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ARD-aktuell/Verifikation

30. Mai 2016

Unwetter in Braunsbach: Die Geschichte hinter dem Video

Im Süden Deutschlands haben Unwetter am Sonntagabend und in der Nacht zum Montag für erhebliche Verwüstung gesorgt. Währenddessen und vor allem in den Stunden nach den teils heftigen Unwettern landeten viele Informationen, Bilder und Videos in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Youtube und Twitter. Auch ARD-aktuell wertet die Beiträge in den sozialen Netzwerken aus, um ein möglichst umfassendes Bild von wichtigen Ereignissen darstellen zu können. Doch bevor Material aus dem Internet in unseren Berichten landet, wird die Herkunft der Bilder ermittelt und der Inhalt geprüft.

Besonders viel Aufmerksamkeit im Internet erhielt nach den Unwettern in Süddeutschland ein 45-sekündiges Video aus dem 900-Einwohner-Ort Braunsbach.

Binnen weniger Stunden war das Video auf Facebook tausendfach kommentiert und geteilt sowie in anderen Netzwerken und Sprachen weiterverbreitet worden:

Wie die Recherche zur Herkunft des Videos ergab, war der kurze Film Sonntag Abend nach 21 Uhr zunächst auf Facebook in der Gruppe “UWA Wettermelder” veröffentlicht worden.

Eintrag von Claudia Rost in der Gruppe "UWA Wettermelder"

Eintrag von Claudia Rost in der Gruppe “UWA Wettermelder”

Dass es sich um den Ursprungsposting dieses Videos handelte, lag nahe. Denn Beitragserstellerin Claudia Rost hatte ihren Beitrag selbst kommentiert und dort von ihrem Mann berichtet, der vor Ort war:

Facebook-Kommentar von Claudia Rost

Facebook-Kommentar von Claudia Rost

Aus der Facebook-Gruppe “UWA Wettermelder” war das kurze Video in den folgenden Stunden tausendfach geteilt und auf anderen Accounts und Wegen tausendfach weiter im Internet verbreitet worden.

Über die sozialen Netzwerke gelang es uns, Claudia Rost zu erreichen und ihren Mann später auch telefonisch zu sprechen. Andreas Rost – so ergaben die Nachfragen – hatte mehrere Videos in Braunsbach auf einer Geschäftsreise gedreht und per WhatsApp an seine Frau verschickt, die diese dann bei Facebook veröffentlichte.

“Es waren dramatische Minuten”, schildert Andreas Rost den Moment, als er auf dem Balkon des Hotels “Zum Löwen” das viel beachtete Video aufnahm. Er hatte seinen Dienstwagen auf dem zentralen Platz vor dem Hotel abgestellt und nach dem Einchecken den Abpfiff der Fußballpartie Deutschland-Slowakei (Abpfiff: 19:59) verfolgt. Danach – in seinem Zimmer im zweiten Stock – öffnete er den Vorhang und sah das Drama: “Das Wasser war drei Meter hoch – manche Wellen spritzten aber bis auf fünf Meter und höher.” Die Welle sei gegen 20 Uhr plötzlich durch den Ort gefegt. Sein Dienstwagen samt Laptop und Unterlagen war bereits davongeschwemmt worden, als er nach ein paar Minuten auf seinem Privathandy auf Aufnahme drückte. Um das Hotel vor größerem Schaden zu bewahren, seien die Türen des Hauses nach hinten eigens noch geöffnet worden. So sollte das Wasser einfacher durch das Gebäude fließen können, wie ihm das Hotelier-Ehepaar erzählte, das neben Andreas Rost auf dem Balkon das Geschehen verfolgte.

Dass das Video tatsächlich die Ereignisse aus Braunsbach zeigt, war schnell klar. Fernsehbilder der Kollegen vor Ort sowie Agenturbilder bestätigen indirekt, was in dem Video zu sehen ist. Zudem bestätigte der Seniorchef des Hotels zum Löwen, Philipp, alle Angaben von Andreas Rost in einem Gespräch mit SWR-Reporter Stefan Maier: “Die Welle kam wie ein Tsunami. Unser Biergarten war in Sekunden verschwunden. Herr Rost hat alles gefilmt.”

Foto der Agentur dpa vom Marktplatz in Braunsbach (30. Mai 2016)

Foto der Agentur dpa vom Marktplatz in Braunsbach (30. Mai 2016)

Als zusätzliche Bestätigung für die Herkunft/Urheberschaft des Videos wurden der Redaktion das Originalvideo und weitere Videoaufnahmen von gestern Abend überspielt. Zudem schickte uns Andreas Rost ein Foto von heute Morgen, kurz bevor er als Mitfahrer im Fahrzeug eines Arbeitskollegen die Heimreise antrat.

Sein eigenes Auto meldete Andreas Rost bei der Polizei als vermisst: “Ich habe es nicht mehr gefunden.”

Foto von Andreas Rost vom Marktplatz in Braunsbach

Foto von Andreas Rost vom Marktplatz in Braunsbach (30. Mai 2016)

Hier finden Sie die Originalaufnahme von Andreas Rost (lt Datei v. 29.05.2016/20:25 Uhr) in besserer Auflösung:

Und hier nochmal der Link zum Video in voller Länge auf der Facebook-Seite der Tagesschau: Braunsbach-Video

Wolfgang Wichmann

5 Kommentare

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1: Mitch Toss:

30. Mai 2016 um 18:23 Uhr

Ihr kanntet also den Ursprung namentlich bzw. hattet vorher schon eine Quelle. Und trotzdem stand auf dem Video, welches ihr heute früh in den Ausgaben der Tagesschau gezeigt habt, lediglich

Quelle: Internet

    : Verifikation:

    31. Mai 2016 um 09:56 Uhr

    Den Ursprung des Videos haben wir gestern Mittag endgültig bestätigt bekommen. Davor war die Lage noch nicht letztlich geklärt. Nach der Klärung haben wir den Urheber des Videos dann auch mit seinem Namen insertiert.

2: Mitch Toss:

2. Juni 2016 um 16:19 Uhr

Ok und auch wieder nicht Ok. Selbst wenn die Quelle (noch) nicht endgültig bestätigt ist, solltet ihr die “provisorische” Quelle nennen. Schließlich habt ihr das Video irgendwo her. Ein
Quelle: XY (unbestätigt) via DienstZ
wäre langsam mal angebracht. Quelle: Internet ist in Zeiten von allgegenwärtigen Smartphone-Kameras eher ein anachronistischer Running Gag.

    : Verifikation:

    2. Juni 2016 um 17:09 Uhr

    Wir sind da ganz klar einig. Die richtige Quelle muss genannt werden.
    Aber eine provisorische Quelle zu nennen, die am Ende gar nichts mit Video zu tun hat,
    sondern dieses nur geteilt hat – auch schwierig. Wir müssen einfach schneller sein.

3: Slow:

10. Juni 2016 um 17:42 Uhr

Ihr solltet vielleicht eher mal langsamer sein…

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