Das US-Video
von Dr. Kai Gniffke 12. Januar 2012 23:51 UhrHeute lief auf allen Kanälen das Video der US-Soldaten, die Leichen schänden. Dieser Filmschnipsel ist eklig. Vor allem aber wird er seine Wirkung in der islamistischen Szene nicht verfehlen und neuen Hass hervorrufen. Leider müssen wir das Ding auch noch in der Tagesschau zeigen.
Das Video ist nun mal ein Politikum. Es zeigt, dass Exzesse von US-Armeeangehörigen in Ländern wie Irak oder Afghanistan nicht der Vergangenheit angehören. Ohne dass ich alle US-Soldaten in einen Topf werfen möchte, offenbart das Video doch eine Geisteshaltung der Besatzer gegnüber ihren Gegnern und dem Land. Deshalb ist das Video ein Dokument, das an die Öffentlichkeit gehört.
Seit heute morgen haben wir intensiv abgewogen, wie viel man bei diesen Aufnahmen unkenntlich machen sollte. Mittags habe ich bei einem deutschen Sender eine Version gesehen, bei der nur die Gesichter der Leichen unkenntlich gemacht wurden, während die urinierenden GIs komplett zu sehen waren. Später habe ich dann bei der BBC eine Fassung gesehen, bei der die Gesichter der Toten und jeweils der Genitalbereich der US-Soldaten verfremdet war. Das sah unfreiwillig skuril aus. Wir haben von Anfang an einen Großteil des Bildes verfremdet. Klar zu sehen waren dabei die feisten Gesichter der Pisser. Außerdem die Beine der Toten. Den Rest macht das Hirn der Zuschauer. Diese Bearbeitung macht das Video nicht besser (und noch viel weniger die Tat), aber unter den gegebenen Umständen schien es mir noch die beste Lösung. Unabhängig davon bleibt die Sorge, dass aufgrund der Ausstrahlung des Videos unschuldige Menschen in Afghanistan oder in Europa, vielleicht sogar in Deutschland zu Opfern neuen Terrors werden.








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13. Januar 2012, 07:08 Uhr
Die Frage, die sich mir stellt ist, ob es bewegte Bilder sein müssen. Reicht nicht ein Foto neben dem Sprecher und der Rest über die “Tonspur”?
13. Januar 2012, 10:22 Uhr
Die deutschen Medien sollten sich bald 70 Jahre nach dem Krieg langsam mal von dem alten deutschen Gehorsamkeitsreflex gegenüber der Obrigkeit, die1945 de facto durch die Westalliierten nahtlos abgelöst wurde, befreien. Schluß mit “his masters voice”. Und schon gar nicht sollte Furcht die Berichterstattung beeinflussen. Wer im Namen der Demokratie Krieg in hoffnungslos unterlegene Länder trägt muß sich nicht wundern, wenn die Leute dort auf die einzig mögliche Weise, die ihnen bleibt, sich gegen die Angreifer und ihre Verbündeten wehren.
Es ist traurig, daß man hierzulande auf Al Jazeera und Russia Today angewiesen ist, um ein etwas objektiveres Bild der weltpolitischen Vorgänge insbesondere im Nahen Osten zu erhalten.
13. Januar 2012, 14:37 Uhr
Auch wenn es komisch klingen mag, aber das Video überrascht mich nicht, mit Sicherheit gibt es noch widerlichere Sachen, die durch Soldaten, oder gar Taliban verübt wurden und noch werden.
Und jetzt mal Tacheles, auch wenn es mal wieder für einige/viele der Startschuß ist, etwas gegen die USAmerikaner zu sagen, wären deutsche Soldaten vor Ort, sie wären kaum besser. So zynisch es klingen mag, daß ist nunmal Krieg, er kehrt mit die widerlichsten Seiten im Menschen nach außen, und macht da nicht vor Nationalitäten halt.
“Unabhängig davon bleibt die Sorge, dass aufgrund der Ausstrahlung des Videos unschuldige Menschen in Afghanistan oder in Europa, vielleicht sogar in Deutschland zu Opfern neuen Terrors werden.”
Dann strahlt solchen Dreck nicht aus, ganz einfach. Aber da verstecken sich die Medienmacher ja hinter ihrer “Informationspflicht”. Was mir dabei immerwieder auffällt, meist nur schlechte Nachrichten sind überhaupt Nachrichten, alles andere ist ja langweilig.
13. Januar 2012, 14:55 Uhr
Was soll man denn von Menschen erwarten deren Identität untrennbar mit dem Akt des Tötens verbunden ist? Dieses Video ist Teil der Kriegsführung. Es ist Symbol, es ist Propaganda, es macht wützend und betroffen. Es gehört genauso zum Krieg wie die toten Zivilisten, der tägliche Terror, die Korruption, der Drogenhandel und die psychischen Wunden aller Beteiligten. Es ist nicht besonders, es ist normal. Der Krieg ist das, was nicht normal ist. Neu ist nur, dass wir uns vor uns selbst fürchten. Vor der Rache der Menschen, die nicht verstehen können, das diese Soldaten nicht wir sind. Deshalb fürchten wir uns davor, dazu zu gehören. Zu dem Krieg, der auch bei uns zu Hause existiert, wenn wir uns das Video ansehen.
