Skip to Content

ARD-aktuell

8. November 2016

Kaum Trump-Versteher in Deutschland

Es ist die Frage, die mir in den letzten Wochen am häufigsten gestellt worden ist: „Bist du denn ganz sicher, dass Trump am Ende nicht doch Präsident werden kann?“ Im DeutschlandTrend vor einer Woche erklärten gerade mal vier Prozent der Deutschen, dass sie Trump wählen würden. Das sieht in den USA ganz anders aus: 43 Prozent sollen es nach der heutigen letzten ABC-Vorwahlumfrage sein. Da schütteln viele Deutsche den Kopf und verstehen die Welt nicht mehr.

Tatsächlich lässt sich das aber gut erklären. Die USA sind über weite Landstriche ein armes und enttäuschtes Land. Vom Aufschwung der letzten Jahre und den Arbeitsplätzen, die in der Obama-Zeit geschaffen wurden, haben viele Bundestaaten und große Bevölkerungsgruppen überhaupt nicht profitiert. Pew Research Center hat dazu eine tolle Frage gestellt: „Ist für Leute wie Sie das Leben heute besser oder schlechter als das Leben vor 50 Jahren?“. Ja, Mitte der Sechziger war die USA im Hochgefühl. Die erste Fahrt zum Mond wurde gerade vorbereitet, und für die weiße Arbeiterschaft gab es mehr Geld: Das ist die gute alte Zeit. Und so erklären 81 Prozent der heutigen Trump-Anhänger, dass es ihnen schlechter geht, aber nur 19 Prozent der Clinton-Anhänger haben das Gefühl, dass ihr Leben heute schlechter ist. Die beiden Lager sind klar geteilt, in gesellschaftliche Gewinner und Verlierer.

Und noch etwas ist aus deutscher Warte nachzuvollziehen: Dass die Amerikaner einen Mann wählen wollen, der pöbelt, Fakten verdreht, unglaublich übertreibt und fantasiert. Als die Kollegen von ABC letzte Woche fragten, welcher der beiden Kandidaten denn ehrlicher und glaubwürdiger sei, nannten trotzdem 44 Prozent Donald Trump und nur 40 Prozent empfinden Hillary Clinton als ehrlich und glaubwürdiger. Wie kann das sein? Hillary Clinton hat eben auch gelogen, immer wieder, wenn es um ihre Emails und den Server im eigenen Keller ging. Donald Trump, dem Außenseiter des Systems, nehmen das viele nicht übel, weil sie seinen Worten sowieso keinen Glauben schenken. Von einer Frau aus dem System, die Außenministerin und Präsidentengattin war, erwartet man allerdings die Wahrheit.

Unter dem Strich sprechen zwar alle Zahlen und fundamentalen Daten für einen Wahlsieg von Hillary Clinton, aber kein Wahlforscher kann einschätzen, wie groß die Wut und Enttäuschung wirklich ist, die die Anhänger von Donald Trump in die Wahllokale treibt – und sie dort notfalls stundenlang Schlange stehen lässt.

28 Kommentare

RSS Feed der Kommentare

1: Michael Kiekhöfel:

8. November 2016 um 22:51 Uhr

Der Präsident wird ja durch die Wahlmänner und Wahlfrauen gewählt: Wer sind diese Wahlmänner , wie werden sie bestimmt in den einzelnen Staaten und wann und wo findet die Wahl dann statt?

2: Werner Hug:

8. November 2016 um 22:55 Uhr

Es gibt sie schon, die Trump-Versteher in Deutschland. Nur dass sie in den üblichen Medien nicht gerade ein Forum haben. Aber letztlich liegt es nicht an uns, sondern an den Amerikanern, sich für einen Präsidenten zu entscheiden.

3: Thomas Vesper:

8. November 2016 um 23:05 Uhr

Hallo Herr Schönenborn,
Was ist denn der 51. Staat der USA?
Freundliche Grüße
Thomas Vesper

4: Professor Dumb:

8. November 2016 um 23:10 Uhr

Von Clinton erwarten sie die Wahrheit, von Trump erwarten sie lügen und halten ihn trotzdem für glaubwürdiger. Sowas kann man vielleicht erklären, aber nicht verstehen.

