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21.11.2009

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Mein Mauerfall - als Wessi in Ost-Berlin

9. November 2009, 16:00 Uhr - von Frank Wahlig

Meine Kinder gehen in Ost-Berlin zur Schule, sie sind hier geboren. Wir wohnen neben der ehemaligen Stasi-Zentrale von Mitte, gegenüber in der Wilhelm-Pieck-Straße ist das Antiquitätenlager vom DDR-Außenhandel. Ein ehemaliges Altenheim, Baujahr 1860, da wohne ich. Moment: Hätte mir jemand vor 20 Jahren und einem Tag gesagt, du wirst in Ost-Berlin neben der Stasi-Zentrale wohnen, dann hätte es nur eine Möglichkeit gegeben: Ich hätte für den DDR-Geheimdienst gearbeitet und mich aus der Bundesrepublik absetzen müssen. Das Stasi-Gebäude ist jetzt eine Volkshochschule, das Antiquitätenlager in Lofts, Eigentumswohnungen, Kunstgalerien umgewandelt. Die Häuser sind nicht mehr grau.

Vor zwanzig Jahren hat sich die DDR aufs Siechenlager begeben und starb ein knappes Jahr später. Und ich war dabei. Bei der berühmten Pressekonferenz von Schabowski in Berlin, bei den Demonstrationen in Leipzig, bei den Botschaftsflüchtlingen in Prag. Allerdings: Die DDR war mir gleich, Berlin kannte ich nicht und die Welt war weit - zumindest Richtung Süden und Westen. Das genügte. Die Wiedervereinigung wollte ich so wenig wie Oskar Lafontaine oder die Grünen. Oder wie sehr viele aus meiner Generation.

Als die Mauer überrannt wurde, da war ich in Leipzig - auf einer Dienstreise, um mir einmal dieses graue Land anzusehen. Die schöne Seite dieses unbekannten Landes. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau, eröffnete eine Kulturwoche in Leipzig. Über der Stadt hing ein Nebel aus fettigem Smog. Am Abend des Mauerfalls gab es einem Empfang im Leipziger Rathaus. Alle waren sie da: Die Bezirksleitung der SED, die Stadträte und Bürgermeister, Johannes Rau und wenige Journalisten - aber dafür viele Aufpasser. Vor dem Rathaus die Bürger, die Demonstraten, die traten buchstäblich die Tür ein und wollten mit Johannes Rau sprechen. Die Aufpasser konnten sie nicht aufhalten. Die Mauer sei offen sagten sie. Manche hatten Tränen in den Augen, wirkten gehetzt und verwirrt. Das war das Ende meiner Kulturreise. Es begann eine Reise durchs nächtliche Leipzig, Privatwohnungen, zerfallende Orte. Auf dem Leipziger Hauptbahnhof wurde ein russischer Offizier in Uniform verprügelt, ich warf mich dazwischen, der Soldat weinte, ich brachte ihn zur Volkspolizei. Demonstrationen, Versammlungen, Menschen, die von Wiedervereinigung redeten. Vor allem in der Nacht, wenn alles Bier getrunken und alle Stullen gegessen waren. 

In der Devisen-Bar des Hotels Metropol floss Wodka und Champagner und Wein in Strömen, es dauert nicht mehr lange, da entwickelt sich etwas in diesem Land, sagte Johannes Rau - und er suchte Leute zum Skatspielen. Ich brachte ein paar Leute von der Demonstration mit in die Bar. Johannes Rau spielte Skat und wir verhandelten die Einheit bereits. Ein Maler verließ seine Familie und begleitete mich nach Berlin, dann nach Bonn. Er wohnte einige Zeit bei mir. Mein erster Ossi gewissermaßen. Er fand schließlich einen Job in einer Werbeagentur in Frankfurt. Die Agentur schickte ihn später zurück nach Leipzig. Dort gab es für den Freund die private Wiedervereinigung. Deutsche Geschichte Klein-Klein.

