Massaker als Marketing: Das Manifest des Massenmörders
von Patrick Gensing 24. Juli 2011 11:17 UhrDas Motiv für den Massenmord in Norwegen ist klarer geworden: Der rechtsradikale Norweger B. wollte Aufmerksamkeit für sein “Manifest” schaffen und durch das Massaker weltberühmt werden, um seine kruden Thesen möglichst weit zu verbreiten. Das geht laut norwegischen Medienberichten aus dem Geständnis des 32-Jährigen hervor. B. hatte demnach sein etwa 1500-Seiten-umfassendes “Manifest” eine Stunde vor den seit Jahren geplanten Anschlägen an rechte Politiker in Skandinavien geschickt.
Nun erklärt sich auch, warum B. die Jugendorganisation der Arbeiterpartei angriff und möglichst viele Jugendliche ermordete. B. beklagte nämlich einen vermeintlichen Siegeszug des “kulturellen Marxismus”, der aus der “destruktiven” Frankfurter Schule hervorgegangen sei. Dieser Siegeszug sei Voraussetzung für die “Islamisierung Europas” – so die bekannte Argumentation von B. und anderen “Islam-Kritikern”, die nicht weniger als die Abschaffung Deutschlands (Sarrazin) oder eben Europas (B.) prophezeien. So wird ein Szenario entworfen, in der Selbstverteidigung gegen einen vermeintlichen Massenansturm von islamistischen Horden als legitim erscheint. Nicht umsonst finden sich in B.s Kommentaren auf einer rechtsradikalen Internet-Seite ausführliche Statistiken über den Anteil der islamischen Bevölkerung in europäischen Großstädten.
Damit nicht genug, durch die religiöse Komponente Christentum gegen Islam könnte B. in seinem Wahnsinnsverbrechen eine quasi heilige Tat gesehen haben. Den Nachwuchs der Arbeiterpartei, die in Norwegen die Regierung stellt und das Land mit Unterbrechungen über Jahrzehnte regiert hat, könnte er als Träger der Ideen der Frankfurter Schule und 68er in dem skandinavischen Land identifiziert haben. Durch den Massenmord an dem sozialdemokratischen Nachwuchs erreicht der rechtsradikale Attentäter zwei Ziele: Maximale Aufmerksamkeit für seine Tat – und B. eröffnet aus seiner Sicht seinem Land eine bessere Zukunft, da der Arbeiterpartei viel Nachwuchs verloren gegangen ist, die Ideen der Frankfurter Schule geschwächt werden. Der zweite Teil seiner Rechnung dürfte nicht aufgehen: Ministerpräsident Stoltenberg hat in beeindruckenden Ansprachen bereits mehrfach deutlich gemacht, dass die Antwort der Norweger auf dieses Hass-Verbrechen nicht weniger, sondern mehr Demokratie und Solidarität sein werden. Die Qualitäten der norwegischen Gesellschaft, Toleranz und Offenheit, sollen erhalten bleiben, betonte der Premier.
B.s Thesen zu Islam und 68ern lassen sich Millionenfach in Internet-Foren und auch Mainstream-Medien nachlesen. Unter dem Banner der Meinungsfreiheit (“Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!”) wird eine angebliche linke Meinungshegemonie sowie der drohende Untergang des Abendlandes beklagt. Eine brisante Mischung aus Minderwertigkeitskomplexen und Chauvinismus, die mit religiösen Elementen angereichert offenbar das Motiv für den Massenmord in Norwegen geliefert hat. Der Kampf der Rechtsradikalen für mehr Freiheit ist das genaue Gegenteil, die Konsequenzen sind Gräben in der Gesellschaft, Intoleranz, Hass – und nun sogar Massenmord.
Vielleicht gibt das bürgerlichen Kreisen in Deutschland, die gerne mit vermeintlichen Tabubrüchen kokettieren, auch endlich zu denken.








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24. Juli 2011, 18:58 Uhr
Mir fällt auf, wie abschließend bewertend das Gedankengut dieses Mannes beiseite geschoben wird. Als ob die getroffenen Aussagen ein Wahrheit in sich trügen.
24. Juli 2011, 18:59 Uhr
Bemerkenswert ist, das war kein Amoklauf. Dies war offensichtlich ein politisch motivierter terrorristescher Akt, jedenfall sieht es der Täter so. Für eine so radikalisierte brutale menschenverachtene Tat gibt es gar keine Erklärung, außer eine vorhandene psychiatrische Erkrankung.
Er hätte sich warscheinlich willkürlich auf jedes Feindbild gestürzt, das gerade present gewesen wäre,
nur um seine eigene Bedeutungslosigkeit nicht spüren zu müssen.
Um Nachahmer zu vermeiden, sollte man diesem Verrückten keine Öffentlichkeit bieten, wo er noch mehr mit seinen wirren Thesen hausieren kann.
