11. März 2009, 13:09 Uhr - von Christian Thiels
“Key Leader Engagement” heißt die Veranstaltung, bei der die Volksvertreter aus Deutschland auf die Stammesvertreter aus dem Unruhedistrikt Chara Darreh treffen. Aus dem Distrikt werden regelmäßig Raketen auf das deutsche Lager geschossen, erst gestern riss eine ein mannshohes Loch in die Außenmauer des Lagers. Bei dem Meinungsaustausch soll es darum gehen, wie Deutschland konkret helfen kann, auch, um den Menschen eine Perspektive zu geben und sie nicht in den Extremismus zu drängen.
Die Afghanen haben klare Vorstellungen, was fehlt. Etwa eine Brücke über den Kundus-Fluss, die seit vier Jahren geplant aber bislang nicht mal in die Nähe der Realisierung gekommen ist. Die Abgeordneten reagieren politisch korrekt mit dem Hinweis auf den Dienstweg der Demokratie. Koordiniert werden könne die Hilfe nur über die Zentralregierung in Kabul, sagt etwa CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz. Doch die Afghanen entgegnen, dass sie von der Regierung in der fernen Hauptstadt noch nichts gesehen hätten, “Die interessieren sich nicht für die Menschen, sondern nur dafür ihre Taschen zu füllen”, sagt einer. Polenz verweist darauf, dass doch nun bei den anstehenden Wahlen Gelegenheit sei, andere Menschen zum Präsidenten und später auch ins Parlament zu wählen. Und die Kandidaten müsse man dann eben fragen, was sie für den Distrikt der Stammesführer tun wollten. Damit erntet er unverständiges Kopfschütteln.
Was da am Vormittag im schummrigen Halbdunkel des Zeltes stattfindet, kann man am besten mit “Aneinander Vorbeireden” beschreiben. Die Welten, aus denen die Gesprächspartner kommen, sind so verschieden, die Lebenswirklichkeiten haben so wenig gemein, dass es offenbar auch kaum einen gemeinsamen Nenner in der Kommunikation gibt. Es scheint, als spreche man auch gedanklich völlig verschiedene Sprachen und der Übersetzer kann sich noch so sehr bemühen, man versteht sich einfach nicht. Auf die konkreten Probleme und Wünsche der Afghanen antworten die deutschen Politiker mit technokratischen Hinweisen auf das Wesen der Demokratie. Fast schulmeisterlich klingt es, wann Polenz etwa achselzuckend darauf verweist, dass die Afghanen doch alle vier Jahre Gelegenheit hätten, die Politiker, die sie für schlecht hielten, abzuwählen. Bittere Lacher sind die einzige Reaktion. Dass das Gespräch nicht vollständig im Eklat endet ist dem Verteidigungsminister zu danken. Er verspricht, dass die Brücke nun bald gebaut werde, will sich in Kabul für den Aufbau einer landwirtschaftlichen Fakultät und die Anschaffung von Traktoren für die örtlichen Bauern einsetzen. Das beschwichtigt die Stammesführer ein wenig, denn wenn ein “so hochrangiger” Vertreter Deutschlands das zusage, werde es sicher auch so geschehen - eine Einschätzung, die auf einem Ehr- und Hierarchiebegriff basiert, der vermutlich wenig zur tatsächlichen Rolle des deutschen Verteidigungsministers im Wahljahr 2009 passt.
Wie sehr sich die Wahrnehmung der Welt unterscheidet, bringt der stellvertretende Polizeichef von Kundus am Ende des Gespräches auf den Punkt. Zur Sicherheitslage sagt er, die sei gar nicht so schlimm: “Wahrscheinlich gibt es auch in Deutschland Leute, die in der Lage sind ein paar Raketen pro Woche abzuschießen”
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Christian Thiels |
11.03.2009 13:09 Uhr
Kategorie: ARD-Hauptstadtstudio, Regierung
Schlagworte: Abgeordnete, Afghanistan, Jung, Paschtunen, Stammesfürsten
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Am 11. März 2009 um 13:56 Uhr
Super-Beitrag.
Danke!
Am 11. März 2009 um 14:16 Uhr
Wie glücklich werden doch die Afghanen sein, wenn sie dann eines Tages so schön wählen dürfen wie wir, um Einfluss auf die Geschicke ihres Landes nehmen zu können…..
Am 11. März 2009 um 14:26 Uhr
…von solchen Einträgen würde ich gerne mehr lesen. Sie sagen mehr über die völlig verfahrene Situation in Afghanistan als viele aktuelle aber oberflächliche Berichte. Warum läuft ein Bericht mit diesem anderen Blick auf die Dinge nicht mal in der Tagesschau oder in den Tagesthemen?
Am 11. März 2009 um 15:23 Uhr
Sehr schön Herr Thiels! Ihre Beiträge sind immer bemerkenswert informativ, und insb. durch Ihre persönlichen Schilderungen der Lage, die in den Nachrichten aussen vor bleibt, eine um so interessantere Ergänzung.
Was Sie hier schildern, scheint bei solchen Auseinandersetzungen das Kernproblem zu sein - man versteht sich nicht. Das gilt sicher insb. für Parlamentarier, die noch nie mit sowas zu tun hatten, und vielleicht weniger für Soldaten oder Hilfskräfte, die schon Jahre vor Ort sind.
Doch wie kann man das überkommen? Wie will man (ob das gut oder schlecht ist sei dahingestellt) eine Demokratie entwickeln wenn die zugrundeliegenden Werte so unterschiedlich sind? Wenn sich Stammesfürsten nicht dafür interessieren, was in Kabul passiert?
In Deutschland glauben schon nicht mehr alle daran, dass etwas passiert, wenn jemand anderes gewählt wird - wie muss ein solcher Ausspruch erst in Afghanistan wirken?
Auf der andere Seite: Was soll man anders machen, wenn man eigentlich keine Macht hat, und nur auf die Regierung in Kabul verweisen kann? Der Weg des Herrn Jung scheint da noch am plausibelsten. Leicht ist eine solche Kommunikation aber sicher nicht. Über solche Themen, die solche Kontraste in Werten, Weltanschauung, Problembewusstsein, etc, aufzeigt würde ich gerne mal einen längeren Beitrag/Reportage sehen!
Viele Grüße
Am 11. März 2009 um 20:02 Uhr
Zur Ergänzung sei gesagt, in der Planungzeit wurde noch schnell eine Tankstelle am Platz der geplanten Brücke schwarz gebaut und später genehmigt.Nun ist es aber kein Problem die Tankstelle abzureisen für ein kleines Entgelt von 300 000$ ist der Besitzer der Brettertankstelle zum Verkauf bereit.Die Brücke soll 1,5 Millionen kosten. Da ist die Tankstelle preiswert.In diesem Lande das Fähnchen der Demokratie über allem wehen zu lassen führt zu nichts. Man muß sich mit der Kultur des Landes und der Macht der Stämme befassen. Sonst wird das nichts.
Bei uns löst man auch viele Probleme nicht, weil jeder an die nächste Wahl denkt.Zu glauben dieses geht in Afghanistan ist doch sehr naiv.
Wenn demnächst die Truppen abgezogen werden wird jede Seite enttäuscht sein.
Am 11. März 2009 um 20:49 Uhr
Es ist schon so, wie ich es mir gedacht habe.
Unsere Politiker geben den Geldkoffer bei der Regierung ab und das war es dann auch. Die Machthaber stecken es in die eigene Tasche und das Volk profitiert so gut wie gar nicht davon. Da braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn die Unruhen nicht abnehmen. Es wäre doch besser, dieses Geld nicht an die Politiker zu übergeben, sondern an deutsche Beauftragte, welche sich für die Belange des Volkes einsetzen und das Nötige in die Wege leiten. Die Stammesfürsten machten doch auch klar, dass es egal ist, welchen Politiker sie wählen, um das Volk kümmert sich sowieso keiner.
An der Verständigung muss weiter gearbeitet werden. Es besteht ernormer Nachholbedarf an Kommunikation und Aufklärung.
Herr Jung wird sich für den Bau der Brücke einsetzen müssen, damit Deutschland nicht das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung verliert.
Am 12. März 2009 um 01:06 Uhr
Ha, ha, die genannten “Paschtunenfürsten” waren einige gebrechliche Bürgermeister umliegender Gemeinden.
Denen durften Jung und Polenz was erzählen.
Wäre ein einziger Taliban anwesend gewesen, so hätte die Versammlung schnell Deckung suchen müssen.
Unsere jungen Soldaten stehen einem heimtückischen, zu allem entschlossenen Feind gegenüber, der Gefallen daran findet, zu töten.
Das ist die Wahrheit. In Afghanistan wird gekämpft, nicht gelabert.
Am 12. März 2009 um 04:59 Uhr
Zitat “…will sich in Kabul für den Aufbau einer landwirtschaftlichen Fakultät und die Anschaffung von Traktoren für die örtlichen Bauern einsetzen.” Zitat Ende
Ich warte darauf, daß eines Tages gemeldet wird, die deutschen Traktoren leisten wertvolle Hilfe bei der Mohnernte.
Afghanistan ist das reinste Chaos ! Die deutschen Bemühungen werden scheitern. Fazit: Sofort raus aus Afghanistan !
Am 12. März 2009 um 05:10 Uhr
Abgeordnete sollte man am besten gar nicht in kulturell von Deutschland so verschiedene Laender lassen. Die moegen sich mit franzoesischen Kollegen noch ueber kommunale Zusammenarbeit verstaendigen koennen, aber in Afghanistan ist die Begriffswelt der meisten MdBs hoffnungslos ueberfordert. Da kann man noch froh sein, dass die nicht von kommunalen Steuern oder ihrer lokalen Parteigruppe gefaselt haben. Reine Verschwendung von Steuergeldern.
