sich insgesamt auf der Welt ereignenden Vorfälle dar.Was wir zu sehen,lesen oder hören bekommen ist also eine selektierte Darstellung dessen,was auf der Welt geschah.Oft kommt es mir so vor,als würden bestimmte Themen hervorgehoben und andere wiederum überhaupt nicht erwähnt.Ich kann mir schon vorstellen,dass es nicht einfach ist,dass Wichtigste für die bundesdeutsche Bevölkerung auszusuchen.Aber immerwieder Bilder und ausführliche Berichte von Terroranschlägen oder sonstigem zu sehen ist nicht nur langweilig,es hat auch eine subtile Komponente.
Nun kann man streiten auf welche Art und Weise Nachrichten vorgetragen werden sollten.Wichtig hierbei erscheint mir eine bewertungs- und betonungsfreie Darstellung.Kurz und bündig.Alles Weitere sollte in zusätzlichen Sendungen ausgestrahlt werden.
Das trifft ja auch manchmal zu,aber nicht ausgewogen genug für meinen Bedürfnisse.Oft auch auf Sendern,die über Antenne nicht zu empfangen sind.
Das öffentlich rechtliche Fernsehen hat aber einen Auftrag.Dafür werden die verantwortlichen bezahlt.Ob man will oder nicht.Dafür kann man dann auch verlangen,dass es sich vom konsum und quotenorienterten Privatfernsehen unterscheidet.
In diesem Zusammenhang steht für mich der Informatins- und Wahrheitsgehalt einer Darstellung.Fehlerbehaftete und unvollständige Nachrichten erwecken ansonsten eine völlig falsche Vorstellung vom Geschehenen.Hier muss dringend nachgebessert werden.Ich wäre zumindest sehr unzufrieden,wenn meine Arbeit fehlerhaft ist.Mal ganz zu schweigen von rechtlichen Folgen.
Insofern kann ich Herrn Wickert nur recht geben
MfG
Peter Amthauer
Am 20. November 2009 um 09:23 Uhr
Wickerts Kritik ist dezidiert, die Reaktion darauf ein oberflächliches Abwinken. Ich finde durchaus, dass man Herrn Wickert in dem einen oder anderen Punkt widersprechen kann. Der Haken: Wickert würde das wahrscheinlich begrüßen, denn das, was er meint, ist doch: Die Qualität des politischen Journalismus in Deutschland (ja, meinetwegen auch anderswo) gehört immer wieder auf den Prüfstand.
Gniffke wiegelt ab: er will keine Diskussion. Aber sie sollte geführt werden. Nicht um Begrüßungs- oder Abschiedsfloskeln, nicht um fehlende Krawatten. Ich bin ein glühender Fan der gut gemachten und seriös recherchierten Reportage, des respektvollen und gekonnten Umgangs mit dem deutschen Wort. Aber auch ein bekennender Krawattenverächter.
Es ist nicht so, dass es im deutschen TV keine Kommentatoren mehr gäbe, die ihr Handwerk nicht verstehen. Das Problem ist – weit über die Fernsehlandschaft hinaus – der grassierende Konformismus. Es geht um die kritiklose und nahezu totale Abhängigkeit der Redaktionen von den Agenturen. Es geht um das unbesehene „Weiterverkaufen“ der vorproduzierten Meldung. Was hier nicht berücksichtigt wird, findet nicht statt! Morgens liegen sieben Tageszeitungen auf meinem Tisch; bei fünfen sind die Titelseiten bis aufs Foto fast deckungsgleich! Die vorgefertigten Worthülsen, mit denen die Meldungen der „heute“-Sendung (19 Uhr) und der „Tagesschau“ (20 Uhr) verkauft werden, kann ich dann beim dritten Mal mitsingen! Noch schlimmer: ich weiß, wer die „Guten“ sind, und wer die „Bösen“. Danke! Vielen Dank!
Nein – es kann hier nicht darum gehen, die Nachricht zu interpretieren und den serösen Gehalt mit einem untergemischten subjektiven Kommentar zu vergiften (obwohl das immer stärker geschieht, aber das ist eine andere Geschichte). Aber kaum eine Redaktion leistet sich heutzutage noch das, was alle am lautesten postulieren und am eifersüchtigsten bewachen: Unabhängigkeit! Wer leistet sich denn heute noch den Luxus, eine eigene Meinung zu bewahren? Und wer gesteht dem Konsumenten noch zu, sich selbst eine bilden zu dürfen?
Es ist schwer, sich das vorzustellen, denn in der deutschen Nachrichtenindustrie fehlt inzwischen leider der gesunde Menschenverstand, der dazu gehört, um nicht immer unbesehen das fertig produzierte Nachrichtenangebot zu verhökern– und damit zu bestimmen, was auf der Welt geschieht. Und was nicht!
Am 20. November 2009 um 09:38 Uhr
Ergänzung zu meiner bereits in der Nacht gemachten Äußerung: Der allgemeinen Kritik zur Gestaltung des 9. November kann ich nur zustimmen. Ich fand es recht befremdlich, wie wenig wirklich an diesem Tag der Ereignisse gedacht worden ist. Da hätte ich mir sowohl qualitativ als auch quantitativ mehr erhofft und erwartet. Es scheint ja gerade so, als wäre die historische Dimension des Ereignisses nicht erfasst worden. Schade, da geht man halt doch schnell über zu “Geld.Macht.Liebe.” und würgt die Übertragung der Feierlichkeiten ab. Sieht so eine adäquate Würdigung aus?
Am 20. November 2009 um 09:54 Uhr
Als regelmäßiger Gucker der “Tagesschau vor 20 Jahren” muss ich sagen: Die Tagesschau strotzte damals nur so vor komplizierten Formal-Formulierungen, die ohne ausführliches Hintergrundwissen zu jedem einzelnen Thema kaum zu verstehen waren (was umso deutlicher wird, wenn man sie aus dem zeitlichen Kontext gerissen anschaut). Das ist sicher besser geworden. Die Kritik von Herrn Wickert überrascht mich etwas, ich habe gerade ihn immer als einen der selbstgefälligeren Plauderer im Nachrichtengeschäft wahrgenommen.
Mir fiele sicher einiges ein, was man an Ihren Nachrichten kritisieren könnte, aber gerade die sprachliche Entwicklung finde ich eher erfreulich.
Am 20. November 2009 um 10:03 Uhr
Grundsätzlich teile ich die Kritik von Herrn Wickert nicht. Ich halte es z.B. für viel sinnvoller, das Thema neue Ministeriums-Besetzung so zu vermitteln wie die Tagesthemen dies getan haben: Die wichtigsten Ministerien ausführlich erläutert, die weniger wichtigen für alle die es interessiert hier zum nachlesen. TV und Internet müssen sich ergänzen, es ist effizienter die Inhalte aufzuteilen als immer alles redundant zu veröffentlichen.
In einem Punkt muss ich der Kritik dennoch zustimmen: Das Programm der ARD am Abend des 9. November. Hier wurde nach der Tagesschau einfach abgebrochen und irgendeine dieser nutzlosen Schnulzen-Sendungen gezeigt. Das ist schlichtweg an so einem Abend nicht akzeptabel. Das ZDF hat dies meiner Ansicht nach besser gemacht und den ganzen Abend live übertragen.
Am 20. November 2009 um 10:30 Uhr
Guten Tag Herr Dr. Gniffke,
Ulrich Wickerts Kommentar spiegelt im Kern auch meine Meinung wider. Auf den Hauptpunkt seiner Kritik möchte auch ich kurz eingehen: Die tagesschau-/tagesthemen-Stücke sind sprachlich alles andere als Glanzleistungen. Viele Texte sind unreflektiert auf einen Bildteppich dahingeschludert, der Nominalstil hat Einzug gehalten ;), die Schlussfloskeln nerven, genau wie die schiefen Sprachbilder. Wann dieser Trend eingesetzt hat, kann ich nicht beurteilen. Mir fällt es aber auch auf.
Ulrich Wickert kritisiert in seinem Kommentar aber auch Programm-Entscheidungen. Ohne die Details zu kennen, ist mein Fazit: Seine Argumentation ist schlüssiger als Ihre Rechtfertigung. Die Kritik von Ulrich Wickert trifft den Kern Ihres Verantwortungsbereichs. Warum setzen Sie sich nicht erst mal redaktionell damit auseinander - in einem internen “Brennpunkt”? Mich würde hier im Blog interessieren, welche Konsequenzen Sie ad hoc aus der Kritik gezogen haben. Mich interessiert nicht, dass Sie sich auf den Schlips getreten fühlen.
Und die Liste der Kritikpunkte ließe sich durchaus fortführen:
1.) Gefallen Ihnen Antextbilder, in denen ein Gesprächspartner, der gleich im Originalton auftaucht, zum x-ten Mal wie eine steife Marionette ins Foyer des Hauptstadtstudios tapert?
Bitte gönnen Sie Ihren Autoren in den LRA und auch sich selbst gemeinsam mit Ihrem Team im Hauptstadtstudio ein Seminar in kreativer Bildgestaltung. Oder: Reden Sie einfach mal mit Ihren Kameraleuten. Denn auch die wird manches Bild nerven, dass sie drehen müssen. Fernsehen hat auch mit Bild zu tun.
2.) Bitte reflektieren Sie viel stärker, vor allem in der Wirtschaftsberichterstattung. Ich verstehe zum Teil nicht, was Ihre Kollegen mir mitteilen wollen. Verstehen Sie’s?
