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ARD-aktuell

30. November 2016

„Was Deutschland bewegt“ – neue Tagesthemen-Reihe

Neue Spannungsfelder und spontan klaffende Gräben prägen die politische Tektonik des ausgehenden Jahres. Die Wahl von Trump – eine sicherheitspolitische Kontinentalplatten-Erschütterung. Der Brexit – ein mittleres Beben unter den Festen Europas. Die Flüchtlingskrise hatte zuvor schon zu Verwerfungen in vielen Ländern geführt. Zählt man alle Effekte zusammen, so liegt der Schluss nicht fern: Die westlichen Demokratien befinden sich in einer Umbruchsituation, zumindest in einer Phase großer Verunsicherung.

Menschen suchen nach Orientierung, sehen aber weiter Instabilitäten. Bei vielen scheint zu kumulieren: die Angst vor einer Überforderung durch Zuwanderung, die Sorge um eine fragile innere Sicherheit, das Gefühl der Machtlosigkeit im Kräftefeld der Globalisierung und die Annahme, dass sich Regierungen „meiner Probleme“ nicht intensiv genug annehmen. Woher rührt der Eindruck des Abgehängtseins bzw. die Einstellung, Deutschland sei „nicht mehr wie früher“, obgleich die Zahl der Arbeitslosen sehr gering ist? Es gibt einen Mix unterschiedlichster Sorgen, der sich hineinfrisst in die politische Stimmung. Sedimente des Unwohlsein, die sich festtreten zu radikaleren Politikansätzen.

Es ist Aufgabe von Demoskopen, Soziologen und vor allem Politikern, den Ursachen dieser Verunsicherung auf den Grund zu gehen. Es ist Aufgabe der Medien, zu trennen: was ist ein Gerücht, was ist belegt? Wer profitiert von der Globalisierung? Wie ist es um die Arbeitsplätze in Deutschland bestellt, wenn Hürden im Außenhandel entstehen? Muss man China fürchten? Die Liste wichtiger Themen ist lang. ARD-aktuell versucht täglich, Hintergründe zu liefern. Wir haben zum Beispiel auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise in vielen Tagesthemen-Sendungen fast monothematisch diese Thematik durchleuchtet – in allen Facetten. Zum Jahresende stellen sich viele nun die Frage: Wohin steuert Deutschland in 2017?

Was die Menschen beschäftigt, welche Sorgen sie haben, wo ihre Hoffnungen liegen, dies möchten die Tagesthemen in einer Serie von Beiträgen herausarbeiten. Unter der Überschrift „Was Deutschland bewegt“ besuchen Reporter an mehreren Tagen einzelne Orte in Deutschland. Sie lassen in ihren Reportagen die Menschen reden, über ihre Alltagsthemen, ihren Blick auf die Zukunft, ihre Erwartungen an die Politik. Es entstehen so kurze, sicher unvollständige Portraits, die einen punktuellen Eindruck vermitteln, was zum Beispiel die Themen in der kleinen Gemeinde Spiegelberg in der Nähe von Heilbronn sind. Unsere erste Station auf der Deutschland-Tour, die wir in den kommenden Monaten immer wieder fortsetzen. Es ist lediglich eine Annäherung an das Leben vor Ort mit all seinen Facetten. Womöglich findet sich der ein oder andere aber wieder in den O-Tönen aus anderen Städten und Gemeinden. Gehör finden in den Tagesthemen abseits der nationalen und internationalen Nachrichten hier Krankenschwestern, Bürgermeister, Heimleiter, Obstverkäufer, Schulleiter etc. Ein Mosaik, das sich zusammensetzt.

Es bleibt unsere Aufgabe, das Relevanteste des Weltgeschehens zusammenzufassen. Natürlich ist es unsere Pflicht, etwa die wichtigsten Entscheidungen im Bundestag zu erläutern. Dies bleibt auch so. Wir wollen uns aber auch noch mehr die Zeit nehmen, neben die großen Nachrichtenströme zu blicken. Dorthin, wo man die Auswirkungen der Politik und internationalen Entwicklungen spürt. Dies ist eine Herausforderung für ein Nachrichtenmagazin mit nur 30 Minuten für das weltweite Tagesgeschehen. Wir probieren es trotzdem und freuen uns über feedback.

