Verwirrung: Soll Wulff nun bleiben oder gehen?
von Jörg Schönenborn 3. Januar 2012 15:58 Uhr
Wenn man sich heute durch die Online-Seiten klickt, scheint die Stimmung des Volkes eindeutig zu sein. In Votings auf verschiedenen großen Seiten sprechen sich klare Mehrheiten für den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff aus. Während ich schreibe, sehe ich gerade, dass von 31.000 Beteiligten hier im Voting bei tagesschau.de 89 Prozent für den Rücktritt votiert haben. Können so viele Teilnehmer irren? Muss das nicht repräsentativ sein?
Im ARD-DeutschlandTrend kurz vor Weihnachten hatten wir das gegenteilige Bild. 70 Prozent sprachen sich gegen den Rücktritt Wulffs aus und ganz aktuell läuft bei Infratest dimap im Auftrag der ARD die Befragung für den DeutschlandTrend dieser Woche. Wieder wollten wir wissen: Soll Wulff zurücktreten? Und in einer Vorauswertung der ersten Befragungswelle bis gestern Abend 21.00 Uhr spricht sich erneut eine – allerdings geschrumpfte – Mehrheit von grob 60 Prozent gegen den Rücktritt aus. Warum dieser Widerspruch? Als Autor des DeutschlandTrends bekomme ich in den letzten Monaten immer mehr Mails von Zuschauern und Usern, die mich auf solche Widersprüche aufmerksam machen. Egal, ob es um Sarrazin geht, Guttenberg oder jetzt Wulff – der Widerspruch ist ständig da. Aber er ist leicht aufzulösen. Online-Votings, egal wieviel Zehntausende sich daran beteiligen, sind grundsätzlich unrepräsentativ. Telefonumfragen, wie die für den ARD-DeutschlandTrend, hingegen gelten bei gemeinhin tausend Befragten als repräsentativ. Das entscheidende hierbei ist die Methodik. Meinungsforschungsinstitute wählen die 1000 angerufenen Teilnehmer so aus, dass alle Bevölkerungsgruppen, Alt und Jung, Arm und Reich, Nord und Süd, Mann und Frau, entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung angerufen und in die Umfrage einbezogen werden. Ein Zufallsgenerator nutzt dafür alle in Deutschland theoretisch möglichen Telefonnummerkombinationen. Natürlich sorgt der Zufall auch hier für Abweichungen von ein bis zwei Prozentpunkten, aber wenn man davon absieht, sind Ergebnisse dieser Umfragen – professionell gewichtet – repräsentativ und geben das Stimmungsbild in der Bevölkerung wieder.
Anders bei Online-Votings. Schon der potentielle Teilnehmerkreis ist von vornherein eingegrenzt. Wer niemals tagesschau.de benutzt (und das ist leider die große Mehrheit der Bevölkerung) hat auch keine Chance, sich am Voting zu beteiligen. Umgekehrt: Die Nutzer von tagesschau.de sind überdurchschnittlich politisch interessiert und überdurchschnittlich informiert. Aus diesen Nutzern wiederum bildet sich eine Teilgruppe, die aus besonderem Interesse am Thema auf den Voting-Link klickt, und aus Erfahrung wissen wir, am Ende klicken ganz überdurchschnittlich diejenigen, die sich über ein Thema besonders ärgern oder ereifern, also in diesem Fall diejenigen, die Wulffs Rücktritt aus lauter Ärger endlich sehen wollen.
So ist das Voting zwar eine nette Spielerei, ein Stimmungsbarometer für den kleinen Ausschnitt der besonders am Thema Interessierten – mit der allgemeinen öffentlichen Stimmung hat das ganze aber wenig zu tun.
Ich erwarte, dass die Unterstützung für Wulff in den nächsten Tagen bröckeln wird und dass wir schon heute Abend etwas andere Umfrageergebnisse haben werden. Denn das Thema ist seit gestern Abend überdurchschnittlich präsent in elektronischen und gedruckten Medien. Gut möglich also, dass bei unserer Veröffentlichung am Donnerstag dann auch eine Mehrheit den Rücktritt von Wulff fordert. 89 Prozent werden es aber ganz sicher nicht sein.








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03. Januar 2012, 16:22 Uhr
Wo kann man denn hier Herrn Wulff abwählen?