Am 12. März 2009 um 05:30 Uhr
[...] Ort: ein Zelt im deutschen Feldlager im afghanischen Kundus. Personen: afghanische Stammesfürsten, Bundestagsabgeordnete, der deutsche Verteidigungsminister. Dann beginnt ein Lehrstück über Sprachlosigkeit, kulturelle Gräben und die Wahrnehmung der Welt. Christian Thiels war dabei. [blog] Quelle: http://www.tagesschau.de [...]
Am 12. März 2009 um 06:06 Uhr
Ein richtig guter Beitrag! Er zeigt, wie sehr die allermeisten Menschen in allen Positionen und aus allen Regionen der Welt in ihrem eigenen Kosmos und ihrer eigenen Weltsicht verhaftet sind. Auch in Europa, im Norden, wo wir (nicht ganz zu Unrecht) stolz sind auf Bildung, Informationsfreiheit und Weltgewandtheit. Die Medien tragen einen großen Teil dazu bei, vor allem das Fernsehen, das in 30 Sekunden einen Bericht zu einem Thema präsentieren muss, über das man eine Stunde intensiv diskutieren könnte. Fernsehen ist immer staatstragender, als andere Medien und erklärt die Welt dementsprechend. Radio, Zeitungen oder Blogs können da oft mehr, haben mehr Zeit, müssen nicht darauf achten, passende Bilder zu präsentieren, können einfach ohne offizielles oder buntes Bildmaterial dokumentieren und einschätzen. Aber auch hier wird zumeist aus einer eurozentristischen Perspektive berichtet. Eine Demokratie ist eine Demokratie, auch wenn Wahlen geschoben werden, es in Armenvierteln oder der Provinz keine Wahllokale gibt, auch wenn Entscheidungen in Politik und Justiz gekauft werden, auch wenn über Seilschaften immer die gleiche Klientel die Fäden in der Hand hält, auch wenn die Polizei eigentlich ein Unterdrückungsorgan darstellt. Allzu kritisch wollen Korrespondenten über Ihr Gastland auch nicht berichten, auch in vielen Demokratien kann ihnen schließlich die Ausweisung drohen. Zudem: Widerstand (von Selbstorganisation über Proteste bis hin zu Guerrillas) gegen befreundete Demokratien (und Diktaturen) ist uns suspekt, Widerstand gegen “verfeindete” Länder ist heroisch. Eigentlich müssten Medien viel unabhängiger, ausführlicher und mit viel mehr Ortskenntnis berichten. Ins dreißig-Sekunden-Schema der Nachrichtensendungen passt das aber nicht, genau so wenig ins tägliche Schnell-Schnell von Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft. Und zuletzt: Die weltweite Medienlandschaft, die Wirtschaft und die internationalen Organisationen werden vom “Norden” oder “Westen” dominiert. Der “Süden” kommt dort kaum vor. Wer soll da die Seele eines Landes wie Afghanistan begreifen, wir begreifen ja kaum, was in Konfliktregionen Europas abgeht…
Am 12. März 2009 um 06:08 Uhr
Ja, wirklich ein wunderbarer Bericht der aus und an der Basis berichtet. Aus diesen Gründen sollten die Regierungen überlegen, wo sie Soldaten hinsenden oder ob humanitäre Hilfe und der Handel mit diesen Völkern nicht der sinnvollere Weg ist, um das gegenseitige Verstehen und Vertrauen aufzubauen
und das möglichst mega-langfristig.
Diese Eigenschaften gehören zur Anbahnung oder dem Aufbau einer Demokratie.Über Demokratie dort zu reden ist dort ein Hohn.
Mit dankenden Grüßen G.Walch
Am 12. März 2009 um 06:08 Uhr
In dem Bericht fehlt mir der Hinweis auf die Tankstelle. Nach meinen Informationen (die natürlich falsch sein können) müsste für den Bau der Brücke eine Tankstelle abgerissen werden. Der Tankstellenbesitzer verlangt dafür eine Entschädigung. Da aber die Baugenehmigung für die Tankstelle durch Bestechung erreicht wurde, weigert sich die Regierung in Kabul diese Entschädigung zu zahlen. Was könnte Herr Jung tun? Etwas aus seinem Ressort abzweigen und die Tankstelle kaufen!
Am 12. März 2009 um 06:42 Uhr
Ein toller Beitrag.
Am 12. März 2009 um 07:16 Uhr
Tja, da ist guter Rat schwer. Da hilft wohl nur Druck auf Kabul. Notwendige aufteilung der Gelder und umsetzung der Projekte oder Abzug der Truppen. Uebrigens gibt es zu dem Thema gute Buecher von Konsalik u.a.. Wer sich dafuer Interessiert… Ansonsten ist zwischen Afghanistan und der BRD auch kein allzu grosser Unterschied. Auch hier reagiert die Politik ratlos auf die Interessen und Beduerfnisse des Volkes!
Am 12. März 2009 um 07:34 Uhr
Armes Deutschland, diese Situation zeigt mal wieder richtig schoen das einige Politiker definitiv nicht ihre Hausaufgaben machen. Dazu kann ich nur sagen, “Polenz, Themaverfehlung, setzen, sechs!”, oder man sollte sich die Frage stellen ob es sich wirklich lohnt, solche pseudoprestigetraechtigen Auslandsreisen Leuten zu ueberlassen die absolut keine Ahnung von der Materie haben. Ahm, wusste Polenz das es eigentlich wohin er ueberhaupt fliegt??
Am 12. März 2009 um 07:45 Uhr
Sorry, P.-Scholl Latour und G. Konzelmann waren gemeint…
Am 12. März 2009 um 07:47 Uhr
Der Artikel bringt die Situation auf den Punkt. Wir (unsere Politiker) müssen endlich lernen, den Menschen aus anderen Kulturkriesen besser zuzuhören. Genau das wird doch auch von den Islamisten so scharf kritisiert.
Da wird uns tagtäglich vorgefaselt, dass den Afghanen beim Aufbau geholfen wird. Unser Land verpulvert tagtäglich Millionen für andere sinnlose Dinge.
Mann, schafft ein Pionierbatallion da hin und baut die Brücke!Verflixt und zugenäht, denn wenn das Ding steht und unter Regie der Bundeswehr gebaut wird, kann keiner Geld in seine Taschen abzweigen, nicht in der Region, nicht in Kabul, wie es doch 100%-ig der Fall ist, wenn Geld an die Zentralregierung überwiesen wird. Und die Bevölkerung (die Stämme) wird (werden) wirklich begreifen, dass man ihnen auch helfen will.
Am 12. März 2009 um 07:53 Uhr
…so erleben wir die Welt seit einigen Jahren: Der Westen glaubt, dass man beinahe in jedem Land unsere Werte und unser Demokratieverstaendnis einpflanzen kann. Unser Wertekanon beruht auf christlichen Prinzipien, das Christentum hat im Westen, in Europa und Amerika eine lange Tradition. Zusaetzlich braucht man wahrscheinlich noch das, was wir die “Aufklaerung” nennen. Auf solchem Boden schlaegt Demokratie Wurzeln. Versuchen wir doch bitte, kulturelle Unterschiede zu begreifen, Traditionen zu verstehen und in diesem Kontext mit anderen Voelkern zu kommunizieren. Auch wir wehren uns, wenn andere versuchen ihre Kultur uns aufzuzwingen. Wenn wir das beherzigen, dann koennte es vielleicht besser klappen mit der Kommunikation und dem Zusammenleben auf unserem Planeten.
Am 12. März 2009 um 07:58 Uhr
Ganz super Beitrag. Das Problem der Kommunikation zwischen unterschiedlichen Kulturen ist gerade jetzt durch die Globalisierung ein heißes Thema.
Unsere Demokraten aus dem Westen müssten mehr Einsicht zeigen, da sich das Denken der, in diesem Fall Afghanen, nicht von heute auf morgen ändern kann. Man müsste weniger platt, mit mehr Gefühl vorgehen.
Am 12. März 2009 um 08:00 Uhr
Toller Beitrag.
Demokratie laesst sich eben nicht exportieren wie Flachbildschirme oder Werkzeugmaschinen.
Am 12. März 2009 um 08:07 Uhr
Hallo, das ist ein Bericht, der einfach nur die Gründe benennt, warum in Kunduz oder auch in Afghanistan die Lage immer auswegloser wird. Es geht nicht nur um die Brücke, die wirklich endlich gebaut werden müßte. Was ist mit dem kleinen Kraftwerk in Khanabad? Seit Jahren hat man den Afghanen den Wiederaufbau versprochen, aber es geschieht nichts. Die Menschen warten auf Strom, Fehlanzeige!
Unsere Regierung muß endlich begreifen: Wenn wir für die Menschen der Region Kunduz etwas tun wollen, dann bitte schnell und vor Ort. Gelder in Kabul versickern! Und in einem Gebiet, in dem so viele Paschtunen leben, spielt der Ehrenkodex der Paschtunen, der Paschtunwali, eine wichtige Rolle. Wenn wir das endlich begreifen, können wir vielleicht noch etwas bewirken. Unsere Demokratievorstellungen müssen bei Abflug in Deutschland bleiben. Eine kleine Hilfsorganisation, wie Katachel eV, bewirkt mit wenig finanziellen Mitteln viel mehr als die Bundesregierung. Das stimmt doch nachdenklich, oder?
