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ARD-DeutschlandTrend

5. September 2013

Duell-Umfragen: Unterschiede aufgeklärt

Ganz ehrlich: Das hat nicht nur die Zuschauer irritiert, sondern auch mich. Da kamen nach dem Duell am Sonntagabend Forschungsgruppe Wahlen und Infratest dimap zu gegensätzlichen Einschätzungen darüber, wer bei den Zuschauern alles in allem besser abgeschnitten hat. Wie kann das sein? Es kommt oft vor, dass die beiden Institute nach den gleichen Dingen fragen. Und natürlich sind die Ergebnisse dann nicht identisch, liegen hier ein bisschen höher, da ein bisschen niedriger. Aber sie sind fast immer ganz nah beieinander.

Wir hatten schnell am Sonntagabend eine Vermutung, und die hat sich jetzt durch eine Testumfrage bestätigt. Das Problem lag in erster Linie an den Antwortmöglichkeiten. Während Infratest dimap bei der Telefonbefragung nur „Merkel“ oder „Steinbrück“ als Antworten anbot, gab es bei der Forschungsgruppe Wahlen auch die dritte Kategorie „Kein Unterschied“, die von den Interviewern ausdrücklich vorgelesen und angeboten wurde. Am Sonntagabend nutzten 27 Prozent beim ZDF diese Möglichkeit, während in der ARD-Umfrage nur sieben Prozent spontan die Frage nicht beantworten wollten oder beide für gleich gut erklärten. Und ganz offensichtlich waren unter denen, die in der ZDF-Umfrage die Unentschieden-Option nutzten, besonders viele, die bei einer zugespitzteren Frageformulierung Steinbrück etwas besser gesehen hatten.

Infratest dimap hat von Montag bis Mittwoch dieser Woche in zwei unterschiedlichen Befragungsgruppen noch einmal die beiden unterschiedlichen Fragen gestellt. Natürlich unterscheiden sich mit dem Abstand einiger Tage die konkreten Werte. Ebenso können wir nicht überprüfen, ob diejenigen, die in der Umfrage angaben, das Duell gesehen zu haben, das auch tatsächlich getan hatten. Die Grundtendenzen der Umfragen vom Sonntagabend ließen sich aber erneut so abbilden: Bei der ARD-Formulierung („Wen fanden Sie in diesem Spitzenduell insgesamt überzeugender: Angela Merkel oder Peer Steinbrück?“) gaben mit etwas Abstand 38 Prozent Merkel an, 42 Prozent Steinbrück. 20 Prozent erklärten, das nicht mehr beurteilen zu können oder zu wollen oder beide für gleich gut zu halten. Mit 42 zu 38 hat Steinbrück einen Vier-Punkte-Vorsprung. Am Sonntag waren es mit 49 zu 44 fünf Punkte.

Bei der ZDF-Formulierung („Wer hat sich beim TV-Duell besser geschlagen: Angela Merkel oder Peer Steinbrück oder sehen Sie da keinen Unterschied?“) geben 34 Prozent Merkel an, 29 Prozent Steinbrück, 35 Prozent sehen keinen Unterschied. Hier hat also erneut Angela Merkel einen Vorsprung von fünf Punkten. Am Sonntag waren es bei 40 zu 33 sieben Punkte.

Fazit: Das Duell ist ein Beispiel dafür, dass eine etwas andere Methodik zu deutlich anderen Ergebnissen führen kann. Ob und in welchem Ausmaß das TV-Duell tatsächlich die politische Stimmung verändert hat, wird unter anderem der heutige ARD-Deutschlandtrend und werden in den nächsten Tage weitere Umfragen zeigen.

13 Kommentare

RSS Feed der Kommentare

2: Gregor Keuschnig:

5. September 2013 um 15:15 Uhr

Aufgeblähte Meta-Diskurs-Scheindebatten. Langweilig.

3: Neuberger Ines Christa:

5. September 2013 um 16:24 Uhr

Versprechungen machen kann Jeder..
es ist nicht wichtig Wer die besten abgibt..
sondern was davon noch übrig bleibt!!

4: Bernhard Nowak:

5. September 2013 um 20:55 Uhr

Mit der Methodik kann man natürlich auch argumentieren, wenn das Wahlergebnis deutlich von den Vorhersagen der Institute abweicht. Die Umfrageinstitute sollten Rohdaten veröffentlichen – und zwar ungewichtet. Ich glaube die niedrigen Zahlen der AfD nicht.

5: Hannes:

5. September 2013 um 21:51 Uhr

Sehr interressant. Danke dafür. Ich hätte nicht gedacht, dass der Unterschied so klar und eindeutig sein kann. Persönlich bevorzuge ich aber, in der Frage weniger Freiheiten zu lassen, da ansonsten die Unterschiede zwischen sichereren Wählern (bspw konservativere, im Beruf im erfolgreiche) und weniger sichere (zB Leute, die kaum Erfolg erfahren) zu einem starken Fehler führen können.
.
Das sind nur zufällige Beispiele, die nicht wirklich was mit der Realität zu tun haben müssen.

6: Jan23:

5. September 2013 um 22:09 Uhr

Lieber Herr Schönenborn,
in letzter Zeit scheint es Ihr Hobby zu sein, hier im Blog und auch im Fernsehen, die Effekte zu erläutern, die sich in Umfragen durch unterschiedliche Fragestellungen ergeben. Dafür auf jeden Fall vielen Dank, denn als Umfragenkonsument sind solche Erfahrungswerte sehr hilfreich, um die reinen Prozentangaben besser einschätzen zu können!
Ich würde mich freuen, wenn Sie auch weiterhin solche Erläuterungen geben.

