Ja, es ist ein bisschen früh. In Berlin ist noch nicht richtig ausgezählt, aber es lohnt sich trotzdem auf die Trends des Super-Wahljahres zu gucken. Dieser Trend hat eine eindeutige Farbkombination und die ist rot-grün.

Anfang des Jahres gab es in 16 Bundesländern nur zwei rot-grüne Koalitionen, nämlich in Bremen und Nordrhein-Westfalen. Mittlerweile sind es vier, die in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind hinzugekommen und es könnte mit Berlin eine fünfte geben. Wenn man nur auf die Parteien guckt, haben die Grünen einen Durchmarsch gemacht.  Als einzige Partei haben sie bei allen sieben Wahlen dieses Jahres zugelegt. Dabei haben sie in Baden-Württemberg, Bremen und Berlin die drei besten bundesdeutschen Landtagswahl-Ergebnisse aller Zeiten erzielt. Und: Sie stellen zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Ministerpräsidenten. Nicht zu vergessen: Nie zuvor waren sie außerdem in allen deutschen Landtagen vertreten.

Auch der Verlierer lässt sich leicht identifizieren. Es ist die FDP. Im Februar in Hamburg gab es noch Grund zur Freude. Mit leichten Zugewinnen hatte sie den Sprung in die Bürgerschaft geschafft und war vier Wochen lang in allen deutschen Landtagen vertreten. Dann kippte sie nacheinander in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin raus aus den Parlamenten – aus 16 mach elf.

Auch die Linke muss man wohl zu den Verlierern zählen. Für die Statistik hatte sie zwar leichte Zugewinne in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern, aber machtpolitisch hatte sie nichts zu bestellen. Nirgendwo kam sie zusätzlich auf die Regierungsbank. Im Gegenteil: Die Ausweitung rot-grüner Koalitionen ist ein Zeichen dafür, dass die Linke in vielen Bundesländern strategisch nicht gebraucht wird.

Bleibt der Blick auf die Union. Die ist eigentlich seit 2005 auf der Verliererstraße. 24 mal wurden unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel Landtage gewählt, 20 mal stand ein negatives Vorzeichen vor dem Ergebnis, gab es prozentuale Verluste. Und wenn die Partei gewonnen hat, waren es oft Sondereffekte, wie bei der Wiederholung der Landtagswahl in Hessen oder bei der Wahl in Brandenburg, die zeitgleich zur Bundestagswahl stattfand und deswegen eine extrem hohe Wahlbeteiligung hatte. Das Ergebnis heute in Berlin könnte für die CDU eine Trendwende markieren. Die Zugewinne sind in der Höhe überraschend. Sie haben ein bisschen mit einem respektablen örtlichen Kandidaten zu tun und eine Menge damit, dass in der Euro-Krise die Wählerinnen und Wähler noch am ehesten der CDU, Finanzminister Schäuble, und der Bundeskanzlerin vertrauen. Allerdings haben die CDU-Zugewinne machtpolitisch gesehen einen hohen Preis: Sie werden nämlich von Verlusten der FDP überkompensiert, was nichts anderes als dies bedeutet: schwarz-gelb in den Ländern wird immer unwahrscheinlicher.