03. Januar 2012, 16:41 Uhr
Och, ich finde es nicht bloß Spielerei. Es ist interessant zu wissen, dass ca. 90% der politisch interessierten Menschen den Wulff nicht mehr haben möchten, und was diejenigen darüber denken die sich (noch) nicht informiert haben, ist mir weniger Wichtig. Zumal der Fall Guttenberg zeigt: auch diejenigen, uninformierten, bleiben nicht stur bei ihrer Meinung, sondern werden über die Zeit klüger – es dauert nur wesentlich länger bei ihnen.
03. Januar 2012, 16:43 Uhr
Ich gehöre z.B. zu der Gruppe, die kein Festnetztelefon hat. ca. 50% der Leute, die ich kenne, haben nur noch Handy. Wie gehen die Festnetzumfragen damit um?
03. Januar 2012, 16:44 Uhr
Ist es nicht auch noch eine Verfälschung der Repräsentativität, wenn viele (vor allem jüngere) Menschen heutzutage keinen Festnetzanschluss mehr haben sondern nur noch mobil? Sollte man eventuell darüber nachdenken auch Mobilanschlüsse in die Umfragen einzubeziehen?
03. Januar 2012, 16:50 Uhr
Und bei Online Umfragen kann man mehrfach teilnehmen. Und man weiss gar nicht aus welchen Ländern die Menschen kommen die abstimmen. Können ja auch Internetnutzer aus Österreich oder den USA oder sonswo irgendwo auf der Welt sein.
03. Januar 2012, 16:53 Uhr
Es geht nicht um die Stimmung des Volkes. Wer ist denn anständig von denen, die sich anmaßen, uns Anstand vorzuspielen?! Nach der Stimmung des Volkes dürfte keiner von allen heutigen Politikern mehr im Amt sein. Vorteilsnahme ist doch heute ein Kavaliersdelekt. Man darf sich nur nicht dabei erwischen lassen. Und wer erwischt wird muß gehen. So läuft das. Freiwillig verzichten will keiner auf seine nicht unerheblichen Pfründe! Da benimmt man sich auch schon mal wie im Kindergarten. Nur, daß sich das für ein Staatsoberhaupt eben nicht gehört. Man nimmt an, daß man für dieses Amt erwachsen sein muß.
Ich sage hiermit ganz deutlich: auch wenn sich niemand findet (ich bin sicher, wenn Macht und Geld rufen, findet sich jemand): ICH WILL KEIN BP WERDEN! Basta!
03. Januar 2012, 16:54 Uhr
Danke Hr. Schönenborn für die sehr verständliche und einleuchtende Erklärung.
03. Januar 2012, 16:54 Uhr
Vielleicht sollte man auch mal beginnen Fragen an diejenigen zu stellen, die den Herrn Wulff gewählt haben? Was sollte dieser Quatsch?
03. Januar 2012, 16:55 Uhr
Werden eigentlich für die Telefonumfragen auch Handynummern herangezogen? Viele meiner Freunde (und ich selbst auch) besitzen gar keinen Festnetzanschluß mehr.
03. Januar 2012, 16:55 Uhr
Herr W. ist doppelt gescheitert (Fehlverhalten u. Vertuschungstaktik). Das ist eines Amtsträgers dieses Ranges unwürdig. Der freiwillige Rücktritt ist die notwendige Konsequenz, ein Hinauszögern nur eine Amtsbeschädigung. Er ist nicht zu halten wie vormals auch Herr z.G.!
03. Januar 2012, 16:55 Uhr
Da gibt es keine 2 Meinungen, der Herr Wulff ist nicht mehr tragbar. Vielleicht gibt es
ja auch eine Klausel, die uns die Zahlungen an Herrn Wulff bis an sein Lebensende
ersparen. Er ist ja noch jung und sollte bestimmt irgendwo unterkommen. Kontakte
sind ja vorhanden.
03. Januar 2012, 16:56 Uhr
Niemand kann den Bundespräsidenten abwählen. Der kann bestenfalls zurücktreten. Erst Hirn an, dann Text schreiben macht sehr viel Sinn.
