Skip to Content

ARD-aktuell

3. Mai 2017

Ein Monat Faktenfinder bei der Tagesschau

Vor genau einem Monat, am 3. April, hat ein neues Team bei ARD-aktuell seine Arbeit aufgenommen: die „Faktenfinder“. Hört sich an wie Pfadfinder, und tatsächlich versuchen diese Leute jeden Tag (mindestens) eine gute (journalistische) Tat zu vollbringen. Mit diesem Team reagieren wir auf das Phänomen, über das derzeit so viel gesprochen wird, Fake News. Nach vier Wochen ist es für eine Bilanz zwar noch zu früh, aber vielleicht Gelegenheit Ihnen ein bisschen über die Arbeit der Faktenfinder zu erzählen.

Alle reden über Fake news. Donald Trump tut es täglich, Google kündigt „google owl“ an, Jimmy Wales möchte „WikiTribune“ starten usw.. Auch wir haben uns vorgenommen, in diesem Superwahljahr Erfahrungen im Umgang mit Falschinformationen zu sammeln. Dabei ist uns bewusst, dass es Fake News schon immer gab, und auch die Tugend der journalistischen Recherche muss nicht neu entdeckt werden. Was ist also neu? Geschichten, die auf den ersten Blick falsch oder irrelevant erscheinen, landen bei uns normalerweise im Papierkorb. Nun aber klopfen wir solche Stories darauf ab, ob sie – verstärkt durch soziale Medien und/oder bots – das Potenzial haben, den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen. Dann recherchieren wir diese Themen weiter und stellen die Ergebnisse auf faktenfinder.tagesschau.de zur Verfügung.

Das bedeutet Mehraufwand. Deshalb gibt es bei ARD-aktuell täglich vier zusätzliche Schichten für die intensive Recherche von mutmaßlichen Falschinformationen. Dazu haben uns mehrere ARD-Anstalten exzellente, hochmotivierte Journalistinnen und Journalisten geschickt, die für das gesamte ARD-Netzwerk Recherchen erbringen, die sonst im auf Tempo angelegten Nachrichtengeschäft kaum zu leisten sind. Selten habe ich erlebt, dass ein Projekt so schnell Früchte trägt. Recherchen zum Giftgaseinsatz in Syrien, zur Kriminalitätsstatistik, zum Kampf mit Unwahrheiten in Venezuela oder zur behaupteten Islamisierung der deutschen Gesellschaft stoßen auf riesiges Publikumsinteresse. Nahezu jede Geschichte der Faktenfinder landet unter den Top Ten der am meisten aufgerufenen Inhalte auf tagesschau.de. Es erscheint fast zu banal, um wahr zu sein: Gib einem Redaktionsteam die Zeit und den Raum für gründliche Recherche, und du erntest verdammt guten Journalismus. Und der fand in den ersten Wochen auch schon mehrfach Eingang in die Hauptausgabe der Tagesschau. Vielleicht ist deshalb das Interesse zahlreicher Medien und Forschungseinrichtungen an der Arbeit unserer Faktenfinder so groß.

Ende des (Wahl-) Jahres wollen wir bilanzieren, ob sich die Faktenfinder bewährt haben oder ob wir mit Kanonen auf Spatzen geschossen haben. Aber genau diese Erfahrungen sollten wir sammeln. Einfach tatenlos abwarten, wie sich das Thema Fake News 2017 entwickelt, hätte ich für eine ziemlich schwache Strategie gehalten. So haben wir die Gelegenheit, Ihnen und unserem gesamten Publikum auf allen Plattformen einen Mehrwert zu bieten. Wir erheben definitiv nicht den Anspruch, im Besitz der Wahrheit zu sein. Wir möchten der Aufgeregtheit großer Teile der digitalen Kommunikation und so mancher Verschwörungstheorie die Ergebnisse sorgfältiger Recherche entgegenstellen, von denen wir glauben, dass sie für Ihre Meinungsbildung hilfreich sein könnten.

