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ARD-aktuell

4. August 2016

Der Amoklauf von München – ein Rückblick

Eine Reihe von Leuten hat uns in den vergangenen Tagen zur Berichterstattung von ARD-aktuell über den Amoklauf von München geschrieben und vielfach Kritik an der langen Sondersendung ab 20 Uhr geäußert und Fragen gestellt. Die Journalisten vor Ort seien immer “dasselbe gefragt” worden, es sei zu früh gewesen, um sich länger damit zu befassen. Warum wurde das Gesicht des Täters unkenntlich gemacht? Erlauben Sie mir bitte, etwas genauer auf die Abläufe am 22. Juli einzugehen.

Gegen 18.30 Uhr gab es die erste Eilmeldung über eine Schießerei im Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ). Kurz darauf lief bei tagesschau24 eine Schrifteinblendung (wir nennen das „crawl“) zu dieser Meldung. Um 18.46 hatten wir erstmals bei tagesschau24 ein Live-Gespräch mit einem Korrespondenten in München. Etwas später forderte die Münchner Polizei die Bevölkerung zunächst auf: “Meiden Sie die Umgebung um das OEZ – Bleiben Sie in Ihren Wohnungen. Verlassen Sie die Straße!” Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass es Verletzte und möglicherweise auch Tote gegeben hat. Dies war auch Gegenstand einer Live-Schalte zum Korrespondenten um 19.04 bei tagesschau24. Unmittelbar danach haben wir im „Ersten“ eine Extra-Ausgabe der Tagesschau gesendet. Knapp 20 Minuten später warnte die Polizei die Bevölkerung per Kurznachrichtendienst twitter: “Meiden Sie öffentliche Plätze in München. Die Lage ist noch unübersichtlich.”

Um 19.23 sendete tagesschau24 ein Live-Gespräch mit dem Reporter Richard Gutjahr, der sich am OEZ aufhielt. Gegen halb acht kam es dann auch zu einem Großeinsatz der Polizei in der Münchner Innenstadt. Marienplatz und Odeonsplatz wurden geräumt. Gerüchte über angebliche weitere Schießereien machten die Runde. Kurz darauf wurde der U-Bahn-Verkehr in der Innenstadt eingestellt.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass es sich hierbei nicht um ein “normales” Verbrechen wie etwa Raubüberfall oder „normale“ Kriminalität handelte. Vor dem Hintergrund der Anschläge in Frankreich und Belgien der vergangenen Monate gab es für die Redaktion in dem vorliegenden Szenario und auf Grundlage der Meldungen der Polizei, der Nachrichtenagenturen, der ARD-Reporter vor Ort sowie den Nachrichten in den sozialen Netzwerken viele Gründe dafür, dass auch München von einem Terroranschlag mit mehreren Tätern betroffen sein könnte. Deshalb ging „Das Erste“ ab 19.27 mit einer zweiten Sondersendung auf das Thema ein, die bis 19.57 dauerte. Ab 20 Uhr ging die Tagesschau dann erneut auf den Sender – und informierte über die Ereignisse in München bis 0.30. Für das Gestolper am Anfang kann ich mich nur entschuldigen, aber wenn gleichzeitig die Überspielung des Filmbeitrags nicht klappt und zwei Live-Positionen wegbrechen, dann kommt auch ein so erfahrenes Team wie ARD-aktuell für zunächst 20 und dann noch einmal 60 Sekunden ganz schön ins Schwitzen.

Im Folgenden leitete die Polizei weitere Maßnahmen ein: Evakuierung des Hauptbahnhofes, komplette Einstellung des Nahverkehrs, Ausrufung des Sonderfalls durch die Stadt München wegen einer Amoklage – alles deutete auf eine weitere Eskalation der Lage hin. Schließlich sprach die Polizei gegen 20:42 von einer “akuten Terrorlage”, mehrere Täter mit “Langwaffen” seien auf der Flucht. Im weiteren Verlauf des Abends wurde bekannt, dass die Münchner Polizei Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern angefordert hatte, darunter die GSG9 der Bundespolizei.