03. Januar 2012, 16:57 Uhr
Das ergibt sich aus Artikel 61 GG:
http://www.bundestag.de/dokumente/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_05.html
03. Januar 2012, 16:58 Uhr
Wie kommen denn die Meinungsforschungsinstitute an die Telefonnummer von einer bestimmten “repräsentativen” Bevölkerungsgruppe? Ich kann zwar nur subjektiv urteilen, aber bei uns in der Famile, bei Freunden oder vielen anderen Menschen die ich kenne wurde noch nie angefragt. Gut, bei über 82 Millionen Menschen in Deutschland, kann ich dass noch verstehen, aber überprüfbar ist das Ganze auch nur sehr schwer. Man muss den Instituten wohl oder übel vertrauen, aber letztlich fällt dies den normalen Bürger heutzutage immer schwerer…
mit freundlichen Grüßen,
03. Januar 2012, 17:01 Uhr
Hallo Herr Schönenborn. Es wird also erst am Donnerstag ein sich mutmaßlich erheblich im “Umbruch” befindliches Meinungsbild veröffentlicht, dessen Erhebung auch auf Daten zurückgeht, die bereits am Montag abgefragt wurden. Ist das nicht völlig unbefriedigend?
03. Januar 2012, 17:02 Uhr
Eine Bitte: Veröffentlichen Sie am Donnerstagabend den Trend der Antworten zu dieser Frage an den einzelnen Umfragetagen? Der würde sicher nicht nur mich interessieren.
Fragen Sie parallel auch, ob der Befragte von den Vorwürfen gegen den Bundespräsidenten gehört hat?
03. Januar 2012, 17:02 Uhr
Der Souverän kann ihn nicht abwählen, er hat ihn nicht gewählt. Auch die Umfragen werden Herrn Wulff noch eine Weile kalt lassen, weil er über eine ignorante Robustheit verfügt. Ob es sich bei dieser “Weile” um Tage oder Stunden handelt, vermag man nicht einzuschätzen. Noch ist er selbstgerecht und wird deshalb ungerecht. Die Entscheidung über seinen Rücktritt wird im Bundeskanzleramt gefällt. Das kann Tage oder Stunden dauern. Aber diese Entscheidung wird kommen.
03. Januar 2012, 17:03 Uhr
Hallo Herr Schönenborn,
die Frage ist doch, inwiefern die vermeintlich repräsentativen Umfragen tatsächlich repräsentativ sind, sofern man ein gewisses Bildungs- und/oder Informationsniveau beim Befragten als Voraussetzung für eine fundierte Antwort unterstellt?
Oder anders ausgedrückt – Heinz Mustermann, der kein Internet hat, keine Tageszeitung liest, keine Nachrichten schaut und auch nicht wählen geht, kann auch nicht repräsentativ sein, da er in keinerlei Form in Erscheinung tritt (obwohl es ihn natürlich gibt).
Repräsentativ kann nur derjenige sein, der a.) eine Meinung hat und b.) diese in irgendeiner Form (und sei es nur bei Wahlen) äussert.
03. Januar 2012, 17:04 Uhr
Sie sagen einerseits, das die Telefonnummern zufällig aus dem Telefonbuch gezogen werden und andererseits, das alle Bevölkerungsgruppen repräsentiert sind. Was mich interessieren würde ist, woher die Meinungsforschungsinstitute denn wissen, ob ich arm, reich, jung oder alt bin. Eigentlich kann es da nur drei Möglichkeiten geben (der Autor des Artikels möge mich gerne korrigieren):
1) Es gibt ein Verzeichnis, in dem z.B. alle Telefonnummern armer Leute gelistet sind
2) Es gibt ein Verzeichnis, in dem man z.B. anhand der Telefonnummer rausfinden kann, ob jemand arm ist
3) Man bezieht nur diejenigen Personen ein, über die man aus irgendwelchen Quellen etwas weiß
Die ersten beiden Versionen wären doch sehr bedenklich, was den Datenschutz angeht (zumindest möchte ich nicht, dass jemand fremdes solche Dinge über mich weiß). Die dritte Version widerspricht doch dann wieder der Eigenschaft “Repräsentativ”.
