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ARD-aktuell

24. September 2017

Tektonische Verschiebungen

Die Verschiebungen im Parteiensystem sind so gewaltig, dass man über Worte wie „große“ und „kleine“ Parteien oder „Große Koalition“ wohl in den nächsten Tagen noch mal nachdenken muss… denn es ist ein Wahlergebnis der Extreme.  Die Union schneidet so schlecht ab wie seit 1949 nicht mehr. Und für die CSU ist besonders bitter, dass sie mit ihrem schlechtesten Ergebnis in Bayern seit 1949 dazu deutlich beigetragen hat. Bei der SPD ist es das schlechteste Ergebnis überhaupt. Und das führt dazu, dass nach jetzigem Prognosestand die „Große Koalition“ im Osten überhaupt keine Mehrheit mehr hätte.

Das Parteiensystem hat sich um die AfD erweitert, weil Millionen Wählerinnen und Wähler gesellschaftliche Probleme sehen, auf die sie bei keiner der anderen Parteien eine Antwort finden. Dabei wählen sie die AfD übrigens nicht aus Überzeugung, sondern um ein Signal zu setzen. In der heutigen Wahltagsbefragung hat Infratest dimap die Wählerinnen und Wähler aller Parteien gefragt, ob sie ihre Entscheidung aus Überzeugung für die eigene Partei oder Enttäuschung über die anderen Parteien getroffen haben. Und während die Wählerschaften aller Parteien mehrheitlich aus Überzeugung abgestimmt haben, ist es bei der AfD anders. Gut 60 Prozent erklären, dass ihre Entscheidung aus Enttäuschung über die Anderen getroffen wurde. Beim großen Teil der AfD-Wähler/innen kann man also nicht gleichzeitig auch von AfD-Anhänger/innen sprechen

5 Kommentare

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1: Roland Schmiermund:

24. September 2017 um 20:55 Uhr

Angesichts dessen, was diese Merkel-SPD-Regierung angerichtet hat, sind die aber noch gut davongekommen.

Meiner Meinung nach, hätte die Merkel-Regierung und die Fraktionen im Bundestag, die das alles mit abgenickt hatten, im Nirvana verschwinden müssen.

2: Birger:

25. September 2017 um 09:35 Uhr

Reichlich vermessen finde ich es, wie Sie den AfD-Wählern „einfach so“ deren Motive unterstellen. Haben Sie das denn auch in Befragungen herausgefunden oder ist dies hier nur die hohe Kunst des Öffentlich-Rechtlichen Kaffeesatzlesens, Herr Schönenborn?
Zeigen Sie mir doch mal die angebliche Überzeugung der Wähler von der SPD?

Zählen werden doch nur die Ergebnisse. Und wer seine Stimme abgibt, hat doch immer eine Überzeugung, oder?

3: Christine Fröhlich:

25. September 2017 um 10:23 Uhr

Sie und einige andere Jornalisten sprechen gerne von tektonischen Verschiebungen. Meine Tochter hat die schlimmen Erdbeben in Mexico City gerade überstanden… ich finde angesichts der Lage in Mexiko ihre Wortwahl nicht besonders passend.

4: Sascha Harald Gonder:

26. September 2017 um 22:44 Uhr

Protest verändert Parteienlandschaft dauerhaft:
Das Außergewöhnliche war sicherlich die teils erdrutschartigen Wählerwanderungen aus ALLEN Lagern hin zur AfD, als Zeichen größerer politischer Unzufriedenheit. Dies wollte man bis dato, und will man offensichtlich immer noch nicht wahr haben. Die Schuld wird nicht in der eigenen Performance, sondern bei den Medien gesucht. Lediglich Grüne und FDP verloren laut infratest dimap jeweils nur ca. 40.000 Stimmen an die AfD. Ihnen gelang es offensichtlich noch, sich programmatisch geschärft dem Wähler zu präsentieren. Die beiden „großen“ Volksparteien hingegen haben offenbar den Ernst der Stunde nicht erkannt oder erkennen wollen. Dafür wurden sie von den Wählern bestraft, was am Schluß zum historischen Wahl-Desaster geführt hat. Sollte sich diese Haltung bei CDU/CSU und SPD nicht bald grundlegend ändern und eine realistische Aufarbeitung der Fehler erfolgen, wird es bald keine „großen“ Parteien mehr in der BRD geben.

5: Jan Gloeckner:

29. September 2017 um 16:55 Uhr

Sehr gut geschrieben, sehe ich genauso!

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