13 Kommentare

RSS Feed der Kommentare

1: S. Wagner:

4. Mai 2017 um 12:28 Uhr

Sehr schön zu lesen. Ich lese die Faktenfinderartikel oft und fand sie bisher alle recht gut. Danke für die Mühe und das Engagement. Sie leisten alle sehr gute und wichtige Arbeit.

2: T.H.:

4. Mai 2017 um 13:05 Uhr

„Ende des (Wahl-) Jahres wollen wir bilanzieren, ob sich die Faktenfinder bewährt haben oder ob wir mit Kanonen auf Spatzen geschossen haben. Aber genau diese Erfahrungen sollten wir sammeln. Einfach tatenlos abwarten, wie sich das Thema Fake News 2017 entwickelt, hätte ich für eine ziemlich schwache Strategie gehalten.“

Im Gegenteil, diese Strategie wäre nicht nur schwach, sondern auch verfehlt gewesen.
Fake-News sind ein gesellschaftliches, aber eben auch ein mediales Problem.
Menschen, die sich Breitbart und co. zuwenden, tun seriöse Medien als Lügenpresse ab.
Das Projekt Faktenfinder ist auch deshalb so wichtig, weil es durch die ausführlichen Recherchen, Darstellungen, und Quellenangaben viel schwieriger wird, die Informationen einfach als Lüge zu bezeichnen, zu ignorieren, oder als Instrument der Mächtigen zu diffamieren.
Diesem Trend müssen die Medien entgegentreten, was der Faktenfinder vorbildlich tut.
Weiter so!

3: Uwe:

4. Mai 2017 um 13:42 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr.Gniffke,
wie Sie richtig anführten ist das Phänomen der Falschnachrichten keine exklusive Erfindung der Neuzeit.Das hat es schon immer gegeben und damit wurden schon verheerende Kriege begonnen. Darum ist es im Interesse vieler Menschen umfassend und gut recherchiert informiert zu werden.
Zitat aus Ihrem Blog:
„Nun aber klopfen wir solche Stories darauf ab, ob sie – verstärkt durch soziale Medien und/oder bots – das Potenzial haben, den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen. “
Dann sollten die öffentlich rechtlichen Medienanstalten mit gutem Beispiel voran gehen.
Beispiel Tagesschau-Online Artikel vom 30.04.2017
„Merkel in Dschidda: Bundeswehr schult saudische Soldaten“.
In der Tagesschau Ausgabe vom gleichen Tag um 20.00 Uhr war nur die Information einer Schulung von Sicherheitsbeamten und Grenzschützern. Das sind unterschiedliche Gruppen mit ganz unterschiedlichen Aufgaben in einem Staat. Warum wurde diese Information dahingehend geändert?

4: G.Mossner:

4. Mai 2017 um 13:56 Uhr

Der faktenfinder zu dem Beitrag über G. Soros hat mich tatsächlich überrascht!

Ich frage mich aufgrund der obigen Aussage „Dazu haben uns mehrere ARD-Anstalten exzellente, hochmotivierte Journalistinnen und Journalisten geschickt, die für das gesamte ARD-Netzwerk Recherchen erbringen, …“,
ob diese Journalistin in diesem Fall tatsächlich wusste, was für Berichte in ihrem Blog-Link auf „alles-schallundrauch.blogspot.de“ noch vorhanden sind.

Durch mutige Verlinkung wird der „faktenfinder“ durch aus interessanter, aber für die Masse sicherlich nicht seriöser!

Mich als langjähriger Blogleser von „alles-schallundrauch“ hat es dennoch sehr gefreut, doch meine Verwunderung über den faktenfinder auf ARD bleibt bestehen!

