6. November 2008, 11:14 Uhr - von Gastautor(in)
John McCains Rede in Scottsdale hatte Klasse, oder? So muss man erstmal umgehen können mit einer Niederlage. Mich jedenfalls hat das beeindruckt. Ganz anders fanden das die Gäste auf seiner Wahlparty: die haben ihn ausgebuht. Dafür, dass er gleich zu Beginn sagte, er habe Obama gratuliert, dafür, dass er ihm seine Unterstützung versicherte, dafür, dass er die Wahl als historisch bezeichnete. Aber McCain hat sich davon überhaupt nicht beeindrucken lassen. War wieder ganz der alte McCain, dem es wurscht ist, was die Parteifreunde über ihn denken.
Auch Sarah Palin stand mit zusammengebissenen Zähnen auf der Bühne, daneben ihr finster dreinblickender Mann, und die beiden sahen so aus, als hätten sie am liebsten mitgebuht.
Unglaublich übrigens, dass die paar tausend Gäste bis kurz vor Schluss keinen blassen Schimmer hatten, dass es nichts zu feiern geben würde. Im Ballsaal des schicken Biltmore Hotel in Scottsville bei Phoenix hatte man nämlich einfach die Fernseher abgeschaltet und stattdessen in Dauerschleife McCain-Wahlwerbung auf den grossen Monitoren laufen lassen. Und eine Country-Band auf die Bühne gestellt. Immer, wenn McCain einen Staat gewonnen hatte, wurde das lautstark verkündet und bejubelt – von den Obama-Etappensiegen kein Wort. So ging das noch, als schon Ohio ausgezählt und eigentlich alles klar war. Irgendwann müssen dann die ersten Partygäste heimlich auf dem Klo Handynachrichten gehört haben, denn irgendwann sprach es sich herum, und es wurde merklich leiser im Saal. Dennoch: wir haben Leute interviewt, die noch an ein Kopf-an-Kopf-Rennen glaubten, als selbst Fox News schon Obama als Sieger ausgerufen hatte.
Auch sonst hätte der Unterschied zur Obama-Party in Chicago übrigens grösser nicht sein können: hier die wenigen handverlesenen Gäste, dort die jubelnden Massen, hier das Luxushotel, dort der Stadtpark. McCains Partygäste waren fast alle weiss. Vom vielfarbigen, vielschichtigen Amerika war nicht viel zu sehen. Erst recht nicht vom armen Amerika.
Von Ina Ruck, ARD Washington
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Gastautor(in) |
6.11.2008 11:14 Uhr
Kategorie: US-Wahl
Schlagworte: Barack Obama, Demokraten, John McCain, Ohio, Republikaner, Sarah Palin, Scottsdale, US-Wahl, USA
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Am 6. November 2008 um 11:29 Uhr
Handynachrichten auf dem Klo. Wie schön. Jetzt ist die Wahl vorbei und das Thema ist immer noch auf dem Spitzenplatz. Können wir jetzt langsam mit den penetranten Korrespondentenberichten aufhören und auf andere Themen kommen, die in Deutschland und Europa wichtig sind?
Am 6. November 2008 um 11:55 Uhr
@ Manuel
Sorry, Manuel, aber es gibt momentan kein Thema in Deutschland und Europa, welches wichtiger ist.
Falls dein Blickwinkel für globale Ereignisse zu klein erscheint, kannst du ja immer noch die nationalen Börsennachrichten anschauen: von mir aus auch auf dem Handy und auf dem Klo…
Am 6. November 2008 um 12:19 Uhr
[...] Auf Sendung im Minutentakt, 21:17 UhrWashington 14:30 Uhr, 23:45 UhrAnstehen für das Obama-Fest, 23:55 UhrSorgen Sie für gute Laune, 00:06 UhrDie Hautfarbe hat kaum Bedeutung, 00:49 UhrNur nicht irritieren lassen, 00:58 UhrKein Republikaner wird Präsident ohne Ohio, 01:38 Uhr“Too close to call”?, 02:04 UhrVorentscheidung, 02:31 UhrDie Festwiese füllt sich…, 02:46 UhrIch wage eine Prognose, 03:49 UhrDie Skyline von Chicago als Kulisse, 04:02 UhrDas riecht nach Erdrutsch, 04:23 UhrLangsam sind alle drin im Park, 04:27 Uhr“Yes-we-can”-Sprechchöre, ein Meer aus Fahnen, 05:04 UhrDie fast perfekte Kampagne, 06:06 Uhr“Hello Chicago”, ruft Obama, 06:06 Uhr23:35, Washington DC, 06:07 UhrGute und schlechte Verlierer [...]
Am 6. November 2008 um 12:22 Uhr
Mich wundert noch nicht einmal so sehr, dass Obama gewonnen h a t. Mich wundert, dass er n o c h l e b t.
