Klimaschutz per Fahrrad in Durban
von Werner Eckert 3. Dezember 2011 14:22 Uhr
Der Verkehrsknotenpunkt vor der Klimakonferenz in Durban ist ein brodelnder Kessel. Alles was Zylinder hat, ist da unterwegs. Uralt-Lastwagen, Kleinbusse in Massen und Autos natürlich. Auch die Delegierten, Vertreter von Umweltverbänden und die Journalisten, alle: rein ins Auto, raus aus dem Auto. Dabei geht es auch anders. Fein aufgereiht vor dem Ausgang stehen 300 Fahrräder. 300 hier und in der Stadt insgesamt 700, erzählt Lenet, die Herrin der Räder. 30 bis 40 am Tag wird sie nur los.
Meistens sind es Delegierte, die sich hier sogar kostenlos bedienen können. Reinhard Heuberger ist so einer, er schiebt gerade eines der funkelnigelnagelneuen Citybikes vom Gelände… Er ist aus Zürich und Radfahren einfach gewöhnt. Ein paar Einheimische Helfer bei der Konferenz greifen auch zu. Aber bei ihnen steht im Vordergrund, dass das billiger ist als ein Taxi. Die meisten aber laufen lieber.. M’kodili aus Uganda erfüllt sich sogar einen Traum. Sie fährt für ihr Leben gerne Rad, erzählt sie, „aber zuhause ist das zu gefährlich, wegen der Straßen”.
Hier kann sie. Kann sie? Ist das denn hier weniger gefährlich? Das klärt sich am besten über einen Selbstversuch: Zweimal Piep und mein Konferenzausweis ist die Lizenz zum Biken. Robert organisiert das und hat einen guten Rat parat: „Die Stadt ist nicht wirklich fahrradfreundlich. Viele Autofahrer halten Biker für eine Seuche. Und ja, Verletzte gibt es auch immer wieder. Für ihn ist das schon seltsam, die Leute, die Fahrräder ausleihen. Auf so eine Idee kommt ein Einheimischer nicht.”
Trotzdem fahr ich los. Aber immer auf dem Bürgersteig, wie mir ein Polizist empfiehlt. Das ist wohl besser so, denn es ist die Hölle los auf den drei- und vierspurigen Straßen in Durban. An Bushaltestellen und zwischen Marktständen durch, arbeite ich mich Richtung Meer vor. Aber: dann geht’s auf breiten Bürgersteigen gut voran. Einmal Indischer Ozean und zurück. Gesund! Geht doch. Lenet nimmt mein gutes Stück zurück und erzählt, dass die kleineren gelben Räder später an Schulen weitergegeben werden – und die schicken silbernen,: die sollen auch nach der Konferenz vermietet werden. Um Durban umweltfreundlicher zu machen. Das hat sich aber offenbar im Verleiherteam noch nicht rumgesprochen. Denn Robert versichert: „So was hat‘s hier noch nie gegeben. Das ist doch nur für die Konferenz. Damit soll die UN beeindruckt werden, das ist doch alles.” Ganz gleich: 4 Kilometer Fahrrad in Durban bedeuten rund 500 Gramm weniger Treibhausgase – oder anders gesagt: ein Pfund Klimaschutz.
Mehr unter www.swr.de/blog/klima – dort sieht man die Fahrräder auch (und mehr)








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04. Dezember 2011, 02:50 Uhr
Die Überschrift ist nicht eindeutig, sie muss heissen “Selbstmord per Fahrrad in Durban”
Stellen Sie sich vor, Sie müssten jeden Tag diese Strecke fahren und dann die Prognose abgeben: Wie lange überlebe ich das? Ich kann mir garnicht vorstellen, wie man da überhaupt Fahrrad fahren kann. Dass es Selbstmord ist, nachts am Strand in Durban spazieren zu gehen weiss ich, aber dort Fahrrad fahren dürfte auf Dauer ähnlich ausgehen.
Das Verhalten der Verkehrsteilnehmer in Durban ist bezeichnend für das Verhalten aller Länder im Klimaschutz: “Erst mal ich, Hauptsache ich komme weiter, was die anderen machen und wie es denen geht ist uninteressant” Mit dieser Haltung, die man wohl bei allen Teilnehmern findet, von den USA über Kanada bis zum ärmsten Pseudo-Staat, kann man keine verbindlichen Abkommen treffen. Das müsste doch jedem Realisten klar sein.
04. Dezember 2011, 10:24 Uhr
@ Diesem Kommentar schließe ich mich zu 100% an: Ich habe über 9 Jahre in Südafrika gelebt – in den Jahren 1955 – 1964 – und seitdem hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert. Fahrradwege . Nicht existent. Fußweg: Selten. Man fährt entweder mit dicken Autos oder läuft auf den Randstraßen zu Fuß: So tun es die meisten schwarzen Südafrikaner.
Radfahren ist und bleibt in diesem Land eine Lizenz zum Selbstmord. Die dort in Durban zur Verfügung gestellten Drahtesel stellen weiter nichts als eine Alibi-Funktion dar. Sie dienen dazu, der Welt zu zeigen:” Seht her, ich tue was für die Umwelt!”.