3.) Lassen Sie Ihre Autoren bitte nicht nach inhaltsleeren unterhaltsamen O-Tönen à la Westerwelle angeln. Die werden in RTL, N24 und VOX schon gesendet. Zeit für Unterhaltung ist nach 20.15 Uhr. Ich möchte Inhalte statt Humor. Bitte lassen Sie keine Weichspül-Interviews und laxe Antworten zu. Oder haben nur Journalisten wie Rob Savelberg den Mut beisammen, vor den versammelten Kollegen den Finger in die Wunde zu legen? Kritisch zu sein, darauf kommt es an. Denn in unserer Gesellschaft liegt mehr im Argen, als durch den Tod von Robert Enke vielleicht ins Bewusstsein gerückt ist.
Meine These: So lange die ö.-r. Nachrichtensendungen fast alternativlos sind und sich auf ihren überdurchschnittlich hohen Quoten ausruhen können, wird sich das wohl nicht ändern.
Nach dem Lesen des FAZ-Artikels ist für mich eins klar: Ulrich Wickert weiß sehr wohl, wovon er redet bzw. schreibt.
Stephan
Am 20. November 2009 um 11:00 Uhr
Was in letzter Zeit sehr stört ist, dass sich tagtäglich bemüht wird, einen Hinweis auf den Internetauftritt der Tagesschau unterzubringen. “Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch im Internet auf tagesschau.de.” Dieser Satz ist der reinste Abschalter und Zeitfresser. Natürlich weiß ich, dass die Tagesschau einen Internetauftritt betreibt, eine kurze Einblendung im Abspann wäre aber mehr als ausreichend. Denn selbstverständlich weiß das Publikum, dass in 15 Minuten täglich nicht alle Themen erschöpfend behandelt werden können, und dass es Internet, Zeitungen, Zeitschriften, Radio und andere Medien gibt.
Am 20. November 2009 um 11:01 Uhr
Wenn ein so bekannter ehemaliger Moderator wie Ulli Wickert sich öffentlich äußert, dann hat er sich etwas dabei gedacht. Seine Kritik ist -wie ich finde- sehr konkret und unterscheidet sich damit von Äußerungen anderer ehemaliger Mitarbeiter (z.B. Frau Berghoff oder Herr Wieben), die sich gelegentlich dahingehend einlassen, dass früher bei den Nachrichten alles besser gewesen sei. Nein, diesen Vorwurf kann man Herrn Wickert nicht machen. Er scheint die Nachrichten sehr genau beobachtet zu haben und gibt deshalb konkrete Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit. Deshalb, lieber Herr Gniffke, wäre es wohl besser gewesen, Sie hätten dazu ersteinmal geschwiegen und 2 oder 3 Nächte drüber geschlafen. Dann wären auch Sie zu dem Ergebnis, dass Herr Wickert nicht ganz falsch liegt. Aber Sie mussten ja sofort in die Verteidigungshaltung gehen und alles dementieren. Wer sich dann auch noch auf Herrn Elitz beziehen muss (der sich in den vergangenen Wochen nicht zu schade war, ganz flache “Kommentare” für die Onlineausgabe der Bild zu schreiben), tut mir wirklich leid.
Über den “unfallfreien engagierten Vortrag unserer Präsentatoren” habe ich herzlich gelacht. Ich musste sofort an den holprigen Vortrag von Ellen Arnhold am Montag denken, aber auch an so manche Präsentation von Marc Bator, der oft zwischen den Meldungen noch nicht einmal Pausen einlegt. Bei beiden Präsentatoren beschleicht mich immer wieder das ungute Gefühl, dass sie die Meldungen nicht verstehen, die sie lesen.
Am 20. November 2009 um 11:37 Uhr
Liebe Tagesschau-Blogger,
schreibt man akkurat nicht mit zwei k?
Zitat: “Und unsere Texte finde ich sprachlich außerordentlich akurat [...]”
Viele Grüße, falls ich übersehen habe, dass die Schreibweise seit der Rechtschreibreform korrekt ist, bitte ich um Entschuldigung.
Katrin Nord
Am 20. November 2009 um 11:54 Uhr
@ Stefan: “Ohne die Details zu kennen, ist mein Fazit: Seine Argumentation ist schlüssiger als Ihre Rechtfertigung.”
Das sehe ich ähnlich. Die Replik von Kai Gniffke ist schwach.
Nur drei Punkte aus der Argumentation:
–”Öffentlicher Auftrag”
Kai Gniffke argumentiert, die Nähe zum öffentlichen Auftrag erkenne man schon daran, dass die Tagesschau häufig als zu staatstragend und zu wenig unterhaltend angesehen werden. Der öffentlich-rechtliche Auftrag besteht aber weder darin staatstragend zu wirken noch nicht unterhaltend zu sein. Er besteht darin, auf besonders verantwortliche Weise zur öffentlichen Meinungsbildung beizutragen. Gniffkes Gegenargument ist also keines. Es zeigt, wie sehr sich die Tagesschau in ihrem Image sonnt.
– “Mein Nachrichtenverständnis”
Dass ein Anschlag im Irak mit 130 Toten wichtiger sei als die Zustimmung der FDP zum Koalitionsvertrag begründet Gniffke mit seinem Nachrichtenverständnis. Während Wickert den Nachrichtenwert “Einfluss auf das tägliche Leben der Zuschauer” betont, beruft sich Gniffke diffus auf “mein Nachrichtenverständnis”.
– “außerordentlich akurate Texte”
An diesem Punkt widersprechen sich Wickert und Gniffke fundamental. Einer von beiden muss hier an einer Wahrnehmungsschwäche leiden.
Der Text von Wickert und diese Antwort hier haben gezeigt: Es ist Zeit für eine neue Qualitätskultur, zu der auch ein externes, unabhängiges und kritisches Qualitätsmonitoring der öffentlich-rechtlichen Nachrichtenprogramme gehören sollte.
Die Methode “Warten wir mal, bis dem nächte Ex-ARD-Mitarbeiter die Hutschnur platzt” ist auf Dauer ungeeignet.
Mehr auch hier:
.carta.info/18598/ard-aktuell-offenbar-in-schockstarre-nach-wickert-text/
Am 20. November 2009 um 12:04 Uhr
Ich möchte auch mal etwas Positives beisteuern. Man kann sicherlich einiges kritisieren und im Großen und Ganzen kann ich Wickert wirklich verstehen und ihm zustimmen. Da ich aber nur ÖR-Nachrichtensendungen verfolge, ist mir gar nicht bewusst geworden, wie schlimm anscheinend die privaten Nachrichtensendungen sind. Gestern erschien im “Monitor” ein Bericht über die Berichterstattung von der “Schweinegrippe” (heißt die nicht offiziell “Neue Grippe”?). Und ich muss sagen, dass ich wirklich entsetzt bin über die Panikmache in der privaten Berichterstattung fern von allen realen Fakten. Es ist sehr wohltuend zu sehen, dass die ÖR sich nicht all zu sehr davon leiten lassen.
Am 20. November 2009 um 12:05 Uhr
In meinen Augen ist das ein klarer Fall vpn Kritik aus Konservatismus. Ich muss vorweg sagen, dass ich mit Herrn Wickert schon zu seiner Tagesthemen-Zeit nicht viel anfangen konnte. Das lag schlicht an seiner selbstdarstellerischen Art und. Dass er eben jene jetzt an anderen kritisiert, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Inhaltlich teile ich denn auch wenig an seiner Kritik. Natürlich sind die Nachrichtensendungen des Ersten heute anders als vor zwanzig Jahren, auch sprachlich. Ein Blick in die Wiederholungen auf BR-Alpha genügt, um zu sehen, dass früher nicht alles besser war. Und auch was die Substanz der Sendungen angeht, scheint Herr Wickert auf das alte Modell zu setzen: möglichst prominent möglichst viel von dem verkünden, wovon die Regierung will, dass es verkündet werde: Kabinettsliste verlesen, Durchwinken eines Koalitionsvertrags als Meldung des Tages präsentieren (weil viel wichtiger als 130 Tote da unten, wo ja eh dauernd Leute sterben), Regierungsfeierlichkeiten abfilmen. Ich bin froh, dass die Öffentlich-Rechtlichen das nicht mehr im selben Maße mitmachen wie früher noch.
Am 20. November 2009 um 12:11 Uhr
Ergänzend noch zu “Und unsere Texte finde ich sprachlich außerordentlich akurat, und zudem gewinnen sie durch den unfallfreien, engagierten Vortrag unserer Präsentatoren.”
- Ohne den Präsentatoren persönlich nahe treten zu wollen, erinnern sie doch nicht selten an Barbie + Ken, denen ihre Armhaltung wichtiger ist als das Verstehen des Gesprochenen.
- Weshalb ähnelt sich so häufig die Aufmacherreihenfolge der Nachrichtensendungen, wird hier mehr zu Konkurrenz geschielt und sich zu wenig eigene Gedanken gemacht?
Am 20. November 2009 um 12:53 Uhr
Nachdem - einmal wieder - das ÖR Fernsehen die Nachrichten selbst befeuern konnte kam Ihr Rechtfertigungsversuch wohl etwas übereilt, verehrter Herr Gnifke.
Verpackung statt Inhalt, handwerklich eine deutliche Abwärtstendenz und Katastrophenjournalismus. Herr Wickert zählt die Punkte auf und ich stimme ihm zu.
Eine Qualitätsoffensive ist doch mal eine Idee: Qualität statt digitaler Gimmicks, die Abkehr von allzu boulevardlastigen Thematiken und gutbürgerliche, kritische, politische Berichterstattung mit Krawatte, vom Blatt abgelesen von kompetentem Personal. Es geht doch auch nicht darum, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden! Nicht jedes Thema muß schließlich geeignet sein, um sich am nächsten Tag darüber in der Straßenbahn oder der Frühstückspause zu unterhalten.