5: Lars Brennicke:

4. Mai 2017 um 14:06 Uhr

Für einen Faktenfinder ist es von entscheidender Bedeutung, dass er als absolut objektiv wahrgenommen wird. Er darf also keine bestimmte Gruppe aussparen, sondern muss „Fake News“ aufdecken, egal wer sie verbreitet.
Wenn Sie aber einmal Ihren Faktenfinder durchschauen, stellen Sie fest, dass die Artikel z.B. Falschaussagen von Trump, Erdogan, Le Pen oder Ausländerfeinden von der AfD thematisieren, aber kaum ein Artikel befasst sich mit Falschaussagen z.B. der deutschen Bundesregierung oder deutscher Leitmedien.
Es wäre aber gerade wichtig, dass z.B. ein AfD-Anhänger, der sich über tatsächliche Falschaussagen der Bundesregierung ärgert, sich auch durch den Faktenfinder bestätigt findet. Denn dann betrachtet er den Faktenfinder als vertrauenswürdig, und wenn er dort später über Lügen „seiner“ AfD aufgeklärt wird, wird er aufgrund seiner früheren positiven Erfahrungen mit dem Faktenfinder nachdenklich werden und dessen Bericht nicht gleich als „Lügenpresse“ abstempeln.

6: Thomas Brück:

5. Mai 2017 um 10:56 Uhr

In der Tat ist es augenscheinlich wichtig geworden, dass Fakenews aufgedeckt werden müssen, weil vielen Menschen die nötige Medienkompetenz fehlt. Darf ich einen Link vom „Faktenfinder“ auf unserer Internetpräsenz http://www.falschmeldung.info platzieren, die ein ähnliches Konzept verfolgt, wenn auch leider die Reichweite zu gering ist?
Problematisch sehe ich für „Faktenfinder“, dass es ein Projekt eines öffentlich- rechtlichen Senders ist, der selbst oft in der Kritik steht, Fakenews zu verbreiten. Tatsächlich werden in der Tagesschau bei vielen Beiträgen elementar wichtige Details nicht erwähnt, was dann zwar keine Falschmeldung darstellt, aber dem entsprechenden Sachverhalt nur einen vordefinierten Blickwinkel gewährt. Dass die Bundesverteidigungsministerin mit der Zahl von Cyber- Angriffen auf die Bundeswehr- IT auch Fakenews verbreitete, ist leider auch dem Faktenfinder entgangen. Ihre Aussagen wurden ungeprüft als korrekt übernommen. Wir haben das mal analysiert…

7: Nico:

5. Mai 2017 um 12:28 Uhr

@Lars Brennicke: absolut richtig

Deswegen finde ich diese Lubhudelei dieses Blog-Eintrags auch nicht gerechtfertigt.

8: nie wieder spd:

5. Mai 2017 um 18:43 Uhr

Lieber Herr Gniffke, wenn sich dann schon, wie heute, eine Satireseite einen Faktencheck unnterziehen muss, dann will ich auch mal hoffen, dass ab nun jede Satireseite und jede Satiresendung auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft und dazu ein Fakencheck vorgenommen wird. Ausdrücklich bitten möchte ich darum bei der Sendung „Die Anstalt“ im ZDF. Es wäre doch für alle Beteiligten schön, wenn sich die dort verbreiteten Fakten als Wahr entlarven ließen. Und wenn diese Überprüfung dann auch Bitteschön mit großem Aufwand in allen Medien dargestellt würde. Die richtige Darstellung zweifelhafter Verbindungen einiger Chefredakteur von Medien in der BRD ist ja sogar Gerichtsfest bestätigt worden. Das wäre alles ein großer Spass für alle potentiellen Wähler.

9: nie wieder spd:

5. Mai 2017 um 18:48 Uhr

Lieber Herr Gniffke, es sillze dann aber gerade hier bei der Tagesschau immer wieder darauf hingewiesen werden, dass auf der Seite „Publikumskonferenz.de“ immer wieder und ziemlich häufig die Journalisten der ARD – Anstalten und ihre Berichte einem Faktencheck unterzogen werden und dieser oft in einer Programmbeschwerde mündet. Der Vollständigkeit halber sollte eine Institution wie die ARD sich auch öffentlich, wenigstens aber hier, damit auseinandersetzen.

