Mit dem Papst unterwegs 3 – Alle 50 Meter ein Polizist
von Stefan Tröndle 24. September 2011 10:20 UhrZu Beginn dieses Beitrags muss ich mich kurz outen: Ich bin ein Flieger-Fan. Alles was Flugzeuge angeht – das ist mein Ding. Insofern stand für mich bei der Papstreise gestern ein echtes Highlight auf dem Programm: Ein Flug mit der „Konrad Adenauer“ – der A340 der Bundeskanzlerin, die diese Benedikt XVI. für seine innerdeutschen Flüge zur Verfügung gestellt hat. 
Interessant war das Unterhaltungsprogramm an Bord unserer Regierungsmaschine – es gab nämlich auch Videofilme, die man am Bildschirm vor dem Sitz auswählen konnte. Mich hätte jedoch vor allem interessiert, ob sich Benedikt XVI. das Angebot mal angesehen und falls ja, was er dabei gedacht hat. Zur Auswahl stand nämlich unter anderem „Gullivers Reisen – da kommt was Großes auf uns zu“.
Das werden sich die Erfurter wohl auch gedacht haben – zumindest diejenigen, die bei Sicherheitsstufe eins mal kurz versucht haben, über die Strasse zu kommen. Es ist ja ganz schick, in einem eigenen Bus für die Wichtig-Wichtig-Vatikan-Presse mit einer Polizeieskorte und Blaulicht vom Flughafen ins Pressezentrum gebracht zu werden, aber bei der Sicherheit insgesamt wurde in Erfurt echt übertrieben. Während der Fahrt vom Flughafen ins Zentrum stand nämlich entlang der gesamten Strecke auf beiden Seiten der Strasse alle 50 Meter ein Polizeibeamter. Auf mich hat das, vor allem auch im Zusammenhang mit der Forderung, die Anwohner sollten doch bitte Ihre Fenster schließen, einen ziemlich martialischen und nicht gerade einladenden Eindruck gemacht. Mal unabhängig davon, dass päpstliche Limousine und Papamobil gepanzert sind, ist das für Ansehen des Botschafters der Frohbotschaft Jesu vielleicht auch ein bisschen kontraproduktiv: Leute, der Papst kommt, macht gefälligst die Fenster zu! Leicht irrwitzig war dann, dass die breite Strasse vor dem Pressenzentrum und dem Hotel, in dem alle Journalisten wohnten, auch gesperrt war. Die sogenannten – und übrigen auch nachts gut bewachten Wellenbrechergitter – waren sogar verriegelt. Da es keinen anderen Weg gab, musste der komplette vatikanische Pressepool in Erfurt über die Absperrung klettern – im Sonntagsanzug natürlich. Papstreisen, bin ich fast versucht zu sagen, machen gelenkig.










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24. September 2011, 13:21 Uhr
Nein!
Dieser Aufwand und diese Kosten für den Besuch eines einzelnen Menschen, den nur ein Bruchteil unserer Bevölkerung interessiert- – dafür habe ich kein Verständnis und viele andere wohl auch nicht.
Haben wir nicht genug Arme unter uns, die für ein paar Euro mehr dankbar wären?
Es sind doch in den letzten Jahren auch andere Religionsführer als Besucher zu uns gekommen, quasi als bescheidene Touristen, von deren Besuch kein solches Tralala gemacht wurde. Freundlich empfangen, begrüsst in Berlin und sonstwo und mit ein paar freundlichen Worten wieder abgereist.
Das wäre doch auch Aufgabe des Vatikans gewesen, wenn sie ihren Auftrag denn ernst nehmen würden, solche Kosten zu vermeiden mit der Bitte: Gebt das vorgesehene Geld den Armen. Dann wären sie wesentlich glaubwürdiger geworden.
Bei aller Hochachtung, Herr Professor Ratzinger, dafür habe ich kein Verständnis. Ich vermute mal, Sie auch nicht, wenn Sie denn frei reden dürften.