Das Adjektiv heißt übrigens “akkurat”. Mit einem “k” geht auch, aber leider nur in Polnisch.
Am 20. November 2009 um 13:02 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Gniffke,
im wesentlichen kann ich der Kritik von Herrn Wickert zustimmen.
Was mich erschreckt ist wieder eimal Ihre Reaktion darauf. Wie auch schon bei dem Thema der Übertragung der konstituierenden Sitzung des Bundestages scheinen Sie grundsätzlich nicht bereit zu sein Kritik ernst zu nehmen. Man hat das Gefühl dass Sie bei den Themen die Sie hier ansprechen und zur Diskussion stellen schon von vornherein davon ausgehen dass die Kritik unbegründet ist und nur Sie die richtige Sicht der Dinge haben.
Mit der Kritik von Herrn Wickert bin ich zwar nur teilweise einverstanden aber viele der genannten Kritikpunkte stimmen. Nur mit der heute doch lockereren Sprache bei den Nachrichten bin ich anderer Meinung als Wickert. Da fand ich es früher zu steif und formal. Das hat sich gebessert.
Aber sonst ….
Am 20. November 2009 um 13:41 Uhr
Ich fürchte Journalisten geht es ähnlich wie Zuschauern und Lesern: Die stehen vor einem Riesenwust manipulierter und inszenierter Nachrichten und versuchen verzweifelt die Perlen aus dem Müll zu sammeln. Nur kann ich als Zuschauer einfach abschalten, Journalisten müssen wohl fürchten, auch bei einer miefigen und piefigen Erinnerungfeier noch etwas zu verpassen.
Sprachliche Mängel scheinen mir oft der Nutzung der Textverarbeitung geschuldet zu sein. Da geht beim Ändern und Kürzen leider auch zuweilen der richtige Artikel oder sogar der Zusammenhang flöten. Und wer mit Müll zugeschüttet wird hat eben auch weniger Zeit und macht mehr Fehler. So stelle ich mir das jedenfalls in meinem simplen Sine vor.
Am 20. November 2009 um 14:18 Uhr
Ja, Wickert hat zum Teil Recht. Und ja, die Kritikpunkte der Kommentatoren sind auch berechtigt. Aber die Tagesschau hat nur 15 Minuten. Und in diesen 15 Minuten die 16 Minister der neuen Regierung, deren Aufgaben und Herausforderungen vorzustellen, das sprengt den Rahmen dieser Sendung. Für mich ist die Tagesschau eine klassische Nachrichtensendung. Punkt 20 Uhr erfahre ich was die Welt heute bewegte. Und was morgen wichtig ist. Die Einordnung der Tagesereignisse, das Nachfassen und Aufbereiten von Hintergründen, das sollten die Tagesthemen machen. Aber bestimmt nicht nur ich merke, das dies den Tagesthemen nicht mehr gelingt. Die Sendung ist langweilig, dröge und verstaubt. Ich erwarte nicht das diese Sendung zu einem Boulevardmagazin wird, aber ich erwarte mehr Biss und mehr Hartnäckigkeit. Ich habe keine Lust mir jeden Abend irgendwelche Interviewpartner anzusehen, die sich bemühen gerade nicht auf die Fragen der Reporter/Moderatoren zu antworten und stattdessen belanglose Phrasen ins Mikrofon sabbeln. Seit endlich mutig, hakt nach und lasst nicht locker wenn Politiker, Manager und Unternehmer, Gewerkschafter und Lobbyisten nicht ehrlich sind und uns ein A als ein U verkaufen wollen. Die sind auf euch angewiesen, nicht ihr auf die. Wie sagte Wickert mal, Gauner muss man auch Gauner nennen.
Und falls ihr nicht wisst wie das geht, dann schaut mal rüber nach Mainz in die grüne Hölle. Ich hatte meinen Spass, als Marietta Slomka Peter Harry Carstensen im Gespräch hatte und er absolut nicht auf ihre Fragen zum Bruch der Koaliation antworten wollte. Sie hat ihm sechsmal hintereinander die gleiche Frage gestellt und er hat sich gedreht und gewendet, sich verbal geduckt und versteckt. Aber sie hat nicht locker gelassen. Auch wenn er ihre Frage nicht beantwortet hat, war dieses Gespräch ein gutes Beispiel dafür das sich Journalisten nicht die Butter vom Brot nehmen lassen müssen. Die Redakteure von ARD aktuell sollen sich ihre Gummistiefel anziehen und dort hingehen wo es stinkt in unserer Gesellschaft, in unserer Welt. Sie sollen sich bücken und den Mist umgraben, bis die Wahrheit ans Licht kommt und sie sollen Gauner auch Gauner nennen und mit dem Finger auf sie zeigen. Weichgespülte und heile Welt-Gespräche damit nerven Beckmann, Kerner und Konsorten. Von einem täglichen Nachrichtenmagazin erwarte ich jeden Tagen die Geschichte hinter der Meldung. Und dabei Frage ich mich, wann die Aktuell-Redaktion der ARD das letzte Mal eine Aufsehenerregende Exklusivgeschichte hatte. Und ich kann mich an keine Erinnern. Ihr vielleicht?
Am 20. November 2009 um 14:42 Uhr
Mir fällt - unabhängig von der inhaltlichen Debatte - in der Reaktion des Herrn Dr. Gniffke wieder einmal die sehr gering ausgeprägte Kritikfähigkeit der “ARD-aktuell” Redaktion, ja eigentlich der ganzen ARD.
Wenn sich jemand mit Kritik zu Wort meldet, reagieren die ARD-Oberen zuallererst beleidigt. Als nächstes meldet man sich zu Wort um sich und der geneigten Öffentlichkeit zu versichern, dass man alles richtig mache und die Kritik nicht nachvollziehen könne. Eine wirkliche inhaltliche Auseinandersetzung findet nicht statt, man ruht sich lieber auf den selbstzusammengesuchten Lorbeeren aus. Die ARD hat - und sie sieht es nicht - aus meiner Sicht erhebliche Probleme, ihren Auftrag angemessen zu erfüllen und ihre Prioritäten zu bestimmen. Das Erste verkommt zu einer wirklich schlecht-langweiligen Degeto-Tatort-Abspielstation, Sport geht immer vor, und der Anteil an Information und Doku wird weiter heruntergefahren und in die Alibi-Sender abgeschoben. Eine erschreckende Entwicklung und nicht nachvollziehbar. Und die Tagesschau - schaut von oben vom selbstgezimmerten Sockel auf das gemeine Fernsehvolk herab und ruht in sich selbst. Kritik wird immer lauter geäußert - und schon kriegt der Sockel die notwendige Teflonschicht verpaßt. Weil Hr. Griffke und Co. machen ja alles immer richtig.
Mir kommt da als Symptom auch immer wieder die Archiv-Debatte in den Kopf - für mich ein deutliches Beispiel für die Richtung, in die ARD-aktuell sich derzeit entwickelt. Wir haben Recht - und wenn wir dann doch mal Unrecht haben, sorgen wir zumindest dafür, dass es keiner mehr bemerken kann…
Am 20. November 2009 um 14:47 Uhr
Wo liegt das Problem? Doch bei “Ulis” Verfalls-Diagnose!
Um das zu erläutern: Ich frage mich, warum bei dieser zwanghaften Blog-Fixierung auf die Arbeitsweise der öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen kein einziger Blick auf jene, eben die Grundzüge der weiteren Diskussion konstituierenden “Post von Uli” geworfen wird! Warum fragt niemand nach, was es zu bedeuten hat, wenn ein Ex-Tagesthemen-Sprecher mit einem gewissen, nicht verleugneten bildungsbürgerlich-publizistischen Habitus einen Verfall der Sprachkultur in den Redaktionsräumen seines Ex-Arbeitgebers diagnostiziert, und das auch noch in der FAZ, einer Tageszeitung, die am liebsten polizeilich und streberhaft für die Konservierung einer imaginierten, weil sich ständig verändernden Sprachkultur eintreten würde!
Wickerts frankophiler Vergleich zu den Aktivitäten von France 2 verkennt den Umstand, dass Frankreich einen gewissen historischen Nachholbedarf in Sachen “Bedeutung des Mauerfalls” hat. Die frz. Sender haben ebenfalls Sarkozys unwahre Bemerkung ausgestrahlt, wonach er eigenhändig (mit einem Spaten!) beim Mauerfall mitgeholfen hätte!
Man solle mir einen Grund nennen, nicht von 130 Toten zu sprechen! Das ist vollkommener Zynismus, die Berichterstattung über die Ausmaße des Terrors mit der Rede von den “Automatismen der Bomben” abzukanzeln. Freut sich Wickert so stark über die Tigerenten-Regierung, dass er es nochmals von seiner alten Redaktion hören will?!
Am 20. November 2009 um 15:26 Uhr
Das Problem scheinen mir nicht so sehr die Nachrichtensendungen selbst zu sein (hier erkenne ich bei den Redaktionen das Bemühen, ihr Publikum zu informieren und ein Niveau zu halten): Es ist doch vielmehr so, dass die Informationsprogramme der Öffentlich-Rechtlichen durch eine immer stärker anwachsende Masse von Rührstücken, Schmonzetten und Schlagersendungen eingekeilt und zur Seite gedrängt werden! Die Tagesthemen beispielsweise hatten mal einen festen Sendeplatz - das ist leider schon länger nicht mehr der Fall. Möchte ich diese Sendung heute sehen, muss ich inzwischen jedes Mal vorher in einer Programmübersicht nachschauen, wann sie denn aktuell läuft. Telenovelas, Musikantenstadl und Brennpunkt-Infotainment haben bei den Programmplanern inzwischen offensichtlich Vorrang. Ich vermute, dass hiermit auch der Druck auf Sendungen wie die Tagesschau gewachsen ist, unterhaltsamer und “leichter verdaulich” zu wirken. Hierin sehe ich den eigentlichen Skandal.