In Ost-Berlin, Hauptstadt der DDR, schien es als wären den Volkspolizisten das Rückgrat herausgenommen worden. Sie waren plötzlich freundlich und wirkten verloren in ihren Uniformen. Die Grenze war offen und sollte sich nie wieder schließen. Das Brandenburger Tor aber abgesperrt. Ich saß auf der Mauer, ein Volkspolizist sagte, bitte springen sie nicht in den Osten, ich weiß nicht was ich dann tun soll - das ist nämlich verboten. Die Mauerspechte schlugen derweil vom Westen her die Mauer in Stücke. Einmal übernachtete ich in Ost-Berlin, dann wieder in West-Berlin - der Wäsche wegen. Johannes Rau war wieder in Düsseldorf zurück. Im Bonner Bundestag sangen die Abgeordneten fast jeden Abend die Nationalhymne. In Berlin lief ich durch die Straßen, redete in Kneipen und Wohnungen nächtelang über Deutschland. Schaute mir die Stadt an, die ich nicht kannte und lief auch an meiner zukünftigen Wohnung vorbei: Ein Altenheim, völlig runtergekommen, Baujahr 1860. Ich weiß noch, dass eine alte Frau aus dem Fenster auf die Straße schaute. Ich grüßte sie. Heute schaut mein kleiner Sohn aus genau diesem Fenster. Wer hätte das gedacht. Ich wohne jetzt in Ost-Berlin - und bin sehr froh über all das, was vor 20 Jahren geschehen ist. Aber vor 20 Jahren wusste ich das noch nicht. Woher auch.

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21 Reaktionen zu “Mein Mauerfall - als Wessi in Ost-Berlin”

  1. 1: NEAGU MIRCEA

    BUCHAREST 09 NOVEMBER 2009
    MEINE DAMEN UND HERREN ,
    ICH BIN NEAGU MIRCEA - 46 JAHRE ALT , AUS BUCHAREST RUMANIEN
    HEUTE 09 NOVEMBER 2009 , VOR 20 JAHREN IST DIE MAUER GEOFFNET WORDEN , ICH WUNSCHEN SIE , HERZLICHE GRUSSE MIT FREIHEIT !
    NEAGU MIRCEA - AUTODIDAKT KUNSTLER AUS BUCHAREST .

  2. 2: Patrick G.

    Irgendwie riecht dieser Beitrag nach Bildzeitung, ich kann mir nicht helfen. Einfach eine Portion Gefühlsdusellei mit einfacher und populärer Verklärung. Kurze Sätze für eine ebensolche Aufmerksamkeitsspanne.

    Es gibt auch noch andere Städte als Berlin.

  3. 3: Feller

    Es ist nicht nur eine Mauer in Berlin gefallen. Es hat auch nicht nur, lt. Clinten, den Kontinent verändert. Nein: Der Mauerfall war der wirkliche der Beginn vom Ende des “Kalten Krieg”.

    Begonnen hat alles natürlich mit Walesa 1980. Daher finde ich es auch richtig, dass er symbolisch die Domino-Mauer zu Fall bringt. Es hätte allerdings auch Gorbatschow sein können. Ohne ihn, hätte es kein Mauerfall und keine Wiedervereinigung gegeben. Er hat schließlich den Schiessbefehl auf die Demonstranten vereitelt. Die DDR-Führung wollte ja schiessen.

    Der eigentliche Held ist jedoch das Volk der damaligen DDR. Ich meine natürlich nur die, die an den Montagsgebeten teilgenommen haben und an den Demonstrationen. Frau Merkel war leider nicht dabei. Sie hat keinen Anteil an den Ereignissen. Sie konnte ja auch nicht, da sie ja Sekretärin der FDJ für Agitation und Propaganda war. Da kann man ja nicht gleichzeitig demonstrieren gegen seine Oberen.

    Egal: Freuen wir uns mit der ganzen Welt!!

