Ingo Zamperoni wird Susanne Holst ablösen als Vertretung der Tagesthemen-Moderatoren. Für mich ist das Anlass, zunächst Susanne Holst zu danken. Sie gehört zu unseren beliebtesten Moderatorinnen. Und um es gleich zu Anfang klar zu stellen: Sie bleibt uns natürlich erhalten als Moderatorin der Tagesschau bis 17 Uhr. Auch den ARD Ratgeber Gesundheit wird sie weiter moderieren. Sie möchte sich nur etwas mehr der Familie widmen können. Die Kinder kommen in die Schule. Wer um sechs Uhr aufstehen muss, für den steht eine Moderation um 22.15 Uhr, freitags gar um 23.15 Uhr am Ende eines sehr langen Tages. Ich kann die Beweggründe nur allzu gut verstehen. Danken möchte ich für ihre tolle Arbeit. Auf dem Schirm sieht jeder ihre journalistische Klasse, ihre Geradlinigkeit, ihre sympathische, aber stets zielgerichtete Moderation, deren erstes Anliegen es ist, den Zuschauer zu informieren. Hier an dieser Stelle darf ich auch mal sagen, wie Susanne Holst hinter den Kulissen agiert. Es wird niemanden verwundern: Sie ist eine großartige Kollegin. Immer freundlich, und zwar zu allen, immer bestens vorbereitet, unprätentiös, komplett ohne Allüren. Sie kann sehr hart arbeiten. Ich bin einmal zu recht gescholten worden von Zuschauern, als Susanne Holst schwer erkältet mit angeschlagener Stimme moderierte. Als ausgebildete Ärztin hatte sie mir seinerzeit gesagt, das ginge schon. Ich hätte darauf bestehen müssen, sie nach Hause zu schicken, aber das zeigt ihr Arbeitsethos. Wir bedauern sehr, dass sie das Team der Tagesthemen verlässt, aber wir freuen uns, dass sie weiterhin gewohnt souverän die Tagesschau moderiert.
Nun also Ingo Zamperoni. Er verbindet ganz wunderbar die Werte, für die die Tagesthemen stehen. Er ist seriös und weltoffen, dabei jung und erfahren gleichermaßen. Das ist kein Widerspruch, denn Ingo Zamperoni moderiert seit fünf Jahren unser Nachtmagazin. Er liefert dort Woche für Woche im Wechsel mit Gabi Bauer erstklassige Arbeit ab und hat uns durch seine journalistische Gangart überzeugt. Wir sind sicher, dass sich mit ihm das Blickfeld der Tagesthemen noch erweitern kann. Nicht nur, weil er jünger ist als die meisten in der Redaktion, mich eingeschlossen, sondern auch, weil er eine europäische Sicht der Dinge einbringt. Ich erinnere mich an eine Diskussion mit einem Euroskeptiker. Wir diskutierten, warum wir den Länderfinanzausgleich weitgehend akzeptierten und die Leistung der Geberländer positiv sähen, während jeder deutsche Euro zuviel für Europa heftig kritisiert werden würde. Der Euroskeptiker sagte, dass das Saarland und Bremen (um nur zwei zu nennen) zur deutschen Familie gehörten. Zamperoni sagte dann nur, seine Familie lebe in Italien. Die Redaktion freut sich auf intensive Diskussionen, für die Ingo Zamperoni steht. Schön ist, dass all die positiven Dinge im persönlichen Umgang, die für Susanne Holst gelten, auch auf Ingo Zamperoni zutreffen. Er ist ein sehr angenehmer Kollege. Selbstbewusst und bescheiden, er lebt, was er macht. Man kann schon sagen, dass wir Glück haben mit unseren Leuten. Selbstverständlich war das immer so, aber für die jetzige Zeit gilt das besonders.