Selbst wenn die Leute nicht von Obamas Politik profitiert haben, ist das kein Grund, Trump zu wählen. Die Alternative ist doch nicht automatisch besser. Sie kann auch NOCH schlechter sein! Das gilt für alle Alternativen, mit denen heutzutage geworben wird…

5: derkleineBürger:

8. November 2016 um 23:11 Uhr

Ein guter Kommentar,der die Entwicklung in der Bevölkerung wieder gibt.
Dennoch unvollständig.

Trump hatte tatsächlich auch einige Inhalte vertreten,die leider beim Nachrichtentransport über den großen Teich irgendwie verloren gegangen sind – da stand wohl anderes eher im Fokus…

Beide haben großen Widerstand in den eigenen Parteien – von Trump distanzierten sich einige höhere Republikaner,min. 1. Wahlmann verweigert Clinton die Stimme,Vorredner (sollen eigentlich das Publikum anheizen) redeten massiv gegen Clinton – bis sie von der Bühne geschubst worden sind.

Interessant fand ich die letzten Wahlwerbespots der beiden vor der Wahl.
Während in Clintons ausschließlich die Message
rüberkam: „Trump hat X & Y gesagt,so einen wollt ihr doch nicht als Präsidenten“,hat Trumps echten Inhalt! – seine Positionen & war in der Tat in der Aufmachung eines Präsidenten würdig.

Trump wählen auch eigentliche Nichtwähler, Clinton konnte diese Gruppe nicht ansprechen.
Mal schauen wie es ausgeht.

6: Thomas Mann:

8. November 2016 um 23:25 Uhr

Wie in den USA will in D nur niemand zugeben das er für Trump ist um das soziale Stigma zu umgehen.

7: federico:

8. November 2016 um 23:27 Uhr

wenn die deutschen kapieren würden, daß trump ansich ein harmloser spinner ist und clinton in ein paar jahren einen krieg in europa entfachen wird, dann wären auch sie bereit das kleinere übel zu wählen !
aber hier wird ja auch merkel gewählt …..
wer sich mit der vita der clinton beschäftigt hat, der bekommt das eiskalte grausen vor dieser frau !
sie ist das allerschlimmste was europa passieren kann …

8: E.Barth:

8. November 2016 um 23:28 Uhr

„Da schütteln viele Deutsche den Kopf und verstehen die Welt nicht mehr.“ Wohl die, die sich ausschließlich über ARD&Co. über die Kandidaten haben ins Bild setzen lassen. Was von Clinton zu halten ist, weiß jeder, der sich z.B. mit den Inhalten der leaks befasst hat, und ihre außenpolitische Agenda fürchten viele mehr als die von Trump, der immerhin den zweifelhaften Vorteil hat, unberechenbar zu sein. Eine spontane Umfrage von Radio Gong ergab übrigens eine Mehrheit für Trump, das nur nebenbei und sicher nicht so repräsentativ wie die Umfragen, die Sie in Auftrag geben. Danke für die umfassende und objektive Wahlkampfberichterstattung an der Stelle, mit der Sie uns seit Monaten auf BRAVO-Niveau in Atem hielten.;)

9: Realist1000:

8. November 2016 um 23:35 Uhr

Oder den Amis ist klar geworden, dass die Alternative mindestens genauso übel ist. Wüsste selbst nicht welches Übel ich wählen würde…

10: Lutz Jüncke:

8. November 2016 um 23:48 Uhr

Die Rationalität einer Menge Deutscher gipfelt offensichtlich in der Tatsache, gleichzeitig mit verbissenster Vehemenz GEGEN Trump und GEGEN TTIP zu sein …

Verstehen muss ich das nicht; aber mich schaudert’s einmal mehr vor Plebisziten.

11: Kent:

9. November 2016 um 00:17 Uhr

And the winner is the Media. Egal ob Trump oder Hillary das erschreckende ist in Europa wird es genau so sein. Media rules

12: Roland Schmiermund:

9. November 2016 um 00:45 Uhr

Ist an sich auch nicht verwunderlich: Die Deutschen kennen Trump und Clinton nur aus den deutschen Medien.

Deutsche Medien machten Trump zum Bösen und Clinton zur Lichtgestalt.