Helmut Walter
Am 12. März 2009 um 08:17 Uhr
Ich sehe zu dem beschriebenen “An-einander-Vorbereirede”-Problem sehr viele Parallelen zu uns - die genannten Politiker sind in ihren Ansichten laut Beitrag absolut gefestigt. Doch auch hier in Deutschland ist die Politikverdrossenheit ähnlich… zumindest von den Reaktionen her was man durch Wählen anderer Vertreter bewirken könne!
Wie verblendet sind unsere Politiker? Dies geht für mich in erschreckender Wiese aus dem Beitrag mehr als deutlich hervor! Nur: wann erkennen die Politiker dies einmal? Zu fern der Realität um diese Erkenntnis zu erlangen!
zu Punkt 18:
Ich habe erhebliche Zweifel dass mit dem Bau der Brücke “plötzlich” alles gut sein wird in der Region! Prinzip kleiner Finger und so… Für einen sinnvollen Aufbau muss die Regierung in Afghanistan mit einbezogen werden, in meinen Augen muss sie das Projekt Brücke, als Representant für viele derartige Fälle, völlig allein bewältigen. Nur so wachsen die notwendigen Strukturen um dies zukünftig wirklich auch selbstständig zu können. Klar machen unsere Pioniere dies wohl zuverlässig, schneller und es versickert wohl kein Geld (oder doch?)… aber ein Fortschritt entsteht nicht durch “alles gemacht zu bekommen” von anderen!
Am 12. März 2009 um 08:17 Uhr
…wie sollen denn unsere weltfremden Politiker andere Völker verstehen, wenn sie nicht mal das Volk verstehen, dem sie angehören.
Das ist Journalismus wie er sein muß und nicht dieses hohle nichtssagende Friede, Freude, Eierkuchengewäsch der meisten Zeitungsfritzen.
Weiter so, und bitte noch kritischer
Am 12. März 2009 um 08:24 Uhr
Ein toller Beitrag, der uns alle lehren sollte, dass man unsere Art des Demokratieverständnis nicht einfach von heute auf morgen auf andere Länder übertragen kann.
Wahrscheinlich haben da ein paar Politiker nicht aufgepasst als man sie für das Treffen vorbereitete… aber die Aussagen eines Herrn Polenz sind ein Schlag ins Gesicht für die örtlichen Stammesführer gewesen - und eine Schande für Deutschland.
Ich hoffe nur, dass den Leuten da unten zumindest die ersehnte Brücke gebaut wird.
Sonst kommen die Taliban, bauen die Brücke selbst und der Westen muss Meldungen über das wundersame erstarken der Taliban im ach-so-sicheren Norden senden.
Von den Traktoren brauchen sie wohl nicht mal träumen…
Am 12. März 2009 um 08:28 Uhr
Vielen Dank für diesen realitätsnahen Beitrag von Herrn Thiels. Ich selbst habe in den vergangenen Jahren (mit einem Geschäftspartner) viele Gespräche mit Paschtunen und zwei Stammesfürsten führen dürfen - Stichwort Ehre - Paschtunwali. Darunter auch mit einem “Advisor Minister of President in Tribal Affairs”. Ich kann vielen Beiträgen und Meinungen nur zustimmen, sich mit der Kultur Afghanistan´s und den Ehrenkodex des Paschtunwali zu befassen. Da ich selbst Soldat war (in zwei Armeen) kann ich bestätigen, dass unsere Soldaten sehr gut auf die jeweiligen Einsätze im Ausland vorbereitet werden - und sie leisten viel gute Arbeit, im kleinen, in Afghanistan. Die Frage die ich mir immer wieder stelle, welch wirkliche finanzielle Alternative gibt es für einen Bauern in einem District zum Mohnanbau (die Ausfuhrzahlen nach Europa steigen und das kann man alles offiziell nachlesen)? Wie kann es seinen persönlichen Lebensunterhalt verbessern - mit Geldern aus der EU zum Anbau von…
Am 12. März 2009 um 08:44 Uhr
Danke für den vielsagenden Beitrag! Ich kann mich den anderen Kommentatoren nur anschließen: auch die Nachrichtensendung Tagesschau könnte durch solche feinsinnigen Hintergrundsberichterstattungen eingereichert werden - zulasten allseits bekannter Stanzen der allseits bekannten Politiker.
Am 12. März 2009 um 08:50 Uhr
Und was werden die Stammesführer sagen wenn unser ach so toller “politischer Führer” dann nichts ausrichten kann auf seinem ach so tollen demokratischen Dienstweg? Mit Ruhm und vorallem Ehre, das Versprechen nicht gehalten zu haben wird er sich nicht rühmen können.
Wir sind es ja gewohnt, von den Politikern demokratisch enttäuscht zu werden. Aber etwas zu versprechen und nicht sicher sein ob mans halten kann - bei Leuten die sich aufs Wort verlassen … besten Dank, das hat Konfliktpotential.
Am 12. März 2009 um 08:57 Uhr
Der Artikel und fast noch mehr das Foto haben mich verdammt an einige Bürgerversammlungen oder Gemeinderatsitzung in der (ost)deutschen Provinz erinnern. Dort sieht es nicht viel anders aus (ältere bärtige Herren) und hört sich - zumindest wenn es um langfristige Planungen und die Umsetzung überregionaler Strategien geht - nicht viel anders an: “Wir hier unten mit unseren schlimmen Problemen und die bösen Polititker da oben, die nur an ihre Taschen denken.” Ich fürchte derartige Selbst-Distanzierungen sind in Afghanistan nicht viel passender als hier. Die Frage ist nur: Wie in Zeiten von fast reinrassigem Schlagzeilen- und Betroffenheits-Journalismus die Leute wieder mitnehmen anstelle stoisch auf die nächste Wahl zu verweisen?
Am 12. März 2009 um 09:02 Uhr
Prima Bericht!
Auch nachdem ich einige der Kommentare gelesen habe, frage ich mich, wie viel (wie wenig!) Vorbereitung dieses Gespräch wohl beansprucht hat? Wollten wir nur mal schnell ein positives Signal senden (wie einfach das doch ist?!) und der Rest wird dann vom “unterstellten Bereich” gerichtet?
Falls Ihr Bericht die Stimmung wiedergegeben hat, die sich im “romantischen” Beduinenzelt verbreitet hat, frage ich mich wo denn die interkulturelle Kompetenz bei unseren Vertretern ist? Wenn ich recht informiert bin, werden Soldaten im Rahmen ihrer Aufgaben auf andere Kulturen vorbereitet. So viel Zeit muss sein, …sogar bei unseren Politikern.
Schade, sogar bei so einer (wunderbar demokratischen) Podiums-Frontal-Diskussion hätte mit mehr menschlich-kulturellem Einfühlungsvermögen mehr Verständigung und Verständnis stattfinden können.
PS Und dann war da noch der Kommentar zur Demokratie und den anstehenden Wahlen. Gut gemacht Herr Abgeordneter Polenz. Fraglich ist, ob die interkulturelle Kompetenz beteht um zwischen Politikerkultur und Bürgerkultur eine glaubhafte Verbindung zu halten. Dies war dann wohl eher ein Eigentor.
Am 12. März 2009 um 09:04 Uhr
Ein Teufelskreis! Von einer Seite ist es notwendig die Zentralregierung in ihrer Autorität zu stärken und nicht die Gelder selbst verwalten, von der anderen Seite sieht man dass die Zentralregierung völlig Kurupt ist.
Am 12. März 2009 um 09:14 Uhr
Ich möchte, dass deutsche Soldaten nur in Deutschland sind. Staaten, die nicht unser Wertesystem haben müssen ihre eigene Entwicklung machen dürfen. Das gilt uneingeschränkt auch, wenn dort Prozesse ablaufen oder Dinge geschehen, die mit unserem Wertesystem nicht vereinbar sind. Wir müssen es aushalten und akzeptieren, dass es unterschiedliche Wertsystheme gibt.
Am 12. März 2009 um 09:14 Uhr
“Dieses Land frißt meine Soldaten!”
Wenn ich mich recht entsinne sagten dies 2 große Führer.
1. Alexander der Große über Afghanistan.
2. Ein türkischer Sultan über den Jemen.
Ist zwar schon ein bißchen her, aber bei den Fürsten dort hat sich fast nichts geändert, außer der modernen Waffen.
Der Texaner hat es bis heute nicht begriffen, evtl. die deutschen Politiker?
Am 12. März 2009 um 09:23 Uhr
… da sehen wir einmal wieder wie der Westen, überzeugt von sich selbst und unter dem unbeirrbarem Glauben an seine Werte und Überzeugungen versucht, diese als Allheilmittel für Misstände und Probleme dieser Welt zu benutzen. Der Schlüssel liegt doch eher im Verständnis als in der Staatsform. Wenn wir mal endlich verstehen würden, welches die Werte, Rituale und Absichten der Menschen und Stammesfürsten vor Ort sind, könnte man flexibel reagieren und mit den Menschen dort die Brücke bauen. Dadurch das wir aber alle glauben so fortschrittlich zu sein und alles viel besser wissen als die anderen, erkennen wir gar nicht wie borniert wir dabei rüberkommen. Die Probleme liegen manchmal gar nicht in Afghanistan sondern in uns selbst. Unsere Staatsform macht uns nicht zu besseren Menschen und außerdem “ist die Demokratie die schlechteste aller Staatsformen - mit Außnahme aller anderen” (Winston Churchill)
Am 12. März 2009 um 09:24 Uhr
Eine schöne Geschichte über interkulturelle Kommunikation - oder eben auch nicht. Noch schöner wäre sie, wenn wenigstens im Tagesschau-Blog Wert auf den Unterschied zwischen einem Dolmetscher und einem Übersetzer gelegt würde. Dass die Bemühungen eines Übersetzers, bei einem solchen Treffen für Kommunikation zu sorgen, scheitern, ist nämlich nur verständlich. War denn kein Dolmetscher zu bekommen?