Gerade in Gefahrensituationen und bei großräumigen Gefährdungslagen gilt der öffentlich-rechtliche Rundfunk als wichtige Informationsquelle. Viele Menschen suchen dann bei Tagesschau, Tagesthemen und bei tagesschau.de nach Informationen und Einordnung. So haben sich am 22.07.2016 mehr als acht Millionen Menschen in der Tagesschau bis 21.15 über die Ereignisse in München informiert. Danach haben sich Thomas Roth und Georg Mascolo während der laufenden Sendung quasi ins Studio „geschlichen“ und Jens Riewa abgelöst. Gerade weil die Lage bei derartigen Großereignissen lange Zeit unübersichtlich ist, stehen Reporter, Moderatoren und Experten in dieser Situation vor der großen Herausforderung, die Ereignisse für den Zuschauer mit der gebotenen journalistischen Sorgfalt zu sortieren, zu gewichten und – sofern möglich – zu bewerten. Dies gelingt bei einer quasi spontan angesetzten Sondersendung nicht immer gleich gut. Ich persönlich war aber überaus zufrieden, dass mit Roth und Mascolo zwei journalistische Schwergewichte im Studio standen, die aus einem großen Wissensfundus schöpfen und auch nach Stunden nicht der Versuchung erliegen, in wilde Spekulationen zu verfallen. Uns erschienen die Ereignisse in München so ernst und bedeutend, dass wir die Zuschauerinnen und Zuschauer fortlaufend und ohne Unterbrechung informieren wollten.
Auf tagesschau.de informierten sich am 22.7. fast sechs Millionen Menschen, und von Freitag auf Samstag hat die Tagesschau auf facebook bis zu acht Millionen Menschen erreicht, fast 500.000 haben dort den Livestream der langen Tagesschau um 20 Uhr angeschaut. Der Stream der kompletten Sendung war von Anfang an bei Facebook ständig abrufbar und das Video steht auch auf unserer Seite.

Da ab einem bestimmten Zeitpunkt kaum noch neue Informationen zu den Ereignissen in München kamen, endete die Sondersendung gegen 0.30. Das Nachtmagazin war dann live bei der Pressekonferenz der Münchener Polizei dabei, um die Zuschauer nach dem aufwühlenden Abend wenigstens mit der Erkenntnis ins Bett zu entlassen, dass keine Täter mehr in der Stadt unterwegs waren.

Das Erste hätte am Freitag, dem 22.07.2016, übrigens planmäßig die TV-Beziehungskomödie “Seitensprung” ab 20:15 Uhr ausgestrahlt. Ich möchte mir nicht ausmalen, mit welcher Kritik sich die ARD hätte auseinandersetzen müssen, wenn sie angesichts eines potenziellen Terroranschlags in Deutschland – statt Nachrichten – diesen Film ausgestrahlt hätte. Insofern glaube ich, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, trotz aller berechtigten Kritik im Detail. Gleichzeitig sage ich ganz offen, dass wir sicher früher vom Sender gegangen wären, wenn wir gewusst hätten, dass es sich um eine Amok-Tat gehandelt hat – aber hinterher ist man halt klüger.

Bleibt die Frage vieler Nutzer und Zuschauer, warum wir den Täter nicht gezeigt bzw. unkenntlich gemacht haben. Hier haben wir seit langem eine sehr klare Position. Nach dem Amoklauf von Winnenden haben wir uns durch namhafte Kriminologen und Psychologen beraten lassen, die uns über die Motivlage und die Persönlichkeitsstruktur von Amokläufern aufgeklärt haben. Seither verzichten wir bei Amokläufen komplett auf erkennbare Fotos der Täter, so dass es nicht zu einer Heroisierung kommt, die sie anstreben und die außerdem Nachahmer zu ähnlichen Taten animieren kann. So haben wir bis heute auch nicht das Gesicht des „Germanwings“-Copiloten gezeigt oder seinen vollen Namen genannt. Bei politisch bzw. religiös motivierten Terroranschlägen gelten diese Grundsätze zwar nicht, dennoch halten wir uns auch hier bei Täterfotos sehr stark zurück, da es bei den Persönlichkeitsmerkmalen der Täter durchaus Schnittmengen zu Amoktätern gibt. Denn gerade bei Terroranschlägen geht es ja um eine Inszenierung des Schreckens, die dann von Medien transportiert werden soll, um die verunsichernde Wirkung des Anschlags zu potenzieren. Zu dieser Ikonisierung möchten wir nicht beitragen. Einen generellen Verzicht auf Täterfotos bei Terroranschlägen – wie etwa in französischen Medien – gibt es bei ARD-aktuell aber nicht. Den Täter von Ansbach haben wir in einem von ihm selbst angefertigten Video leicht verfremdet gezeigt. Dass wir das Video als Bewegtbild gesendet haben, sehe ich im Nachhinein kritisch. Hier hätte aus heutiger Sicht auch ein Standbild aus dem Video mit dem verfremdeten Gesicht des Täters genügt, um die Existenz dieses Bekennervideos zu dokumentieren.