Klar ist, dass Trump eine Gegenreaktion auf Vererbungslinien in Washington D.C. ist. Das macht ihn sympathisch.

Die deutschen Medien haben sich rundum parteiisch gezeigt und mich verwunderte es überhaupt nicht mehr, als plötzlich durchsickerte, dass es auch die Meinung der „Bundesregierung“ ist. „Staatstragend“.

13: Karl-Ludwig Diehl:

9. November 2016 um 00:48 Uhr

Was offensichtlich voellig untergeht, ist, dass wir hier in den USA nicht nur den Praesidenten waehlen, sondern auch Kandidaten fuer den Congress und andere Aufgaben. Das verzehrt voellig den Blick. Uns Amerikaner duerfte es mit Sicherheit schwerfallen, zu entscheiden, wen wir in den Kongress und anderswohin waehlen sollen. Eine interessante Auseinandersetzung in der Oeffentlichkeit findet nicht statt. Alles wirft sich auf den duemmlichen Praesidentschaftswahlkampf, den man nach einiger Zeit besser ignorierte, weil er kaum auszuhalten war, da das Niveau dermassen abgeglitten war.

14: Werner:

9. November 2016 um 01:07 Uhr

Es ist eigentlich eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Leider gibt es kaum Alternativen bei den US – System.

15: Hp. Kremer:

9. November 2016 um 01:20 Uhr

Lieber Herr Schönenborn,

aufgefallen ist mir, dass Sie in den vergangenen 2-3 Stunden einmal von „Respekt“ für eine wahltaktische Cleverness D. Trumps gesprochen haben und einmal das Publikum der Unfairness bezichtigten, weil es nicht ein erstes Votum pro Trump mit Applaus goutierte. Ich denke, niemand muss gegen seine Überzeugung applaudieren – auch (und gerade) nicht als Publikum im öffentlichrechtlichen Fernsehen. Ihren Respekt für den trumpschen Wahlkampf sollten Sie für sich behalten – es entbehrt aller journalistischen Grundsätze, wenn Sie sich in dieser Form einer „Partei“ nähern.

Mit freundlichen Grüßen

Hp. Kremer

16: wibo:

9. November 2016 um 01:44 Uhr

„che, gleichzeitig mit verbissenster Vehemenz GEGEN Trump und GEGEN TTIP zu sein …
Verstehen muss ich das nicht; aber mich schaudert’s einmal mehr vor Plebisziten.“

Mich schauderts bei dieser Scheuklappen-Gradeauslogik … TIPP allein soll alos das Barometer sein? TIPP muss übringesn auch hier abgesegnet werden, den Präsi der USA dürfen die Amerikaner schon allein wählen.

17: Bürger in Sorge:

9. November 2016 um 02:42 Uhr

Mir graust vor der Außenpolitik von Hillary. Wenn Sie ( und die Nato ) die Ukraine ausrüstet und unterstützt, stehen deutsche Soldaten gerade mal 100 km vom ehemaligen Stalingrad entfernt. Mir ist unbegreiflich wie man so einen Zustand akzeptieren kann. Daß Hillary keine Gewissensbisse für für solche Aktionen hat ist bekannt und der ( angeblich ) gute Bill hat uns auch schon 1997 die Nato-Osterweiterung eingebrockt.

18: Kate:

9. November 2016 um 05:43 Uhr

Nur weil die Medien bei uns und bei euch in Dland Hillary wollten, heisst dass nicht das die Waehler tun was die Medien wollen.
Get a life and accept reality!

19: Respekt!:

9. November 2016 um 06:08 Uhr

Herr Schönenborn!

ich bewundere, dass Sie nach mehr als 8 Stunden Livesendung durch die Nacht auf der Karte jeweils die einzelnen Bundesstaaten erkennen und sich nicht ein einziges Mal verdrückt haben.

RESPEKT für ihre Leistung – auch wenn ein anderer Wahl-Ausgang angenehmer gewesen wäre

Ich hoffe Sie werden sich angemessen ausruhen 🙂

20: Hans Eppinger:

9. November 2016 um 06:16 Uhr

Zu 7 :Federico : sic est!!! Gratuliere zum Durchblick!!