Am 20. November 2009 um 15:45 Uhr
Gerade vor zwei Tagen habe ich mir beim Tageschau-Gucken gedacht: Wow, jetzt ist der Bericht aber sehr sehr oberflächlich geworden, er bewegt sich (sprachlich) nur noch auf der bildhaften Ebene. Ich finde es nicht gut, wenn zu einer Inszenierung keinerlei Distanz mehr hergestellt wird.
Was mich aber generell traurig stimmt und dazu führt, dass ich immer weniger Tagesschau gucke: Es gibt allem Anschein nach eine sehr starke wirtschaftsliberale Fraktion in der Redaktion. Beispielsweise fand ich die zwei Berichte zur Abschlusskundgebung von “die Linke” und FDP ausgesprochen tendenziös. In Bildauswahl und Text sollte der Eindruck entstehen, dass zum einen die FDP neben der klassischen Klientel auch von “ganz normalen Leuten” unterstützt wird, und zum anderen, dass “die Linke” von von einem nicht näher spezifizierbaren Personenkreis gewählt wird. Dies entsprach nicht der Realität - auf der FDP-Veranstaltung war die Zahl der “Anzugträger” übergroß, während bei der Veranstaltung der Linkspartei - die ja auf Phoenix zu sehen war - doch das sehr sehr “normale Volk” zuhörte. Doch die Totale, die das erkennbar gemacht hätte, fehlte im Bericht.
Am 20. November 2009 um 15:46 Uhr
Ich wuerde mich inhaltlich den meisten vorherigen Meinungen anschliessen, moechte allerdings noch zwei Ergaenzungen machen:
1. “Sprachstil”: Wieso wird in allen Nachrichtensendungen (sowohl oeffentlich-rechtlich als auch privat) immer oefter der Praesens verwendet? Meiner Meinung nach ist hier ein entscheidener Missstand im Sprachstil zu finden. Ereignisse die passiert sind sollten nicht so vorgetragen werden, als passierten sie jetzt im Moment, dies ist teilweise verwirrend und schlicht grammatisch falsch! Hingegen halte ich gelegentliche Versprecher/Rechtschreibfehler oder ironische Formulierungen (wenn sie als solche erkennbar sind) fuer weniger tragisch, immerhin tragen Menschen und nicht Maschinen ohne Emotionen die Nachrichten vor. Als stoerend empfinde ich wiederum doppeldeutige Formulierungen, die die Ernsthaftigkeit und den Inhalt mancher Meldung verwischen. Ein gelegentlicher Blick in das 20 Jahre-Tagesschau-Archiv zeigt, dass frueher deutlich praeziser formuliet wurde, dies sollte also auch heute noch moeglich sein.
2. Ungeachtet der (berechtigten) Kritik von Ulrich Wickert und den meisten Usern hier, ist fuer mich persoenlich die Tagesschau immer noch die beste Nachrichtensendung, waehrend Heute Journal und Tagesthemen in etwa gleich gut sind. Ja, diese Formate sind deutlich besser alles alle mir bekannten Sendungen im In- und Ausland (inklusive Internetseite der Tagesschau), aber es gibt einfach noch genug Verbesserungspotential. Ich hoffe die Verantwortlichen in den oeffentlich-rechtlichen Redaktionen nehmen sich diese wohlmeinenden Kritiken zu Herzen und buegeln sie nicht einfach ab! Anderenfalls waere es schade um das hohe Gut welches gute Nachrichten darstellen.
Am 20. November 2009 um 15:58 Uhr
Ich sehe dieses Thema mit gemischten Gefühlen. Dass das Niveau der öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen tendenziell abnimmt, ist leider unbestreitbar; dass kann man sich etwa exemplarisch an dem in diesen Tag doch nicht vollkommen irrelevanten Thema ›Wirtschaft‹ klarmachen: Weder das ›Firma X hat einen geringfügigen Gewinnrückgang erlitten und der Vorstandsvorsitzende von Firma Y hatte bei der Bilanzpressekonferenz geniest, also geht der Pfeil dann heute mal wieder steil nach unten bei unserem objektiv vollkommen nichtssagendem‹-ZDF-Krisenbarometer noch die viel zu sehr auf vollkommen irrelevante tägliche Zufallsschwankungen, dafür aber um so mehr auf Sprichwörter fixierte ›Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich der DAX oder er bleibt wie er ist‹-›Börse im Ersten‹ (der geneigte Leser möge sich einmal die hervorragende Parodie von ›Switch Reloaded‹ bei einem einschlägig bekannten Videoportal ansehen), können als Sternstunden öffentlich-rechtlicher Nachrichtengrundversorgung angesehen werden.
Aber man muss ARD-Aktuell auch in Schutz nehmen; von einer Verwahrlosung der Sprache in der Tagesschau würde ich nicht reden. Viel schlimmer ist da doch das hier im Blog schon einmal erwähnte Problem, dass längst nicht mehr alle Zuschauer die sachlichen ›Agenturmeldungen‹ der Tagesschau in einen inhaltlichen Kontext einordnen können. Dann könnte man die Tagesschau doch wirklich gleich in Latein verlesen – damit will ich sagen, dass sich das Medium schon ein bisschen an seinen Konsumenten orientieren muss. Das ist ein Spagat, dem sich alle Nachrichtenmedien, die einen gewissen Anspruch an sich selbst stellen, bewältigen müssen. Mal mehr, mal weniger erfolgreich.
Am 20. November 2009 um 15:59 Uhr
Aus meinem Kommentar bei der FAZ:
Ich hatte das Vergnügen, die Festlichkeiten zum Jahrestag des Mauerfalls aus dem Ausland beobachten zu dürfen. Der Anlass wurde mit sehr großer Aufmerksamkeit und Detailkenntnis in Polen und Ukraine gewürdigt, nicht nur BBC World berichtete live, wenn auch dort mit unpassendem Kommentatorgespann.
Dagegen: Gleichzeitig tatsächlich vergleichsweise geistige Windstille in Deutschland selbst.
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Das Kabinett habe ich nach der Wahl auch nicht aus dem Fernsehen erfahren, und die Sprache der Nachrichten-Moderation wurmt mich schon länger. Ja, ich gebe Herrn Wickert insgesamt Recht.
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Herr Gniffke zeigt sich überrascht, dass man das kritikwürdig finden kann. Überhaupt scheint er sehr überrascht zu sein, so mehr als Lebensauffassung. Die Sprache sei super usw. Fernsehen ist überhaupt super, so allgemein, hat man den Eindruck. Und einen faden Nachgeschmack. Nein, so möchte man sagen, nein, Herr Kniffke, wenn Sie meinen, dass nur die Unterklasse fernsieht, dann liegt das daran, dass Sie nur für die Unterklasse Fernsehen produzieren.
Am 20. November 2009 um 16:04 Uhr
akkurat lat. accuratus = sorgfältig
@Katrin Nord
Liebe Katrin, akkurat schreibt man mit zwei “k”. Richtig.
@Dr. Kai Gniffke:
Lieber Dr. Gniffke, dass Sie auf Uli Wickerts Kritik reagieren, finde ich gut. Allerdings hat er in meinen Augen größtenteils recht.
Am 20. November 2009 um 16:06 Uhr
Hallo zusammen!
Dass bei bestimmten Dingen frühere Zustände besser gewesen seien, wird oft beklagt, und stets ist es müßig, darüber zu befinden, ob die Klage denn nun zutreffe. Auch weiß ich nicht, ob Stilkritik wirklich das Kernproblem unserer medialen Berichterstattung ist, sofern man auf sprachliche Unzulänglichkeiten hinweist. Allerdings darf man folgendes meiner Ansicht nach schon feststellen: Die Berichterstattung ist intellektuell unglaublich flach. Die durchschnittliche Tagesschau schafft es nicht, in ihren allzu komprimierten 15 Minuten bestimmte Vorgänge angemessen zu sezieren und zu erklären. Man findet keinen analytischen Zugang zu politischen oder gesellschaftlichen Vorgängen, sondern ersetzt geistige Schärfe und die Suche nach Erklärungen durch eine Kulisse aus hohlen Narrativen und einer teilweise ganz widerlichen Seifenopern-Dramatik, die ihren ganz eigenen, ewig gleichförmigen Ritualen folgt. Manchmal fragt man sich schon, wo unsere Journalisten ihre Bildung hergenommen haben. Vielleicht verstecken sie ihre Bildung aber auch bloß, dem vermeintlichen Gesetz gehorchend, eine Erlebniserzählung wäre besser als eine ruhige Analyse. Mir kommt es so vor, als verstünde man entweder nicht oder wolle nicht verstehen oder dürfe es eben nicht. Schade.
Am 20. November 2009 um 16:38 Uhr
Ich möchte noch mal den Kommentar von Björn oben aufgreifen. Es ist eine besondere Unverfrohrenheit, wenn Herr Dr. Gniffke hier meint, die Berichterstattung vom 23. Oktober gehe über das bloße Aufzählen von Namen hinaus und würde sich daher nicht mit dem Vorwurf vertragen, dass die Namen aller Kabinettsmitglieder nicht einmal aufgezählt worden seien.