14 Kommentare

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1: Katharina:

30. November 2016 um 23:25 Uhr

Mit Ihrem Beitrag zur Situation in Spiegelberg verstärken Sie den Eindruck der tendenziellen Berichterstattung. Sie stellen die Sorgen der Bewohner Spiegelbergs als unbegründet dar. Sie sagen nicht, wieviele der 18 Migranten arbeiten, sondern zeigen1 Migranten der berufstätig ist und damit auch meine Anerkennung findet. Sie fragen einen Rentner, wieviel Rente er nach 48 Berufsjahren erhält -ca. 1.500 Euro. Sie verschweigen jedoch, welche Aufwendungen durch die Allgemeinheit für jeden einzelnen Migranten zu tragen sind (Kosten für Lebensunterhalt, Unterkunft, Gesundheit, Sprachkurse, Verwaltungskosten etc).
Bitte berichten Sie zukünftig ausgewogen.

2: Steffi Mühlbeyer:

1. Dezember 2016 um 00:34 Uhr

Liebe ARD-aktuell-Kollegen, ich selbst bin Journalistin beim SWR und möchte euch zu solchen “Ausreißern” in der Berichterstattung AUSDRÜCKLICH ermutigen. In diesen komischen, verunsicherten Zeiten ist es meiner Ansicht nach ganau das, was möglicherweise wieder Vertrauen stiften, gegenseitig verstehen helfen und Politiker wieder den Draht zum Volk finden lassen kann. Danke dafür, dass ihr Vermittler seid, ohne erhobenen Zeigefinger. Ihr habt verstanden. Hoffentlich die Politik bald auch?! Chapeau und kollegiale Grüße aus Stuttgart :-)

3: Huck:

1. Dezember 2016 um 01:31 Uhr

unglücklich sind viele, weil wir merken dass unser Leben nicht mehr in unserer Hand ist und weil wir merken dass unsere Kinder schlect beraten sind damit unseren Lebensstil zu kopieren. Wir verstehen dass wir mehr Energie investieren um Essen auf unsere Tische zu bringen als was wir an Energie zurück bekommen. Mehr und mehr Menschen bewegt es, dass wir faktisch derzeit nicht überleben und auch nicht mehr wissen wie das geht, entsprechend unserer menschlichen Natur. Die meisten meinen dass es so nicht weiter gehen kann doch fühlen sie sich auch ohnmächtig, dem etablierten Status quo und der Illusion von finanziellem Wachstum und Profit die Stirn zu bieten. Wir werben für einen Lebensstil der uns und viele andere Arten von denen wir abhängen umbringt.
Gemütlicher Selbstmord quasi.
Es ist vielen wohl unbekannt dass es leichter ist TEil der Lösung zu sein als Teil des Problems. Bekämpfen Symptome wie Flüchtlinge und Klimawandel als wären sie Probleme.
Guten Gruss aus Finnland. Kopf hoch

4: Lee:

1. Dezember 2016 um 06:07 Uhr

Viel ist in Arbeit, manchmal leider viel zu spät. Dass fossile Energieträger, wie bsp. Öl und Gas nicht ewig reichen, wissen wir. Nur sind die Auswirkungen unseres Energiehungers, bisher verschwiegen in den Herkunftsländern geblieben. Jetzt, kommen diese als Flüchtlinge hier her und wir konnten ihr Öl oder Gas nehmen, also sind wir auch jetzt verantwortlich.
Die AfD, bietet in dem Fall mit das EEG” muss weg keine Lösung an.
Wir sollten zu unserer Verantwortung stehen. Verbraucht und dafür Folter, Krieg und Tod in Kauf genommen, haben wir viel zu lange. Die AfD bietet da keine Lösungen an, schon gar nicht wenn führende Köpfe Einladungen von russischen Oligarchen annehmen. Btw: sind da Gelder geflossen?

5: Thea Thea:

1. Dezember 2016 um 07:07 Uhr

Christian Nietsche hat ein paar sehr treffende Formulierungen gefunden, die man erst so verbalisieren kann, wenn man mal mit den ganz normalen Leuten dieser Republik spricht. Das hätte man schon viel früher machen können. Aber mittlerweile wird es dringender, weil die AfD sich selbst auch nicht richtig zerlegt. Bleibt doch die gefühlte Zustimmung zu diesem Trupp, was sich in den aktuellen Umfragewerten widerspiegelt, wohlwissend, dass viele sich gar nicht dazu bekennen, dass sie diese Partei wählen werden. Um das noch vor den Wahlen zu ändern, werden aber noch gewaltige Klimmzüge bei den etablierten Parteien nötig sein. Ich ahne Böses. Like Trump, like Brexit.
Der größte Fehler wurde gemacht, als die Medien die vorgefasste Meinung der Kanzlerin bezgl. der Flüchtlinge unkritisch verhyped und verbreitet wurde, wo Tränen in Kinderaugen bildlich manipulativ eingesetzt wurden, während Abertausende Männer Angst einflößend in deutsche Innenstädte strömten. …und nun die Rechtssprechnung