Am 12. März 2009 um 09:27 Uhr
Hallo, ja endlich mal ein wirklichkeitsnaher Kommentar. Habe selbst einige Jahre in einem Land gelebt, dessen Mentalität sich sehr von der unsrigen unterscheidet. Der Schuß geht immer nach hinten los, wenn man anderen etwas aufdrücken will, was nicht durch Entwicklung aus dem Volk heraus kommt. Wer die afghanische Geschichte kennt, weiß über jahrhunderte lange Korruption und Stammesfehden, die sind doch nicht weg zu bringen, bloß weil westliche Staaten plötzich das zweifelhafte ” Heil ” der Demokratie bringen und sie auch nur mit westlichem Denken durchsetzen wollen. Verantwortungsträger aus dem Westen müssen sich erstmal mit der jeiligen Mentalität auseinander setzen, bevor sie in solche Gespräche gehen. Dass das Treffen in einem Beduinenzelt ablief ist völlig legal, das sind in diesen Ländern eben die räumlichen Voraussetzungen und Gepflogenheiten dafür. Unseren Politikern tut es auch mal ganz gut zu sehen, dass nicht der äußere Rahmen wichtig ist, sondern die Inhalte der Gespräche. Sie haben die Stammesfürsten zu achten und zu respektieren, denn Ihnen gehört das Land nicht uns oder den Amerikanern, bzw. ” was ich nicht zu geben bereit und fähig bin, kann ich für mich nicht von anderen erwarten. Deutsche Politiker gehen auch nicht nach Amerika und doktern denen auf, was sie meinen ( oft fälschlicherweise ), dass es in Europa besser läuft - und die Amerikaner würden und tun es hier und da ja auch, sich heftig dagegen wehren. Oder was würden wir sagen, kämen z.B. die Araber und versuchten uns ihre Mentalität auf zu drücken??? Alles geht nur mit gegenseitiger Achtung, Wissen und Kompromißbestreben und nicht mit ” Besserwisserei”. Ich habe erlebt, dass es trotz erstmal unterschiedlicher Mentalität doch unter der Oberfläche viele menschliche Gemeinsamkeiten gibt ( besonders in der Gemeinschaft von Frauen ) , auf denen kann man aufbauen. Genau darum geht es: um Entwicklung und Aufbau und nicht um Fertiges “gnadenreich” auf zu setzen. Die Taliban von aussen zu bekämpfen wird zu einer never ending story. Die Ablehnung und das Kaltstellen dieser Gruppierung muß aus dem afghanischen Volk kommen, das durch Bildung und Ausbildung erstmal Demokratie kennen lernen muß. Außerdem bin ich eine strikte Vertreterin dessen, dass Gelder niemals und in keinem Entwicklungs - bzw. hilfebedürftigem Land an dessen Regierung gehen, sonder wie schon vorgeschlagen über Verwalter des/der gebenden Länder direkt in nötige Projekte investiert werden. Es gibt sehr viele Länder, in denen diese finanzielle Hilfe in den raffgierigen Taschen von heimischen Politikern fließen - das wissen unsere westlichen Politiker und auch die Einheimschen Massen. Wie verantworten unsere Politiker diese Verschwendung eigentlich vor ihrem eigenem Volk, von dem diese Gelder nun mal kommen???? Demokratie ist von der theoretischen Idee gut, doch die Umsetzung in die Praxis läßt überall zu wünschen übrig. Denken wir an all die Versprechungen und großen Worte vor unseren Wahlen und was nach der Wahl davon verwirklicht wird - ein Jammer. Auch bei uns fehlt den Politikern der Idealismus, das jeweilige Fachwissen - das persönliche Erreichen von einträglichen liegt allen am nächsten und das Volk nickt es mehr oder weniger resigniert ab. Eigentlich will die Mehrheit aller Menschen Frieden, denn Zerstörung und Tod bringen unerträglichen Schmerz. Diese Mehrheit ist zu unterstützen und wenn die sieht und spürt, dass sie ernstgenommen und erfolgreich unterstützt wird, gehen sie ganz allein gegen eigene Störenfriede vor, weil die Ihnen Gutes zerstören. Informieren, Denken und Nachdenken ist immer von Nöten - angefangen in der kleinsten Gemeinschaft bis hin zur staatlichen Führung.
Am 12. März 2009 um 09:34 Uhr
Und was ist in Bezug auf die Politiker in Afghanistan so anders als bei uns? Hier sind es doch auch keine Volksvertreter, die für das Volk arbeiten, sondern nur für die eigene Tasche. Auch hier kann man doch wählen wen man will, an der Politik ändert sich nichts, da jeder nur für die Wahlperiode denkt und handelt UND nicht für sein Handeln oder Unterlassen verantwortlich gemacht werden kann. Auch hier wird es, wenn sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert noch ziemlich zur Sache gehen.
Am 12. März 2009 um 09:42 Uhr
Dieser Beitrag zeigt zweierlei: Zum einen die naive Vorstellung des Herrn Polenz vom Funktionieren von Demokratie. Das klappt doch so schon in der Bundesrepublik nicht. Zum anderen, dass effektive Hilfe nur von denen kommen kann, die sich damit auskennen und die nicht in staatliche Zwänge eingebunden sind.
Wirklich schade, dass solche Beiträge einer breiteren Öffentlichkeit vorenthalten werden.
Am 12. März 2009 um 09:47 Uhr
Recht scharf beobachtet, Herr Thiels. Dass (nicht nur) deutsche Politiker die unrühmliche Angewohnheit haben, bei Treffen mit Volksvertretern aus anderen Nationen kaum über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, ist leider hinlänglich bekannt. Wünschenswert wäre darüber hinaus, mit noch mehr Scharfzüngigkeit darauf hinzuweisen, dass hier die zynische Logik der “zivilisierten” Staaten wunderbar abzulesen ist:
- Beute ein Land aus!
- Profitiere von der billigen Arbeitskraft der armen oder besser noch notleidenden Bevölkerung, und maximiere so deinen eigenen Gewinn!
- Drohe dem Volk, sobald dein Gewinn in Gefahr ist!
- Erfinde Vorwände, in das Land einzumarschieren!
- Erkläre dem Volk den Krieg!
- Halte danach die Stellung!
- Profitiere ein weiteres Mal von der nun noch ärmeren Bevölkerung und investiere gewinnbringend in den Wiederaufbau!
Und dann geht’s wieder von vorne los. Da würde ich mich wahrscheinlich auch fragen, ob es langfristig Sinn macht, brav zur Wahlurne zu gehen und von westlichen Mächten bevorzugte ‘Politiker’ zu wählen, die, gut von diesen geködert, nur als Marionnetten fungieren.
Dumm nur, dass sich diese Logik mittlerweile langsam herumspricht und die Bevölkerungen in Ländern wie Afghanistan wieder mehr auf menschliche Werte wie Ehre, Tradition und Vertrauen setzen. Und das, mit Verlaub Herr Jung und Co., sind doch Begriffe, die in westlichen Demokratien schon vor langer Zeit begraben wurden.
Am 12. März 2009 um 09:49 Uhr
Vielen Dank fuer diese grossartige Berichterstattung und interessante Diskussion. Ich bin seit 5 Jahren in West Papua in Indonesien taetig und die aus Afghanistan genannten Probleme kommen mir sehr bekannt vor. Offizielle Hilfe ueber Regierung oder Kirchen verschwindet in der Korruption, direkte Hilfe von Privatinitiativen ist nur kurzfristig effektiver, aber oft nicht verankert im lokalen Kontext und faellt in sich zusammen, sobald der auslaendische Partner nicht mehr da ist. Eine Loesung kenne ich leider nicht. Hilfreich empfand ich bisher Literatur und Seminare zum Thema Interkulturelle Kommunikation. Gut, dass es offensichtlich bei Bundeswehr und Entwicklungshelfern so etwas gibt. Es waere auch sinnvoll fuer Politiker, bevor sie in solche Laender reisen. Jedenfalls wuerde ich mich freuen, wenn an diesem wichtigen Thema weitergerabeitet wird. Vielen Dank und freundliche Gruesse
Am 12. März 2009 um 09:57 Uhr
Ich denke, es ist richtig, wenn wir uns gemeinsam Gedanken machen, wie die Sache in Afghanistan richtig angepackt wird. Rückzug? Ganz falsch! Aber respektvolle Zusammenarbeit mit den örtlichen Autoritäten scheint angebracht. Wenn wir die Leute mit unseren Methoden überfahren, erreichen wir nichts. Nicht nachlassen - aber richtig machen!
UG
Am 12. März 2009 um 09:57 Uhr
So ist das, wenn ein westlicher Politiker mit einem Maßstab der Westen in der Tasche den Stammesgruppen Demokratie beibringen will.
Die Brücke, die nicht gebaut wurde bringt metaphorisch zum Ausdruck, was alles in disem Land fehlt und wie die Kommunikation zwischen der Zentralregierung und das Volk funktioniert.
Am 12. März 2009 um 10:07 Uhr
Wenn doch einige unserer Politiker ab und zu einmal Peter Scholl-Latour, einen ausgewiesenen Kenner der Region, lesen würden: Es gibt noch viele andere Regionen in der Welt, die wie Afghanistan funktionieren. Dort hat sich seit Jahrhunderten nichts verändert, und das wird es auch weiterhin nicht. Die Leute dort haben einen völlig anderen Lebensrhythmus als die westliche Welt. Und auch das ist Fakt: Deren aus unserer Sicht vielleicht archaische Lebensweise funktioniert seit Jahrtausenden. Unsere demokratisch-deutsche erst seit dem Ende des 2. Weltkriegs.