Es muss noch einmal hervorgehoben werden: SIE HABEN EBEN NICHT DIE NAMEN ALLER KABINETTSMITGLIEDER GENANNT. Freilich wäre es über eine bloße Nennung hinaus schön gewesen, wenn sogar weitergehende Darstellungen zu den einzelnen Mitgliedern erfolgt wären. Aber das ist nicht erfolgt - wenigstens eine Vorstellung des gesamten Kabinetts wäre doch wohl angebracht gewesen.
Am 20. November 2009 um 16:38 Uhr
ich wünschte mir manchmal schon eine inhaltliche politische Information und weniger plakativ. Deutsch sollte vorbildlich sein, da sehe Verbesserungspotional. Bilder sollten den Inhalt unterstreichen und nicht für sich selbst stehen.
Am 20. November 2009 um 16:43 Uhr
Ich habe keine Ahnung, welcher politischen Partei Herr Wickert angehört oder zuzuordnen ist. So richtig wichtig finde ich das auch nicht. Ich habe allerdings den Eindruck, dass den Parteien Kritik aus dem Volke (z.B. in Blogs) so richtig unangenehm ist und das man das gerne abgestellt hätte. Da versucht man es eben etwas scheinheilig auf dem Umweg über die Qualität!
Wenn über eine Regierung nichts zu berichten ist dann ist eben über eine Regierung nichts zu berichten - außer vielleicht dass es über diese Regierung nichts zu berichten gibt!
Die Selbstdarstellung von Politikern und Ministerien kann ich mir auch im Internet ansehen!
Am 20. November 2009 um 17:16 Uhr
Da Sie nach der Meinung des Lesers gefragt haben, gerne:
Herr Wickert hat mir über weite Strecken aus der Seele geschrieben. Es geht auch nicht nur um eine Kritik an der Tagesschau, sondern an der kontinuierlichen Verflachung des öffentlich-rechtlichen Fersehangebots insgesamt.
Ich zahle gerne GEZ-Gebühren für guten Journalismus und ein anspruchsvolles Programm, aber nicht für schlechtes Kopieren der Privatsender. Wo sind den die guten Politmagazine oder Infosendungen in ARD und ZDF?
Ob akurat oder akkurat, die “Tagesschau” ist sicher nach wie vor ein Leuchtturm der Qualitiät im deutschen Fernsehn. Das Wasser drum herum steigt aber zusehends und das ist auch die Schuld der öffentlich-rechtlichen Progammmacher.
Also los mehr Mut und jeden Tag besser werden!
Am 20. November 2009 um 17:26 Uhr
Hübsch finde ich den Artikel „Die ARD wehrt sich“, den sie (anscheinend nur online) heute nachgeschoben haben. Ich dachte, da weitere Stellungnahmen zu finden. Aber denkste, es wird ausschließlich der Blogeintrag hier zitiert. Zeitaufwand drei Minuten, behaupte ich mal ganz polemisch.
Die Auffassung, den schweren Anschlag in Bagdad für wichtiger als die erwartungsgemäße, von daher durchaus beschränkten Nachrichtenwert habende Absegnung des Koalitionsvertrages zu erachten, möchte ich verteidigen. Mehr noch: Man könnte aus der Kritik von Herrn Wickert an diesem Punkt auch anerzogene, unreflektierte Staatsnähe herauslesen.
@9: Vielleicht wird Ihnen ja künftig der „Tagesspiegel“ gefallen, der dann ohne den allgegenwärtigen, alles zukleisternden, mitunter geradezu ADN-haft anmutenden dpa-Brei entsteht.
Am 20. November 2009 um 17:50 Uhr
Vorsicht, Herr Wickert ist proverbial auf retro! Konstruktive Kritik sollten Sie auf jeden Fall annehmen, 08-15-Standardpauken allerdings nicht. D. h., das Kerngeschäft des Anliegens lässt sich durchaus radifizieren, indem Sie den Beitrag nochmals und nochmals und nochmals lesen. Nervt wohlmöglich und kostet viel Zeit, aber in alten Leuten steckt bekanntlich viel Weisheit. Außerdem sind bei Ihnen Professionisten am Werk, und die sollten bekanntlich Latain raushängen lassen. Was schönes zum Nachlesen halt.
Für uns junge Menschen übrigens laufen zum Vergleich immer noch uralt Tagesschau-Ausgaben auf einem Kanal?
Das (verbessungswürdige) Gegenwärtige muss schließlich bald in neuer Ambiente funktionieren. Wenn ich diesbezüglich das neue Studio vor dem geistigen Auge in Augenschein nehme, darf die Tagesschau keinesfalls wie reizerzeugendes Reinigungsmittel rüberkommen.
Das Web ist mir allerdings zu aufwendig informativ. Der Bildschirm lässt sich schlecht in die Hand nehmen und durchblättern, um so schnell wie möglich an gehaltvolle Informationen zu kommen. Einfach zu viel des Guten.
Am 20. November 2009 um 18:00 Uhr
Schon der anbiedernd privatistische Ton, den Dr. Gniffke meint anschlagen zu müssen, ist ebenso widerlich wie die regelmäßigen Putzigkeiten, die in der Tagesschau zum Wetter überleiten. Und ja, die Tagesschau ist nicht verkürzt worden: aber Abend für Abend fällt der Satz “weitere Informationen unter tagesschau.de”.Die Wasserstandsmeldungen im Hörfunk sind spannender. Von Fernsehnachrichten darf ich als Gebührenzahler eine verdichtete Einheit von Film und Text erwarten, die kein Text und kein Film separat bieten kann. Statt dessen gibt es bekannte Bilder ohne Kraft und ödes Geplapper. Wer zuweilen BBC, ITV oder die arte Nachrichten sieht, weiß, was Fersehjournalisten mit Leidenschaft leisten können. Das größte Problem der Nachrichtenflaggschiffe der öffentlich rechtlichen Anstalten in der Bundesrepublik ist ihre gravitätische Langweiligkeit, Büro statt Wirklichkeit eben, Proporz und Quote statt Haltung und professioneller Ethik.
Am 20. November 2009 um 18:21 Uhr
Staatstragend oder nicht, Kritik hat ihren Sinn.
Dass sich die Altvorderen weiterhin und unverblümt zu Wort melden, ist bezeichend für ihr Selbstverständnis und ihr kritisches Bewusstsein.
Ulrich Wickert hat so manchen seiner Kommentare mit einem freundlichen Augenzwinkern begleitet. Vielleicht sollten wir auch diese Kritik von ihm mehr als ironisch gut gemeint verstehen und weniger als bierernst und staatstragend?
Am 20. November 2009 um 18:29 Uhr
Es geht immerhin um nichts weniger als eine der heiligen Kühe der Deutschen: die Tagesschau. Ja, sie kann stolz darauf sein, dass sie es über viele, viele Jahre geschafft, das zu bleiben. Aber statt sich auf den Lorbeeren auszuruhen, sollte sie auf Kritik von Leuten, die wissen, wovon sie reden, hören, und auf sie eingehen. Sie hat ja auch der Gegenseite zugehört und gehandelt, als diese ihr empfahl, Infotainment ‘verkaufe’ sich besser.
Am 20. November 2009 um 18:30 Uhr
Auch ich muss Herrn Wickert in vielen Punkten leider recht geben. Die öffentlich-rechtlichen Sender gleichen sich in ihren Inhalten mehr und mehr den Privaten an und hecheln um Quote. Dies zu Lasten der Qualität. Noch leben die öffentlich- rechtlichen Sender von Gebühren und haben einen klaren Auftrag bekommen, den gilt es zu erfüllen.
Am 20. November 2009 um 18:48 Uhr
Über die Formulierung “und zudem gewinnen [unsere Texte] durch den unfallfreien, engagierten Vortrag unserer Präsentatoren” habe ich auch herzlich gelacht, ich habe sie aber eher als einen etwas unfeinen, aber gekonnten Seitenhieb verstanden. Ich kam nämlich nicht umhin, hier an den späten Ulrich Wickert zu denken, der sich im Herbst seines Anchor-Wirkens doch arg fahrig und mutmaßlich motivationsfrei durch seine Sendungen gehangelt hatte und dabei bisweilen sogar etwas weingedämpft wirkte. Insofern hätte Herr Gniffke auch noch auf “die nüchterne Art” verweisen können, mit der die Nachrichten heutzutage gemacht würden. Aber das wäre wohl des Guten zuviel gewesen.
Am 20. November 2009 um 19:03 Uhr
Herr Wickert hat recht. Die Mehrzahl der Blog-Einträge bestätigen das auch. Die “eigenwillige” Berichterstattung zum 9.11. hat meines Erachtens ganz andere Ursachen. Die wichtigsten TV-Stationen (NDR, WDR und ZDF) sind viel zu weit weg vom eigentlichen Geschehen. Mauerfall-Jubiläum, drüben im Osten, interessiert uns nicht wirklich. Mit dem Umzug der Regierung nach Berlin sind die wichtigsten TV-Stationen nicht wirklich mitgegangen. Tagesschau und Tagesthemen oder heute und heute-Journal gehören nach Berlin. Diese Konstellation gibt es sicher kein zweites Mal auf der Welt.
Am 20. November 2009 um 20:18 Uhr
Wickerts Kritik stimme ich zum Teil zu, wenn auch nicht derart in Bausch und Bogen. Ich finde auch das ZDF diesbezüglich nicht schlechter als die ARD, schätze z.B. Petra Gerster nicht nur aufgrund ihres geschmackvollen Auftretens. Insgesamt sollten die Nachrichten länger und damit tiefergehend sein. Stattdessen kommt Werbung.
