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ARD-aktuell

17. Oktober 2017

Die Tagesschau ist „in dieser Form (nicht) überflüssig“

Heute hat einer der wichtigen deutschen Medienpolitiker eine Neuordnung von ARD und ZDF gefordert. Dabei merkte Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt an, dass im Zuge dieser Neuordnung die Tagesschau „in dieser Form überflüssig“ sei. Dass die Länder das Mediensystem in Deutschland gestalten, ist nicht nur legitim, sondern sogar ihre ureigenste Aufgabe. Aber das Zitat hat mich schon besorgt. Klar, als Chefredakteur der Tagesschau muss mich das angehen. Noch mehr sorge ich mich aber als Staatsbürger um den Fortbestand dieser Marke.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich bin befangen und als Tagesschau-Chef in dieser Frage nicht neutral. Bitte sehen Sie mir das nach. Dies ist ein Beitrag zu einem Diskurs, den ich jenseits der Medienpolitik gerne auch mit Ihnen, den Nutzerinnen und Nutzern unserer Angebote führen möchte. Fangen wir mit dem an, warum es die Tagesschau gibt: Wir sollen Informationen über relevante Fragen des Zeitgeschehens vermitteln und damit den „Brennstoff“ für den gesellschaftlichen Diskurs liefern. Jede Bürgerin, jeder Bürger dieses Landes soll sich auf der Basis von Informationen ein eigenes Urteil bilden, soll an politischen Prozessen partizipieren können und – wenn sie/er will – sich engagieren. Diese Funktion erfüllt die Tagesschau nur, wenn sie unvoreingenommen berichtet und den Leuten keine Meinung unterjubelt. Nur so erwirbt man sich Vertrauen.

Dass sich in diesem Jahr so viele Zuschauer wie noch nie in der Tagesschau um 20 Uhr informieren, könnte ein Hinweis sein, dass gerade in bewegten Zeiten starke Marken gefragt sind, die für nüchterne und unabhängige Nachrichten stehen. Jeden Abend gleichen mehr als 10 Millionen Zuschauer um 20 Uhr ihren Informationsstand ab (auf tagesschau.de täglich etwa 2,5 Mio Besucher). Damit fördert die Tagesschau den Diskurs über sämtliche Parteigrenzen hinweg und trägt dazu bei, dass die Gesellschaft zusammenhält, auch wenn die Zeiten rauer werden. Keine Sorge, die Tagesschau ist nicht dafür da, dass alle das gleiche denken. Im Gegenteil, alle Positionen (auch die neu im Parlament vertretenen) finden in der Tagesschau statt. Diese Lagerfeuer-Funktion ist sehr, sehr selten geworden. Wenn man die Tagesschau für überflüssig erklärt und zur Disposition stellt – sei es im Internet oder im Fernsehen – dann wird dieses Lagerfeuer erloschen sein und es wird sich nicht wieder entzünden lassen.

20 Kommentare

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1: Marc Habel:

17. Oktober 2017 um 18:36 Uhr

Robra ist doch auch Mitglied im ZDF-Fernsehrat, dann ist doch wohl auch klar warum er für die Heute Nachrichten ist.
Die Tagesschau bleibt! Punkt! Aus! Ende!

2: Michael Konken:

17. Oktober 2017 um 20:51 Uhr

Robra ist nicht das erste Mal auf medienpolitischen Abwegen. Ihm fehlt schlichtweg der Durchblick. Aus Unionssicht natürlich ideal.

3: Michael Konken:

17. Oktober 2017 um 20:55 Uhr

Robra ist nicht das erste Mal auf medienpolitischen Abwegen. Von Medienvielfalt hat er noch nichts gehört. Aus Unionssicht ein Verstoß, der eine parteipolitische Sichtweise erkennen lässt. Solche Medienpolitiker haben diese Bezeichnung verspielt.

