Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung auf Türkeireise

Maria Böhmer will vorankommen, deshalb sitzt sie sehr viel. Auf einem Sessel an der Schreibtischkante beim Bürgermeister von Trabzon.

Bei der türkischen Familienministerin auf einem nüchternen Bürostuhl.

Beim Präsidenten des Amtes für im Ausland lebende Türken auf einem schwarzen Sofa.

50 Jahre alt wird das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei Ende Oktober. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung sagt freundlich, viele Türken hätten in Deutschland ihre Heimat gefunden, andere seien zurückgekehrt. Böhmer spricht von Brückenbauern und von Chancen. Und dann zeigt sie in der Runde auf eine junge Juristin aus ihrem Arbeitsstab. Der Hinweis darf in keinem Gespräch fehlen. Die junge Frau ist doch das beste Beispiel. Ihre Familie kam aus der Türkei, sie ist in Deutschland aufgewachsen. Ihre Geschichte zeige, sagt Maria Böhmer, dass man mit Unterstützung der Familie und eigenem Willen die Chancen nutzen kann, die Deutschland bietet. Ihre türkischen Gesprächspartner nicken anerkennend. Eine schöne Geschichte. Aber noch schöner wäre, die Gespräche hätten auch Ergebnisse. Doch wenn die Männer in den dunklen Anzügen die Journalisten auf die Gänge schicken und die Türen schließen, bleibt im Sitzungszimmer vieles offen und vage. Maria Böhmer kann zumindest so viel Konkretes bieten: Ende des Monats werde der Bundestag ein Gesetz beschließen, das die Anerkennung ausländischer Abschlüsse leichter macht. Es hat lange gedauert bis zu diesem Gesetz. Sehr viel konkreter wird es bei den Treffen nicht. Beispiel Religionsfreiheit: Der türkische Innenminister will prüfen, ob kürzlich beschlossene Verbesserungen für religiöse Minderheiten vielleicht auch katholischen und evangelischen Gemeinden zustehen könnten. Prüfen, immerhin. Böhmer hofft auf weitere Erleichterungen für Türken mit deutschem Pass, doch bei der sogenannten „blauen Karte“, die Böhmer so lobt, bleiben am Ende mehr Fragen als Antworten. So geht es auch bei anderen Themen weiter. Mit der Familienministerin aber ist sich Böhmer einig, strahlt sie: Man muss mehr tun für die Bildung und Ausbildung von Frauen und sie besser gegen Gewalt schützen. Darüber hatte Maria Böhmer in Trabzon auch mit Vertreterinnen von Frauenorganisationen gesprochen. In einem engen Raum an einem alten Holztisch, ganz ohne Blumenschmuck und Fähnchen. Was die Frauen dort erzählten, war um einiges konkreter als die Gespräche mit Regierung und Behörden. Am Ende dieses langen Tages in vielen Sitzungszimmern nimmt Maria Böhmer wenigstens eine Idee mit: Eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Familienministerien beider Länder zur Frauenpolitik könnte es geben. Könnte. Denn die Staatsministerin kann darüber nicht selbst entscheiden. Das muss schon ihre Kabinettskollegin, Familienministerin Schröder tun. Vermutlich wäre alles etwas anders, wenn die Koalition sich entschieden hätte, aus der Integrationsbeauftragten eine echte Ministerin zu machen. Doch so bleibt Maria Böhmer nur das Gespräch. Und da muss sie für kleinste Schritte eben oft lange sitzen. Selbst am Abend geht es nur schrittweise voran, die Staatsministerin steckt im abendlichen Stau von Ankara. Es wird knapp. Aber am Ende kommt sie trotz großer Verspätung gerade noch rechtzeitig.