7: H Bauer:

5. September 2013 um 22:46 Uhr

Diese Umfragen sollten verboten werden, da sie in keinem Fall der Wahrheit entsprechen und die Wahlentscheidungen der Bürger beeinflussen sollen.

8: Neuberger Ines Christa:

5. September 2013 um 23:24 Uhr

Wir reden hier immer von Zahlen!! Sind diese wirklich so wichtig;im Vorfeld!!Wählen sollte man nach Überzeugung!!
Mit den Argumenten die auch stimmig sind!!
Wenn Wir alle vier Jahre neue Gesetze machen und wieder ändern müssen macht das alles nur noch schlimmer..bis nichts mehr klappt..

9: Sebastian:

6. September 2013 um 01:09 Uhr

Vielen Dank für den aufschlussreichen Beitrag! Dass auf methodische Mängel hingewiesen wird anstatt sie tot zu schweigen, verringert mein Misstrauen gegenüber den Umfragen ;-) .

Noch ein Wunsch:

Ich fände es gut, wenn auf Formulierungen wie “besser geschlagen” oder “überzeugender” ganz verzichtet würde. Die Fragen sollten so neutral wie möglich formuliert sein. Dies ist bei beiden Formulierungen nicht der Fall. Wenn ich gefragt werde, wer überzeugender war. Dann fange ich automatisch an zu überlegen, wer die überzeugendere Argumente hatte. Daran, dass Dinge wie Fairness ebenfalls wichtig sind, denke ich nicht mehr. Bei den Worten “besser geschlagen” muss ich an eine Wettkampfsituation denken. Das schränkt mein Blick ebenfalls ein. Eine Formulierung, welche die Gedanken nicht in eine bestimmte Richtung lenkt, wäre aus meiner Sicht wünschenswert. Wie wäre es mit der folgenden simplen Frage: “Wer war besser?”

10: Molli:

6. September 2013 um 13:39 Uhr

Dieser ganze Hokuspokus sollte abgeschaft werden, er dient nur der Verunsicherung und der Selbstbeweihräucherung der Fernsehmoderatoren!

Es ist doch immer wieder dasselbe Spielchen: ARD stellt die Fragen so, dass die SPD gut dabei fährt; beim ZDF ist es genau umgekehrt.

Wenn es diese Umfragewerte nicht gäbe, würde das tatsächliche Wahlergebnis vermutlich ganz anders aussehen. Die vorgelegten Zahlen motivieren die Einen, um zur Wahl zu gehen und die anderen sehen ihre Stimme als verloren an und gehen erst überhaupt nicht.

11: DM:

6. September 2013 um 14:19 Uhr

Ich finde die Frage der von infratest dimap besser da sie eben auch zeigt wer ehesten von den beiden Kandidaten Wähler überzeugt die sich eben erst kurz vor der Wahl entscheiden. Es wird das Potenzial aufgezeigt. Der Anteil der “Spätentscheider” wächst von Wahl zu Wahl. Deswegen wäre in meinen Augen auch eine Frage interessant: “Welcher Partei würden sie momentan am ehesten ihre Stimme geben”

12: MP:

7. September 2013 um 20:30 Uhr

Ach ja, so leicht kann man die eigenen Fehler wegwischen. Richtiger wird es dadurch aber auch nicht. Wenn man zuerst fragt, wer angriffslustiger war, steuert man die Meinung ganz klar in Richtung Herausforderer, was wohl auch sehr erwünscht ist, wird dadurch doch die Ihre Arbeit “wichtiger und interessanter”. Ich habe noch keinen halbwegs objektiven (weder CDU noch SPD nahen) Beobachter getroffen, der Steinbrück besser fand. Das ZDF war deutlich näher an der Realität. Stehen Sie doch endlich zu Ihren Fehlern und den demokratiegefährdenden Versuchen der Wählerbeeinflussung. UND BEENDEN SIE DIESE, STATT SIE ZU VERSCHLEIERN!!!

13: cm nj:

7. September 2013 um 20:56 Uhr

Unterschiede aufgeklärt?
Nichts ist aufgeklärt, aber viel vertuscht!!!
Man kann Ihnen nicht trauen. Sie wollen nicht die Meinung abbilden, sondern Meinung beeinflussen und machen. Sie vertreten das Schröder-Putin-Demokratieverständnis. “Lupenreine Demokraten – gelenkte Demokratie”. Schämen Sie sich! Steinbrück wird es trotz Ihrer Hilfe zum Glück nicht schaffen. Dennoch gefährdet Ihr Wirken die Demokratie. Das ist die klarste Erkenntnis dieses “Duells”.

14: Heiko Bräunig:

8. September 2013 um 10:17 Uhr

Ich bin verwundert, dass die im Verhältnis zu anderen Medien sachliche Berichterstattung der ARD und die Offenlegung methodischer Unterschiede, für die man dankbar sein sollte, derart viele ideologisch gefärbte Kommentare erhält.
Als Zuschauer fand ich die Berichterstattungs in den meinerseits am Montag gelesenen Printmedien RP + WZ erheblich weniger sachlich und hilfreich.

Allerdings kann dies nichts daran ändern, dass die Zunahme immer stärker personalisierter Berichterstattung in Verbindung mit permanenten Dauerumfragen die Beschäftigung mit inhaltlichen Fragestellungen nahezu sabotiert.
Anscheinend sind aber wir Wähler daran schuld. Statt über inhaltlichd Fragen wie Staatsverschuldung, soziale Sicherungssysteme, Energiewende und Bürgerkriege unterhalten wir uns halt lieber über Halsketten und Krawatten und über die Qualität der Umfragen zu diesen wichtigen Tatsachen…

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