Am 12. März 2009 um 10:27 Uhr
Der Bericht gibt wieder, was ich zu bundesrepublikanischem Hilfsansinnen und afghanischem Hilfsverstaendnis erwartete habe.
Die Bundesrepublik denkt und spricht von selbstheilenden, westlich-modern orientierten Veraenderungen, vor allem im Wege westl. Tuns, Duldens oder Unterlassens, die Hilfssuchenden erwarten fremdhelfende Veraenderungen, aber bei ansonsten unbeirrbarer Beibehaltung urvorzeitlicher Handels- und Denkschemata bei spaetsteinzeitlicher Stammesmachoherrlichkeit.
Solange Frauen in Afghanistan keine gesellschaftlich-politisch mitentscheidene Rolle spielen, bleibt Afghanistan, egal was an “Hilfen” auch versucht werde, rueckstaendig und extremistisch.
Und, “Extremistismusgefahr” als Antrieb fuer Leisetreterhilfen, das verstehe ich nicht!
Was kann an der vorhandenen Frauenfeindlichkeit, der Wandlungsunwilligkeit der Stammesmachos denn noch extremistischer werden?
Und, ob da der Bau einer oder vieler Bruecken, oder sonstwas, irgendwas daran zu aendern vermoege, ist mir nicht eingaengig.
Am 12. März 2009 um 10:34 Uhr
Wie bereitet man sich auf ein Gespräch mit Menschen vor, deren Mentalität sich grundsätzlich von der unseren unterscheidet?
1. Man erkundigt sich vorher, wie die Bedürfnislage vor Ort
aussieht.
2. Man prüft Grenzen und Möglichkeiten des eigenen Handelns
und die Handlungsoptionen der Gesprächspartner.
3. Aus diesen Informationen ergibt sich die Strategie für die
Gesprächsführung.
4. Man verknüpft Zusagen mit Auflagen die auch die Gegenseite
in die Verantwortung für die Sache mit einbinden.
5. Man hält einmal gemachte Zusagen unbedingt ein.
Das klingt zwar alles wie Kindererziehung auf hohem Niveau, ist aber nach meiner Erfahrung in Auslandseinsätzen die einzige Möglichkeit sich die Anerkennung und den Respekt der Menschen zu erwerben.
Fazit: Ihr kümmert euch darum, dass die Tankstelle eures Stammesangehörigen verlegt wird, dann bauen wir die Brücke.
Am 12. März 2009 um 10:35 Uhr
Ein sehr gute Beitrag, der allerdings wieder einmal fast unterzugehen droht. Ich kenne mich mit den tatsächlichen Verhältnissen in Afghanistan nur wenig aus, aber das Schauspiel, was sich da nun in Kundus ereignet hat, lässt sich hundertfach in der Geschichte der Welt wiederfinden. Die Politiker der entwickelten westlichen Staaten scheinen unfähig zu sein ihren Blickwinkel auszuweiten. Ich habe mich in den vergangenen Monaten verstärkt mit den USA beschäftigt und, das sei hier gesagt, bin kein Anti-Amerikaner. In der US-Außenpolitik kam es leider nur zu häufig vor, dass wirtschaftlich oder auch militärisch interveniert wurde, ohne dass lokale Identitäten, Prozesse und Netzwerke beachtet wurden. Kurzum: Man geht von westlichen Standards aus und wendet sie auf andere Länder an. Das ist schlichtweg nicht möglich. Dass das sicherlich nicht nur ein amerikanisches Problem ist, sondern auch ein europäisches, zeigt sich nun an diesem Beispiel. Aber warum? Jung konnte sicherlich in dieser Situation nicht viel ausrichten. Das Bürokratiemonster wurde nun einmal nach Afghanistan gebracht und dort eingerichtet. Einfach umgehen kann man es nicht. Um aber wieder das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, muss schnell etwas geschehen und das heißt, der Bevölkerung zu zeigen, dass man etwas für sie tut. Unser Altkanzler Helmut Schmidt schrieb übrigens, dass man andere Kulturen nicht verstehen kann, ohne deren Geschichte zu kennen und damit hat er Recht.
Am 12. März 2009 um 10:41 Uhr
Das ist ein interessanter Bericht und beweist nur das typisch deutsche Vorgehen. Wir wollen unser Werte, und Vorstellungen immer auf die ganze Welt übertragen und vertehen einfach nicht wenn irgendwo die Uhren anders gehen.
Deutsche Politiker können sehr viel lernen von der Industrie. Anstatt Firmen wie Siemens zu steinigen sollte man lieber fragen was muss ich tun um Ergebnisse zu erreichen und dies bedeutet im Zweifelsfall in der Fremde zu handeln wie es dort üblich ist und nicht nach deutschem Recht und Vorgaben.
Amüsant finde ich immer dass man im Kosovo an Müllhalden und brennenden Reifen vorbei ins deutsche Camp fährt und dann dort die Mülltrennung betrachtet.
Fremde die uns Deutsche betrachten denken wohl oft was für äußerst merkwürdige Menschen.
Am 12. März 2009 um 10:54 Uhr
In der Regel halte ich nicht viel von Herrn Jung. Ein Schönredner und ein Mann der Partei. Hier hat er aber tatsächlich einen mutigen und richtigen Schritt gewagt.
Am 12. März 2009 um 10:58 Uhr
Gratulation! Für diese Art von Hintergrundbeiträgen liebe ich das Tagesschau-Blog. Es zeigt einmal mehr, was in den üblichen 30-Sekündern im Fernsehen vollkommen untergeht. Weiter so!
Am 12. März 2009 um 11:07 Uhr
Um dieses “Aneinander Vorbeireden” zu beobachten, braucht man nicht erst nach Afgahnistan u schauen. Dies können wir täglich in der “Kommunikation” zwischen den “Volksvertretern” und dem Volk beobachten.
Die Zusage des Brückenbaus durch Herrn Jung ist mE gefährlich, wird die Brücke nicht zeitnah errichtet, macht sich die Bundesrepublik (mal wieder) unglaubwürdig gegenüber den Afghanen. Die Folgen ?
Mehr von dieser Art Beiträgen bitte !
Am 12. März 2009 um 11:11 Uhr
Sehr schöner Beitrag: kurz, taktvoll und aussagekräftig.
Am 12. März 2009 um 11:14 Uhr
da werden wir Bundesbuerger nun aufgerufen mehr Verstandniss fuer unsere dringend gebrauchten Arbeitskraefte aus dem Aussland aufzubringen. Hilfe zu leisten bei der integration unserer schon seit langen hier lebenden Mitbuergern und dann sowas .
Unsere Politiker kommen wie Kolonial Herrschaften daher und erzaehlen den ach so primitiven Menschen wie die Welt sich dreht !
Ich mochte unseren Volksvertreter nahelegen Kurse und Seminare zu belegen im interkulturellen Verstaendniss .
Nicht nur praedigen wie wichtig integration ist sondern selbst ein Vorbildfunktion einzunehmen .
Integration bedeutet nicht das man anderen Kulturen beibring wie man deutsch wird sondern ein aufeinander zugehen .
Was haben wir daraus gelernt?
Liebe Volksvertreter!!schickt lieber das Geld oder Menschen hin die Hilfe leisten koennen anstatt sinnlos in der Welt umher zu fliegen und dann noch total unvorbereitet ein solches Bild abzugeben.
Am 12. März 2009 um 11:16 Uhr
sein wir doch mal ehrlich dieses Land lässt sich nicht durch demokratisches westliches denken verändern,die veränderung kann nur durch seine bevölkerung stattfinden,da hilft es nicht das wir dort steuergelder u. personal “versenken” dieses Land ist immer noch “Steinzeit”geprägt von fürsten die sich die taschen vollstopfen und ihre bevölkerung unterdrücken.
Am 12. März 2009 um 11:22 Uhr
Meine Güte,
was für ein Beitrag. Endlich mal so, das jeder versteht worin ein Großteil der eigentlichen Probleme bestehen. Aufgrund der zur Zeit stattfindenden Innenpolitik weis man ja , dass unsere Politiker jenseits jeglicher Realität leben und arbeiten müssen. Aber das sie dies jetzt auch noch ins Ausland tragen und dort ebenfalls beweisen müssen, ist ja wohl schon nicht mehr allein mit dem Begriff “Armutszeugnis” zu umschreiben sonder schlicht und einfach Dummheit. Und eins sollte niemand vergessen: ein deutscher Aussenminister hat diesen Stammesfürsten Bewegung in Ihren Angelegenheiten zugesagt. Man erwartet, dass diese auch Eintritt und wird sich andernfalls gut an dieses Treffen und diese gesprochenen Worte erinnern.
Am 12. März 2009 um 11:25 Uhr
Das ganze bestärkt mich in meiner Meinung, dass wir dort nichts verloren haben und nur noch mehr Gräben im Land zwischen den Gesellschaften Afghanistans aufreissen.
Am 12. März 2009 um 11:33 Uhr
Was zum Teuf.. macht ein vertrottelter weltfremder deutscher Bürokrat in Afganistan, Das ist Geldverschwendung, Umweltverschmutzung (CO2) und beleidigt die Afganen. Vielleicht sollten wir in Afganistan auf unsere Kosten eine Brücke bauhen anstatt Herrn Popanz dort hin zu fliegen.
