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ARD-Hauptstadtstudio

22. Juli 2016

Zwei Jahre banges Warten auf die Familie aus Syrien

Mohammed al Abdulla und Familie am Berliner Flughafen Schönefeld

Mohammed al Abdulla und Familie am Berliner Flughafen Schönefeld

„Sie hören von uns“, das waren im April 2016 die Worte des Beamten in der Deutschen Botschaft von Beirut an Hala Alatrasch und ihre drei Kinder. Damals hatte sie nach langer Wartezeit eine Einladung der Botschaft zum Visumsgespräch bekommen und war für den Termin aus Syrien in den Libanon gekommen.

Ihr Mann, der Syrer Mohammed al Abdulla, war 2015 allein über das Mittelmeer nach Deutschland geflohen, um einen Antrag auf Familiennachzug für seine Frau und die Kinder zu stellen. Ihnen hatte er die lebensgefährliche Flucht über das Mittelmeer nicht zumuten wollen.

Knapp drei Monate hat die Bearbeitung der Visaanträge noch einmal gedauert. Heute ist endlich der große Tag gekommen: Mohammed al Abdulla kann seine Frau Hala Alatrasch und die drei Kinder am Flughafen Schönefeld in Empfang nehmen. Die deutschen Behörden haben ihnen das Visum erteilt, anderthalb Jahre, nachdem al Abdulla nach Deutschland geflohen ist und über ein Jahr, nachdem er den Antrag auf Familiennachzug gestellt hatte. Seinen jüngsten Sohn Ali sieht er heute zum ersten Mal – bislang kannte er ihn nur von Fotos.

„Die ganze Nacht kein Auge zugetan“

„Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan“, erzählt Mohammed al Abdulla kurz vor der Ankunft im Flughafenterminal: „Meine Familie aus dem Krieg zu holen und in Sicherheit zu bringen, das war immer mein Ziel. So richtig kann ich aber immer noch nicht glauben, dass sie nach fast zwei Jahren wirklich kommen.“

Vielen anderen Flüchtlingen in Deutschland geht es nicht so, sie warten nach wie vor auf die Genehmigung, ihre Familien nach Deutschland holen zu dürfen. Das bange Warten auf die Liebsten und die bürokratischen Hürden hält nicht jeder von ihnen aus. „Einige gehen zurück nach Syrien. Andere wählen dann wieder den gefährlichen und teuren Weg über Schleuser und das Mittelmeer, um die Familien nach Deutschland zu holen“, berichtet Sebastian Muy vom Beratungs- und Betreuungszentrum für junge Flüchtlinge (BBZ) in Berlin Moabit.

Müde, aber glücklich

ARD-Hauptstadtstudio-Korrespondent Matthias Deiß hat Mohammed al Abdulla seit seiner Flucht nach Deutschland für den Bericht aus Berlin begleitet und wird weiter darüber berichten, wie es ihm und seiner Familie hier ergehen wird. „Wir müssen uns jetzt schnell um Schul- und Kindergartenplätze und einen Deutschkurs für meine Frau kümmern“, sagt al Abdulla. Dann geht die Schiebetür im Ankunftsterminal auf und sie sind da. Müde, aber glücklich fallen sich Mohammed al Abdulla, seine Frau und die Kinder in die Arme. Der Krieg liegt hinter ihnen.

2 Kommentare

RSS Feed der Kommentare

1: Kairo:

23. Juli 2016 um 15:09 Uhr

Schön wäre es wenn alle Familienzusammenführungen so „schnell“ gingen.
Heute sagt die Botschaft in Beirut: Bearbeitungszeit 6 Monate, wenn alles glatt läuft (keine Rückfragen).

2: Gisela Müller:

28. Juli 2016 um 22:04 Uhr

Es tut so gut zu lesen, dass eine Familienzusammenführung endlich möglich wurde. Wir als Gesellschaft in Deutschland brauchen viel mehr und schneller stattfindende. Meiner Meinung nach ist nur auf diese Weise Integration möglich. Die vor der schrecklichen Gewalt geflüchteten Menschen können nur gemeinsam als Familie hier richtig ankommen und Wunden heilen lassen. Ich wünsche der Familie Abdulla alles erdenklich Gute und dass sie Geborgenheit und neuen Lebensmut finden können.

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