Abraham Lincoln: ermordet. Zur Erinnerung: Lincoln war derjenige Präsident, der den amerikanischen Bürgerkrieg, der um die Rassenfrage geführt wurde, verantwortete.
Martin Luther King: ermordet.
Bob Kennedy (mit großer Nähe zu M.L.King): ermordet.
Am 6. November 2008 um 12:53 Uhr
@ Silent Bob
eine Grossteil der Medienberichte ueber die US-Wahl sind voellig inhaltsleer oder Wiederholung und es sind einfach zu viel. Es gibt andere Themen, die uns sehr direkt betreffen und zumindest aehnlich wichtig sind. BKA-Gesetz, Asse, Bildungsgipfel, Integrationsgipfel, Russische Raketenstationierung ….
Am 6. November 2008 um 13:03 Uhr
Ja liebe Leute, jetzt kommt der grosse Chinese in`s Spiel, den kennen Sie nicht?, das ist der Wat Nu.
Spass beiseite. Obama wird es sehr schwer haben. So schnell wie die Massen aus der Lethargie aufgerüttelt werden, so schnell fallen sie zurück. Ausserdem hat ihm sein Vorgänger ein Erbe hinterlassen, das ihn fast lähmen kann. Wenn er das durchsteht, ist er für mich der Grösste, ich wünsche es ihm ehrlich.
Was mir Sorgen macht, ist der ganze Filz um und in der Regierung, vorzugsweise die Lobbyisten. Denen muss er zwangsläufig den Geldhahn zudrehen. Wenn um den Profit geht, zählen Menschenleben nicht, ob es einige tausend im Irak sind oder am Ende einer mehr. Also Mr. Obama, aufpassen! Ich drücke Ihnen die Daumen.
Am 6. November 2008 um 13:15 Uhr
Keine Frage, dass das ERGEBNIS der US-Wahl wichtig ist - aber der ganze WAHLKAMPF?
Nein, mich hat diese ganze Präsenz in den deutschen Nachrichten ziemlich genervt. Ich lebe nun mal nicht in den USA, bin kein US Bürger und auch nicht Wahlberechtigt in den USA.
Am 6. November 2008 um 14:04 Uhr
Zweifellos gibt es auch auf Nationaler Ebene wichtige Themen wie “BKA-Gesetz, Asse, Bildungsgipfel, Integrationsgipfel, Russische Raketenstationierung ….”, wobei es sich jedoch bei den meisten Aufzählungen um Dauerthemen mit gelegentlichen Aktualisierungsmeldungen handelt. Die Russische Raketenstationierung fällt da sicherlich ein wenig raus, ist aber ohne die Frage, wie Amerikas zukünftiger Präsident das Verhältnis zu Russland gestalten wird, kaum zu beantworten.
Ich bin mit bewusst, dass die viele USA-Beiträge (ich würde nicht sagen inhaltsleer sondern vielmehr) die Wahleuphorie noch weiter auskosten. Sollen sie doch. Es ist ein einschneidendes Erlebnis, mit der die Erwartung (Hope) auf ein neues Amerika (Change) verbunden ist.
Der Wechsel ist da und bei vielen Leuten ein Bedürfnis, diesen Moment auszukosten, den Wechsel zu verarbeiten und sich darüber auszutauschen - auch medial durch das Lesen sich oftmals wiederholender TS Beiträge. Das hat (gut 24 Stunden nach der Bekanntgabe) auch seine Berechtigung. Zudem sind beispielsweise in der TS-Infografiken immer noch nicht die Ergebnisse aller Bundesstaaten enthalten (Demnach führt Obama mit 156 Wahlmännern vor MCCain (150); Die Veteilung von 232 Wahlmännern bleibt noch offen…)
Vergleichbar ist dieser (mediale) Freudenstaumel etwa mit dem Fall der Berliner Mauer. Auch dort wurde das Ende eines kranken Systems gefeiert, auch dort wusste man noch nicht, wie die Zukunft - das Neue - im Detail aussehen würde, aber die Erleichterung über die Wende / Wechsel verband die Leute in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Einen vergleichbaren Wechsel hat es jetzt in Amerika gegeben und es wäre sonderbar anzunehmen, dass Deutschland oder die EU davon (auch emotional) nicht betroffen sei: damit täte man zigtausenden Menschen Unrecht, die seinerzeit gegen den Irakkrieg auf die Straße gegangen sind, oder denen, die sich im Olympiafieber für die Tibet eingesetzt hatten, wohlwissend, dass von Seiten Amerikas die Menschenrechte ebenfalls mit den Füßen getreten werden, oder schließlich all denjenigen, die mutig genug sind, heutzutage noch Kinder in die Welt zu setzen und darauf angewiesen sind, dass irgendwann auch Staaten wie die USA sich effektiv am Klimaschutz beteiligen.