  4. 4: Rudi

    Da hat jeder so seine eigene Gefühlsduselei erlebt. Das sind ganz ureigene Gefühlserlebnisse, je nach Hintergrund und Vergangenheit, und da steht niemanden auch nur der Hauch einer Kritik zu.
    Betreffs Maueröffnung habe ich immer noch den Eindruck, dass der Herr Schabobski auf der bewussten Pressekonferenz diese brisante Information nicht aus Versehen verkündet hat, sondern im vollen Bewusstsein der Tragweite. Ich vermute, dass dies ganz bewusst von ihm gesteuert wurde.
    Ich bin der Überzeugung, dass wir ihm heute noch unrecht tun, und dass dieser Mann mit seiner mutigen Auskunft wesentlich dazu beigetragen hat, dass diese Revolution friedlich enden konnte und kein Schuss gefallen ist. Wenn es nach mir ginge: Er hätte das Bundesverdienstkreuz haben müssen.
    Sie Herr Wahlig waren näher dran, was glauben Sie: War es ein Versehen oder eine ganz bewusste Information?

  5. 5: Ulli

    Ich war gerade einmal 6 Jahre als die Mauer fiel. Ich habe dies alles nicht bewußt miterlebt. Trotzdem fühle ich mit und weine mir jedesmal die Augen aus, wenn ich die Bilder vom Mauerfall im TV sehe. Wen das nicht bewegt und wer Beiträge wie diese als Gefühlsduselei und BILD-Niveau abstempelt, der kann mir nur Leid tun. Gerade wir jungen Menschen haben den Leuten, die für den Fall der Mauer gekämpft haben soviel zu verdanken. Nie hätte ich die Freiheit erlebt, die ich heute habe. Ich kann werden was ich will und reisen wohin ich will. Und ich bin so dankbar dafür.

  6. 6: Wolf Merlin

    Ist das ok?
    Seit 1989 hat jeder wahlberechtigte Bürger 35.000 € in die ehem. DDR rüber geschoben. (1,6 Billionen laut offizieller Statistik.) Laut Angebot Deutsche Bank am 09.11.2009 kostet die Rückzahlung eines Baudarlehens in der Höhe ca. mtl. 135 €, 39 Jahre lang.

  7. 7: andi

    @ 3
    Der Kalte Krieg ist zu Ende. Aber die kalten Krieger leben weiter und neue wachsen nach. Während für die allermeisten Deutschen diese ideologischen Auseinandersetzungen des vorigen Jahrhunderts Schnee von gestern sind, gibt es seltsamerweise ausgerechnet in Presse und Fernsehen unnatürliche Anhäufungen dieser überlebten Spezies, die immer und immer wieder versuchen, der Konfrontation des Kalten Krieges neues Leben einzuhauchen. Wem nützt das?

  8. 8: Pepe Engelmann

    Schöner Bericht. Schöner Stil. Schöner Fluß.

    Additiv persönliches meinerseits. Das erwähnte Antiquitätenlager der Schalck-Connection, Pieckstraße, war nur ein Nebenlager. Das Hauptlager war Richtung Straußberg.

    Von da kamen Antiquitäten per DEUTRANS nach Poing in Oberbayern. Am Tag des Mauerfalls war ich just da und sprach mit dem Fahrer der Ost-Staatsspedition. Ich war in einer Halle so groß wie ein Fußballfeld, voller antiker Standuhren. Tausende und Abertausende. Alle von Wert.

    Ich: “Ja, können denn in Ihrem Land die Menschen die Uhren entbehren ?”

    Der Ost-Fahrer: “Sie müssen. Im Vertrauen, alles geklaut und beschlagnahnt von der Stasi. Und — alle wissen seit zwanzig Jahren,was die Stunde geschlagen hat.”

    Wenige Minuten später hörten wir zwei, Ost und West, im Radio, was in Berlin vor sich ging.

    Wir fielen uns in die Arme und weinten. Dankbar.

  9. 9: Christian Adam

    @ 6
    Bitte untermauern Sie ihre Argumente mit Angaben, woher die Zahl 1,6 Billionen € stammt (Solidaritätszuschlag, staatliche Subventionen für Firmen, allgemein der Anteil an Steuern, der den Bundesländern zusteht, etc.) sowie einem Rechenweg, wie sie auf den Betrag pro Bürger kommen.

    Es ist zu einfach, mit ein paar dahingeworfenen Zahlen ohne weitere Kommentare Ressentiments schüren zu wollen.