Über eine Aufklärung würde ich mich sehr freuen
Grüße Markus
03. Januar 2012, 17:05 Uhr
Eine persönliche Stellungnahme vom Bundespräsidenten, Christian Wulff, an das Deutsche Volk wäre das vernünftigste. Raus aus dem Schloss und Butter bei den Fischen. Wie lange soll dieses Politiktheater noch weitergehen. Keinen mehr vorschicken, keine Mitarbeiter und auch nicht das Bundespräsidialamt sondern der Präsident Christian Wulff muss sich erklären. mfg
03. Januar 2012, 17:05 Uhr
Hallo,
ich finde es unerträglich, dass dieser Mann noch Bundespräsident ist. Zunächst die Urlaube und Vergünstigungen seiner reichen Freunde und jetzt wird bekannt, dass er nicht nur einmal versucht hat die Macht seines Amtes einzusetzen um die Pressefreiheit einzuschränken.
Er hat das Grundgesetz zu achten und dafür zu sorgen, dass es nicht zu derlei Verletzung des Grundrechtes auf Meinungafreiheit kommt.
Ich denke er muss jetzt gehen.
Gerd Albers
03. Januar 2012, 17:05 Uhr
Ich bezweifel dass diese Argumentation noch stimmt. Aus einem einfachen Grund: die meisten jungen Menschen haben kein Festnetz mehr- somit kann man sie nicht mal mehr mit einem Zufallsgenerator erreichen. Und moderne Menschen gehen heutzutage nicht mehr an den Apparat, wenn eine unbekannte Nummer anruft.
Es ist also nur noch ein bestimmter Menschenschlag, den man 1.auf Festnetz erreicht und 2. der überhaupt noch drangeht.
Selbst auf unbekannte Handynummern geht doch niemand mehr einfach so dran in Zeiten vo Marketingagenturen und co.
Wobei es stimmt, dass die Onlineumfragen nur zeigen, was Leser denken- und eben nicht was Deutschland denkt.
Man braucht eine andere Form um den Deutschlandtrend zu ermitteln in Zukunft.
03. Januar 2012, 17:06 Uhr
Sehr geehrter Herr Schönborn,
das mag ja alles richtig sein und zudem sollte nicht das Bild vermittelt werden, die Menschen in diesem Land hätten überhaupt einen größeren Einfluss auf das Wohl und Wehe der staatlichen Amtsträger. Dennoch verschweigen Sie hier – vielleicht aus gutem Grund – dass auch Telefonumfragen mitnichten repräsentativ sind – schließlich gibt es inzwischen eine nicht unerhebliche Menge Menschen, die keinen festen Telefonanschluss besitzt und somit nicht mit einbezogen wird.
03. Januar 2012, 17:07 Uhr
Wenn dieser Anruf und der im Sommer tatsächlich stattfand sollte Herr Wulff sofort zurücktreten. Deutschland und die Regierung machen sich in Europa damit lächerlich. Andere mussten wegen weniger wichtige Kleinigkeiten ihre Posten räumen und bekamen keine lebenslange Rente.
03. Januar 2012, 17:08 Uhr
Wann geht er endlich vors Volk und erklärt seinen Rücktritt? Wieviel muß denn noch an die Öffentlichkeit gelangen,Herr Wulff, bis es bei Ihnen Klickt?????????????
Ole Einar aus Berlin
03. Januar 2012, 17:08 Uhr
Die o.g. Erklärung erscheint vordergründig stimmig, wirft aber eine Frage auf:
Soweit ich mich korrekt erinnere, gab es die gleiche Online-Befragung vor Weihnachten schon einmal auf Tagesschau.de. Damals sah das Ergebnis völlig anders aus, da waren (zumindest zwischenzeitlich) ca. 80% GEGEN den Rücktritt.
Da die von Herrn Schönenborn genannten Einschränkungen der Online-Umfrage aber identisch sein sollten, bleibt nur der Schluß, daß vor Weihnachten die Emotionalität sich eher gegen Rücktrittsforderungen richtete, nun aber gegen den Präsidenten selbst.
Und das ist m.E. ein entscheidender Unterschied – wobei meiner Meinung nach die Presselandschaft traditionell etwas exponentiell auf potentielle Angriffe auf die Pressefreiheit reagiert (mit Gruß an unsere ungarischen Freunde).
03. Januar 2012, 17:10 Uhr
Mag sein das sie einer Telefonumfrage durch ein Meinungsumfrageinstitut, das 1000 Personen befragt, mehr glauben schenken, als 31000 Personen die moglicherweise politisch motiviert voten. Ich glaube aber, dass diese meinungsumfrageinstitute ihre umfragen genausogut lenken können in dem sie in bestimmten z.b. wahlkreisen mehr anrufen als woanders.