Am 12. März 2009 um 11:34 Uhr
Diese Stammesfürsten haben doch völlig recht sich über uns kaputtzulachen. Über unsere merkwürdige Demokratie bei der wir alle vier Jahre auf ein Knöpfchen drücken dürfen nachdem eine milliardenschwere PR-Industrie, Politikverkäufer auf uns losgelassen hat, die sie zuvor darauf trainiert hat nichtssagende wohlklingende Statements abzugeben. Unser Abheben auf Demokratie ist wirklich eine Lachnummer. Wieviele demokratische Regierungswechsel hatten wir denn seit 1945?
Genau zwei! 1998 und 2005. Davor hat die FDP entschieden wer regiert. Hat sich bei diesen Regierungswechseln die Politik geändert? Nein! Sie wurde einfach weitergeführt bzw. verschärft (Agenda). Das nennt man dann Kontinuität. Was Demokratie angeht sind alle westlichen Politiker vollkommene Heuchler. Wir haben keine Demokratie sondern die Herrschaft einer Elite (Polyarchie) und ein Volk das ab und zu einen Zettel in eine Box werfen darf. Grosse Lehrstunden in Demokratie in angeblich rückständigen Ländern durch unsere Politiker finde ich ekelhaft und sie sind mir geradezu persönlich peinlich.
Am 12. März 2009 um 11:38 Uhr
Diejenigen, die sich Ihr logisches Denkvermögen erhalten haben, werden ja kaum noch zu Veranstaltungen im FS eingeladen, weil deren Meinung ja nicht ins Klischee paßt! ( Scholl-Latour…)
Daß aber unsere demokratisch - deutsche Lebensweise seit 1945 funktioniert haben soll, erheitert mich doch ganz schön, da ich nicht Leser der “Bild” bin
Am 12. März 2009 um 11:53 Uhr
An georg fongern und seine Nachricht 19 gerichtet: Ich widerspreche Ihnen in so fern, dass die Demokratie auf christilichen Werte beruhe.
Die attische Demokratie war der Prototyp unserer heutigen Demokratieformen und da war das Christentum noch Jahrhunderte entfernt. Ähnliches gilt für die römische Form der Volksherrschaft, die ebenfalls längst vor der Einführung des Christentums praktiziert wurde.
Auch darf man festhalten, dass sehr wohl Staaten anderer kultureller, traditioneller und religiöser Prägung funktionierende Demokratien haben (auch wenn manche aufoktroiert wurden): Israel, Indien, Japan etc. Was allerdings den Punkt mit der Aufklärung angeblangt, da mögen Sie auf die jeweilige Religion oder den Kulturkreis recht behalten.
Ansonsten kann ich mich nur der Meinung der meisten hier anschließen. Ein sehr hilfreicher Report, der einmal mehr die unbeholfenen Aktionen von Bundespolitikern, die ihre PR-Bilanz etwas aufpolieren möchten, in den Scheinwerfer rückt und uns hier nur den Kopf schütteln lassen kann. Schlagwort - Weltfremdheit.
Was man allerdings noch anfügen sollte: Eine Projektbezogene Überweisung von Transfergeldern wurde Jahrzehnte lang im Bezug auf Entwicklungshilfe in Afrika und Latein Amerika als Demokratie-unterminierend kritisiert und ist deswegen höchstproblematisch. Auch diejenigen, die nach dem Aufbau einer Brücke durch die Bundeswehr schreien, müssen dem gewahr werden, welch leichtes Opfer von Anschlägen sie würden.
Es hätte beim Aufbau des Staatswesen noch viel mehr ein Föderalismus angestrebt werden müssen, denn Zentralstaatlichkeit führt in allen Staaten zur Kapital- und Leistungskonzentration (wie Frankreich, England usw.)
Viele Grüße
Am 12. März 2009 um 11:56 Uhr
Ein wirklich guter Beitrag. Den würde ich gerne in der Tagesschau sehen.
Ich fragte mich schon länger, warum die oft gerade von Deutschen beschworene humanitäre Aufbauhilfe nicht in Fahrt kommt. Aber wenn man das liest, ist es klar. Mit einem Warten auf Kabul wird das auch in den nächsten Jahren nichts …
Am 12. März 2009 um 12:16 Uhr
Na was für eine Zwickmühle: Die dt. Politiker müssen, als primären Bestandteil der gemeinsamen Afghanistanpolitik, auf die Zentralregierung in Kabul verweisen und stiften durch ihr technokratisches Politikverständnis Unmut in der Region.
Den Amerikanern bieten sich, durch ihr “alles ist mach/-schaffbar” Mentalität, wohl mehr Möglichkeiten Politik zu kommunizieren… Egal - Wenn Deutschland etwas nachhaltiges für den Wideraufbau schaffen will, sollte es sich (meiner Meinung nach) für eine politische Infrastruktur einsetzen, in der die Wünsche einer ganzen Region die Zentralregierung (z.B. durch Abgeordnete) erreichen und dort wahrgenommen werden (können). Eine nachhaltige Entwicklung ist nur durch Partizpation möglich (Was sonst ist Demokratie?).
Man kann die Situation während der “Key Leader Engagement”-Veranstaltung wohl auch anders interpretieren: Die gegenwärtige pol. Lage in Afghanistan beschränkt den Einfluss der Regierung auf Kabul u. einige andere Ortschaften. Deshalb und aufgrund der unterschiedlich wahrgenommenen Prioritäten in der Afghanistanpolitik der Besatzer, ist es vielen Regionen gar nicht möglich sich an fruchtbaren(!!) Entscheidungsprozessen zu beteiligen.
Die Vertreter der Paschtunen sind keine ungebildeten, weltfremden “Wilden”. Wissend, dass nur Geschäfte vor Ort etwas in ihrer Region verändern, beschäftigen die sich doch nur mit den Bereichen der Politik die Realisierbarkeit und Machbarkeit versprechen.
Auch der Verteidigungsminister wird gewusst haben, dass seine Rolle in dieser Veranstaltung derzeit nicht über den Status einer gut gemeinten Inszenierung “Was wäre wenn…” hinausgeht.
Der kulturelle Graben ist mit großer Sicherheit nicht Afghanistans größtes Problem. Wenn flächendeckend genug “harte Fakten”in der Entwicklung des Landes (Infrastruktur, Wirtschaft) geschaffen werden, wird es nicht schwer sein gemeinsame Nenner zu finden.
Problematisch ist, meiner Meinung nach, leider die unfähige Regierung des Landes, die noch nicht auf Strukturen zurückgreifen kann, in denen vor Ort und vor allem zeitnah “harte Fakten” geschaffen werden können.
Am 12. März 2009 um 12:24 Uhr
Neben dem Lob des Artikel will ich zu manchen der Beiträge aus dem Publikum, die eine pragmatischere Vorgehensweise (die Brücke einfach unter Regie der Bundeswehr zu bauen) vorschlagen eine Anmerkung bringen.
Ich denken das Dilemma, das den Verantwortlichen in Deutschland wohl bewusst ist, besteht darin, dass man die Zentralregierung stützen will, um langfristig einen funktionierenden Staat anstelle der Kleinstaaterei mittelalterlicher Regionalfürsten aufzubauen, und deshalb die Gelder dort verteilt. In Kabul jedoch “versickert” die Hilfe und in der Provinz kommt nichts an. Eine pragmatische Hilfe vor Ort aber - die Alternative - würde die Zentralregierung weiter schwächen und den Präsidenten als macht- und hilflosen Bürgermeister von Kabul markieren.
Das ist eine Problembeschreibung und kein Lösungsvorschlag - den habe ich nämlich leider nicht parat.
Am 12. März 2009 um 12:26 Uhr
Es ist doch genauso wie Deutschland, weil die Menschen mit Achseln zucken gehen sie nicht wählen.
Über die Hälfte der Wahlberechtigten geht nicht wählen weil sie glauben es ändert sowieso nichts.
Am 12. März 2009 um 12:30 Uhr
Der Beitrag des Herrn Thiels hat mir gut gefallen, er zeigt deutlich das große Problem der Verständigung. Da wird unter dem Motto “Key Leader Engagement” ein Politiker vor afghanischen Stammesfürsten gesetzt, der in keinster Weise dazu in der Lage ist sich auf sein Gegenüber auf Augenhöhe einzulassen. Dies sollte er lieber denen überlassen die etwas davon verstehen, ein Peter Scholl-Latour tritt zumindest nicht in Schlips und Anzug auf und redet vom “Dienstweg der Demokratie”. Dies zeigt nur wieder einmal deutlich wie naiv und dilettantisch sich die Herren vorbereiten.
Ich arbeite seit nunmehr 28 Jahren in Nordpakistan und kenne die Mentalität auch der Pathanen. Ich könnte mir sehr gut ein System wie es die Aga-Khan Foundation verkörpert vorstellen. Gelder fließen unbürokratisch direkt zu den Dorfbewohnern und lässt Projekte wie Kanäle, Brücken, Straßenverbindungen, Krankenhäuser, etc. als Teil der Dorfgemeinschaft entstehen. Jeder im Dorf ist beteiligt und die Gelder werden von der Dorfgemeinschaft offen verwaltet. Dies funktioniert in Nordpakistan seit vielen Jahren mit großem Erfolg und mittlerweile sogar in zutiefst konservativ sunnitischen Gemeinden, wo man es vor einigen Jahren nicht für möglich hielt. Denn auch einem religiös konservativem Muslim ist (oder nennen wir ihn “gemässigter Taliban”) “das Hemd näher als die Hose”.
Wenn dann deutsche Soldaten beispielsweise die Sicherheit der Dörfer schützen und als Pioniere dabei helfen Brücken zu bauen, ist das sicher nicht schlecht.
So und nur so kann man einen neuen Geist der Verständigung schaffen und den in 25 Jahren Krieg und Elend gebeutelten Menschen aufzeigen, das der Westen nicht nur da ist um seine eigenen Interessen zu wahren. Mit ehrlicher humanitärer Hilfe kann man selbst religiösen Fanatikern auf Dauer die Argumente entziehen.
