Was ist eigentlich ein Wahlsieger?
von Jörg Schönenborn 18. September 2011 15:42 UhrSpannende Diskussion in der Redaktion beim Blick auf die ersten internen Zahlen, über die ich hier natürlich nichts schreiben darf: Was macht eigentlich einen Wahlsieger aus? Wer darf heute Abend vor die Kameras treten und mit Fug und Recht behaupten, wir haben gewonnen?
Ein Kriterium ist der Vergleich mit der letzten Wahl. Steht ein Plus oder ein Minus vor der Vergleichszahl? Hat man zugelegt? Welche Partei hat am meisten zugelegt? Wenn man die Umfragen der letzten Wochen zugrunde legt, dürften sich dann vor allem Grüne und Piraten als Sieger bezeichnen. Oder ist einfach Wahlsieger, wer die meisten Stimmen bekommt? Ganz egal, ob die Partei bei der letzten Wahl genau so viele, mehr oder weniger Stimmen hatte? Dann stünde zumindest nach den Umfrage der Sieger fest: Die SPD.
Oder ist man Sieger, wenn man nachher die meisten politischen Gestaltungsmöglichkeiten hat, wenn man zwischen Koalitionären wählen und mit viel Druck verhandeln kann? Auch dann liefe der Wahlsieg heute wohl am ehesten auf die SPD zu.
Ich bin gespannt auf die Meinungen in dieser Runde.









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18. September 2011, 15:49 Uhr
Es ist sicherlich anders, allerdings liest sich der blog ein wenig so:
“Wir dürfen zwar nichts verraten, tun es aber trotzdem unter der schutzbehauptung uns auf die letzten umfragen zu beziehen”
sehr gut
18. September 2011, 15:56 Uhr
Ich sage immer Statistik ist geduldig. Ausser bei einer totalen Niederlage, wie es der FDP blühen könnte, wird man für seine Partei immer was positives bzw für den Gegner was negatives finden.
Die SPD wird behaupten sie sei Wahlsieger, weil sie die stärkste Partei bleibt und die Regierungsverantwortung (was ja eigentlich unsinnig ist und damals seit Kiesinger gegen SPD/FDP bekannt sein sollte) weiter inne hat, die CDU wird dagegen sagen, die SPD hat aber Wählerstimmen verloren.
Die Grünen werden ihre 20 % feiern, aber vergessen, dass sie im März/April noch den reg. Bürgermeister stellen wollten.
Aber ich hätte mal noch zwei Fragen an Sie:
zum einen, sind in den Zahlen zur Wahlbeteiligung bis Mittag eigentlich schon die Briefwahlstimmen mit einbezogen?
und die zweite Frage ist, inwieweit sich die internen Zahlen eigentlich im Laufe des Tages verändern oder umgekehrt gefragt, könnten Sie um 12 Uhr schon sagen wer die Wahl gewonnen hat.
18. September 2011, 16:00 Uhr
Aha, dann wird also die SPD stärkste Partei, aber nur unter Verlusten?
In der Tat ein wenig verräterisch, Ihr Blog-Eintrag, Herr Schönenborn. Aber ich hoffe trotzdem, dass Sie ihn stehen lassen.
Wahlsieger ist für mich auf jeden Fall immer die stärkste Partei. Etwas anderes ist, wer der Gewinner der Wahl ist. Das ist dann zweifelsohne die Partei mit den höchsten Zugewinnen, in diesem Fall ja wohl die Grünen.
Was die Grünen angeht, ist das mit der Gewinner-Rolle aber natürlich so eine Sache. Schließlich hatte diese Partei ursprünglich mal viel höhere Erwartungen in Berlin als “nur” ein paar Prozentpunkte hinzuzugewinnen und vielleicht über 20 Prozent zu kommen. Darauf ist Ihre Frage, Herr Schönenborn, ja wohl auch gemünzt.
Insofern rechne ich heute Abend mit einem ziemlich ernüchterten “Wahlgewinner”, der sich zwar demonstrativ das Ergebnis schönreden wird (Motto: “Wir haben deutlich zugelegt”), aber der weit unter den ursprünglichen Erwartungen geblieben ist.
18. September 2011, 16:02 Uhr
Sieger gibt es nicht !
Multiplizieren sie die Ergebnisse mit der Wahlbeteiligung – dann sehen Sie wie wenig Ansprache die Parteien in der Bevölkerung finden. Erst wenn die Leistung und das Können in der Politik angekommen ist und nicht nur das Parteibuch zählt, wird sich was für die Bürger ändern.