So kann versucht werden die meinung vieler menschen die die ARD ansehen beeiflusst werden. Die 31000 konnten anonym voten ohne direkt angesprochen zu werden und ein gespräch mit einer person zu führen.
Ich halte daher die meinung von 31000 repräsentativer als die von 1000
Chistopher Lauer von der Piratenpartei hat mal gesagt: “Das Internet wirft alle bekannten paradigmen des 21 Jahrhunderts über den haufen”
Das sollte auch auf den studierten Journalismus zutreffen, vielleicht sollten sich mal anders orientieren.
03. Januar 2012, 17:12 Uhr
Als Wullf noch MInisterpräsident war, waren seine Ethik-Anforderungen an die politischen Repräsentanten so, dass er schon längst als Bundespräsident hätte zurücktreten müssen, würde er seine eigenen verbalen Maßstäbe an sich selbst anlegen.
Das wirklich Schlimme sind nicht seine kleinen Schlampereien, sein Hand-Aufhalten, entscheidend ist sein Krisenmanagement. Wie bei Guttenberg gibt er nur zu, was er zugeben muss, entschuldigt sich viel zu spät und viel zu kleinkariert, schweigt, wo er reden müsste und versagt im Alltag.
Leider benimmt sich die Opposition nicht viel besser, die schweigt und hofft, dass dieser Krug von allein zerbricht.
Feine Bande. So steigt die Politikverdrossenheit.
Im Freundeskreis starten die Wetten. Sie reichen von heute bis zum 15. Januar.
Wir werden sehen, staunen und wieder mal lernen.
Das wäre dann der 5. lebende und kassierende Bundespräsident. Wir haben es ja.
03. Januar 2012, 17:12 Uhr
Nichts desto trotz finde ich es sehr verwunderlich, dass obwohl aktueller Faktenlage sich scheinbar noch 60 % gegen den Rücktritt eines Bundespräsidenten aussprechen, den die Mehrheit doch nie haben wollte.. Es zeigt sich doch immer klarer, dass Herr Gauck die definitiv bessere Besetzung für dieses Würdevolle Amt gewesen wäre.
03. Januar 2012, 17:13 Uhr
Es würde mich nicht wundern, wenn auch bei offiziellen Umfragen Veränderungen zu Lasten von Wulff auftreten würden. Zwei Wochen mediales Trommelfeuer werden eine gewisse Wirkung erzielen. Es gibt ja zz. nicht ein einziges deutsches Medium, das mir bekannt wäre, das sich am Wulff-Bashing nicht beteiligen würde. Eigentlich seltsam, denn so eindeutig ist der Sachverhalt ja nicht. Der Privat- als auch der Bankkredit sind keine verbotenen Handlungen gewesen, sie waren auch keine verbotene “Vorteilsnahme”, und ein Anruf bei dem Wulff lange Jahre politisch verbundenen BILD-Chefredakteur Diekmann ist auch kein “Anschlag” auf die Pressefreiheit, wie man bei tagesschau.de lesen kann. Zumal wenn Wulff befürchten musste, dass aus durchsichtigen politischen Gründen seine Privat- oder Intimsphäre an die Öffentlichkeit gezerrt werden sollte.
Meiner Vermutung nach will man in Wirklichkeit die Bundesregierung treffen, indem man ihr einen Präsidenten à la Gauck vor die Nase setzt.
03. Januar 2012, 17:13 Uhr
Die Umfrage ist also repräsentativ unter den Telefonanschlussinhabern, deren Telefonnummern veröffentlicht werden?
03. Januar 2012, 17:14 Uhr
Ich wüßte wirklich gerne, aus welchen Quellen Meinungsforschungsinstitute wissen bzw. meinen zu wissen, ob der bzw. die von ihnen “zufällig” Befragte, “arm oder reich” ist … ! Und: was weiß man denn noch so alles, bevor man zum Hörer greift??? Krankheiten, sexuelle Vorlieben, moralische Verfehlungen, Vorstrafenregister??? Haarschnitt, Gesichtsprofil ….??? Mir kommt das kalte Grauen …
03. Januar 2012, 17:14 Uhr
Hey Markus,
Ich bin kein Experte, was Methoden und die Durchführung von repräsentativen Umfragen angeht, aber im Normalfall wird man im Rahmen des Telefonats nach diesen Daten gefragt. Ist mir schonmal passiett, dass mein Gegenüber dann kein Interview mehr mit mir führen konnte, weil in dieser Altersgruppe bereits genug Interviews vorhanden waren.