4: How to get:

17. Oktober 2017 um 20:59 Uhr

Danke

5: fantasie:

17. Oktober 2017 um 21:10 Uhr

Ich würde mir in unserem Nachrichtensystem mehr Beiträge wünschen zu positiven Besonderheiten und Lösungsansätzen für die Vielzahl unserer heutigen Umweltprobleme, und das auf internationaler Ebene.
Mir und vielen anderen sind es viel zu viele Gewaltvideos, die da tagtäglich geboten werden in den Nachrichten, und immer wieder das gleiche, in Syrien, im Irak, in Afghanistan ….
Horrorszenarien, an denen wir Zuschauer kaum etwas ändern können, die nur frustrieren und uns jeden Tag vergegenwärtigen, wie schlecht unsere Welt ist.
Ich möchte mehr Positivbeispiele aus allen Ländern der Welt sehen, die Anregungen bieten für uns alle, es nach zu machen, dabei mit zu machen, etwas zu verändern. Ein sehr positives Beispiel ist dafür der Kinofilm "Tomorrow". In dieser Art würde ich mir die täglichen Nachrichten wünschen.
Das verstehe ich unter einem Bildungsauftrag, den doch auch die öffentlichen Sender haben.

6: Sascha Harald Gonder:

17. Oktober 2017 um 21:52 Uhr

Starkes Profil neutraler Berichterstattung unabdingbar:

Die „Tageschau“ hat sich seit Jahr und Tag durch gewissenhaft recherchierte Berichte und neutrale Bewertung ausgezeichnet. Wie bereits angeführt, wird dies gerade in unruhigen Zeiten mit zunehmend verfügbarer Nachrichtenflut durch die sogenannten neuen Medien immer mehr durch die Zuschauer geschätzt. Ein sauberes und vor allen Dingen neutrales Profil, das eigentlich für unsere journalistische Zunft selbstverständlich sein sollte, ermöglicht es dem Nachrichten-Konsumenten, sich sein gänzlich eigenes Bild zum jeweiligen Bericht machen zu können. Gerade dies hebt die „Tagesschau“ und deren Internetpräsenz aus der schier unüberblickbaren Flut an Nachrichten im Netz, die bedauernswerterweise zunehmend schlampig recherchiert werden deutlich hervor. Kritik, wie von Herrn Staatssekretär Robra getätigt, disqualifiziert sich daher von selbst bereits im Ansatz und stimmt den neutralen Beobachter sehr nachdenklich. Qualität muss bleiben!

7: Robert Üsselsheim:

17. Oktober 2017 um 22:24 Uhr

Für mich bleibt unklar, warum durch Rundfunkgebühren finanziert zwei nationale Nachrichtenformate (ARD tagesschau & ZDF heute) in zwei verschiedenen Studios von zwei verschiedenen Teams produziert werden müssen. Es macht durchaus Sinn darüber nachzudenken, das auf eine Sendung zu reduzieren – welche der beiden Sendungen verbleibt ist für mich eine eher nachgelagerte Fragestellung.

8: Werner Helmers:

18. Oktober 2017 um 02:14 Uhr

Wäre die TS noch ausgewogen, würde ich Ihnen Recht geben. Aber selbst dort findet mittlerweile Staatsberichterstattung znd einseitige Demagogie statt. Daher gebe ich Hr. Robra recht: Abschaffen, wie ZDF heute auch!

9: Jens Köhler:

18. Oktober 2017 um 12:26 Uhr

Die Tagesschau abschaffen zu wollen ist purer Quatsch! Allerdings muss grundsätzlich im informativen Bereich der ARD eine Reform her. Vor allem muss wieder der Grundsatz herrschen: Objektive Information geht vor Meinungsmache. Diesen Grundsatz haben tagesschau und tagesthemen unter Ihrer Führung, Herr Gniffke, leider verloren. Ihnen – und auch Ihrem Kollegen Herrn Rainald Becker – fehlt einfach der Wille an Reformen im Informationsbereich der ARD, dem einfach mehr Raum – vor allem vor Unterhaltung – eingeräumt werden muss. Was fehlt ist vor allem objektive Hintergrundberichterstattung, anstatt ständig bei jeder Gelegenheit auf die "tagesschau-app" zu verweisen. Das ist einfach zu billig und erfüllt auch nicht den Zweck, den Sie, Herr Gniffke, und Ihre Kollegen bei ARD-Aktuell zu erfüllen haben.