6: A. Stark:

1. Dezember 2016 um 07:38 Uhr

Hallo und guten Morgen,
aufklärende und relevante Berichterstattung begrüße ich, da auch aus meiner Sicht mehr Verunsicherung mit Blick auf die Zukunft von Deutschland, Europa und der Welt besteht als noch vor 20 oder 30 Jahren, allerdings ist der Sendetermin zu spät am Abend, um möglichst viele TV-Nutzer in der Breite zu erreichen. Angesichts der Vielzahl an Fragen, die sich zur Zeit stellen, fände ich eine Ausstrahlung im Anschluss an die tagessschau um 20:00 Uhr wesentlich effektiver, zumal ja auch bei jedem Unglück, bei jeder Katastrophe wie Hochwasser oder Erdbeben jederzeit ein Zeitfenster für eine Brennpunkt-Sendung nach den Haupt-Nachrichten zur Verfügung gestellt wird.

7: Dietmar:

1. Dezember 2016 um 08:18 Uhr

Ich frage mich warum das so ist das die AFD so viel Zulauf bekommt.
Meine Vorstellung warum das so ist:
Es wurde in der jüngeren Vergangenheit so Mansches gerettet wovon der Normalbürger nichts hat und nur wenige von profitieren, Banken, €, Länder der EU, Firmen.
Millionen von Menschen sind gekommen und wir haben immer weniger Arbeit durch die Industrialisierung 4.0, die sollen auch hochbegabt sein, werden bevorzugt behandelt bei der Suche nach Arbeit von der man leben kann, usw.
Was sieht ein „normaler Mensch“ in Deutschland?
Der Konkurrenzdruck auf die Normalbevölkerung erhöht sich wesentlich , die Eliten sind nicht von diesem Konkurrenzdruck betroffen, erwarten aber ohne Zugeständnisse an die Bevölkerung das diese alle rettet und sich aufopfert für die Fehler der Eliten hier wie überall auf der Welt…..
Und jetzt kommen wir zum Knackpunkt.
Ich glaube nicht das die Normalbürger so selbst los sind wie es von denen erwartet wird, die haben nicht die Reserven wie die Eliten.

8: Klaus Prinz:

1. Dezember 2016 um 10:29 Uhr

Wir befinden uns in dem Dilemma, einen moralisch unbestritten Anspruch auf Hilfe gegenüber den Flüchtlingen zu kultivieren, aber auch eine große Gruppe von Bürgern (und Miteigentümern dieses Landes) zu haben, die, ohne dem rechten Lager anzugehören, Flüchtlinge in dieser Größenordnung nicht zu wollen. Kurz: Staatsmoral gegen inneren Frieden.

Ich – Linksliberaler seit Jahrzehnten – gebe dem inneren Frieden inzwischen nach Monaten des inneren Diskurses den Vorrang.

9: Bodo:

1. Dezember 2016 um 16:52 Uhr

In Bielefeld hat jeder dritte Einwohner einen migranten Hintergrund. Das berichtete -Radio Bielefeld- doch die größeren Probleme liegen eher bei den Politikern, denen hier sowie Landes- und Bundespolitikern. Geld fließt anscheinend immer in die falsche Richtung (wie überall in der BRD). Doch der bittere Beigeschmack lautet wie bringt man Politiker dazu Ihre Hausaufgaben zu machen.Zwei Beispiele – Nazis u. Neonazis – seit 70 Jahren versucht man denen beizukommen.
Altersarmut durch Hartz 4 böse verschlimmert.—
Aber die Masse ist nicht mehr so träge, die Politiker leider immer noch.
Wenn also immer mehr Menschen leiden? – Wann ist dann keine Demokratie mehr möglich.

10: Maria A.:

1. Dezember 2016 um 18:04 Uhr

Lee, man hat erst jetzt wieder ein enormes Vorkommen an Öl in Amerika gefunden. Also verbreiten Sie hier keine Kassandra-Stimmung wegen nachlassender Rohstoffe! Jeder Wissenschaftler kann Ihnen zusichern, dass bedeutend mehr Vorräte vorhanden sind, als wir und unsere Nachfahren brauchen werden, weil sich jetzt bereits grassierende Veränderungen anbahnen. Man kann ahnen, dass es Deutschland in der jetzigen Form in 20 Jahren nicht mehr geben wird. Warum? In Amerika braut sich jetzt was zusammen, weil “die Wahlverlierer” sich eben nicht verloren geben wollen, wie das sonst nach Wahlen in Demokratien üblich war. Doch auch in Europa brodelt es. Österreich entscheidet am Sonntag, welche Richtung es einschlagen wird, in England ist die Änderung bereits auf den Weg gebracht,in Frankreich grassiert noch die Unsicherheit. All dies bewegt und beeinflusst uns Deutsche natürlich. Vielleicht mehr, als wir öffentlich zugeben.