So, das Ganze ist ein bisschen länger geworden, schien mir aber sinnvoll, weil es so viele Reaktionen und Fragen gegeben hat.

26 Kommentare

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1: Martin Schumann:

4. August 2016 um 19:41 Uhr

Die Frage von mir: Immer wieder wurde darauf hingewiesen, keine Handy-Videos u.a. von Polizeieinsätzen ins Internet zu stellen. Was macht die ARD: Sie berichtet davon im Fernsehen, immer wieder sind Polizeieinsätze zu sehen. Je nach Ihrer Antwort überlege ich mir hier eine Strafanzeige zu stellen.
wurde leider überhaupt nicht beantwortet.
Für mich war die ganze Berichterstattung schwaches Niveau.

2: Dr.Joachim Seffrin:

4. August 2016 um 22:09 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr.Gniffke, auch wenn ich ihre Argumente bezüglich der verpixelung von Tätern verstehe halte ich diese Überlegungen und Entscheidungen für falsch. In so einer unklaren Situation steht doch in aller erster Linie der Schutz der Bevölkerung ganz im Vordergrund. D.h. mögliche Zeugen können mögliche Freunde/Mittäter eventuell identifizieren, benennen und dadurch die Bevölkerung eventuell vor weiterem Schaden bewahren helfen. Eine mögliche Ikonisierung von Tätern muss dahinter zurückstehen. Zumal mit Sicherheit in anderen Medien Fotos veröffentlicht werden, wie die Erfahrung zeigt. Nebenbei bemerkt hat das ZDF den Täter nicht verpixelt gezeigt. Ich lege Ihnen dringend ans Herz, diese Entscheidung unter diesen genannten Aspekten zu überdenken und zu beachten, dass durch das Zeigen von Tätern weiterer Schaden möglicherweise verhindert werden kann. Dabei lege ich Ihnen nahe, die Gesichter von Polizisten zu verbergen, damit deren Schutz gewährleistet ist.
J.Seffrin

3: MV:

4. August 2016 um 23:11 Uhr

Also grundsätzlich verstehe ich Die Prinzipien bezüglich der Unkenntlichmachung der Täter und stehe auch hinter Ihnen. Zum Zeitpunkt der Ausstahlung hieß es jedoch der Täter sei noch flüchtig, und angesichts einer solchen Situation kann ich meinem Vorredner nur zustimmen.
Was die andauernde Berichterstattung ohne wirklich neue Erkenntnisse angeht stimme ich, angesichts der Unklarheiten über mögliche Mittäter bzw. darüber ob noch weitere Gefahr besteht, mit Ihnen über ein.

4: Hermann Specht:

5. August 2016 um 11:35 Uhr

Dank für Ihre (etwas lange) Antwort.
Ist schon richtig: hinterher ist man klüger.
Aber nochmal mein Anliegen:
Bitte nicht abgleiten in eine Berichterstattung “us-amerikanischer” Machart.
Mit freundlichen Grüßen Hermann Specht

5: Manfred Hahne:

5. August 2016 um 14:43 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Gniffke, danke für die ausführliche Erläuterung Ihrer Gründe für die Berichterstattung zum Amoklauf in München. Sie überzeugen mich aber allenfalls in Teilen: Die Tatsache, dass über weite Strecken reine Spekulationen die Inhaltsleere der überlangen “Tagesschau” überbrückten und z.T. eher Hysterie oder Bewunderung für die Tat auslösen mussten, können Sie damit nicht entkräften. Bedient eine solche Sendung nicht auch Sensationsgier und Gewaltfantasien? Anstelle der seichten Komödie am Freitag hätte ein Griff ins Archiv mit Dokumentationen über Hintergründe des weltweiten Terrors sicher mehr zur Versachlichung und zur Rücksicht auf die Anteilnahme der Zuschauer beigetragen. Zumindest aber wäre ein Hinweis auf das Entfallen der Sendungen in Form einer Laufschrift am unteren Bildschirmrand erforderlich gewesen, damit man nicht ständig in dem Gefühl fernsieht, dass man etwas verpasst, was einen interessiert.