Ob all dass unter Obama besser wird, oder doch unveränderlich bleibt, lässt sich heute noch nicht sagen. Aber die Hoffnung ist da - nicht nur in Amerika. Und auch ich würde mich freuen, die USA endlich wieder von meiner persönlichen Liste der gefährlichsten Staaten der Welt streichen zu können.
Hoffen wir das Beste…
Am 6. November 2008 um 17:18 Uhr
Ich finde die Berichterstattung sehr angemessen. Es handelt sich um eine historische Wahl nicht für die USA, sondern auch für die Welt. Und wenn es unbedingt deutsche Innenpolitik sein muß: Vom Bewohner des Weißen Hauses hängt schließlich auch ab, ob ein deutscher Bundeskanzler mit antiamerikanischem Krakelen auf dem Goslarer Marktplatz eine Bundestagswahl gewinnt.
Im Ernst finde ich das harte Brot unserer nationalen Politik à la BKA-Gesetz oder Integrationsgipfel dagegen ziemlich belanglos.
Am 6. November 2008 um 17:58 Uhr
Eines ist gewiss, ich bin Mister Obama für sein Presidentschaftsamt nicht neidig.
Ich habe auch die Hoffnung, dass er im positivem Sinne etwas erreicht. Kein Wunder, dass hier im Blog viele Pessimisten sind, wenn ich an unsere Politiker denke. Da fällt es einem schwer an das Gute zu glauben.
Für Mr. Obama müssen größte Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, damit es ihm nicht genauso ergeht wie J.F.K.
Am 6. November 2008 um 20:35 Uhr
Auch bei uns gab es die Diskussion um das Ausmass der Berichterstattung über die US-Wahl mit sehr änlichen Positionen wie hier im Blog.
Ich kann Silent Bob nur zustimmen und danken. Er bringt auch meine eigene Meinung bestens auf den Punkt, indem er erstens den wichtigen Einfluss des Charakters im amerikanischen Präsidentenamt auf die (uns stark betreffende) Weltpolitik aufzeigt und zweitens Position für etwas Behandlung und Bewältigung dieses bedeutsamen Ereignisses anstelle von einer nüchternen Meldung bezieht.
Lasst uns nicht übersehen: Hätte McCain gewonnen, dann wäre nach einem durchaus realistisch baldigen Ausfall seiner aus Gesundheitsgründen tatsächlich Sarah Palin mit dem wohl mächtigsten Regierungsamt der Welt ausgestattet worden. Mir wird schlecht, wenn ich daran denke.
Schwierig wird’s allemal, aber mit Obama im Weissen Haus fühle ich mich wenigstens nicht so, als betröge ich mich selbst, wenn ich auf eine Zeit kühlerer Köpfe in wichtigen Positionen und mehr Multilateralismus in der US-Aussenpolitik hoffe.
God, that could have gone wrong! All the best.
Am 6. November 2008 um 20:54 Uhr
Solche Fairness wünsche ich mir auch von unseren Politikern. Ich erinnere nur an den peinlichen Auftritt von Gerhard Schröder nach den Wahlen 2005!!! Bei aller Euphorie, vergessen wir bitte nicht, dass Obama Präsident der letzten Supermacht ist. Will sagen, bei allen internationalen Konflikten stehen an erster Stelle die Interessen der USA, danach kommen eventuell die Interessen Europas. Wir Deutschen sollten uns schon mal Gedanken machen, wie wir unser Engagement in Afghanistan anders gestalten. Er wird uns mehr in die Pflicht nehmen als GWB!!
Am 6. November 2008 um 21:26 Uhr
Der häufige Machtwechsel zwischen Republikanern und Demokraten ist in Amerika völlig normal. Erfreulich ist, dass eine der beiden Parteien endlich mal einen Kandidaten mit dunklem Hintergrund aufgestellt hat. Aber hätte McCain gewonnen, hätte nicht der Rassismus gewonnen, sondern eben McCain. Die Wahl Obamas mit dem Fall der Berliner Mauer zu vergleichen ist unsinnig.
Wenn bei der nächsten Bundestagswahl das linke Lager gewinnen sollte, kann ich das auch nicht mit Frauenfeindlichkeit erklären, nur weil an der Spitze des rechten Lagers Frau Merkel steht.
Am 7. November 2008 um 14:59 Uhr
Ja, Mr. McCain hat als Verlierer Größe gezeigt. Das hat mir imponiert. Unsere SPD-Politiker sollen sich ein Beispiel an ihm nehmen. Mr. Bush schien mir auch frohgelaunt und erfreut zu sein über Obamas Sieg. Wahrscheinlich ist er selber froh, diese Last los zu werden. Wie gut, dass Mr. Obama dieses schwere Erbe angenommen hat. Dazu braucht er auch die Unterstützung anderer Länder.