Parteibuch und Geld regiert die Welt!
18. September 2011, 16:04 Uhr
Ein Wahlsieger ist in meinen Augen derjenige, der die künftige Regierungskoalition führen kann. Denn schließlich ist das Ziel einer Wahl die Bestimmung der Repräsentanten der Wahlberechtigten in der jeweils betreffenden Institution. Meines Erachtens ist da weniger entscheidend, ob die Partei nun ein paar Prozentpunkte mehr oder weniger erhalten hat.
Egal wie man es journalistisch auch angehen möchte, ich denke die Partei-Statements werden größtenteils sowieso von einem Gewinnerton geprägt sein.
PS (am Rande): Vielleicht sollte sich die FDP nicht als Gewinner fühlen, wenn sie die 5 Prozent knackt. Aktuell wird auf Twitter dazuaufgerufen, die Piraten zu wählen, aber dann bei der Nachwahlbefragung FDP anzugeben, sodass es Überraschung gibt, sobald sich die Ergebnisse von den ersten Prognosen entfernt haben…
18. September 2011, 16:10 Uhr
Wenn genügend Bürger wählen gehen heißt der Wahlsieger “Demokratie:”
18. September 2011, 16:16 Uhr
Aktuell wird auf Twitter dazuaufgerufen, die Piraten zu wählen, aber dann bei der Nachwahlbefragung FDP anzugeben, sodass es Überraschung gibt….
Das Ende der Demoskopie?
18. September 2011, 16:20 Uhr
Ich hoffe einfach, dass sich in Berlin im Wahlergebnis das abzeichnet, was der bundespolitische Eindruck in Sachen FDP ist. Denn diese Partei “fliegt” nicht grundlos aus diversen Länderparlamenten. Sie wird in massiver Art und Weise vom Volk ABgewählt!
Sollte die FDP heute den Wiedereinzug ins Berliner Abgeordnetenhaus nicht schaffen, feier ich als Staatsdiener ein kleines Fest. Bislang bin ich mir sicher, dass die Koalition bis 2013 hält! Es wird jedoch gehörig wackeliger, wenn die FDP heute Abend auch in Berlin “Au revoir” sagen muss.
18. September 2011, 16:20 Uhr
Wahrscheinlich ist neben der SPD auch noch die Piratenpartei Sieger. Es verspricht in jedem Fall spannend zu werden.
Aber auch für die Bundespolitik… Kommt die FDP unter 3% und die CDU nicht über 22-23% sollte sich Merkel ernsthaft Gedanken machen! Vielleicht sollte die Konsequenz aus der Berlinwahl eine Neuwahl auf Bundesebene sein! Was wird sonst z.B. aus Schleswig-Holstein?! Regiert Merkel in der Chaos-Koalition weiter, wird Schleswig-Holstein zu ebenso einem großen und dramatischen Niedergang der CDU und der FDP, wie in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen.
Berlin kann das Ende der schwarz-gelben Regierung einläuten. Hoffentlich. Unser Land, Europa braucht eine starke deutsche Regierung. Die gibt es aber nicht. Dagegen ist die Zukunft der CDU und der FDP völlig unbedeutend…
18. September 2011, 16:21 Uhr
Es werden hoffentlich nicht wieder alle am Abend zum Wahlsieger ohne Widerspruch erklärt. Fakt ist, dass die Zunahme der absoluten Wählerstimmen ein klarer Anzeiger für einen Gewinn oder eben die Abnahme für einen Verlust an Stimmen.
Wer absolute Stimmen gewinnt und im Verhältnis zu anderen Parteien und Listen sich der Zugewinn auch noch deutlich abhebt, darf sich auch mit Fug und Recht als Gewinner bezeichnen.
Schade, dass trotzdem sich am Abend erstmal wieder alle zu Siegern erklären werden.
18. September 2011, 16:23 Uhr
Mit dieser Aktion stellen die Piraten (oder zumindest einige ihrer Anhänger/Mitglieder) endgültig unter Beweis, dass sie eben doch nur eine Spaß-, bestenfalls eine Protestpartei sind. Entgegen aller Beteuerungen ihrer Parteispitze, dass ihr auch die politischen Inhalte wichtig seien… Braucht man so etwas wirklich in den Parlamenten?