6: Thomas Wahl:

5. August 2016 um 15:00 Uhr

Ihr ausführlicher Beitrag ist für mich durchaus zufriedenstellend. Ich gehe auch davon aus, dass ARD Nachrichten-Journalisten seriös und professionell arbeiten.

Dennoch möchte ich die Bitte wiederholen: gehen Sie so behutsam wie möglich mit solchen Ereignissen um und versuchen Sie, die Gier der Gaffer so wenig wie möglich zu befriedigen. Auch wenn es ferseheen ist, kan man manchmal auf das eine oder andere bewegte Bild verzichten.

Und ich stimme Ihnen absolut zu, dass wir in solchen Fällen nicht die Fratzen dieser Wahnsinnigen sehen müssen.

Beste Grüße Thomas Wahl

7: Kai:

5. August 2016 um 15:15 Uhr

Früher wurde öffentlich-rechtlich fundiert Recherchiertes berichtet, in Social Media spekuliert. Heute wird auch öffentlich-rechtlich spekuliert, parallel werden Tweets vorgelesen. Früher hatte man auch den Mut, rauszugehen und zu sagen “wir melden uns wieder, wenn wir genaues wissen”, heute bleibt man stundenlang drauf und liest weiter Tweets vor. Auch die Tweets der Polizei werden vorgelesen, die darum bittet, nicht zu spekulieren und die Arbeit der Polizei zu gefährden oder zu behindern. Im Anschluss werden dann Filme aus den Social Media ausgestrahlt, die die Arbeit der Polizei gefährden oder behindern könnten. Eine insgesamt nachdenklich stimmende Vorgehensweise.

8: PB:

5. August 2016 um 15:46 Uhr

Lieber Herr Gniffke, sie argumentieren an der Kernkritik leider vorbei. Ich beziehe mich da vor allem auf die nicht enden wollenden ts-extra in zwei Portionen ab 19:04 bis zur 19:55-Werbung(!), die sich nach meiner Erinnerung in peinlichster Weise im Kreis drehte: Alle paar Minuten dieselben Fragen an den zufällig vor Ort befindlichen Herrn Gutjahr, deren meiste er von dort aus, weil auf andere Lokalitäten bezogen, vorhersehbar nicht beantworten konnte. Mein Informationsstand war jedenfalls um 19:59 nicht wesentlich größer als 19:04.

Eine weitere Fehlleistung war die Schalte nach Berlin zu einem “Terrorismus-Experten”, der zu diesem Zeitpunkt mangels Faktenlage nur die inzwischen sattsam bekannten “Experten”-Gemeinplätze zum Thema Terrorismus herunterleiern konnte. Kurzum: Ein gelegentliches Laufband (oh, sorry: “crawl” natürlich) hätte dem Informationsbedürfnis der Zuschauer Genüge getan. Und ich (Mann) behaupte: Die Übertragung eines MÄNNER-Fußballspiels wäre nicht gekippt worden.

9: Dr.Hans-Ludwig Klein:

5. August 2016 um 17:12 Uhr

Ich denke, dass auch eine gefühlte Terrorlage einen öffentlich rechtlichen Sender nicht zu Sensationsberichterstattung und Spekulationsjournalismus verführen darf! Sachlich gerechtfertigte Breaking News – ok! Aber doch bitte keine viereinhalb Stunden Spekulationen und Gestotter und anschließend noch ein Brennpunkt mit Opferinterview! Trauer ist etwas sehr Privates und sollte nicht öffentlich vermarktet werden

10: Stephan Hamacher:

5. August 2016 um 18:44 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Kniffke,

Sie erklären lang und breit die zeitliche Abfolge der Ereignisse, Dinge, die weitestgehend längst bekannt sind. Der Erkenntnisgewinn Ihrer Stellungnahme tendiert gegen 0.