10: nie wieder spd:

5. Mai 2017 um 18:54 Uhr

Lieber Herr Gniffke, wenn dann auch noch ein Faktenckeck bezüglich der Rechtsradikalität und des Rechtsextremismus des Front National stattfindet, sollten doch bitte auch die Geldgeber dieser Partei gennant werden. Und das sollte auch bei Berichten über die AfD nie fehlen. Denn auch das gehört zu einen Faktencheck bezüglich der politischen Tendenzen einer Partei.

11: Gedankenrausch:

5. Mai 2017 um 23:26 Uhr

Die Idee von Faktenfinder.de an sich finde ich ausgezeichnet, denn nicht nur im Internet wimmelt es nur so von Falschmeldungen, Halbwahrheiten und wissentlich gefälschten Berichterstattungen. Ich hoffe, dass die Journalisten, die in diesem Metier auf Faktenfinder.de investigativ tätig sind – so wie es sich für einen „normalen“ Journalismus gehört. Und dazu gehört AUCH die Aufdeckungen von Fake-News im öffentlich-rechtlichen Mainstream. Es ist hinlänglich bekannt und bewiesen, dass da Etliches im Argen liegt. Ich erinnere an das Grundgesetz Artikel 4 Absatz 1 „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“ und insbesondere an GG Artikel 5 Absatz 1 „Wer die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit…zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht, verwirkt diese Grundrechte„. Faktenfinder.de sollte NEUTRAL agieren!

12: SchallundRauch:

12. Mai 2017 um 00:28 Uhr

Also entweder habe ich was übersehen oder aber manchmal ist auch auf einer Nachrichtenseite
(auf der man Aktuelität, eben Nachrichten, erwarten kann, solange nicht wie vorbildlich bei dem 20-Jahresrückblick sehr deutlich anderes gekennzeichnet ist)
die Wirkung fehlender Übersicht fast so schlimm wie fake news und Desinformation. In den Top 10 auf der Startseite findet sich aktuell am 12.05.2017 um 0:22 Uhr „91 Prozent misstrauen der Türkei“. Na, dachte ich, das schaue ich mir mal an. Hätte ich nicht weitergelesen und wäre mir beim Namen Gabriel statt mittlerweile Schulz nicht was komisch vorgekommen, so hätte ich nicht gemerkt, dass das etwas vom 2.6.2016 war!

13: Sybille P.:

19. Mai 2017 um 12:24 Uhr

Liebes Faktenfinderteam,
Ihre Arbeit ist definitiv wichtig und ich hoffe, Sie betreiben die Seite noch lange weiter.
Ich konnte bisher die gelesenen Sachverhalte gut nachvollziehen.
Anregungen habe ich dennoch:
1.Der „Faktenfinder“ ist für jemanden, der sich auf Webseiten nicht so gut auskennt, schwierig zu finden. Bitte erstellen Sie eine DEUTLICH sichtbare Verlinkung auf Ihrer Tagesschau-Startseite. Und: man findet ihn bei der SUCHE nicht mit Eingabe des Wortes „Fakten“!
2. Wie Lars Brennicke am 04.05.17 bereits schrieb, ist es wichtig, auch die etablierten Medienanstalten oder Politiker unter die Lupe zu nehmen: „…Es wäre aber gerade wichtig, dass z.B. ein AfD-Anhänger, der sich über tatsächliche Falschaussagen der Bundesregierung ärgert, sich auch durch den Faktenfinder bestätigt findet. Denn dann betrachtet er den Faktenfinder als vertrauenswürdig…“ Sonst erreichen Sie nur Menschen, die sowieso schon kritisch durch die Welt gehen.
Danke! Ich werde Ihnen treu bleiben…!

Ihr Kommentar

Bitte geben Sie Name und E-Mail-Adresse an.
Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentarrichtlinien

Um zu verhindern, dass Gruppen oder einzelne Nutzer die Kommentarfunktion des Blogs für politische Werbung oder die Verbreitung von beleidigenden oder rassistischen Texten missbrauchen, sind wir gezwungen, Einträge nur nach vorheriger Kontrolle durch die Redaktion zu gestatten. Wir bitten um Verständnis.

Kommentarrichtlinien im Detail