Jedenfalls, um die Diskussion nicht zu weit weg vom Thema zu bringen: Die Piraten werden sich wahrscheinlich heute Abend nicht nur als Wahlgewinner, sondern auch als Wahlsieger sehen — unabhängig von der Höhe der Zugewinne oder der Tatsache, dass sie natürlich nicht stärkste Kraft werden. Insofern ist die Interpretation des Begriffs “Wahlsieger” immer höchst individuell…
18. September 2011, 16:31 Uhr
Hier ein Nachtrag zur Frage: Wer ist Wahlsieger: http://www.youtube.com/watch?v=nFJlProJCug
18. September 2011, 16:46 Uhr
Wahlsieger an sich gibt es nicht. Am Ende entscheidet die Mehrheit der Stimmen im Parlament, die einen Regierungschef wählt. Das können auch drei Verlierer sein, die zusammen mehr Stimmen haben als ein Gewinner. Bestes Beispiel Helmut Kohl gegen Helmut Schmidt. Kohl hatte an die 49%, SPD + FDP allerdings 51% der Sitze.
Leider wird heutzutage ja nur auf die Prozente geguckt, dabei kann man leicht 2% Zugewinn haben, obwohl man deutlich weniger Stimmen hat als beim letzten Mal. Das erweckt dann einen falschen Eindruck. Die SPD z. B. hatte in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen jeweils fast die schlechtesten Wahlergebnisse aller Zeiten, wenn man auf die gewonnene Stimmenzahl guckt, sogar die klar schlechtesten Ergebnisse, trotzdem freute sie sich wie Bolle und feierte sich als großen Wahlsieger. Die Medien, deren Redakteure anscheinend mit Zahlen kaum umgehen können, halten sich an die Prozentergebnisse und vermitteln so der Bevölkerung falsche Eindrücke von der Wirklichkeit.
18. September 2011, 16:47 Uhr
Der Wahlsieger ist immer die teuertse Alternative, nämlich der, von dem sich die Wähler die meisten Vorteile versprechen, bzw. derjenige oder diejenige, die den Wählern die dicksten Versprechungen gemacht haben. Beide, Erwartungen und Versprechungen kosten viel Geld und müssen in der Regel über neue Schulden finanziert werden. Die Ehrlichkeit und den Mut hat keiner, sich da vorne hinzustellen und zu sagen: Leute, wir sind pleite. Wir müssen aus unseren Schulden rauskommen und dafür auf viele Annehmlichkeiten verzichten. Auf so en Wahlergebnis wäre ich mal neugierig. Aber solange wir Wahlkampf machen dürfen, solange gibt es auch die “Grossen Versprechungen” natürlich auf unsere Kosten und solange reiten wir uns immer weiter in den Sumpf hinein.
18. September 2011, 16:48 Uhr
Beim Wahlergebnis zum Abgeordnetenhaus in Berlin interessiert mich in erster Linie das Abschneiden der FDP. Fliegt sie auch hier raus, dann müsste es der Kanzlerin endlich dämmern, mit welchem Kasperletheater sie uns eigentlich regiert. Warum sagt Angela Merkel nichts?
18. September 2011, 17:00 Uhr
Das wirklich Traurige in Berlin: Hier wird es in den kommenden Jahrzehnten keine Wahlsieger geben, weil es keine echten Gestaltungsmöglichkeiten gibt. 63 Milliarden Euro Schulden sind eine schwere Last, die in absehbarer Zeit nicht abbaubar sind. Somit fällt einem Wahlsieger, wenn er denn auch die Regierung führt, lediglich die Rolle des Schuldenverwalters zu. Keine schöne Aussicht.
18. September 2011, 17:01 Uhr
Egal wer sich heute Abend als Wahlsieger fühlen darf und wer nicht: Verlierer wird die Demokratie sein. Die ersten Zahlen zur Wahlbeteiligung lassen nichts Gutes erahnen. Die Parteien schaffen es nicht mehr, die Menschen zu erreichen. Dieses Erkenntnis ist nicht neu, allerdings wurde seitens der Parteien auch wenig getan, um diesen Trend zu stoppen. Wenn Menschen heute auf Slogans und Statements wie “Arm, aber sexy” (gemeint war Berlin) anspringen, zeigt es, welchen Stellenwert Politik heute noch hat oder aber auf welchem allgemeinen Niveau sie sich bewegt. Und übrigens: Kann sich jemand als Wahlsieger fühlen, der vielleicht 35% der Stimmen erhält, aber nur 60% der Wahlberechtigten an die Urne gingen?
