Habe gerade mit unserer Studioleiterin in Washington telefoniert. Laut Hanni Hüsch sind wir natürlich nicht allein mit der Übertragung der Obama-Rede – ALLE US-Networks sind live dabei wenn der US-Präsident kurz nach 3 Uhr morgens deutscher Zeit vor dem Kongress spricht. Insofern eine Zwangsbeglückung des amerikanischen Fernsehpublikums und eine in der Summe garantiert bombige Einschaltquote!

Das Protokoll bei der State of the Union Address ist übrigens streng wie bei einem Staatsakt. Seit der ersten Rede zur Lage der Nation (George Washington im Jahre 1790) ist der Präsident  ohne Genehmigung des Kongresses nicht befugt, den Sitzungssaal zu betreten. Obama ist also heute Gast im Kapitol – ein Ehrengast. Der Zeremonienmeister des Parlamentes wird ihn feierlich ankündigen: “Mr Speaker, the President of the United States!” Ein wenig höfischen Pomp braucht offenbar auch das demokratische Amerika.

Ein Kabinettsmitglied wird übrigens fehlen bei Obamas Rede. Seit 9/11 gibt es einen sogenannten “designated survivor”, einen auserwählten Überlebenden. Also ein Regierungsmitglied, das dem Kapitol fernbleiben muss, um für den Fall eines Terroranschlags auf den Kongress die Regierungsfähigkeit der USA sicherzustellen.

Neben der politischen Elite des Landes werden auch Ehrengäste im Kapitol dabei sein. Das Weisse Haus darf traditionell US-Bürger nominieren, die u.U. die Rede des Präsidenten “illustrieren”. Darunter heute die Sekretärin des Millairdärs Warren Buffet (die irrwitzigerweise einen höheren Steuerprozentsatz zahlen muss als ihr steinreicher Chef), aber auch der Ehemann der im vergangenen Jahr angeschossenen Abgeordneten Gabby Giffords. Sie war gestern aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten und sitzt heute das letzte Mal im Kongress. Ihr Verabschiedung könnte auch für Barack Obama und seine Frau Michelle ein sehr emotionaler Moment werden.