14. Januar 2012, 11:48 Uhr
Ich wundere mich etwas über die Aussage, dass Sie das Video in der Tagesschau zeigen “müssen”.
Warum überhaupt? Wer sagt das?
Ich beobachte diese negativ Trend schon einige Zeit. Warum müssen derartige Videos gezeigt werden? Ein stehendes Bild würde völlig reichen – und auch das benötigt niemand. Die Tagesschau sollte informieren. Nicht die Sensationslust stillen. Das gilt übrigens 1:1 auch für Videos von Amokläufern & Co.
14. Januar 2012, 15:06 Uhr
Solche Videos gehören nicht veröffentlicht. Denn das ist nicht so schön, dass man es noch herzeigen sollte. Aber leider gibt es viele Leute die gerne solche News sehen. Schade, dass es hauptsächlich nur um Krieg geht in unserer Gesellschaft.
Willi
15. Januar 2012, 16:28 Uhr
Eine Meldung hätte völlig gereicht, man muss das Video nicht zeigen!!!
17. Januar 2012, 08:20 Uhr
Doch, man muss es zeigen. Denn jetzt sehen alle deutschen Soldaten, wie behämmert man aussieht, wenn man auf Leichen pinkelt. Die werden das nicht mehr machen. Ein lediglich informierender Beitrag hätte zu dieser Erkenntnis nicht gereicht.
17. Januar 2012, 13:00 Uhr
> … dass aufgrund der Ausstrahlung des Videos unschuldige Menschen [..] zu Opfern neuen Terrors werden. <
Wenn etwas neuen Terror provoziert, dann das Verhalten der Soldaten. Das Nichtausstrahlen dieser Aufnahmen aus solchen Beweggründen würde nur die Täter schützen und damit letztlich das Gegenteil erreichen.
Worüber man diskutieren kann ist die Art der Darstellung – Verpixelt oder offen, Bewegt- oder Standbild, mit Ton oder ohne, etc. Aber am Zeigen dieser Bilder zur Dokumentation der Situation führt in einer unabhängigen Berichterstattung meiner Meinung nach kein Weg vorbei.
17. Januar 2012, 16:17 Uhr
zu “Ich wundere mich etwas über die Aussage, dass Sie das Video in der Tagesschau zeigen “müssen”.
Warum überhaupt? Wer sagt das?” (satz weiter oben)
unglaublich. ich sag das. und er und sie und außerdem icke. unglaublich. du willst versuchen, real geschehendes unbequemes unter den teppich zu kehren, weil damit “terror” angeheizt werde aha? das ist ja eine prima vorstellung und g.e.n.a.u. der wunsch der soldaten und ihrer vorgesetzten: weg, vergessen, wegsehen, bitte gehen Sie weiter, wir haben kein problem, neinein und außerdem gibt’s jetzt malkurse in gitmo http://www.myvideo.de/watch/1185572/Alles_OK_in_Guantanamo_Bay
18. Januar 2012, 18:29 Uhr
Den Kommentar von Christoph kann ich nur unterstreichen. Über solche Geschehnisse muss mit Bildern
berichtet werden. Es geht nicht an, das Verbrechen an der Menschlichkeit wie in My Lai, Abu Ghuraib
oder Guantanamo totgeschwiegen werden. Für die Reaktionen auf diese Taten ist die USA selbst
Verantwortlich. Ebenso sollte auch der Umgang Israels mit den Palästinenser , auch in Deutschland,
angeprangert werden. Wir sind den Juden gegenüber, wegen unserer unheilvollen Vergangenheit,
besonders verpflichtet, aber nicht der jetzigen israelischen Regierung. In Palästina vergeht kein Tag
in dem nicht eklatant gegen die Menschenrechte verstoßen wird. Auch das sollte öfter gezeigt werden,
nicht nur z.B. im französischen Fernsehen oder auf ARTE.
18. Januar 2012, 20:07 Uhr
Politikum
“Das Video ist nun mal ein Politikum. Es zeigt, dass Exzesse von US-Armeeangehörigen in Ländern wie Irak oder Afghanistan nicht der Vergangenheit angehören. ”
Was meinen Sie mit “Politikum” ? – Es zeigt Kriegsverbrechen von Besatzungssoldaten einer befreundeten Macht -USA- die von einer bestimmten Geisteshaltung zeugen, wie Sie richtig sagen.
Gibts da einen Reflex, Rücksicht auf das Interesse der befreundeten Macht zu nehmen ? So klingt das – Danke, dass Sie dem Reflex nicht gefolgt sind. !!
24. Januar 2012, 11:22 Uhr
Vielen Dank für das „Beiträge-Pixeln!“ in diesem Blog.
Vielleicht sagen Ihnen die Namen Dieter Hildebrandt und Hans Jürgen Dietrich noch etwas.
(Gedächtniszitat=>) „Ich möchte eine Dauer-Anzeige aufgeben!“ „Welchen Inhalt?“ „Nie wieder Krieg!“ „Nie wieder Krieg? In unserer Zeitung?“ „Ja. Oder sind Sie etwa für Krieg?“ „Nein natürlich nicht. – Aber das geht trotzdem nicht in unserer Zeitung!“…
Im Archiv werden Sie den Sketch sicher finden.
Fragt sich nur, wer heute wer ist, – Herr Dokder.