Kritisiert wird und wurde, dass die ARD über Stunden nichts Neues zu berichten hatte (woher auch?)und sich trotzdem immer wieder ermüdend im Kreis drehte, dass Sie immer wieder die (teils unsinnigen)gleichen Fragen stellen ließ, um immer wieder die gleichen (wenig erhellenden, woher auch?) Antworten zu erhalten. Kritisiert wurde nicht, dass die ARD das Programm geändert hat, sondern dass nicht einmal ein Laufband über den Fortgang des Programms informierte (etwa den Ausfall des Spielfilms). Kritisiert wurde die mitunter reißerische Manier (ich zitiere hier gern Herrn Dr. Klein, Herrn Specht und nahezu sämtliche Kommentatoren auf dieser Seite, das Stakkato von Mutmaßungen, Theorien und Spekulationen der ARD-Moderatoren und so genannten Experten.

11: Werner Bauer:

5. August 2016 um 19:34 Uhr

Die Polizei sucht fieberhaft nach dem Täter und die ARD verpixelt ihn, damit ihn ja keiner erkennen kann und der Polizei Hinweise geben kann.
Eine genial absurde Idee. Wie man auf so etwas nur kommen kann.Brillant daneben.

12: ohrenzwicker:

5. August 2016 um 19:45 Uhr

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die “schriftliche Info” über das Geschehene, auch ohne Bilder und vollständigem Namen gereicht hätte. Alles andere dient nur der Effekthascherei und dem Täter! Daher finde ich auch das die Gerichtsentscheidung gegen die Tagesschau-App eine falsche ist. Denn die Ausspielwege dürfen auch den ÖRs nicht verwehrt werden!

13: Dr. Hans-Volker Pürschel:

5. August 2016 um 20:05 Uhr

Der Kritik der vorherigen Kommentare kann ich mich nur anschließen: Es war eine peinlich unseriöse Berichterstattung mit minimalen Fakten, die nicht mit einem öffentlichen Informationsinteresse begründet werden kann. Hat man vor dem Senden die Polizei konsultiert, welche Meldungen tatsächlich hilfreich gewesen wären? Eine derart exzessive “Berichterstattung” führt potentiellen Tätern – egal ob Amok oder Terror – vor Augen, welch phantastische Bühne sich ihnen eröffnen könnte, wenn sie Vergleichbares veranstalten würden und provoziert – durch ähnliche Vorkommnisse statistisch belegt – Nachahmungstaten. Medienmacher können und müssen das wissen. Wer – aus welchen Gründen auch immer – bei seinem Tun den Tod von Menschen billigend in Kauf nimmt, erfüllt mit wenigen Ausnahmen einen Straftatbestand. Das gilt selbst dann, wenn etwa durch Abschuss eines entführten Flugzeugs mehr Menschen gerettet werden können als darin sitzen. Daran sollten sich Medien messen.

14: Franz Donhauser:

6. August 2016 um 04:44 Uhr

Sehr geehrter Herr Gniffke,
Ihre langatmige Antwort geht am Kern der Kritik vorbei. Kommentare 9 und 10 beschreiben gut, was auch ich zum Ausdruck bringen möchte.
Auch wenn Sie es abstreiten: Ihre Journalisten im Studio und vor Ort haben wilde Spekulationen transportiert und angeheizt.
Für Zwangsgebühren sind Sie qualitative Berichterstattung schuldig, die im vorliegenden Fall m.E. im Widerspruch zu einer Dauerlivesendung steht. Da mag wohl journalistische Schwerarbeit gewesen sein, die hätte man den Beteiligten aber besser erspart.
Ich kann mich nicht entsinnen, die ARD jemals peinlicher erlebt zu haben.
Schöne Grüße
Franz Donhauser

15: Hermann Wollner:

6. August 2016 um 08:10 Uhr

Sehr geehrter Herr Gniffke,

ich schließe mich den vorigen Kommentatoren in der Bewertung Ihrer Stellungnahme an.
ich möchte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen keine Amokläufer (weder verpixelt noch unverpixelt) oder sonstige Wahnsinnstäter “live” sehen. Und keine Befragungen “Dabeistehender” erleben.
“Bewertungen” des Ganzen von Ihnen schon gar nicht – ich kann selber “bewerten”.
Wo sind Ihre Berichte (Analysen), was Zuwanderer konkret als “Fluchtgrund” vorbringen? Warum sie Staatsgrenzen und Passierverfahren mißachten? Warum viele Flüchtlinge hier groß im Fordern sind, aber klein in Dankbarkeit (auch für Improvisiertes)? Warum sie mit Saudi-Arabien kommunizieren können, aber nicht mit ihren deutschen Nachbarn?

16: Petra Gögelein:

6. August 2016 um 08:47 Uhr

Guten Tag Herr Dr. Kniffke.
Leider kann ich an meiner Kritik, die ich während Ihrer Berichterstattung am 21.7. verfasste, nichts revidieren: Auch die Tagesschau schürt Angst mit Ihrer Berichterstattung. Die Reporter berichteten Nichtssagendes, Unwichtiges, Beunruhigendes – warum eigentlich? Die Befürchtung, dass auch Medien sich mittelbar mitschuldig machen bzgl. neuer Attentate, erweiterter Selbstmorde, Amokläufen und Terrorakte hat sich auch bei der Tagesschau bestätigt. Das erschreckt mich zutiefst. Geht das nicht zurückhaltender? Sie spornen Nachahmer förmlich an!Was haben die Zuschauer von stundenlanger Berichterstattung, die inhaltlich nur im Nebel stochert und nichts Verwertbares bringt? Zu viele entwickeln daraus Ängste, die das (Zusammen)Leben behindern.
So lange die Lage unklar ist, reichen Kurzberichte, aber doch bitte keine improvisierten Tatortbilder und sensationslüstern wirkende Kommentare unvorbereiteter Berichterstatter.
Nix für ungut, mit freundlichen Grüssen

17: Ulrich Schwab:

6. August 2016 um 09:11 Uhr

wie kann es sein das der Moderator der Sondersendung zu den Ereignissen im Olympia Einkaufszentrum in München wiederholt von
m i n d e s t e n s drei Tätern spricht nachdem zuvor der Polizeisprecher in der gleichen Sendung gezeigt wurde
der von b i s   z u   drei Tätern gesprochen hatte. Das ist eine falsche Darstellung die die Angst schürt
und mir völlig unverständlich ist.

Von der Tageschau hätte ich mir eine etwas weniger hysterische Berichterstattung erwartet.

Solange es so wenig zu berichten gibt wie in den ersten Stunden danach halte ich außerdem die permanente Wiederholung von Fakten und
vielen Spekulationen für stark überzogen, weil es eine Atmosphäre der Angst erzeugt die nur den Tätern dient.
Tickermeldungen am unteren Rand hätten gnügt, und hin und wieder eine kurze Sondersendung, wenn es wichtiges neues gibt hätte gereicht.

Da trägt eine ‘Institution’ wie die Tagesschau eine besondere Verantwortung der sie in diesem Fall leider nicht gerecht geworden ist.

18: Rainer Kubsch:

6. August 2016 um 12:59 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Gniffke,

wie wäre es mit einer Entschuldigung für den Inhalt(nicht die technische Umsetzung)der Berichterstattung verbunden mit der Versicherung, dass eine derartige Fehlleistung nicht mehr vorkommt?
Nach Ihrer Erwiderung habe den Eindruck, dass der Kern der Kritik von Ihnen nicht verstanden wurde oder nicht verstanden werden wollte.

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Kubsch

PS: Vielleicht wäre es für ARD-aktuell hilfreich, derartige “Lagen”, ähnlich wie die Polizei, zu üben.

