29. Oktober 2008, 22:27 Uhr - von Frank Aischmann
Das Yard Sign ist ein Hit im Wahlkampf: Parteiübergreifend exakt 40×66 Zentimeter gross, auf Metalldraht gepannte Plastikfolie, in den Vorgarten gestellte (meist blau gehaltene) politische Unterstützungserklärung. Diese wird von Wahlkampfbüros kostenlos ausgegeben (oder ein freundlicher Wahlkämpfer klingelt und bittet um Genehmigung, ein Zeichen im Garten aufstellen zu dürfen). Hier warten sie im Hauptquartier der republikanischen Partei von Missouri auf einen gepflegten Rasen zum Draufstehen:
Aber es gibt auch diese win-win-Situation: Yard Signs werden direkt bei Shop Obama oder McCain im Internet geordert:
http://store.barackobama.com/product_p/ys29682.htm
http://shopmccain.com/catalog/index.php?cPath=22_33
Das füllt deren Wahlkampfkasse und/oder garantiert dem Kandidaten Sichtwerbung auf einem Garten der Nation. Auch wenn der Wahltag naherückt: Bei Obama wird das Yard Sign nach wie vor für einen Stückpreis von 8 Dollar angeboten, bei McCain gibts den 5er-Pack für 35 Dollar (oder gleich die Sammelbestellung: 1 Million McCain-yard-signs für $111.404,00.)
Wie es sich gehört, existiert ein Rechenmodell für diese Aussenwerbung: Optimal plant der Wahlkämpfer mit 1,5 bestückten Gärten pro Wohnblock sowie 3-4 pro Wahllokal. All das ist Vortext für diese erstaunliche Vorgartenwerbung im Norden von Washington,DC:
Mit 20 Yard Signs sowie den beiden Sarah-Palin-Planen hat dieser tapfere Republikaner den Schnitt für die gesamte US-Hauptstadt nach oben geschoben. Denn Washington wählt nicht nur demokratisch, sondern tut dies auch stramm mit etwa 90%.
Vermutlich zeigt diese wenig subtile Häufung die Grenze der Aussenwerbung per Yard Sign und deren Effektivität bei der Beeinflussung des unentschlossenen Wählers. Die 1,5 pro Block haben schon ihren Sinn, oder: Viel hilft nicht immer viel. Vor knapp 11 Monaten bei der Vorwahl von New Hampshire ging es z.B. noch so zu….
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Frank Aischmann |
29.10.2008 22:27 Uhr
Kategorie: Auslandskorrespondenten, US-Wahl
Schlagworte: Barack Obama, Demokraten, John McCain, Republikaner, US-Wahl, USA
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Am 30. Oktober 2008 um 12:55 Uhr
Schon interessant, wie ernst die Amerikaner “ihren” Wahlkampf nehmen und sich dann auch nicht zu schade sind, unansehnliche Schilder in den Garten zu stellen. Ich versuche gerade, mir das in Deutschland vorzustellen…”Steini for chancellor” würde ich mir fast auch noch überlegen aufzustellen. Wie auch immer, der Enthusiasmus der Amerikaner ist zwar groß, aber für 1 Mio Schilder für etwas über 100000 $ reicht er doch nicht aus, da sind sie, Herr Aischmann, wohl um eine Zehnerpotenz verrutscht
Am 1. November 2008 um 03:30 Uhr
Wahlkampf-Schilder im Vorgarten sind allerdings kein reines US-Phänomen: In Kanada, wo ja auch gerade erst gewählt wurde, kam ich während der Wahlkampfzeit auch häufig an Vorgärten vorbei, in denen Schilder der jeweiligen Kandidaten aufgestellt waren (zumindest war es in Toronto so). Allerdings nicht derart massiv wie in den hier aufgeführten Extrem-Beispielen.
Am 1. November 2008 um 22:42 Uhr
Das Yard Sign gibt es dann natuerlich auch noch tragbar - die Placards, die bei den diversen Veranstaltungen der Kandidaten hochgehalten werden, und auch aus vernuenftiger Pappe sind. Und auch die gibt es in grossen Summen zu kaufen, und auch die sind im Wahlkampf ueberall - “visibility” nennt sich so etwas dann, wenn eine Gruppe Menschen mit ein paar solcher Zeitung an einer Strassenecke steht, und hofft, ein paar vorbeifahrende Autofahrer durch Masse zu ueberzeugen.
Mir soll es recht sein: Ich habe bei einer seiner Reden meine Obama Placard umsonst in die Hand gedrueckt gekriegt, und bin auch recht froh, das das Ding heile wieder mit zurueckgekommen ist! Vielleicht wird es ja noch einmal historisch wertvoll werden
!