Unser Studio in Washington schickt uns vorab erste Infos zu Obamas Rede im Kongress. Es zeichnet sich ab, dass der US-Präsident amerikanische Werte beschwören wird: Fairness und Gerechtigkeit. Jeder müsse seinen Teil beitragen, jeder müsse seinen Teil abbekommen in einer funktionierenden Wirtschaft. Das seien nicht Werte der Demokraten oder Werte der Republikaner – das seinen ur-amerikanische Werte.

Damit gibt Obama den gerechten, den um Ausgleich bemühten Landesvater und trifft genau den richtigen Ton. Denn in den letzten Wochen und Monaten hat nicht zuletzt die Occupy-Bewegung eine lebhafte Debatte über die Kluft zwischen Arm und Reich angefeuert. Mit tiefgreifenden Folgen auch für den innerparteilichen Wahlkampf der Republikaner.

Denn plötzlich sind es nicht mehr klassische Rechts-Links-Diskussionen zwischen Erzkonservativen und Liberalen. Mir scheint, jetzt geht es eher um Oben und Unten, um die wenigen Privilegierten und die vielen Chancenlosen. Amerika sucht seine Mitte. Obama hat das erkannt und wird es wohl zum zentralen Wahlkampfthema machen.

Auch die Unabhängigkeit von Energielieferungen aus politisch instabilen Teilen der Welt wird er zum Ziel erklären, eine Bildungsoffensive für amerikansiche Arbeitskräfte und Akademiker. Und unsere Korrespondenten in den USA haben den richtigen Riecher gehabt: Obama wird sich gleichzeitig diplomatisch und kämpferisch geben. Er sei bereit, mit jedem im Kongress zusammenzuarbeiten, werde aber künftig jedem Blockadeversuch energisch entgegentreten. Eine Kampfansage an seine erzkonservativen Widersacher….. Sieht so aus, als sei dem zuletzt eher getrieben wirkenden Obama wieder eine bemerkenswerte, eine vielleicht entscheidende Rede gelungen.