Das bringt mich zum Hauptkritikpunkt: Die ö.-r. Sender senden immer mehr unter dem Aspekt Einschaltquote (”Bleiben sie dran”) im Wettbewerb mit den privaten Kommerzsendern. Dass diese mit Seife, Sex and Crime das Rennen machen, werden sie trotzdem nicht ändern können. Umso wichtiger wäre es, wenn sie sich von diesem Schund unter Berufung auf den ö-r. Auftrag abgrenzten. Nicht “staatstragend” sollten sie senden, sondern kulturtragend (wir sehen deshalb fast nur noch 3Sat, wohin ARD und ZDF die Kultur “ausgesourct” haben) und den “Souverän Bürger” politisch rundum informierend, also “demokratietragend”. Der ö.-r. Auftrag kann nicht hoch genug für unsere Gesellschaft eingeschätzt werden - wir wollen eben keine Berlusconi-Republik und auch keinen american way of life. Werbung sollte aus dem ö.-r. TV verbannt werden. Die Einnahmen aus den Gebühren müssen reichen. Multimillionen-Ausgaben wie für die Raumausstattung des heute-Studios zeigen, dass man sogar noch Geld zum Rauswerfen hat.
Die Intendanten sehen an der großen Zahl der Zuschriften hier, wie hoch das Bedürfnis nach Qualität ist. Hoffentlich hilft´s.
Am 20. November 2009 um 20:23 Uhr
@ 45: Ullers
Nun ja, ich war und bin am Ort des Geschehens und habe mir nicht die Mühe gemacht dort hinzugehen. Dabei brauche ich bei den Bildern vom 9.11.89 noch immer ein Taschentuch. Vielleicht möchte ich mir auch nicht die Erinnerung kaputt quatschen lassen.
Puppen: gut, Dominosteine: Man hat sich Mühe gegeben aber das Bild war etwas sehr bemüht und Politiker unterirdisch - inwischen hat ja jeder die Mauer eigenhändig eingerissen!
Am 20. November 2009 um 22:28 Uhr
Meine Frau und ich sind da einer Meinung:
Herr Wickert hat vollkommen Recht.
Uns nervt es eh schon seit langem was in den Nachrichtensendungen an unrecherchiertem Quatsch als seriöser Nachricht ausgegeben wird. Außerdem nerven die zunehmenden und völlig unnötigen Anglizismen. Wir brauchen z. B. keine Jobs sondern Arbeitsplätze. Wo es deutsche Bezeichnungen gibt sollte man sie auch verwenden. Oder leben wir durch die EU hier nicht mehr in Deutschland ? Unsere französischen Nachbarn sind da weitaus selbstbewußter. So wird dem Bürger das Selbstbewußtsein Deutscher zu sein genommen und damit indirekt der rechten Subkultur in die Hände gespielt. Statt sich selbst zu beweihräuchern sollten sie mal in sich gehen und danach mit Herrn Wickert ein persönliches, klärendes Gespräch in dem Sinne führen dass es eine wohlmeinende Kritik ist denn andernfalls sollte man darüber nachdenken ob die neuzeitliche Berichterstattung noch Zwangsgebühren fähig ist. Was am Ende die Rundfunk- und Fernsehgebührenpflicht in Frage stellen muß.
Am 20. November 2009 um 23:25 Uhr
Hallo Herr Dr. Gniffke
sind Sie mit dem Autor Gniffke von “Genosse Dr. Quarck” (Studien zur Frankfurter Geschichte Bd. 42) identisch?
Wenn ich Ihren Blog lese, dann muß ich feststellen:
1. Ulli hat mit seiner Post voll ins Schwarze getroffen.
2. Sie, und offensichtlich auch die öffentlich rechtlichen Anstalten insgesamt, verstehen oder wollen nichts verstehen - also können Sie auch Ulli nicht verstehen. Sonst könnten Sie argumentieren statt sich zu rechtfertigen.
3. Der Nachwuchs, zu dem auch ich Sie zähle, hat offensichtlich nicht mehr viel Verständnis von einem sachbezogenen, recherchierten, berichtenden und damit unabhängigen, wertigen Journalismus.
Jedoch beherrschen die Neojournalisten sehr wohl Egoismus, Meinungsmache, persönliche Angriffe und Ausübung ihrer Machtposition über Dritte, aber nie die Sache und Demokratie.
Als Wirtschaftswissenschaftler sage ich Ihnen, dies ist klassisches Kartellverhalten und sogar zum Teil ein Verhalten wie im Manchesterkapitalismus, welchen Marx zu Recht verurteilte.
Dennoch, beim NDR nichts Unbekanntes. Hat doch bereits Jürgen Bertram 2006 in seinem Buch ”Mattscheibe - Das Ende der Fernsehkultur” dezidiert den unabhängigen, journalistischen Untergang und das machiavellistische Verhalten des Senders dargestellt. Worauf der Justitiar, ein gewisser Herr Plog, nur verächtlich meinte, das Buch wäre schlecht recherchiert. Herr Plog hatte dabei offensichtlich überhaupt nicht recherchiert - obwohl Herr Plog sicher kein Neojournalist war. Aber er ist für die Einführung dieses Stils mit verantwortlich. Geändert hat sich in den vergangenen drei Jahren leider alles nur noch mehr zum Schlechten. Eben “Brot und Spiele” oder mit heutigen Worten: “soziale Gerechtigkeit - soziale Leistungen und Fußball”.
Jetzt sind Sie mit ein Repräsentant dieses Kartells und könnten etwas tun, was Sie nicht machen. Auch das dürfte Herr Wickert gemeint haben, als er feststellte: “Es fehlt offenbar an einem Verständnis für die politische Grundversorgung”. So ist es. (qed)
Am 20. November 2009 um 23:36 Uhr
P.S.: Ach so Herr Dr. Griffke, was meinen Sie mit “vornehin in die Tagesschau”? Ich bin weder Soziologe noch Germanist, aber ich kenne nur das Wort vorne oder vornean, der Duden übrigens auch. Sollte Ulli auch mit seinen Anmerkungen zu den Deutschkenntnissen in den ARD und ZDF Redaktionen Recht haben?
Am 20. November 2009 um 23:43 Uhr
P.P.S.: Sorry für den Tippfehler, es soll natürlich Dr. Gniffke heißen.
Am 21. November 2009 um 02:24 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Gniffke,
haben Sie Ihren Text inhaltlich - und auch sonst so - eigentlich Korrektur gelesen?
Peinlich!
Am 21. November 2009 um 10:16 Uhr
Uli Wickert ist Uli Wickert, und Uli Wickert hat Recht.
Eine geruhsame Nacht.
Am 21. November 2009 um 14:55 Uhr
Mir scheint so, als ob viele diese Gelegenheit nutzen, mit ihrer Kritik Salz in die Wunde streuen zu wollen und sich endlich mal Luft zu machen. Nicht zu Wort melden sich offenbar diejenigen, die zufrieden mit der Sendung sind. Insofern würde ich diesen Blog auch nicht als repräsentativ erachten. Grundsätzlich liegt es ja in der Natur eines jeden, alles besser zu wissen. Mir fällt es aus Altersgründen schwer, einen umfassenden Vergleich zwischen der damaligen Tagesschau/den Tagesthemen und den Sendungen von heute zu machen, auch wenn ich Herrn Wickert noch ganz gut kenne. Es ist sicherlich so, dass man sich hier der ein oder anderen Kritik annehmen sollte, wenn sie denn berechtigt ist. Das unterstütze ich voll und ganz. Ein Feedback in Form von Kritik ist immer gut, um sich selbst zu verbessern. Ich für meinen Teil muss aber auch eine Lanze für die Tagesschau brechen: ich fühle mich nach wie vor nirgendwo anders so gut informiert wie hier und nehme vor allem das Internetangebot umfangreich wahr. Insofern nutze ich beide Medien ergänzend und kann auch mit der nicht vollständigen Kabinettsliste leben. In der Tat kann man sich da fragen, ob ein Brennpunkt nicht angebracht gewesen wäre, und auch eine bessere Sendegestaltungam 9. November. Auch wenn es Phoenix gibt, sollte man gerade der jungen Generation (wie mir) klar machen, wie bedeutend dieses Datum ist, indem man dafür VL und Marienhof ausfallen lässt. Zurück zur Tagesschau. Vergleicht man mit den privaten Sendern (mir “passiert” es manchmal, dort eine “Nachrichtensendung” zu sehen), ist der Qualitätsunterschied enorm. Oft genug habe ich mich gefragt, inwieweit die dort erscheinenden Meldungen überhaupt Nachrichtenwert haben (z.B. über einen Bankräuber in den USA, der mit seinem Opfer betet….aha…). Da merkt man die totale Entertainisierung der privaten Sendungen. Davon ist die Tagesschau noch meilenweit entfernt. Auch finde ich die Sprache nicht so problematisch: innerhalb der Tageschau gibt es verschiedene Sendeformate, die verschiedene Zuschauer ansprechen. So finde ich die 15 u. 17 Uhr Ausgaben mit der etwas lockeren Moderation durchaus ansprechend, während die 20 Uhr Ausgabe (die ich auch ab und zu gerne sehe) streng genommen nicht mehr zeitgemäß ist. Die oben zitierten Franzosen amüsieren sich über diese Sendung, weil sie so bieder und altbacken ist, umgekehrt könnte der klassische Tagesschauzuschauer die französische Inszenierung kaum ertragen.
Am 21. November 2009 um 14:57 Uhr
Das Gesetz ist einzig und allein gemacht zur Ausbeutung derer, die es nicht verstehen.
Keine Angst, stammt nicht von Uli Wickert, sondern von Bertolt Brecht, oder einer seiner Frauen.
Zugegeben, ich freue mich weiter von Ihnen zu hören, Herr Dr. Kai Gniffke! Jeder, der mit Herzblut an Nachrichten arbeitet, ist interessiert an einer tollen ARD. Zugegeben, ich lese die FAZ nicht, von daher trifft mich die Kritik nicht.