10: Jo Brauner:

18. Oktober 2017 um 15:56 Uhr

Als ehemaliger langjähriger Mitarbeiter der Tagesschau bin ich wohl auch befangen, wie es so schön heißt. Nur ist die Aussage von Herrn Robra derart absurd, dass man als einer von ca. 10 Mio 20.00-Uhr-Zuschauern einfach nicht stumm bleiben kann. Die Abschaffung eines erfolgreichen Formats sondergleichen zu fordern, gleicht dem Abschaffen eines erfolgreichen Verkaufshits beispielsweise ohne Grund. Normalerweise müsste die große Zahl der Rezipienten aufstehen und einem Herrn, der aus parteipolitischen, regionalpolitischen oder welchen Gründen auch immer, erklären, warum man sich eben gerade durch die TS wegen ihrer Glaubhaftigkeit informieren lässt. Damit ist natürlich nichts gegen die Kollegen des ZDF und Heute gesagt. Auch, wenn sie nur mit der Hälfte der Einschaltquote leben müssen. Nein, Macher von ARD-aktuell, Chefs, Redakteure, Kameraleute, Techniker und Sprecherinnen/er. Ihr macht einen tollen Job.

11: Anonymous:

18. Oktober 2017 um 16:08 Uhr

Die "Tagesschau" ist für mich als transatlantisches Sprachrohr unabdingbar – ähnlich wie früher die "Aktuelle Kamera" als Sprachrohr des real existierenden Sozialismus.

Glaubwürdige politische Einordnungen suche ich inzwischen eher in Satiresendungen wie der ZDF-"Anstalt".

12: Ellis Dörr:

18. Oktober 2017 um 22:21 Uhr

Ich guckte die Tagesschau schon als Kind!
Die muss einfach bleiben!
Besonders gut finde ich die Sendungen vor 20 Jahren!
Der beste Moderator ist immer noch Jo Brauner!
Würde ihn gerne persönlich kennenlernen!

13: Christian Tölken:

19. Oktober 2017 um 11:57 Uhr

Nicht zu fassen, ist dieser Vorstoß. Die Tagesschau ist ein Leuchtturm in der Nachrichtenlandschaft und ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Der Herr Robra will die Meinungsvielfalt und Nachrichtenklarheit einschränken. Es ist aus meiner Sicht ein Anschlag auf unsere Demokratie.Die Legitimation politischer Macht ist nur möglich, wenn politische Macht thematisiert und gesellschaftlich diskutiert wird. Diese Legitimationsfunktion sichern die öffentlich-rechtlichen Anbieter. Sie berichten über politische, institutionelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse und Vorgänge. Soll das beschnitten werden?

14: Ansgar:

19. Oktober 2017 um 13:15 Uhr

Wenn die Behauptung, dass das Erste inzwischen eine Art Staatsfernsehen geworden ist, ganz falsch ist, warum haben dann Medienpolitiker überhaupt was "zu sagen" zu einem öffentliche-rechtlichen Nachrichtenprogramm?

Mir fällt auf wie die Tagesschau inzwischen mit einem Teil der deutschen Bevölkerung gegen politische Minderheiten polarisiert im Dienste des Establishments. Das fällt solange nicht auf, als man auf der gleichen Seite steht.