  10. 10: Matti

    @ 2 Manchen kann man auch nichts recht machen. Was bedeutet denn es gibt noch andere Städte? Keine jedenfalls, was dieses Thema betrifft, kann in irgendeiner Weise Berlin das Wasser reichen. Einzig und allein in Berlin ist die Mauer gefallen, alles andere kam danach.

    @ 3 Wirklich eine Position, die Frau Merkel damals inne hatte, die sie für alle Ewigkeit für z.B. das Amt der Bkanzlerin disqualifiziert, ist schon klar. Wissen Sie wovon Sie reden? Lächerlich? Andere, die für die Stasi gespitzelt haben (s. Brandenburg) und auch noch damals gebettelt haben, weitermachen zu dürfen, kommen unter Umständen noch an Regierungsposten (Fr. Kaiser?)

    @ 6 Die Rechnung ist sowas von unvollständig. Frage: Wohin floss das meiste Geld davon zurück? Wo und wie wurde es ausgegeben? Einfach mal drüber nachdenken, bevor so ein Quatsch geschrieben wird. Vor allem, welche Statistik beginnt erst mit Leuten die wahlberechtigt sind?

    Find den Blog wie viele andere hier echt interessant und welch Glück, dass Sie in dieser Zeit unterwegs sein konnten, ich konnts nicht, war zu jung^^.

  11. 11: EXleipzigerin

    An diesem denkwürdigen Tag lebte ich in einer bayrischen Kleinstadt. Vor einem Jahr war ich von der Bundesregierung aus dem schlimmsten Zuchthaus für Frauen “Hoheneck” freigekauft worden.
    Ich stand vor dem Fernseher und konnte nicht glauben, was ich dort sah….ich heulte den ganzen Tag, denn ich wußte, was ich heute bestätigt weiß, diese Gesinnungsschwindler und Stasilakaien würden wieder neben mir wohnen und alles was ich erhoffte, nämlich diese Typen nie wieder zu sehen war in diesem Moment Illusion geworden.
    Man hätte die “DDR-Liebhaber” in ihrem wunderschönen, grauen Land lassen sollen und nur ehrliche Arbeiter und Bauern, die auf die Strasse gingen, ihr Glück im Kapitalismus versuchen lassen.
    Jeder der heute jammert, er möchte gern seine alte Heimat mit Arbeitsplatz und HO wiederhaben, hatt in dem Fach”Staatsbürgerkunde” nicht richtig hingehört. Wer keine Ellenbogen hat wird niedergetrampelt. Wer “Karstadt” ,”Quelle” und “Aldi” wollte,muß auch alles andere, was der böse Kapitalismus bietet mitnehmen.
    Heute wohne ich im Ausland. In der Hoffnung, nie wieder erleben zu müssen, wie eine linke Regierung Deutschland auf DDR-Niveau runterregiert.
    Na dann Prost..auf diese Wiedervereinigung und ihre Helden..denn das waren nicht die Gesichter welche wir heute aif dem Bildschirm sehen, sondern einfache Leute, wie du und ich.
    Wenn wir nicht das Geschick in Deutschland wieder in unsere Hand nehmen, voller Mut und Wut…dann …
    Deutschland armes Vaterland.

  12. 12: olwo

    @10
    irgendwie muss ich was verpasst haben das nur in berlin die mauer gefallen sein soll… feiern wir nicht die wiedervereinigung DEUTSCHLANDS und nicht nur die einer Stadt???
    ich finde diese Konzentration auf berlin ziemlich abgehoben. berlin ist nicht deutschland. die grenze gabs auch anderswo und da war sie alltag. auf berlin haben immer alle geschauht, aber was war mit dem rest? nicht da? haben wir uns den rest der mauer nur eingebildet? ein blick auf diesen anderen rest fänd ich mal ganz schön.