19: K. Stuering:

6. August 2016 um 17:35 Uhr

Hallo,
die lange Mitteilung erhellt leider nicht viel auf. Der Hinweis auf Tagesschau24 ist leider auch nicht hilfreich. Wieviel Prozent der Zuschauer schauen diesen Spartenkanal. Beim Bayerischen Rundfunk, quasi dem Haussender bei diesem schrecklichen Ereignis, gab es bis gegen 19 Uhr nur Telefonschaltung zu einem Reporter vor Ort. Andere (private) Sender wie N-TV oder N24 brachten da schon Bilder vom Ereignisort. Warum ist der Bayerische Rundfunk, hochfinanziert vom Gebührenzahler, dazu nicht in der Lage. Ich nehme mal an, die Mannschaft war am späten Freitagabend schon im Wochenende. Ihre Begründung zum verpixeln kann ich nicht nachvollziehen. Es werden auch Bilder in anderen Sendungen der ARD verpixelt, wenn es sich z. B. um getötete Opfer handelt, die einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind. Wie die in einem Zusammenhang zu einer Heroisierung stehen bleibt im dunklen. Generell bin ich der Meinung, die ARD hat eine Linie, die bleibt bestehen, egal mit welchen Argumenten.

20: Erik Grundig:

7. August 2016 um 16:07 Uhr

Ich habe den Fall auf mehreren Sendern verfolgt und mich über die Unruhe, Hektik und Panikmache sehr geärgert. Aber als dann selbst die Tagesschau unbedingt zweimal live zu einem Korrespondenten vor Ort schalten musste, der auch nicht mehr zum Sachverhalt sagen konnte, empfand ich dies als höchst unangemessen und unprofessionell. Ich hätte mir gewünscht, Sie hätten die bis zu diesem Zeitpunkt gesicherten Fakten sachlich vorgetragen (und wenn vieles noch unklar ist, ist dies in ruhigem Ton zu vermitteln) und wären dann zu weiteren Meldungen übergegangen. Informationen, wie sich in München gerade die Atmosphäre anfühlt und ob das Polizeiaufgebot verunsichert, sind irrrelevant und unprofessionell. Sie haben als eine der wichtigsten Nachrichtenzentralen des Landes auch die Verantwortung, unnötige Panik zu vermeiden und stattdessen auf Sachlichkeit und Fakten zu setzen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Polizeisprecher im Interview von Martin Breitkopf, BR, in den Tagesthemen Extra um 21:15.

21: h.r.Kern:

7. August 2016 um 16:35 Uhr

Leider wird die ARD immer mehr zum Problem, als dass man zur Aufklärung beiträgt. Es kann mir keiner erzählen, dass Gutjahr zufällig in Nizza sei Videogerät eingeschaltet hat, um einen langsam dahin rollemdem LKW zu filmen. Aus dem Video, dass natürlich “Experten” vor der Ausstrahlung untersucht hatten, sah man nichts anderes, als einen umgefallenen Motorroller und ansonsten einen leeren Boulevard des Anglais, auf dem sicher, das Video zum Beweis kein Mensch umgefahren wurde.

Auch nicht die 500 m weiter, wo Gutjahr 16 abgedeckte Tote gesehen hat.

Heute vermeldet die Bild, dass die Angehörigen der Getöteten aus Berlin, keine Benachrichtigung deutscher Stellen über die Todesumstände erhalten haben, zuständig dafür ist unser Superjustizminister, respektive der angewiesenen Amtsperson Generalstaatsanwalt.

Wie kann Herr Gutjahr in das Olympiaeinkaufszentrum hineinschauen, wo doch alles abgesprerrt war?

Wir warten auf eine Erklärung.

22: h.r.Kern:

7. August 2016 um 16:52 Uhr

Sodann ist es Ihre Aufgabe, als Kontrollinstanz staatlichen Handelns, Kehrtwenden in der offiziellen Information sofort und nachhaltig zu hinterfragen.

Ich weiß nicht, wann Herr Gutjahr die Information hatte, das David S. gerade mal 200 m vom OEK erschossen aufgefunden wurde, erhalten hat. Der Bayerische Rundfunk vermeldet dies nach 24 Uhr, der mögliche Täter sei um 20.30 gestorben.