Am 12. März 2009 um 12:44 Uhr
Wahrscheinlich hätten sich unsere palamentarischen Würdenträger vor ihrer waghalsigen Politik in Afganistan ein wenig über die örtlichen sozialen und kulturellen Traditionen und Gepflogenheiten infomieren sollen. Es ist Schade wie unwissend, die eigentlich als gebildet auftretenden, westlichen Politiker sich in innere Angelegenheiten von Ländern einmischen von dennen sie keine Ahnung haben- peinlich.
Am 12. März 2009 um 12:54 Uhr
Wenn die Deutschen die Brücke bauen und Traktoren liefern, kommen die Bürgermeister zu Jung geflogen, werfen sich auf die Knie und preisen ihn. Vielleicht bietet einer noch seine jungfräuliche Tochter an.
Das wollen wir doch aber auch nicht, oder? Die sollten lernen das mit Kabul auszumachen, und die einzige Möglichkeit, die wir ihnen übrig lassen können ist der Amtsweg und die Wahlen. Wenn sie allerdings Jungfrauen gegen Brücken tauschen wolllen, kann man recht wenig dran ändern.
Kommt mir alles wie ein “Klingonen und die Föderation”-problem vor. Vielleicht sollten unsere MdBs ein bißchen mehr Star Trek schauen.
Am 12. März 2009 um 13:04 Uhr
Hallo, der Beitrag ist sehr gut. Es spiegelt die Realität, und die ist verworren und aussichtslos. So ein Beitrag kann doch absolut nicht der breiten Öffentlichkeit vorgesetzt werden. Würde doch noch mehr Unverständnis für die Anwesenheit der Deutschen in Afghanistan laut werden lassen.
Zwei Welten treffen aufeinander, wobei die eine Welt die andere nicht gerufen hat.
Wären wir eigentlich ganz aus eigenem Antrieb und allein jemals nach Afghanistan gegangen?
Unsere Zeit und unser Geld könnte bei uns sehr gut Verwendung finden.
Zu den Politikern: Wer im eigenen Land nicht klar kommt, wird es auch im Ausland nicht schaffen, vor allem, wenn es sich um zutiefst unterschiedliche Kulturen handelt. Raus da !!!!
Am 12. März 2009 um 13:09 Uhr
Kleiner Zusatz: Zuoft habe ich hier in den Kommentaren die Klage gelesen, “wir Westler” seien zu ignorant und würden unsere Machtposition ausnutzen. Das gleiche trifft (in welchem Maße, bleibt ihrem Gusto überlassen) doch sehr auf “die Afghanen” zu. Die “Afghanen” sollten, in ihrem eigenen Interesse, nun eben auch Schritte unternehmen, uns zu verstehen, und das tun sie doch auch.
Es ist ein steiniger Prozeß, aber ohne Alternative. Afghanistan ist kein einsamer Planet, nicht einmal ein Ozean trennt uns von ihnen. Und Flugzeuge überqueren Ozeane allemal… Ein “Raus aus Afghanistan” ist nicht möglich, “wir Westler” waren schon immer drin und mitdabei.
Am 12. März 2009 um 13:41 Uhr
Sehr guter Beitrag.
Wir haben dort einfach nichts zu suchen. Und wirklich helfen können wir wohl auch nicht. Und Herr Polenz zeigt ja an sich selber die gesamte Schwäche und Peinlichkeit.
Aber es geht ja um so sehr viel höhere Ziele, für die es sich zu blamieren lohnt, vielleicht sogar zu sterben, wenn es nur nicht die eigenen Söhne betrifft.
Vielleicht muss man einfach akzeptieren, dass eine globalisierte Welt keine einheitliche verwestlichte Welt ist.
Am 12. März 2009 um 14:24 Uhr
Toller Beitrag und schöne Kommentare.
Aber warum fragt sich keiner, aus welchem Grund wir (=Deutschland) immer noch so tun, als brächten wir Frieden und Demokratie nach Afganistan?! Meine persönliche Meinung - humanitäre Hilfe kann auch abgezweigt werden. Die Gelder, die die Regierung in Kabul bekommt, müssen nicht unbeding in Afganistan versickern; ein Teil davon kann auch “unbemerkt” zurück nach Deutschland kommen. Denn selbst wenn es für unsere Politiker hart auf hart kommen sollte - “Ich habe den Spendern mein Wort gegeben, Ihre Namen nicht preiszugeben”…
Soll heißen: Politik wird stark vom bestehenden gesellschaftlichen System beeinflusst. Das Zuhören oder sich um die Menschen zu kümmern war für unsere Politiker nie erforderlich, um ihre Karriere voranzutreiben; stattdessen ist hier ihr Sitzfleisch gefragt. Warum sollen sie sich in Afganistan anders verhalten? Und selbst wenn sie es wollten, können sie es nicht mehr, denn das Parteisystem, das wir haben, hat ihre menschlichen Qualitäten in jahrelanger Abreibung fast vollständig unterdrückt. Daher ist Fortschritt in Afganistan systemtechnisch unmöglich, und deswegen werden wir auch nie richtige Persönlichkeiten in unserer Regierung haben.
Ich hoffe sehr, saß ich mich irre.
Am 12. März 2009 um 15:49 Uhr
71: Christian Thiels
Am 12. März 2009 um 15:39 Uhr
Vorab vielen Dank an alle Kommentatoren. Unser Blog lebt von denen, die ihn lesen und ihre Gedanken hier online stellen. Dass die Diskussion so lebhaft und konstruktiv läuft, freut den Berichterstatter besonders
Es gab ein paar Fragen, die ich gerne beantworte oder noch etwas ergänze:
@3
Die Story hätte ich auch gerne für die Tagesthemen gemacht, aber gestern gab es da ja mit dem schrecklichen Amoklauf ein anderes, sehr beherrschendes Thema. Wir bemühen uns trotzdem immer, Hintergründiges auch im “normalen” Programm unterzubringen, nicht nur in den Tagesthemen, sonder auch etwa im “Bericht aus Berlin”.
@30
Zum Thema interkulturelle Kompetenz sei noch ein Nachtrag erlaubt:
Während des Gesprächs trampelte ein weiterer Abgeordneter als Nachzügler ins Zelt und lief während des Gesprächs zwischen Polenz und seinem afghanischen Gesprächspartner zwischen den beiden hindurch. Das würde wohl schon in Deutschland als mindestens gedankenlos, eher als unhöflich gelten. In Afghanistan geht das eigentlich gar nicht, denn es wird als repektlos empfunden.
Der Kollege Peter Blechschmidt von der Süddeutschen Zeitung, den das Gespräch eben so konsterniert zurückgelassen hat wie mich, hat zur erwähnten interkulturellen Kompetenz in der heutigen SZ den passenden Satz geschrieben:
“Soldaten, die in einem Auslandseinsatz gehen, erhalten eine Schulung in ‘interkultureller Kompetenz’. Das könnte so manchem Volksvertreter auch nicht schaden”
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.
@35
Ich habe bewußt “Übersetzer” geschrieben, denn es war kein “Dolmetscher” da. Die Bundeswehr setzt für die Übersetzung sogenannte “Sprachmittler” ein, die eben keine zertifizierten Dolmetscher, sondern meist afghanischstämmige Deutsche sind. Diese Leute haben zwar nicht die gleiche hochqualifizierte Ausbildung wie “echte” Dolmetscher, aber sie können sozusagen die kulturelle Übersetzung leisten - zumindest verspricht sich die Armee das von ihnen. Dass auch sehr gut ausgebildete Dolmetscher manchmal an ihre Grenzen stoßen, konnten wir übrigens in Kabul erleben, wo die Leiterin des Sprachendienstes der Bundeswehr bei einem Pressegespräch mehrfach vom Verteidigungsminister korrigiert werden musste - und Jung gilt nur wahrhaftig nicht als Sprachentalent.
Am 12. März 2009 um 16:05 Uhr
finde ich klasse
Am 12. März 2009 um 16:08 Uhr
Ich bin der MEinung, dass man die ganzen Gelder, die GTZ, Entwicklungsministerium und alle anderen Institutionen wahllos in Kabul verteilen (in Taschen), dam Kommandeur RC North geben sollte. Denn die CIMIC Teams, und die Truppe vor Ort wissen eher was notwendig ist. So sind es dann im Ergebnis auch die Deutschen die Helfen und nicht eine schwindlige Regierung in Kabul.
Aufbauhilfe = Force Protection
Am 12. März 2009 um 16:56 Uhr
Unser alles überragendes Demokratieverständnis wird den
Afghanen nicht helfen, unserer “bedürftigen” Demokratie nach-
zueifern. “oh sancta simplicitas!” - wer das glaubt. Gewährt
diesem geschundenen Volk endlich seine Freiheit auf Selbstbe-
stimmung in der Völkerfamilie. Schert Euch zum Teufel mit Euerm Militär. Wo bleibt Eure soviel gepriesene “Hilfe zur Selbsthilfe”?