Hoffe ich konnte helfen
Dominik
03. Januar 2012, 17:15 Uhr
Wenn der erste Mann im Staate sein Amt so ausnutzt, was machen denn die Bürger eigentlich?
03. Januar 2012, 17:18 Uhr
Zunächst war ich gegen einen Rücktritt unseres BP.
Da hieß es auch nur, er habe sich Geld von befreundeten Geschäftleuten geliehen.
Moralisch vertretbar – nicht für jeden, aber für mich schon.
Jetzt aber ist Herr Wulff unglaubwürdig, moralisch unanständig und man schämt sich seiner!
Die Darlehen, die erst nach Bekanntwerden genommen wurden
Die günstigen Bedingungen dergleichen
Die vielen Unwahrheiten und Heucheleien über Pressefeiheit usw
Die angeblichen telefonischen Drohungen gegen verschiedene Verlage
Es reicht
Er ist peinlich, unglaubwürdig, das Amt ist beschädigt – in der freien Wirtschaft hieße es: Kündigung fristlos! Aber wir als Deutscher Staat haben Herrn Wulff jetzt für alle Zeit durch zu füttern. Für ein angenehmes leben in seinem tollen Haus, dem günstigen Kredit … Nein ich bin nicht neidisch! Ich möchte nicht tauschen wollen! Man will sich doch morgens im Spiegel noch ansehen können
03. Januar 2012, 17:19 Uhr
Online-Abstimmungen haben dann absolut keinen Wert, wenn das Ergebnis durch Mehrfachabstimmungen erzielt wird. In der Regel ist dies leider möglich, obwohl eine Mehrfachabstimmung durch die Entwickler der Webseiten zumindest erschwert werden kann. Die einfachste Barriere, das Setzen eines Cookies, wird dann nichts nützen, wenn der Anwender durch Einstellung seines Browsers das Setzen von Cookies für bestimmte Webseiten blockieren kann und ihm eine Abstimmung dennoch erlaubt wird. Wirkungsvoller wäre ein Verhindern einer Mehrfachabstimmung derselben IP-Adresse (wenigstens für einen Zeitraum) oder eine Kombination (Cookie + IP-Adresse). Im Interesse der Webseitenbetreiber sollte ein Verhindern von Mehrfachabstimmungen Pflicht sein.
03. Januar 2012, 17:20 Uhr
An Markus:
Solche Listen gibt es.
Hotlines erkennen z.B. an den Nummern der Anrufer, ob diese sich aus einem noblen Villenvorort oder aus dem Arbeiterviertel melden
03. Januar 2012, 17:20 Uhr
Selbst bei einer Wahlprognose am Wahltag erreichen die sog. repräsentativen Umfragen eine Genauigkeit von 2%. Die breite politisch uninteressierte Masse wird von den politisch Interessierten mitgezogen. Wenn sich hier auf Tagesschau 90% der Leute für einen Rücktritt von Wulff aussprechen, zeigt es nur, daß die große Mehrheit der Bevölkerung ihn inzwischen für untragbar hält.
Über Herrn Wulff entscheidet nicht die repräsentative Umfrage sondern die Stimmung im Volk, und die wird durch die Personen bestimmt die sich einmischen und ihre Meinung auch aktiv kund tun. Das Internet ist einfach schneller als Meinungsforscher. Vor einiger Zeit sahen auch die Onlinebarometer noch anders aus, aber die Richtung ist inzwischen klar und der Zeiger schlägt immer heftiger nur noch in eine Richtung aus. Wulff ist Geschichte !
03. Januar 2012, 17:20 Uhr
@Markus
Die Theorie ist einfach, dass bei 1000 völlig zufällig angerufenen Leuten der deutsche Durchschnitt erwischt wird. Es werden nicht gezielt reiche oder arme angerufen.
Es ist z.B. sehr unwahrscheinlich bei 1000 zufälligen Anrufen nur reiche/arme Leute zu erwischen.
Die Tatsache, dass heutzutage viele junge Leute keinen Festnetzanschluss mehr besitzen finde ich aber auch abträglich für die Repräsentativität.