24. September 2011, 17:18 Uhr
Sehr geehrter Herr Tröndle,
wir haben uns wärend des Papstbesuches in Erfurt unterhalten, dass Sicherheitskonzept wird immer weiter ausgedehnt, da die entscheidungstragenden Mitarbeiter politisch abhängig sind (Karriere). Sie haben Angst politisch selbstdarstellerischen Forderungen etwas zu entgegnen. Aus diesem Grund will keiner etwas falsch machen und je weiter die Hirarchei nach unten geht, wird noch ein bisschen Schutz dazu getan. Also nicht wie vielleicht gefordert 1 Polizist auf 100 Meter sondern erst 2 dann 3 ….
irgendwann hat man dann Angst vor den Bürgern und Pressevertrettern und sperrt sie in ihren Häusern ein.
24. September 2011, 17:22 Uhr
Ehrlicher wäre auf jeden Fall sein Erscheinungsbild, wenn sein Besuch halb so viel Kosten verursacht hätte und der Rest des Geldes für soziale Zwecke verwendet worden wäre. Dann würde man bei ihm die Nächstenliebe gleich gezeigt bekommen, falls auch nicht so gut Verständige es verstanden hätten.@Rudi
24. September 2011, 18:00 Uhr
@ Rudi: Dieser einzelne Mensch, wie sie es nennen, ist religiöser Führer von über 1.000.000.000 (!) Menschen! So viel dazu. Und immer dieses Schwachsinnsargument, mit “Gebt das Geld doch den Armen”. Na klar, warum schließen wir nicht alle Museen dieser Welt, und geben es den “Armen”? Warum schaffen wir nicht sämtliche Fussballspiele ab, und geben das Geld den “Armen”? Warum zahlen Sie denn nicht die “paar Euro” für die Armen, wie sie es oben beschreiben? Die Kirche unterhält weltweit zig Tausende Kirchen, und betreibt Seelsorge vor Ort. Da kann auch mal ein Papst zu den Gläubigen vor Ort kommen, auch wenn das manch kleingeistigen Spießern nicht passt…
24. September 2011, 19:20 Uhr
@ andreas l: ich stimme Ihnen voll und ganz zu. die katholische kirche betreibt so viel seelsorge und die meisten spendengelder bei organisationen sind von katholiken.
warum muss man sich dann darüber beschweren, dass der papst EINMAL kommt und die kosten dafür genau so hoch sind wie die für ein fußballspiel (was ja nicht nur – nebenbei bemekrt – einmal in 10 jahren vorkommt)? deutschland sollte sich geehrt fühlen dass der papst kommt und nicht sich über die kosten aufregen!
24. September 2011, 21:38 Uhr
Paul, da geht noch was. Beim ddr-Besuch von Kanzler Schmidt standen die Bereitschaftspolizisten auf Armlänge nebeneinander.
25. September 2011, 02:52 Uhr
@4 Andreas L.
Ihre Begriffe möchte ich gern in die richtige Reihenfolge bringen:
Der Papst ist nicht der Geistige Führer von 1 Mill.Christen, sondern der Aufpasser des Vatikans, dass diese genau nach den verstaubten Regeln und Dogmen des Vatikans leben. Wer ist denn der Geistige Führer der anderen 5 Milliarden? Erinern Sie sich noch an die Südamerika-Reise des letzten Papstes, wie die Armenpriester öffentlich abgekanzelt wurden für ihr barmherziges Handeln? Beschämend!
Zur Christlichen Tuged gehören auch Bescheidenheit, Demut und Nächstenliebe.
Schauen Sie auf die Prunkgewänder der Besucher und das ganze Brimborium drumherum: Bescheidenheit?
Beobachten Sie die Arroganz im Umgang mit evangelischen Menschen: Demut?
Sehen sie den Prunk und den Aufwand im Vatikan: Nächstenliebe zu den Hungernden auf der Welt?
Wo würden Sie die “Spiesser” nun einordnen?
Der Papst ist als bescheidener Besucher jederzeit willkommen, aber doch nicht so.