Am 12. März 2009 um 17:59 Uhr
Liebe Leser,
ich hab mir einige Beiträge gelesen und kann einige verstehen und einiges nicht verstehen. Ich bin in Afghanistan geboren und habe die hälfte meines Lebens dort verbracht. Nun bin ich hier in Deutschland und habe die “andere Seite” der Wel gesehen. Wir dürfen nicht vom Afghanischen Volk erwarten, dass sie genau so ich ich denken. Diese Menschen haben noch nie ihre Dörfer verlassen, für sie ist die ganze Welt nur das Dorf! Der Stolz und die Ehre dieser Menschen ist sehr groß! Sie geben ihr leben für ihre Ehre! Die haben 40 Jahre gekämpft und Krieg geführt, sie sind die besten Krieger auf diesem Gebiet. Auf der einen Seite versucht der Westen diesen Menschen zu helfen, auf der anderen Seite ist die Operation “Enduring Freedom”! Auf der einen Seite werden die Afghanen getötet auf der anderen Seiten werden ihre Frauen und Kinder entehrt. Dies ist die größte beleidigung für diese Menschen. Fazit:
Man kann nicht mit einer Waffe in der Hand helfen!!! Waffen bedeuten tod und zerstörung, dies wissen die Menschen dort viel besser als andere.
Auch ein wilder Tiger kann nicht eine Schlage aus ihrem Revier verbtreiben (Konfuzios)!!!!!!!!
Am 12. März 2009 um 18:04 Uhr
@ 45 CIMIC
@ 64 MAIK
Ich teile Ihre Meinung.
Kein Problem wird gelöst, wenn man vor ihm davonläuft und sich vom Acker macht. Wenn man hinsichtlich Frieden etwas bewirken will, muss eine respektvolle Annäherung zwischen den verschiedenen Parteien bzw. Gruppen stattfinden. Das ist eine schwierige und langwierige Aufgabe und das braucht Geduld. Solche Probleme lassen sich nicht von heute auf morgen lösen.
Ich bin der Meinung, dass die eigene Regierung des Landes schon fähig wäre, den Menschen zu helfen aber sie wollen es gar nicht. Es sind Egoisten, welche sich nicht für die Sorgen ihrer Bürger interessieren. In den afrikanischen Ländern ist es doch auch nicht anders. Die jeweiligen Führer nehmen unser Geld und fertig, das Volk wird nicht miteinbezogen. Eine gute Lösung finde ich, wie von Nr. 64 vorgeschlagen, dass die Gelder von der Dorfgemeinschaft offen verwaltet werden.
Am 12. März 2009 um 20:38 Uhr
Hervorragender Beitrag, auch schöne Rückmeldung von Herrn Thiels in den Kommentaren. Werde mal die SZ nach einem Bericht von Herrn Blechschmidt durchforsten.
Am 13. März 2009 um 07:09 Uhr
Warum will die Bundesrepublik einem Land helfen, indem der Haelfte der Bevoelkerung, selbst unter optimalen Hilfsangeboten, nicht geholfen werden koennte. Naemlich den Frauen, den Maedchen.
Wieso sollte die Bundesrepublik ein Land und dessen System mit Hilfen unterstuetzen, dass sich, im anderen Teil der Bevoelkerung, so krass und entschieden den grundlegensten Wert-& Moral-, sowie vor allem Freiheitsvorstellungen des Helferlandes verweigert.
Anders gefragt, welche ueberragenden Interessen der Bundesrepublik wuerden denn gefaehrdet, wenn sich die Bundesrepublik, ohne diesbezuegliche Vorleistungen, als Hilfsanbieter verweigerte?
Sollten es etwa Freiheits-& Selbstbestimmungsrechte der Bundesrepublik sein?
Am 13. März 2009 um 08:16 Uhr
Dieser Thread ist ja fast eine kleine “Revolution” gegen den Zeitgeist, der tagtäglich von offizieller Seite gepredigt wird.
Er gibt mir die Hoffnung, dass der deutsche Michel noch nicht resigniert hat und weiter “am denken ist”.
Am 13. März 2009 um 13:03 Uhr
Mit Bezug auf 78: Worldwatch - Unsere Interessen in Afghanistan sind Sicherheitsinteressen. Ich bin der festen Überzeugung, dass, wenn sich der “Westen” aus Afghanistan verabschiedet, wir über kurz oder lang wieder Terror “made in Afghanistan” bei uns zu sehen bekommen (9-11 war bekanntlich vor dem Afghanistan Krieg). Deswegen müssen wir uns an der Lösung dieses Problems aktiv beteiligen. Ich gebe allerdings zu, dass ich auf die Frage WIE auch noch keine wirklich gute Idee habe.
Am 13. März 2009 um 13:52 Uhr
Vielen Dank für diesen Beitrag, der zeigt, wo ein Schlüsselproblem der internationalen Verständigung mit Afghanistan liegt:
Darin, dass nicht die vor Ort gegebenen Bedinungen gesehen werden und in die bestehenden Strukturen für positive Veränderungen genutzt werden.
Am 13. März 2009 um 15:48 Uhr
Mit Bezug auf 80: RS - wir können unsere Sicherheit an unserer eigenen Grenze verteidigen, indem Leute aus den Terror-Ursprungsländern (Täter und Finanzierer) einfach nicht mehr in Europa einreisen dürfen. Und zwar so lange, bis die andere Hälfte ihrer Gesellschaft zu ihrem Recht kommt. Bei Südafrika waren sich doch alle einig. Wieso darf man Frauen antun, was was man keinem anderen antun darf? Und dann auch noch Hilfsgelder verlangen, aus Steuern finanziert, die auch von Frauen gezahlt werden. Diese ganze gepriesene Würde der bärtigen Herren kann man auch Machtbewußtsein und Borniertheit nennen.
Am 14. März 2009 um 19:22 Uhr
So einen coolen Bericht habe ich schon lange nicht gelesen.
Das ist mal was! Danke und Bravo Herr Tiels!
Die besten Grüße
Am 15. März 2009 um 11:37 Uhr
Interessanter bericht,
zeigt er doch woran es bei uns in deutschland hängt. ich kann sehr gut nachvollziehen warum die “besatzer” in afganistan nicht erwünscht sind. wenn immer nur geredet wird und nichts passiert. wir deutschen sind gegen das geplapper vieler (nicht aller) politiker mitlerweile wohl resistent. aber die afganischen stammesfürsten geben noch etwas auf ein gegebens ehrenwort. auch wenn es von uns nur gut gemeint ist, müssen wir denn der ganzen welt unser verständnis von politik aufzwängen? schliesslich ist die von unseren politkern so geschätzte demokratie, eigentlich auch nur eine diktatur auf zeit, zumindest in dem Rahmen, wie politik in deutschland praktiziert wird! es würde mich interessieren ob und wann herr jung sein versprechen einhält, oder ob es wieder nur eine hohle frase war, wie es hierzulande gang und gebe ist. im kampf gegen den mord und terror der islamisten in afganistan wäre es jedenfalls hilfreich, wenn die brücke gleich morgen stehen würde!
Am 15. März 2009 um 19:53 Uhr
@ 80, RS
Warum Unsere Sicherheit in Afghanistan verteidigt wird, kann ich nicht nachvollziehen. Es ist zwar richtig im Moment kommt kein Terror aus Afghanistan, die Ausbildung findet nun In Pakistan statt. Dieser Staat ist um ein vielfaches gefährlicher.Also auf nach Pakistan? Die Stämme kennen keine willkürlich festgelegten Grenzen.In Wirklichkeit haben wir in Afghanistan mit viel Geld wenig erreicht.Also lieber nach Hause und mit dem gesparten Geld bei uns die Polizei aufstocken und auf den neuesten Stand ausrüsten.Unsere Freiheit wird bei uns verteidigt und nicht in der weiten Welt.
Am 19. März 2009 um 22:21 Uhr
@ 85 Peterman
Ich hoffe nur, daß jemand Ihre Worte erhört. Aber glauben tue ich nicht daran. Es gibt doch niemand unter unseren Politikern, der den Mut hat, einmal gegen den Strom zu schwimmen und nicht alles abzusegnen - es ist ein absegnen, obwohl jeder seinem Gewissen verpflichtet sein soll -.
Am 22. März 2009 um 13:15 Uhr
Ich lese gerade, daß es noch eine Sonja - Nr. 35 - gibt, deshalb habe ich ein E zugesetzt. Nr. 86
Am 22. März 2009 um 15:29 Uhr
Dass unsere begabten Staatsdiener selten erfolgreich vermitteln, ist ja bekannt.
Zusammenfassender Lösungsvorschlag:
Baumaterial und ein paar Pioniere zu den Paschtunenfürsten, einen schlauen Vertreter zur Regierung nach Kabul und dann mit Hilfe / Unterstützung der Einheimischen die Brücke bauen. Das Problem Tankstelle lässt sich bestimmt auch lösen, und eine Offizielle Baugenehmigung sollte die Regierung Kabul doch PR-wirksam vermarkten können.
Fazit auf kurze Sicht: Erstes Ziel erfüllt, die Paschtunen beruhigt.
Lange Sicht: Gespräche fortsetzen.
mfg Flo
Am 23. März 2009 um 17:03 Uhr
Sehr geehrter Herr Thiels,
Glückwunsch zu diesem hervorragenden Beitrag!
Das liest man gerne, genießt…und denkt auch länger darüber nach.
Viel Unglück, viele Konflikte und Missverständnisse in diversen Erdenwinkeln hätten vermieden werden können mit Kenntnis der dortigen Kulturen und Respekt gegenüber den Menschen.
Westliche Heilsbringer sind selten gefragt. Die Leute dort wollen selbst bestimmen, was “Heil” ist.
Selbst mit Wurzeln “in den Weiten des Ostens”, möchte ich Ihre Schilderungen um einige meiner Erfahrungen ergänzen:
Als die Abgeordneten den geäußerten Wunsch nach einer Brücke mit Hinweisen auf den “Dienstweg” beantworteten, haben sie ihr Gesicht verloren. Ein Mann, der nicht einmal die Macht hat, anderen Männern etwas “in die Hand” zu versprechen und dies auch zu halten, ist ein Niemand.
Da hilft kein Mandat und kein Titel.