Und wenn die zweite Summe die erste überwiegt, so wird aus dem Vorteil ein Verlust, und es verwandelt sich die Hoffnung in Befürchtung. Ein Zitat.
Meet me halfway.
Am 21. November 2009 um 19:06 Uhr
ich teile die kritik von herrn wickert. zwar ist er selbst immer mehr zur karikatur seiner selbst geworden. dennoch strahlte er seriosität, glaubwürdigkeit und kompetenz aus. und er zeigte respekt vor der sprache. und genau dies vermisse ich zunehmend schmerzlich: glaubwürdigkeit bei den moderatoren sowie respekt vor der sprache. mich ärgern unreflektierte standart-formulierungen und gezwungene wort-bild-spiele, unsinnliche satzfragmente.
ich vermisse auch die kritische, die provokante nachfrage, anstatt des abfragens und -sendens von politiker-standpunkten.
Am 22. November 2009 um 10:47 Uhr
Auch beim Schießen von Selbsttoren ist auf Akkuratesse zu achten. Das ist hier glänzend gelungen.
Am 22. November 2009 um 12:38 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Kai Gniffke
Ihr Kommentar und insbesondere das Thema Bombenattentate ist leider ein bisschen lächerlich, in Brasilien oder Kolumbien sterben täglich weit aus mehr Personen als bei einer Bombe in Bagdad, von den 1 Mio. afrikanischen Kindern, die jährlich an Malaria sterben ganz zu schweigen. Eine Autobombe im Nahen Osten ist keine Nachricht, es sei denn uns soll subtil Angst gemacht werden. Dies betrifft auch ihre Berichterstattung bzgl. der Gewalttätigkeiten auf S-und U-Bahnhöfen. Als es noch auf Bahnhöfen Stationspersonal gab, gab es die Vorfälle mit dieser Brutalität nicht. Haben Sie jemals nachgefragt, warum es dieses Personal nicht mehr gibt? Es gibt heute schöne Videoaufnahmen, die dem Opfer nichts mehr nützen und den Familienangehörigen die letzten Lebensminuten Ihres Vaters, Bruders etc. zeigen. Sehr informativ! Die Zerstörung der lokalen nationalen Hühnerproduktion durch EU-subventionierte Exporte ist eine wichtigere Nachricht als ein Bombenattentat in Kandahar durchgeführt mit Sprengsätzen, die mit 100% Sicherheit nicht dort produziert werden. Die ideologische Oberflächlichkeit /Begrenztheit zeigt sich täglich in den von Herrn Wickert kritisierten Nachrichtensendungen und insbesondere in Ihrer Reaktion, die die Kritik von Herrn Wickert nur bestätigt. Da Sie kritikunfähig sind, sollten sie den Job wechseln. In Berlin bei Edeka wird noch Verkaufspersonal an den Käsetheken gesucht. ciao
Am 22. November 2009 um 18:13 Uhr
@ Paul Schmidt,
Ich stimme ihnen voll zu was die Unerträglichkeit der von ihnen aufgelisteten Skandale betrifft. Nur kann daran m.E. der arme Herr Gniffke nichts ändern - und schon gar nichts dafür! Er bekommt jetzt sämtliche Prügel für die Politik der letzten 12 Jahre, für die er nichts kann, während sich die Politiker vornehm im Hintergrund halten, DAZU nicht erreichbar sind und hoffen, dass der Kelch an ihnen vorübergeht.
Oder kennen sie Einen Blog einer Partei oder politischen Organisation, der derart leicht erreichbar ist und derartige Meinungsvielfalt zuläßt??? Für Nennung wäre ich dankbar!
Wer wollte denn die Bahnprivatisierung durchpeitschen, weswegen die Bahn dann Gewinn bringen und Leute entlassen mußte?
Wer hat denn immer mehr bei der Polizei eingespart, bis die ihre Aufgaben kaum noch wahrnehmen konnten?
Nach solchen Vorkommnissen fordert die Politik regelmäßig höhere Strafen - obwohl die Gefängnisse überquellen - und das war es dann.
Ich habe in Berlin Neukölln erlebt, dass ab und zu mal ein Polizist auf Streife die groben und auffälligen Rechtsverstöße sofort gegen Null tendieren läßt - und damit das Sicherheitsgefühl drastisch verbessert.
Ich finde die Folgen des EU-Außenhandels in Afrika auch empörend - nur: Darauf ist doch nun gerade in Sendungen des ö.r. Fernsehens hingewiesen worden, wenn ich mich nicht irre.
Wir werden also unseren lieben Politikern noch etwas heftiger auf die Füße treten müssen. Wenn das auch über diesen Blog geschehen kann - na gerne! So ich kann bin ich immer dabei!
Am 23. November 2009 um 15:01 Uhr
Vor 15 Jahren habe ich in der Schule gelernt, das Nachrichten objektiv sein sollen und sich Meinungsmachenden Kommentaren enthalten sollte. Damals wurde ARD und ZDF als Paradebeispiel angeführt.
Heute überschlagen sich die Kommentatoren, die ihre meinungsmachende Meinung über jeden Bericht ergießen und hin und wieder ihre absolute Unkenntnis kundtun. Hauptsache man hat hat was gesagt.
Und als würde das nicht schon genügen, beschränken sich die Abend-Nachrichten um 20 Uhr in 15 Minuten (sind es überhaupt noch 15? ) auf 3 Meldungen von unglaublicher Wichtigkeit, von denen mindestens eines das Thema Sport, Kunst und Kultur beinhaltet. Nicht das ich etwas dagegen hätte. Aber es ist,
als würde in unserem Land nichts geschehen. Dafür wird die Zeit dann mit “meinungsbildenden” Unterhaltungen der Journalisten untereinander verbraten. Für mehr Info werde ich dann ins Internet verwiesen. Toll. Nein Danke.
Das mitlerweile nahezu alle Mainstream Medien geradezu gleichgeschaltet sind, scheint auch nur eine Minderheit zu stören. Tiefgang ade.
Wofür brauchen sie eigentlich Quoten? Sie werden ja nicht nur von Werbung finanziert, sondern, wie sie gerne erwähnen, auch von unseren Gebühren.
Früher haben sie sich als Sender verkauft, die wenigstens noch Niveau in ihren Sendungen hätten. Auf ihre Nachrichtensendungen trifft diese Einschätzung leider nicht mehr zu.
Ein vergleichender Blick bezogen auf Nachrichtengehalt und sachliche Darbietung auf eine Sendung von vor 30 Jahren würde ihnen mal ganz gut tun. Ein neues Studio und schöne Bildchen ersetzen eben keine gute Redaktion und Recherche.
MfG
Am 23. November 2009 um 17:25 Uhr
Darf nach Prüfung doch veröffentlicht werden, nachfolgend mein Kommentar von Samstag abend.
Vorweg: Ich habe jetzt nicht alle Kommentare hier gelesen, irgendwann wird es dann doch etwas viel
Da ich selbst keinen Fernseher habe, kann ich nur darüber urteilen, was ich so lese. Aber ich unterstelle Herrn Wickert gewiss nicht, Tatsachen in seiner Kritik verdreht zu haben. Seine Kritik teile ich, soweit ich das beurteilen kann. Ich lese die “Nachrichten” auf tagesschau.de, eher selten sehe ich mir die Sendung im Stream an. Bei den Berichten fallen immer wieder sprachliche Fehler auf. Ich habe die Redaktion auch schon darüber informiert, allerdings scheint das nicht beachtet zu werden. Hauptsache, die Meldungen sind schnell online und bleiben dann da stehen, Korrekturen vor der Veröffentlichung sind wohl nicht nötig.
Wie bereits erwähnt, habe ich keinen Fernseher und die Feierlichkeiten zum 9.11. nicht verfolgt. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Aufmerksamkeit solchen Dingen widmen sollten, anstatt völlig uninteressante Soaps oder sonstige Unterhaltungssendungen auszustrahlen. Wenn Sie sich damit rechtfertigen, mit einer “30minütigen (!) 20Uhr-Tagesschau und einer Tagesthemen-Ausgabe live aus dem gläsernen Studio am Brandenburger Tor” diesem Auftrag bestens nachgekommen zu sein, ist das einfach nur lächerlich, Dr. Gniffke! An so einem bedeutenden Tag hätten Sie durchgängig berichten sollen, nicht mal eben eine doppelt so lange Tagesschau einschieben und dann weiter das Unterhaltungsprogramm senden. Diese Volksverblödung wird von den privaten Sendern schon viel zu stark betrieben.
Ihre Rechtfertigung, als Aufmacher einen Bombenanschlag im Irak zu bringen, halte ich ebenso nicht für richtig. Sie schreiben, dass es sich dabei “zum Glück” noch nicht um den Alltag handelt. Das ist wirklich ein Glück für die Menschen, die in solchen Krisengebieten leben. Die Tagesschau darf auch gerne darüber berichten, gerade wenn es die schlimmsten Anschläge waren. Diese “schlimmsten Anschläge” werden allerdings auch immer öfter erwähnt, es kommt mir fast so vor, als sei jeder zweite oder dritte Anschlag der schlimmste seit [beliebige Zeitspanne]. Wie auch immer, das geht die Menschen in Deutschland eigentlich nicht viel an. Wer für die nächsten vier Jahre in der Regierung sitzt, dagegen umso mehr. Und zwar in allen Ministerien, die “unwichtigen Minister” dürfen da nicht auf Informationen im Internet abgeschoben werden. Soll das “große Fest der Volksmusik” oder was auch immer im Anschluss gesendet wurde, doch eine Viertelstunde später ausgestrahlt werden und die politische Entwicklung in einem Brennpunkt dargebracht werden. Dann reicht es meiner Meinung nach auch aus, das Thema in der Hauptsendung nur kurz anzusprechen und auf den folgenden Brennpunkt zu verweisen, um sich z.B. dem Anschlag im Irak widmen zu können. Leider weiß ich nicht, ob so ein Brennpunkt auch im Internet gesendet würde, das sollte natürlich dann auch geschehen. Ich habe mich z.B. letztens sehr darüber geärgert, dass ein Interview mit Frau Merkel in der Sendung angekündigt wurde, der Stream aber dann abgebrochen wurde. Auch wenn es sich dabei nicht mehr um die eigentliche Tagesschau-Sendung handelt, sind die Inhalte auch für Stream-Zuschauer druchaus interessant.