21: Helmut Hohl:

9. November 2016 um 07:01 Uhr

Wer hätte das gedacht?
Da erdreisten sich die Amerikaner doch tatsächlich (zumindest vorerst) anders zu wählen als vom politischen Establishment, auch vom deutschen, gewünscht.
Tja, und wenn man nur zwischen Pest und Cholera wählen kann………..

22: odindonar:

9. November 2016 um 08:49 Uhr

endlich wird sich etwas ändern…ein weiter so ist gestoppt…von Arbeit muß man leben können…hoffentlich hat das Signalwirkung für Europa…

23: Van Thomas:

9. November 2016 um 10:53 Uhr

Die Hoffnung bleibt, das Amerika und die Weltgemeinschaft nicht am Ende „getrunpt“ wird.
Denn mit einer Mehrheit im Kongress und Senat kann er schalten und walten wie er will.

24: Anonymous:

9. November 2016 um 10:57 Uhr

Es wird sich herzlich wenig ändern. Der US-Wahlkampf hat mehrere Milliarden Dollar gekostet, Wahlkampfkostenerstattung gibt es in den USA nicht, und daher bestimmen die Grossspender die Richtlinien der Politik.
Die haben nicht nur beide Präsidenschaftskandidaten gekauft, sondern auch die Senats-und Kongressmitglieder.
Trump wird gegen den Kongress regieren müssen und wird ähnlich wenig durchbringen wie Obama.
Eine schöne Show werden nun jedoch die Wendehälse in der deutschen Politik und den Qualitätsmedien abliefern, die versucht haben, Trump wegzudiskutieren und sich nun eiligst umorienteren müssen.

25: Reiner Hahn:

9. November 2016 um 11:47 Uhr

Eines gleich vorweg: Ich hätte nicht Herrn Trump gewahlt. Aber auch nicht Frau Clinton. Aber ich bin kein US-Amerikaner und hatte auch gar nicht die Wahl.
Es sollte aber eine Lehre sein, wie man journalistisch mit solchen Ereignissen umgeht.
Muss man wirklich einer anscheinenden Hokuspokus-Wissenschaft wie der Wahl-Prognose nach den Erfahrungen des Brexit und dieser US-Wahl so viel Raum geben, wenn überdies immer die Gefahr besteht dass sie auch manipulativ eingesetzt wird?
Und wäre grundsätzlich eine Rückkehr zu (zugegeben vielleicht langweiligen) journalistischen Werten wie einer immer sauberen und deutlichen Trennung zwischen Nachricht und Kommentar jetzt nicht wieder überlegenswert? Und auch sonst möglichst alles unterlässt was einen bestimmten Eindruck hinterlassen könnte?
Ich befürchte, dass sonst eines Tages ein Statistiker in der Tagesschau verdutzt vor seinen Diagrammen steht und einen unvorhergesehenen Wahlsieg einer allseits ungeliebten Partei zu erklären versucht.

26: Hans Panzer:

9. November 2016 um 12:27 Uhr

Allen Respekt vor Herrn Schoenenborn.
Ein wirklich grosser Kommentar von einem
grossen Jouralisten.
Der meine Hochachtung erlangt hat als er
Herrn Putin interviewt hat dem ja bei dem
Interview die Knie schlotterten,Weiter so
Herr Schoenenborn.

27: Epueschel:

9. November 2016 um 22:43 Uhr

Guter Journalismus! Danke!! Und die Analyse ist sauber! Obwohl der gesamte Mainstream davon nichts hören wollte.

Bitte bleiben Sie dabei!

Gruß aus Bielefeld

28: Springinsfeld (@springfeld):

10. November 2016 um 11:05 Uhr

Der Erfolg von Trump ist doch ziemlich einfach zu erklären: Obama hat „CHANGE“ versprochen, der ausgeblieben ist. Trump hat den Wandel nun seinerseits versprochen, wenngleich weniger progressiv verpackt. Den Unterschied macht: Das was Trump versprach, kannten die ihn gewählt haben immerhin schon. Obama, und auch Clinton, haben bei hingegen eine Zukunftsvision formuliert. Und wenn die zwar versprochen aber nicht eingehalten wird, wird alles gewählt weil es früher besser war. Sogar ein Trump.

Ihr Kommentar

Die Kommentare zu diesem Beitrag wurden geschlossen