11: Björn M.:

1. Dezember 2016 um 20:09 Uhr

Wieder sehr tend. Bericht. Da werden Leute befragt, denen es noch ganz gut geht. Warum werden nie Leute, wie ich & meine Familie, befragt? Weil es uns stat. nicht geben kann & wir nicht ins Konzept der “heile Welt” passen?

Fakt ist: Es gibt eine große Zahl von Leuten, die für ihre Familien trotz Vollzeitjobs nicht mehr finanz. aufkommen können. Uns, einer 3-köpfigen Familie mit mir als Alleinverdiener, stehen monatl. bspw. ledigl. ca. €540 frei verfüg. EK zur Verfügung, das macht also €180 p.P. Der Hartz4-Regelsatz liegt p.P. bei €340! Dazu haben Hartz4-Bezieher Befreiung von KiGa-Gebühren, Anrecht auf kostenfreie Fördermaßnahmen & bei öfftl. Einrichtungen einen günstigeren Eintritt. Flüchtlinge bekommen zusätzl. Sprachkurse, Freizeitbespaßung & Kostenerstattung für ÖVP.

Ich finanziere das alles auch noch mit meinen Steuern, sodass es für meine Familie vorn & hinten nicht mehr reicht?

Die Spiegelberger haben Angst dort hinzurutschen, wo wir schon sind, & wählen AFD! Logisch, oder?

12: Henning:

1. Dezember 2016 um 20:49 Uhr

Vieles, wenn nicht alles, richtig, was über bestehende Probleme gesagt wird. Merkwürdig nur, dass ein m.E. wichtiges Ingredienz für entstehendes Wutbürgertum nie thematisiert wird: wir westlichen Gesellschaften sind zunehmend alternde Gesellschaften. Das schafft nicht nur Rentensicherungsprobleme etc., das schafft auch zunehmende Bevölkerungsanteile, die nur noch meckern, diffuse Ängste entwickeln, früher alles besser fanden, etc. Der Verlust an Optimismus, Mut, Zuversicht, Zukunftshoffnung etc. ist wohl ein natürlicher Prozeß, individuell nicht zwingend, in der Masse tendenziell aber gesetzmäßig. Schon die “alten” Römer klagten: “O tempora, o mores!” Werde selber in 9 Tagen 72 Jahre alt. Gehe nachts allein durch dunkle Straßen, wurde nie überfallen, habe nach der Rentenerhöhung vom 1.7. 1.204 € Rente, sehe keinen Grund, mich zu beklagen.

13: ohrenzwicker:

2. Dezember 2016 um 19:45 Uhr

Die Pläne der AfD müssen genauer untersucht und offen gelegt werden, damit die Wähler wissen woran sie mit der AfD tatsächlich sind. Die neoliberale Politik der letzten Jahrzehnte hat ganz Europa destabilisiert und die Bankenkrise erst ermöglicht. Und nun werden die Gesetze immer asozialer gemacht, obwohl es noch nie so viele Millionäre wie heute gab. Das ist das Ergebnis davon, wenn Lobbyisten die Politik bestimmen. Journalisten scheinen nur die Handlanger der Elite zu sein, anstatt deren Kontrolleure.

14: ohrenzwicker:

2. Dezember 2016 um 20:47 Uhr

Allen Handelsabkommen ist gemeinsam: Die Gemeinwohlorientierten Regeln für alle Branchen – auch die Finanzbranche – werden als Handels- und Geschäftshemmnisse betrachtet. Deren Abbau steht im Vordergrund. Statt die Weichen dem Nachholbedarf der Finanzmarktreform und auch allen anderen Reformen entsprechend für höhere Standards zu stellen, passiert das genaue Gegenteil. Auch die Finanztransaktionssteuer ist wieder völlig aus dem Blickfeld geraten. Privatisierungen sind unsinnig und eine Enteignung der Bevölkerung zugunsten weniger Reicher. Die Steuern müssen nicht gesenkt werden, sondern sie müssen bezahlt werden. Otto-Normalverbraucher bezahlt brav seine Steuern und die Reichen nicht und sie investieren auch nicht sondern zocken nur.

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