4. November 2008, 23:45 Uhr - von Jörg Schönenborn
In Washington ist es 14:30 Uhr, im Studio proben wir den Ablauf der Wahlnacht, die amerikanischen Sender berichten live aus allen erdenklichen Wahllokalen des Landes und vor uns liegt noch eine schwierige Aufgabe: Wir müssen unsere Wahlprognose vorbereiten. Das, was die Sender hier in Amerika Electoral maps nennen. Vor Einlaufen der ersten Ergebnisse werden die Staaten in drei Gruppen unterteilt. Jene, die ganz sicher von den Demokraten zu holen sind, jene, um die sich die Republikaner keine Sorgen machen müssen und die in der Mitte, die Battleground-States, die die Wahl dann am Ende entscheiden. Seit Tagen habe ich alle verfügbaren Umfragen studiert und nach Indizien dafür gesucht, ob es einen Swing in die eine oder andere Richtung gibt. Denn das bleibt vor jeder Wahl, egal ob in Deutschland oder hier in Amerika die spannende Frage: Haben die Umfragen die Stimmung einigermaßen genau abgebildet – wenn nein: Welche Seite haben Sie unterschätzt? Eigentlich läuft es zu gut für Obama denke ich seit Tagen. Irgendwann hätte McCains Wahlkampf doch verfangen und ihm wenigstens ein bisschen bessere Zahlen bringen müssen.
Die einzigen „echten“ Zahlen, die es bisher gibt, sind die vom Early voting. 29 Millionen Amerikaner haben sich daran beteiligt. Und die Zahl der registrierten demokratischen Wähler übersteigt bei weitem die der registrierten Republikaner. Das war so zu erwarten, aber der Abstand ist schon recht groß. Deshalb nehmen wir Georgia eigentlich klar republikanisch, aber wegen der enormen Mobilisierung beim Early voting doch in die Gruppe der Battleground-States.
Am Ende habe ich mich ungefähr so entschieden: Alle Staaten, in denen Barack Obama acht oder mehr Punkte Vorsprung in den seriösen Umfragen hatte, kommen auf die blaue Liste. Alle Staaten, bei denen McCain fünf oder mehr Punkte Vorsprung hat, kommen auf die rote Liste. Sie merken, meine Grundannahme ist, dass die Zahlen doch etwas zu günstig für Obama sein könnten. Für unsere Prognose bedeutet das: 264 Wahlmännerstimmen sind aus meiner Sicht den Demokraten sicher. Barack Obama braucht also einen einzigen größeren Bundesstaat, um schon früh in der Wahlnacht als Präsident festzustehen. Virginia, zum Beispiel – Schließung der Wahllokale 1:00 Uhr deutscher Zeit – könnte dieser entscheidende Staat sein.
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Jörg Schönenborn |
4.11.2008 23:45 Uhr
Kategorie: US-Wahl
Schlagworte: Barack Obama, Demokraten, Georgia, John McCain, Republikaner, US-Wahl, USA, Virginia, Washington
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