  13. 13: Mareen

    Allein zur Überschrift. Wird es nicht langsam alt, der Wessi im Osten zu sein?
    Es suggeriert dem Leser, meiner Meinung nach, immer wieder aufs Neue, der Schreibende wäre ein Held, ein Abenteurer, einer mit Überblick; jedoch keinem Einblick in die ehemalige DDR. Man wohnt, man schult, man konsumiert dort, wo man ohne Mauerfall der ewige “Klassenfeind” gewesen wäre und kann den Gedanken scheinbar nicht überkommen. Zentral bleibt der Gedanke, dass man etwas macht, was man nicht hätte machen können, wäre die Geschichte eine andere gewesen. Dass es für viele DDR-Bürger eine große Herausforderung und Erleichterung zugleich war; der Weg in eine Welt weniger stark bewachter Grenzen offen, jedoch nicht ohne politische, wirtschaftliche und soziale Hindernisse, wird erwähnt, bleibt hinter Steuerdiskussion u.ä. jedoch oft zurück. Man bedenke: Der “Ossi” ist nicht unbedacht in den Kapitalismus gerannt und der “Wessi” kam nicht nur, um zu gucken, wie es so aussieht im grauen Land.
    Ost und West als Herkunft und damit Teil unserer Identität, ja. Als Beschreibung charakterlicher Merkmale, veraltet.

  14. 14: Matti

    Hallo olwo!

    …alles andere kam danach! Heißt einfach, dass die Mauer in Berlin zuerst geöffnet wurde und das ist schon geschichtsträchtig genug. Sicherlich ist sie dann im ganzen Rest der Republik geöffnet worden, aber die Ereignisse nahmen nunmal an der Bornholmer Str. ihren Lauf.

    Die Geschichte (s. o.) handelt in Berlin (und Leipzig), also was solls?

    Was soll die Kritik bewirken, dass der Artikel umgeschrieben wird? Hmmmm

  15. 15: willmann

    Merkwürdig, Deutschland feiert 20 Jahre Mauerfall.Auf dem Bildschirm erlebe ich ” Wetten Das ” mit Thomas Gottschalk.
    Englische Lieder - und wo bleiben die Eigenen? Glücklicherweise ist Gorbatschov und Walesa anwesend, ansonsten feiert man sich selbst.Eine traurige Sendung und eine noch traurigere Veranstaltung! lothar

  16. 16: Alberto

    Liebe Blog-Gemeinde,

    ich denke, dass es keinen Grund gibt, den Mauerfall und “Gefühlsduselei” in dieser Weise zu verbinden. Es war damals für uns alle ein Event, das Historie schreiben würde. Das war uns bewußt, als wir als junge Studenten jenen Abend in Leipzig im Wohnheim wie gebannt, wie geschockt vor dem TV saßen und Herrn Schabowskis Konferenz verfolgten. Jubel brach eigentlich nicht aus, es gab nur einen im Raum, der sagte: “Es ist zu Ende!”. Wir waren uns in diesem Moment einig, er hatte recht. Von da an stieg die Aussicht auf Veränderung, die Vorfreude auf die erste Reise. Zunächst am Bahnhof eine lange Schlange an der “Notenbank der DDR”, wo die Leute 1:1 15 DM tauschen konnten. Die Züge nach Berlin hoffnungslos überfüllt, aber die Aussicht, über den Tränenpalast auf dem anderen Bahnsteig der Friedrichstraße zu stehen und einfach mit der S-Bahn rüberzufahren, war einfach toll. Der Run auf das Begrüßungsgeld gehörte ebenso dazu, wie die “Erste Banane für Gabi”. Man freue sich einfach nur, auch, wenn wir wissen, dass manches auch hätte anders gemacht werden können. Vergessen wir nicht, dass dieses Land nur solange eine Chance hatte, solange man das Ventil dicht hielt. Man mußte es schließen 1961, weil es ausblutete, als der Damm gebrochen war, hatte dieses Land keine Chance mehr. Wir sollten dem Land Glück wünschen, auch in gegenwärtig schwierigem Fahrwasser. “Wir Deutschen sind und bleiben das glücklichste Volk auf der Welt”. Grundsätzlich wächst weiter zusammen, was zusammen gehört.