Journalisten müssen nicht darüber Aussagen treffen, welche Auffassungen "richtig" sind. Wenn man – um mal was extremes zu nehmen – über den Parteitag der DKP, Piraten oder NPD berichtet, dann muss es immer so sein, dass es ein Delegierter, der vor Ort war "annehmen" kann, als Darstellung, was dort tatsächlich Diskussions- und Streitpunkt war und nicht als eine Art "Feindpropaganda" gegen seine Partei empfindet.

Weil es eine faire staatsferne Berichterstattung heute nicht mehr gibt, ist auch die Tagesschau obsolet.

15: Phonomatic:

19. Oktober 2017 um 14:01 Uhr

Die Tagesschau ist für mich völlig unverzichtbar.

16: Nils O.:

19. Oktober 2017 um 17:07 Uhr

Für mich ist die Tagesschau insgesamt meine Nachrichtenquelle Nr.1! In der Mittagspause hole ich mir meine "Nachrichten zwischendurch" per tagesschau.de oder Tagesschau App und abends je nach Programm in der Tagesschau, den Tagesthemen oder sogar im Nachtjournal. Das ist schon lange so und soll auch so bleiben.

Aber auch Heute Journal, Heute+, heute.de und die ZDFheute App nutze ich parallel. Dabei finde ich es wichtig, zwei unterschiedliche, politisch neutrale Nachrichtenquellen zu haben, denn bei vielen Themen legen Tagesschau und Heute den Fokus auf unterschiedliche Teilbereiche. Mal gibt es dort, mal dort die Hintergrundinformation, die mich interessiert.

Nachrichten bei den Privatsendern schaue ich weniger gern, da gibt es für meinen Geschmack selbst bei den beiden Hauptsendern zu viel Boulevard-"News" neben den "richtigen" Nachrichten.

Insofern bin ich zu 100% dafür, dass es bei zwei voneinander getrennten Hauptnachrichten im TV bleibt.

17: Dr. Fritz:

19. Oktober 2017 um 17:33 Uhr

Ich finde die Tagesschau ebenfalls unverzichtbar! Wir schauen nur öffentlich-rechtliche Programme (was man daran erkennt, dass ich keinen einzigen aktuellen Werbeclip kenne!). Wer die Abschaffung der Tagesschau fordert, tritt für die Abschaffung seriöser Nachrichten ein. Wenn ich zu einer anderen Meinung als die Tagesschau-Macher komme, habe ich Hirn genug, um mir diese Meinung zu bilden. Aber die Seriosität ist das Entscheidende, und wenn es auch mal steif daherkommt, dann merkt man, dass Politik und Weltgeschehen vielschichtig sind.
Deshalb rate ich zum Beispiel Flüchtlingen, die Tagesschau anzuschauen (was selten geschieht). Ich trete also vorbehaltlos für die Erhaltung der Tageschau und des Heute-Journals ein (Argumente siehe bei Nils O.).

18: Willi Wacker:

20. Oktober 2017 um 01:41 Uhr

Man stelle sich vor, im Fernsehen gibt es nur noch Nachrichten von RTL und Pro7. Dann wissen endlich alle sofort, wenn irgendwo auf der Welt eine senstationelle Busen-OP geglückt ist – und man bleibt von relevanten Informationen verschont.

19: andreas:

20. Oktober 2017 um 12:22 Uhr

Da fallen mir gleich die "OSZE-Beobachter" in der Ukraine ein. Das hat es mir nachhaltig verdorben.

Trotzdem sollte die Tagesschau natürlich erhalten bleiben.

20: Clerence:

21. Oktober 2017 um 16:07 Uhr

@ Robert Üsselsheim: Dieses System, daß es nur eine Nachrichtensendung gibt, produziert von nur einem Sender, hatten wir durchaus schon in Deutschland, und es hat durchaus "35 Jahre gut funktioniert", zumindest für die Offiziellen. Diese eine Sendung nannte sich "Aktuelle Kamera", produziert vom "Fernsehen der DDR".

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