03. Januar 2012, 17:21 Uhr
Auch sollte man immer das genaue Befragungsverfahren , die Formulierungen und hinter der Befragung stehende Unternehmen betrachten. Der ARD-Deutschlandtrend wird wohl von Infratest dimap erstellt. An der TNS Infratest wiederum ist nicht unwesentlich die Kantar Group beteiligt. “Sie besteht aus einem Netzwerk von Tochtergesellschaften, die zusammen das zweitgrößte Marktforschungsunternehmen der Welt formen, welches in mehr als 80 Ländern weltweit vertreten ist.” – Wikipedia.
Ein Zufall?
Hat Deutschland so miese und uneigenständige Meinungsforscher, dass wir politische Befragungen unter ausländischer Beteiligung brauchen?
03. Januar 2012, 17:22 Uhr
Zunächst “Danke” für die Erläuterung zur Differenzierung von repräsentativen und nicht-repräsentativen Umfragen.
Auch wenn die aktuelle Stimmung zu spontanen “Rücktrittsforderungen” verleiten mag, so gelten doch gewisse Prozedere in diesem Staat, die einen Amtsträger letzten Endes für eine gewisse Zeit legitimieren.
Und das ist auch gut so! Sonst hätten wir u.U. jeden zweiten Tag einen von der momentanen Stimmungslage generierten Regierungswechsel.
Auf der anderen Seite wird letzten Endes Herr Wulff vor sich selbst entscheiden müssen, inwieweit die Kumulation von Peinlichkeiten und das nachweisliche Fehlverhalten ein Verbleib in diesem Amt auf Dauer weiterhin rechtfertigen kann oder nicht.
Am Ende wird voraussichtlich der Druck aus diversen politischen Reihen zu groß werden. Vermutlich sogar und massgeblich aus dem eigenen Lager. Denn ein derartiges (Personal-)Debakel passt nun gerade wirklich nicht in die aktuelle “Grosswetterlage” der CDU.
03. Januar 2012, 17:22 Uhr
Was da an das Tageslicht gekommen ist, ist schon hanebüchend. Erst Gelder von der Gattin eines Freundes, die selber über kein Vermögen verfügt, dann war es doch der Freund, dann die billigen Kredite einer Landesbank, die dort mittlerweile für Verwirrung sorgen und nun die diversen Drohanrufe bei der Presse.
Ach, eines habe ich ja noch vergessen, die günstigen Urlaubsaufenthalte in diversen Luxusunterkünften von befreundeten Unternehmern.
Das ist jetzt schon der Zweite aus Niedersachsen, der sich hofiieren und unterhalten lässt, natürlich OHNE JEGLICHE ART VON GEGENLEISTUNGEN, wer’s glaubt wird selig.
Solche Günstlinge mögen im privaten Bereich durchaus akzeptabel sein, bei Personen, die ein Land vertreten jedoch nicht!
Weg mit ihm und ohne weitere Bezüge, er hat ja seine Freunde. Des Weiteren muss auch dringend eine Gesetzesänderung her, die so etwas künftig verbietet.
03. Januar 2012, 17:23 Uhr
Zitat Schönenborn:
“Online-Votings, egal wieviel Zehntausende sich daran beteiligen, sind grundsätzlich unrepräsentativ. ”
Da frage ich mich natürlich, warum Sie überhaupt welche veranstalten…
03. Januar 2012, 17:23 Uhr
Hallo Herr Schönenborn,
den Fragen von Markus schließe ich mich an.
“Meinungsforschungsinstitute wählen die 1000 angerufenen Teilnehmer so aus, dass alle Bevölkerungsgruppen, Alt und Jung, Arm und Reich, Nord und Süd, Mann und Frau, entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung angerufen und in die Umfrage einbezogen werden.”
Ich vermute diese Informationen beruhen auf Statistiken. Z.B. 10% der Deutschen gelten als arm, weil Verdienst unter 800€. Aber wie erreiche ich genau jemanden aus der Gruppe “Arm”
Gruß A.