18. September 2011, 17:14 Uhr
Gibt es bei sinkender Wahlbeteiligung ÜBERHAUPT Wahlsieger? Kann man Wahlsieger sein, wenn man von grob einem Drittel der Hälfte aller Wahlberechtigten gewählt wurde, und die komplette andere Hälfte zu Hause blieb?
18. September 2011, 17:25 Uhr
Wenn die FDP nun doch über 5 % ist hat sich die klare Position zur unverantwortlichen Geldverbrennung in Europa gelohnt!
18. September 2011, 18:57 Uhr
Wahlsieger ist für mich ganz klar die Partei mit den meisten Prozenten. Unabhängig davon, wie sie das letzte Mal abschnitt oder wie hoch die Wahlbeteiligung war.
Sicher ist eine niedrige Wahlbeteiligung ein herber Verlust für die Demokratide, aber die freundliche Interpretation ist doch, dass diese Menschen mit dem Ergebnis zufrieden sind und ihre Stimmen in der endgültigen Prozentzahl aufgesplittet abgegeben haben.
Wenn das nicht so angesehen wird, gäbe es nur noch eine Möglichkeit die Demokratie zu retten: Wahlpflicht. Wird in Luxemburg parktiziert. Wer mit den Menschen dort redet, hört aber erstaunlich wenig Begeisterung über diese Methode, eine hohe Wahlbeteiligung zu erreichen (und nach der Interpretation einiger Forenteilnehmer der Regierung wirklich die Legitimität zu geben, die die jetzigen Prozente ausdrücken).
18. September 2011, 18:58 Uhr
Super, FDP mal wieder “Goodbye”. Ein erfreulicher Abend. Die Versuche, im ebigen Interview mit Frau Schausten Normalität und Gottvertrauen auf Bundesebene zu signalisieren sind für diese Partei einfach nur noch erbärmlich.
18. September 2011, 19:09 Uhr
Typisch Politik, typisch Politiker. Die SPD verliert an Stimmen und tut trotzdem in den Medien so, als hätte sie welche hinzugewonnen. Ich bin selbst SPD Parteimitglied. Mein Glückwunsch an Wowi!
Über die Stimmenanteile der Piraten kann ich nur staunen. Der Erfolg dieser Partei sollte jeden Demokraten glücklich stimmen, denn von ihr kann ein neuer Wind ausgehen, zumal junge Menschen das Bild der Piratenpartei prägen.
Die FDP ist am Boden! Ich kann der statistischen Erhebung über die Gründe des Niedergangs der Partei nur voll und ganz zustimmen. Die Partei braucht fähige Leute an ihrer Spitze, die Partei wirkt zu zerstritten. Rösler, Brüderle und Westerwelle haben in der Politik nichts zu suchen!
Ganz zu schweigen von unserem Entwicklungsminister Niebel. Erst ist die FDP für die Abschaffung dieses Ministeriums, dann besetzt sie es selbst nach der Bundestagswahl.
Wie soll man so eine Partei ernst nehmen?
18. September 2011, 19:14 Uhr
Sportlich betrachtet ist der Sieger der ERSTE, Gewinner. Erweitert, wer auf dem Podest steht. Bei allem weiterem dürfte es sich nur um interne Sieger handeln, die ihr eigenes Ziel erreicht oder überschritten haben. Dies berücksichtigt aber nicht, wer sich mit Absicht zur eigenen Anspornung zu hohe Ziele gesetzt hat. Auch ist eine Betrachtung wie im Kindergarten möglich: Es gibt keine Verlierer, nur kleinere Sieger, wir sind alle Sieger, die es versucht haben.
Demokratie ist in diesem Zusammenhang nie Sieger, weil die Demokratie (hier) gegen nichts angetreten ist.
In der politischen Diskusion ist die Aussage “ich bin Sieger” wertfrei und nur retorik weil kein Bezugssystem und Wettbewerb nachvollziehbar angegeben wird. Aber auch Selbstlob ist für die Gemeinschaftsbildung soziologisch wertvoll. Nur keine Aussage für die Medien. Ich würde solche Beiträge gestriktiv in die Berichterstattung übernehmen um die neutrale Position nicht zu verlieren.
18. September 2011, 19:21 Uhr
Eventuell sollte man statt von Sieger eher von (zu-) Gewinner reden und dies sprachlich mehr differenzieren was man mit Sieger meint. So kann die Demokratie an Gewicht und Stabilität gewinnen, sie ist jedoch kein Sieger.
18. September 2011, 19:45 Uhr
Alle erklären sich zum Sieger, außer der FDP, die ja nichtmal mehr ihrem Namen (Fast Drei Prozent) gerecht wird…