Wo sind Sie, warum fragen Sie diese Desinformation nicht nach, wieso bleibt es bei dieser Desinformation. Herr Gutjahr hat sich im Bayer. Rundfunk nach meiner Erinnerung nach 21 Uhr mit einer Position vor den Tatorten bemeldet, gerade 200 m davon wurde David S. erschossen. Ich kann nur schliessen, Herr Gutjahr hatte um 21 Uhr Kenntnis von dem Tod von David S. Wieso kann dieser Mann überhaupt noch ein Wörtchen im ÖR vermelden. Hätte sich Herr Gutjahr korrekt verhalten, wäre die angebliche Terrorgefahr, die die Polizei vermeldet hat, um 21 Uhr beendet gewesen.

23: Guido Huppertz:

7. August 2016 um 22:50 Uhr

Sehr geehrter Herr Gniffke,
zunächst ein ausdrückliches Lob dafür, dass der Sender ARD sich offen und ausführlich mit der Kritik zur Tagesschau vom 22.07.2016 auseinandersetzt. Unvorhersehbare und andauernde Ereignisse sind sicherlich für eine Nachrichtensendung eine Herausforderung. Insofern möchte ich den armen Herrn Riewa, der sich tapfer durch eine ausgeweitete Tagesschau-Sendung kämpfen musste, explizit von jeder Kritik ausnehmen. Allerdings hätte ich von einem erfahrenen Redaktionsteam wie dem der Tagesschau erwartet, zwischen sich mehrfach wiederholenden Beiträgen mit viel Spekulation und wenig Information einerseits, und gutem Journalismus andererseits zu unterscheiden. Hätte nicht nach einem kurzen Überblick mit den wenigen bekannten Tatsachen um 20 Uhr der restliche Teil der Tagesschau zumindest in verkürzter Form gesendet werden können, mit Lauftext oder statischen Hinweisen auf eine anschließende ausführlichere Sendung?

24: Dieter E:

11. August 2016 um 01:02 Uhr

Alles schön! Danke für die Erläuterungen.
Aber warum diese unendliche Berichtersattung ohne Inhalt?
Der Korrespondent: ich weiß nichts, ich habe nichts gehört, zu sehen ist auch nichts. Mehr auf tagesschau.de.
Ein Schtriem auf Feißbock kann eine Berichterstattung nicht ersetzen. Dabei ist doch das unkenntlich gemachte Gesicht des Täters nicht wirklich wesentlich!
Es geht auch nicht darum, daß die Journalisten vor Ort immerwieder dasselbe gefragt worden wären. Vielmehr wurden längst überholte Äußerungen immer wieder gesendet!

25: Horst Appert:

12. August 2016 um 12:42 Uhr

Ihre Erklärung zur Verpixelung des Täters verkennt den vorliegenden Sachverhalt. Bei einem zum Zeitpunkt der Berichterstattung immer noch flüchtigen Täter muss der Schutz der Öffentlichkeit durch Information Vorrang haben vor Bedenken einer retrospektiven (!) Heroisierung. Insbesondere, wenn Spekulationen im Raum stehen, der oder die Täter könnten sich in “Porte ouverte”-Wohnungen zu verstecken suchen. Nehmen Sie bitte künftig Ihre Verantwortung ernst!

26: NamensindSchallundRauch:

20. August 2016 um 00:50 Uhr

Ich nehme mittlerweile wahr, dass egal zu welcher Gelegenheit, sich Medienleute immer mehr selbst in den Mittelpunkt rücken. In diesem Fall waren es Fragen diverser Medien an die jeweils hauseigenen Reporter “Wie fühlen Sie sich, wie geht es Ihnen dabei…” und ähnliches. Gerade in solchen Fällen genügen doch dürre Informationen, Medien sind eigentlich nur zur Übertragung da und nicht um selbst Teil der Meldung zu werden. Das ist aber nicht nur bei so traurigen Ereignissen, sondern auch bei Sportereignissen nun zu beobachten: Es wäre mal interessant, einen Vergleich zu sehen, wieviel Sendezeit zur Übertragung von Medaillenentscheidungen verwendet wird, und wieviel Sendezeit die Moderatoren in ihrem Studio damit verbringen, Witze zu reißen, herumzualbern oder über ihre eigenen Erlebnisse / Befindlichkeiten zu berichten. Schade, denn ich würde gern die eigentlichen Hauptpersonen, die Sportler, bei der Ausübung ihrer Disziplinen sehen. So wie ich im Amokfall nur wichtige Sach-Infos will.

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