Unfall, Gips und was ich über Indien lernte
von Gábor Halász 11. Januar 2012 12:52 UhrAm liebsten wäre mir, es wäre nie passiert. Es war Sonntag, wir saßen in unserem Wagen und fuhren durch Rajasthan. Unterwegs für den Weltspiegel.
Dann war es wie im Film, wie es so oft beschrieben wird. Alles in Zeitlupe. Ein Auto stand quer, unser Fahrer bremste. Wir fuhren durch ein Gebüsch, runter von der Straße – direkt auf einen Strommast zu. Dann knallte es auch schon. Wir konnten fast alle aussteigen, nur unser Assistent Valson schrie. Wir holten ihn aus dem Wagen, doch einen Notarzt in der indischen Pampa. Das geht nicht.
Dafür viele Leute, Dorfbewohner, Kinder – kaum einer sprach Englisch. Aber da war ein Mann, der uns half. Mit seinem Auto brachten wir unseren Kollegen in das nächste Dorf. Schnell war klar, dass Schulter und Arm gebrochen sind. Dass wir ihm hier nicht helfen konnten. Wir riefen einen Doktor. Der kam auch, doch alles, was er in seinem Koffer hatte, war ein Blutdruckmessgerät. So blieb meinem Kollegen nichts anderes übrig als mit einer Art Krankenwagen nach Delhi zu fahren. 9 Stunden mit schweren Brüchen auf holprigen Straßen. Die beste von vielen schlechten Lösungen.
Ich selbst brauchte nun einen Arzt, hatte Schmerzen und wurde zu einer Art Kiosk geschickt. Im Hinterraum ein uraltes Röntgengerät. Das reichte, um festzustellen: die Hand ist gebrochen. Es gab einen Verband und vorn am Kiosk noch ein paar Tabletten. Danach ging es auch für mich nach Delhi.
Am nächsten Tag ins Krankenhaus. Moderner als in Deutschland. Die Notaufnahme bestand aus vielen Betten, durch Vorhänge getrennt. Vielleicht fünf Ärtze bestaunten meine Hand, bis der Orthopäde kam. Ein Gips, dann nochmal röntgen. Den bereitstehenden Rollstuhl lehnte ich ab. Was niemand verstehen konnte.
Danach war es aber nicht vorbei. Wieder ein neuer Mitarbeiter stellte sich vor. Er müsse jetzt meine Fingerabdrücke nehmen. Fingerabdrücke? Ja, für die Polizei. Nach einem Unfall sei das doch normal. Am Ende habe ich 3000 Rupien bezahlt, knapp 50 Euro. Ich bin erst seit wenigen Tagen Korrespondent in Indien, aber ich habe schon viel gelernt. Doch am liebsten wäre mir wirklich, es wäre nie passiert.
Valson, unser Kollege, wurde gestern operiert. Alles lief gut. Aber er wird lange brauchen, um sich zu erholen.








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11. Januar 2012, 16:22 Uhr
Gute Besserung für Sie und Ihren Kollegen Valson. Ein Schulterbruch braucht lange, bis er heilt und man den Arm wieder voll einsetzen kann. Ich kann nachvollziehen, wie sich das anfühlt und wie sehr man sich wünscht, es wäre einfach nicht passiert. Mein Unfall ist 10 Monate her und ich spüre den Bruch noch immer – trotz schneller Versorgung und OP in Deutschland.
11. Januar 2012, 16:33 Uhr
Da fehlt mir ganz einfach die Beantwortung der Frage in der Überschrift. Was haben Sie denn nun über Indien gelernt? Mir persönlich war keine Information neu. Dafür haben mir einige Infos gefehlt. Wer war der Mann, der sie dann vom Unfallort ab mitgenommen hat? Konnte er Englisch, woher wussten Sie, dass Sie ihm vertrauen können? Was war an der Verletzung Ihres Kollegen anders als an Ihrer? War es an diesem Zeitpunkt lebensgefährlich in Indien zu sein? Das Krankenhaus sei “Moderner als in Deutschland”. Woran erkennt man das? Woran liegt das? Bzw. wieso erwartet man eigentlich das Gegenteil?
Generell interessiert mich Ihre Erfahrung, es ist aufregend, aber natürlich hoffe ich, dass es Ihnen wieder besser geht. Allerdings lässt der Eintrag zu viele Fragen offen. Er befriedigt nicht.
11. Januar 2012, 20:14 Uhr
Auch von mir die besten Besserungswünsche an Sie und Ihren Kollegen. Hand gebrochen ist auch wirklich nichts schönes…
Und bitte nicht von Kommentaren irritieren lassen, die unzufrieden sind. Viele Leser schreiben selten oder gar nicht, nur die, denen es nicht gefällt schreiben häufiger. Also, bitte weiterschreiben, sobald es wieder gut geht:)