Eine Sache noch zu Ihren Bemerkungen zu der öffentlichen Kritik: In letzter Zeit ist hier im Blog immer wieder von Kritik an Ihrer Sendung zu lesen. Ihre Reaktionen dazu sind aber immer nur abweisend, Sie sind offensichtlich wirklich kritikunfähig, auch wenn Sie das jedes Mal abstreiten. Momentan können Sie nicht bloggen, wie toll Sie doch dieses oder jenes “Problem” gelöst haben und auf Zustimmung der Kommentatotoren warten. Trotzdem versuchen Sie immer wieder, Ihre Entscheidungen als die bestmögliche Wahl darzustellen. Wie schon in einem anderen Kommentar geschrieben, wäre ein “interner Brennpunkt” wohl wirklich angebracht.
Am 23. November 2009 um 21:15 Uhr
auch @60, sonja
Ich frage mich, was wohl manche Politiker für “objektiv” halten. Das kann sich ja nun wirklich von Tag zu Tag ändern. Z.B. in Bayern, bei Herrn Seehofer. Z.B. bei der SPD, wenn ich mir so deren Internetauftritt ansehe. Letztendlich wird der arme Bürger überall mit haltlosen Behauptungen zugedröhnt und man sucht sich krampfhaft die Fakten zusammen, die die eigene Ansicht stützen - und wenn sie nicht passen, werden sie eben passend gemacht.
Was ist von “Politischen Streitgesprächen” zu halten, bei denen sich Politiker bei gespielter Empörung vor Lachen kaum noch einkriegen (z.B Herr Wiefelspütz)?
Journalismus wie Politik sind im Fernsehen längst Showgeschäft geworden! Und das ist so demokratisch wie die DDR: Wer die passende Meinung hat, darf sie aufsagen! Auf Einladung. Am Talktisch. Und sein Büchelchen hochhalten. Oder ‘n bissel motzen. Das ist dann lustig! Drum herum sitzen die Auszubildenden. Die zeigt man nie und die fragt auch nie jemand. Aber applaudieren dürfen sie.
In den USA sind sie durch Applaus vom Band ersetzt. Aus Kostengründen. Oder sind das die Unterhaltungssendungen mit Schauspielern? Und wo ist der Unterschied?
Dafür wird dann der Presseball übertragen, wo wir die Verwandten der Politiker betrachten können. Interessant. Und wer hat die gewählt? Sind wir in Südostasien?
Passt hier das Bild vom Sack, in den man alle reinstecken kann?
Ich würde sagen: Stecker ziehen! Wer sich promoten will, soll selbst dafür aufkommen. Der ganze Laden ist korrumpiert. Viele verdienen an der Werbung. Und wo sind sie bekannt geworden?
Zurück zum Kerngeschäft: Information und Bildung! Da wäre weitaus mehr zu machen. Man könnte auch Vorlesungen übertragen, die für Zuschauer von Interesse sind. Es muß nicht immer alles perfekt sein! Aber kompetent sollte es sein!
Diese Meinung habe ich mir AUCH im Blog gebildet. Also hier kommt das ö.r. Fernsehen noch seinem Bildungsauftrag nach!
Am 24. November 2009 um 02:57 Uhr
Die Diagnose, hier fehle das Bewusstsein für den öffentlich-rechtlichen Auftrag, ist so neu dann doch nicht. Dafür habe ich ihn an dieser Stelle einfach selbst zu oft geäussert: Die “freie, individuelle und öffentliche Meinungsbildung” leidet ja nicht nur, wie Ulrich Wickert konstatiert, an mangelnder Information (auch das wurde im Forum immer wieder kritisiert), sondern leider auch an mangelnder Freiheit. Aus Foristen-Sicht kann ich nur unterstreichen, dass zu Wickerts Hoch-Zeiten noch eine andere, wesentlich offenere Kultur herrschte; das Forum hatte es unmittelbar zu spüren bekommen.
Wer weiß: Vielleicht erklärt das gerade gelaufene Interview mit Frau Simonis ja Einiges …
http://www.tagesschau.de/multi....._res-.html
Am 24. November 2009 um 07:28 Uhr
Guten Morgen
Ich hatte mich bereits schon mal weiter oben zu Wort gemeldet.Aber mir ist zu diesem Thema noch was eingefallen.
Ich lebe seit einigen Monaten in der Schweiz.Und hier wissen die Menschen über die Politischen Ereignisse viel mehr,als die Deutschen.
Warum das so ist?
Meine These ist:
Hier hat man noch Mitspracherecht.Die Bevölkerung kann sich einbringen und abstimmen.Das weckt Interesse an Dingen,die einen betreffen.
Wenn man nichts ändern kann und alle vier bzw. fünf Jahre an die Urne gebeten wird,um sich für einen der Lügner zu entscheiden,dann ist es nur verständlich,dass diese´Menschen das Interesse an den politischen Entscheidungen verlieren.
Mehr Demokratie wagen.Das hat Willi Brand mal gesagt.Lange ists her.Was sich durchgesetzt hat ist amerikanische Volksverdummung.Warum?Weil man dann besser am Volk vorbeiregieren kann.Entscheidungen treffen kann,die wenigen,aber vermutlich einflussreichen Menschen,nutzen.Auch unseren “demokratisch” legitimierten Vertretern.So ähnlich wie in George Orwells “Farm der Tiere”.
Ausserdem finde ich das Urteil der sich hier am Blog beteiligenden Menschen über die Qualität der öffentlich rechtlichen Sender vernichtend.
Nur wird dies vermutlich dazu führen,dass sich die Verantwortlichen angegriffen fühlen und alle Kritik zurückweisen.
MfG
Peter Amthauer
Am 24. November 2009 um 11:01 Uhr
Hallo Herr Dr. Gniffke,
der kritischen Äußerung von Wickert wird viel zu große Bedeutung beigemessen. Nehmen Sie ihn doch einfach weniger ernst und bleiben Sie bei der bewährten inhaltlichen wie auch textlichen Ausrichtung Ihres “Flaggschiffs”, um das Sie andere Sender beneiden können.
Nimmt man allein zur Kenntnis, was der offenbar sehr einseitig orientierte Wickert in der gleichen Sendung an unqualifizierten politischen und wirtschaftlichen Aussagen von sich gegeben hat, weiß man den Mann gleich richtig einzuordnen.
Am 24. November 2009 um 14:29 Uhr
>MinisterInnen
Danke, das reicht schon. Binnen-Ihs sind häßlich, nachplapperisch, penetrant-politisch-korrekt und grammatikalischer Blödfug.
Sieht Ihre Dissertation auch so aus?
Meine nicht, denn ich beherrsche meine Sprache in Wort und Schrift.
Am 25. November 2009 um 08:02 Uhr
Lieber Dr. Gniffke,
schon lange ärgere ich mich über die Verlotterung der deutschen Sprache bei http://www.tagesschau.de. Kann sich die ARD für das Flaggschiff der deutschen Nachrichten keinen Korrektor leisten?
Besonders peinlich zum Beispiel auch Ihr Beitrag: “Und unsere Texte finde ich sprachlich außerordentlich akurat …” Die Akkuratesse, die Sorgfalt, die Genauigkeit schreibt sich nämlich so: akkurat. Und das eben meine ich.
Herzliche Grüße
Am 25. November 2009 um 09:44 Uhr
Sehr geehrter Herr Gniffke, nun, wenn die Tagesthemen von gestern, 24.11.09, nicht salopp und (pseudo-)unterhaltsam waren, was waren sie dann? Informativ jedenfalls nicht. Studentenproteste als logische Folge einer Laune einer Rot-Grün-Regierung zu beschreiben, die nichts besseres zu tun hatte als mal einen leckeren Bologna-Prozess zu versuchen, zeugt nicht gerade von historischem Denken und der Kenntnis eines gesamteuropäischen “Bologna-Prozesses”, ignoriert auch den Unterschied zwischen der europäischen Idee und Vorgabe und der mangelhaften nationalen Umsetzung. Das amerikanische System schliesslich gegen deutsche Studentenproteste auszuspielen (als würden deutsche Studierende nicht auch zigtausend Euro für ihr Studium bezahlen!) ist geradezu unterirdisch. Kommt dazu noch die Rhetorik der Bedeutungslosigkeit, wie sie von Caren Miosga mit der Garnierung an sich wichtiger Themen mit Spaghetti präsentiert wurde, kann man Ulrich Wickert nur zustimmen.
Am 30. November 2009 um 14:23 Uhr
Akkurat oder akurat
Abgesehen davon dass ich Rechtschreibung schon immer langweilig fand und sie deshalb in Teilen täglich neu erfinde, verschlucken auch Notebooktastaturen gerne Buchstaben. Das ist hier in vielen Kommentaren der Fall, auch in meinen!