  17. 17: Karel74

    @Mareen: Sie haben Recht. Und es wird mir zu oft vergessen, das es in beiden Staaten (wie in allen Staaten der Welt) Recht und Unrecht gab, ehrliche Menschen und Verbrecher. Mit einem “Bericht” wie diesem hier wird versucht, die Sensation, die die deutsche Einheit vor 20 Jahren ja wirklich war bis ins Jahr 2009 hinüber zu konservieren. Für den Autor mag es ja bis heute unglaublich sein - für mich als Leser beschreibt er nur etwas, das längst Normalität ist. Ich könnte auch Berichte schreiben über mein mittlerweile 12jähriges Abenteurer-Leben als geborener Lausitzer unter Schwaben. Tu ich aber nicht, weil es Alltag ist und einfach zu banal. Und Menschen, die um ´89 geboren sind amüsieren sich doch heute schon über die Geschichten von damals.

  18. 18: Karel74

    @Wolf Mehrlin

    Zitat:”Ist das ok?
    Seit 1989 hat jeder wahlberechtigte Bürger 35.000 € in die ehem. DDR rüber geschoben. (1,6 Billionen laut offizieller Statistik.) Laut Angebot Deutsche Bank am 09.11.2009 kostet die Rückzahlung eines Baudarlehens in der Höhe ca. mtl. 135 €, 39 Jahre lang.”

    Natürlich ist das ok! Schließlich konnte der Westen eine Wirtschaftskrise ne ganze Weile herauszögern. Interessanter wäre, wieviele Milliarden Gewinn westdeutsche Konzerne mit der Zerschlagung der (zugegebenermaßen nicht wettbewerbsfähigen) DDR-Industrie gemacht haben. Hab erst gestern irgendeinen alten SPD-Politiker (West) ein Loblied auf die damalige Treuhand singen gehört. Ich bin in einer Kleinstadt mit ehemals viel Glasindustrie aufgewachsen. Die Treuhand hat 3 vergebliche Versuche unternommen, diesen Betrieb zu verkaufen. Der erste Käufer aus dem Westen ist mit 50 Millionen Mark aus Steuermitteln über alle Berge abgehauen, der zweite mit 200 Millionen. Der dritte Käufer aus dem Westen hat die Bude in den Sand gesetzt. Die Treuhand war die optimale Möglichkeit, den Staat abzuzocken.

    Soviel zum Thema Deutsche Einheit und Umgang mit Steuermitteln.

    Ich denke, das man die Frage “Solidaritätszuschlag”, den ja alle zahlen, im Jahr 2009 anders angehen muss. Die Mittel, die da eingenommen werden, dürfen nicht nur in den Osten gehen. Das ist 20 Jahre nach der Einheit wirklich nicht mehr nachvollziehbar. Das sich seit langem schon die Kommunen im Ruhrgebiet und anderswo benachteiligt fühlen, kann ich nachvollziehen.

  19. 19: Kiddy74

    @Karel74
    Bist du aus Döbern? Oder gibt es noch mehr Kleinstädte mit so einer himmelschreienden Erfahrung mit der Treuhand?

  20. 20: olwo

    @14 matti
    der artkel soll natürlich nicht umgeschrieben werden. ich frag mich nur was dieser starre blick auf berlin soll - bezogen auf alles was man dieser tage in den medien sieht. die ankündigung schabowskis ist doch nicht nur in berlin gesehen worden oder? und nochmal:wir feiern die deutsche einheit und nicht (nur) die einheit berlins.. das war mein anliegen…

  21. 21: traudel

    auf die Anfrage von Christian Adam vom 10.11.
    da braucht man doch nur Bilder zu sehen aus der
    ehemaligen DDR.die neugedeckten Dächer ,die renovierten
    Kirchen ,Schlösser ,die Semperoper,die wunderbaren Fachwerkshäuser ,das Strassennetz,die Parkanlagen,
    die modernen Schulen ,Altersheime ,Reha Zentren,
    alle Forschungslabors, alleine schon die Uckermark
    die Flughäfen,Krankenhäuser ,die immense Summe
    durch den Geldumtausch,usw ,usf,
    da stellt sich doch eher die Frage ,ob es tatsächlich
    nicht noch mehr als 1.6 Billionen sind die bis heute
    in den Osten geflossen sind,
    ich war vor der Wende im Osten und danach,vorher war alles marode ,heute heißt es bei uns im Osten sind die
    Fitnesstudios viel größer und moderner als bei euch,
    so sieht es aus, ist es jemals genug was für den
    Osten getan wird?

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