03. Januar 2012, 17:23 Uhr
Nun ja, repräsentativ nach Alter und Geschlecht mögen die Festnetzanschlüssler sein – repräsentativ sind sie möglicherweise auch entsprechend des Milieus: Wohl eher traditionell, nostalgisch, am guten alten Immer-schon-so-gewesen-und-so-soll-es-bleiben behaftet bleibend. Immerhin sind es dann zwischen 5 und 25% der Bevölkerung – die Modernisierer sind wohl eher woanders zu finden. Und die würden dann wohl auch nicht am ‘Altbewährten’ kleben bleiben. Es ist eben Fluch und Segen des Versuches die wabernde Masse der Gesellschaft in eine frage- und situationskonforme, statische Umfrage zu pressen und die Ergebnisse noch zwei oder drei oder vier Wochen später als repräsentativ zu bewerten.
So what…?!
03. Januar 2012, 17:24 Uhr
Guter Versuch, Herr Schönenborn, aber ich halte dennoch die Online-Umfrage, auch wenn sie unbestritten starke Fehlereinflüsse hat, für eine heute deutlich authentischere Meinungsreflexion als Ihre geschilderte Methode der Telefonumfrage.
Denn sie kommt durchaus nicht in der Mehrzahl von Verärgerten (meine einfache Behauptung in den Raum), sondern eben, wie im ersten Posting schon geschrieben, von den Leuten, die sich politisch interessieren, sicher auch wählen gehen und ansonsten im Leben aktiv sind.
Was tun Sie, wenn Sie irgendwelche Leute anrufen, und: „Wulff, wer is`n das” oder ähnliches Desinteresse und pure Nichtinformiertheit offenbart sich? Arbeiten Sie dann mit Suggestivfragen? Man sieht es ja gelegentlich im Fernsehen, wie extrem uninformiert und ungebildet viele Leute „auf der Straße” heute sind. Deren Meinung ist doch irrelevant, da von keinem Wissen getrübt.
Wenn Sie aber so vorgehen wie beschrieben, wundern mich die komischen Umfragezahlen von Infratest nicht mehr…
03. Januar 2012, 17:25 Uhr
Mich würde interessieren, ob Herr Wulf – falls er zurück tritt – auch lebenslang die Pension mit allen weiteren Vorteilen eines Ex-Bundespräsidenten erhält?
03. Januar 2012, 17:26 Uhr
das Entscheidende ist doch – 90% der Menschen im Web fordern seinen Rücktritt – und das sind die, die sich aktuell informieren…. Wir alle informieren uns doch heute über mehrere Kanäle (Internet, Fernsehen, Zeitung, Radio), die einen etwas schneller und intensiver über Web als die anderen. Ich bin sicher , dass
1. die 60%, die “repräsentativ” gegen den Rücktritt sind, haben einfach ein anderes (langsameres) Informationsverhalten als “WIR”
2. diese “repräsentative” Art der Umfrage hat sich m..E. heute überdauert (zu viele, die kein Festnetz mehr haben)
Gruß
TBA
03. Januar 2012, 17:27 Uhr
@ markus: Meines Erachtens wird bei solchen Umfragen nicht nur eine Frage z.B. zur politischen Einstellung gestellt, sondern es werden auch sozio-demographische Daten erfasst (z.B. Alter, Einkommen, etc.). Bei einer größeren, zufälligen Stichprobe sollte dann jede Gruppe repräsentativ vertreten sein.
03. Januar 2012, 17:28 Uhr
Für mich stellt sich die Frage, was diese Online-Votings überhaupt bringen sollen. Wenn Sie nicht repräsentativ sind, welchen Erkenntnisgewinn zieht man aus Ihnen? Auch das Mißbrauchspotential ist erheblich. Nicht umsonst warnen die tagesschau.de-Macher Organisationen davor, über massenhaften Aufruf zur Abstimmung diese zu verfälschen.
Wie wäre es denn, wenn jeder der abstimmt ein paar Angaben zu Einkünften, Geschlecht etc. angibt. Man könnte so die Abstimmungen sogar noch genauer machen, wie es bei telephonumfragen möglich wäre. Ein geschützter Account könnte den Datenschutz gewährleisten. Es würden sich im Netz sicherlich genügend Freiwillige aus jeder Bevölkerungsgruppe finden, um an einem solchen Abstimmungsprozess zu ermöglichen.
Nach dem im Moment praktizierten Verfahren halte ich Online-Abstimmungen sogar für kontraproduktiv, da Sie einen falschen Eindruck über die Mehrheitsmeinungen der Bevölkerung vermitteln und somit für eine verfälschte Meinungsbildung bei den Usern…