24. Juli 2011, 19:19 Uhr
Begriffsverdrehung “Christlicher Fundamentalismus”
In den Nachrichten wird im Zusammenhang mit der barbarischen Tat des Oslo Mörders
immer wieder von “christlichem Fundamentalismus” gesprochen.
Es ist schlichtweg falsch, wenn erklärt wird , das dieser ein Morden rechtfertigen würde
um ihn diesen dann auch noch in einen Topf mit dem islamischen Fundamentalismus zu werfen.
Jeder kann im Neuen Testament die Lehren Jesu nachlesen, z.B. “Liebet eure Feinde”.
Jesus Christus hat stets zur Gewaltlosigkeit aufgerufen und war so gesehen das Vorbild
aller Pazifisten. Wenn in der Bibel von Kampf gesprochen wird (Eph. 6,12), dann ist dieser immer mit geistlichen Waffen auszuführen (z.B. Gebet) und niemals gegen Menschen gerichtet.
Das ist christlicher Fundamentalismus! Wer dennoch im Geiste eines “Kreuzrittertums” handelt und und sich das Recht zum Töten herausnimmt, sollte sich nicht auf christliche Werte stützen.
Die allg. Berichterstattung könnte in diesem Punkt mal etwas…
24. Juli 2011, 19:41 Uhr
Es geht nicht um Christentum oder Islam, nicht um links oder rechts. Einer der sowas tut ist entweder zu dumm (da er die Kausalität falsch versteht/interpretiert) oder psychisch gestört. (auf jeden Fall nicht mehr zu retten)
Leider muss sich aber auch unsere Gesellschaft (und auch hier: nicht links, nicht rechts und auch nicht diese oder jene Religion) Gedanken machen, wie man eine Person, die auf dem falschen Weg ist, auffangen und in das gesellschaftliche Leben wieder einbringen könnte.
(wenn es einen Gott gibt, würde er bestimmt nicht wollen, dass irgendjemand seine Kinder umbringt)
24. Juli 2011, 20:03 Uhr
Wäre es nicht möglich den vermeindlichen Soziopathen in seinen Spinnereien zu unterstützen indem wir ein solches menschenverachtendes Gedankengut in unserer Gesellschaft als freie Meinungsäußerung tolerieren?
Mit besten Wünschen
24. Juli 2011, 20:03 Uhr
[...] Analyse: Massaker als Marketing für krude Thesen [...]
24. Juli 2011, 20:05 Uhr
[...] Tagesschau-Blog schreibt Patrick Gensing zum Beispiel: Unter dem Banner der Meinungsfreiheit (“Das wird man ja wohl noch sagen [...]
24. Juli 2011, 20:13 Uhr
Selbstverständlich ist die Formulierung “christlicher Fundamentalismus” zu nehmen! Solange die Mehrheit der gesellschaft, die Medien und die politik vor einem bösen “islamischen Fundamentalismus” warnen ohne auf Kenner der Religion einzugehen, die sagen die Religion sei von Grund auf friedlich, solange werde ich auch das gerede irgendwelcherChristen ignorieren…
Alternativ könnte man natürlich allgemein eine differenziertere Sicht der Dinge wagen, aber das trau ich unserer Gesellschaft nicht zu..
Und das man doch bitte rassistische Autoren und rassistische Täter nicht in einen Topf werfen soll, kann auch nur eine Forderung von Menschen sein, deren Weltbild gerade einen herbe Schlag zu verkraften hat und mit aller Kraft gerettet werden soll…
24. Juli 2011, 20:19 Uhr
leider oder gott sei dank bin ich ein einfacher mensch ,es ist erschütternd was auf dieser welt passiert,
der mensch ist meiner meinung das erbermlichste,agresiefste,perwerseste,gemeinste wesen das es jemals gegeben hat und es gibt kein tier der welt das sich so verhalten und jemals sein würde,doch die kreatur mensch mast sich dieses verhalten an und führt es auch aus.
dieses verhalten hatt nichts mit glauben oder christentum zu tun,denn meine eltern gott habe sie seelig,haben uns etwas anderes gelehrt,liebe deinen nächsten nicht wie dich selbst sondern über alles tue nur gutes und nicht böses oder schlechtes,sei für alle da für gute und auch schlechte menschen oder auch deine feinde ,vergebe und verzeie und tue im namen jesus nur gutes,dies ist das ware christentum,nicht rache nicht vergeltung,sondern bedauern und mitleid für alle und wie wir hoffen ein fiedliches leben in einer anderen welt bei gott und all unseren brüdern und schwestern,gott verzeihe ihnen alle u.nehme sie alle…
24. Juli 2011, 20:26 Uhr
Sie unterstellen der Tagesschau eine leicht “rassistische Reflexhandlung”? Die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland betreiben viel mehr eine “Friede-Freude-Eierkuchen Propaganda”, wenn es um den Islam geht. Der islamistische Hintergrund des Anschlags war reine Spekulation, aber einiges sprach Anfangs dafür und das wurde von den Medien aufgegriffen und nix Anderes.
24. Juli 2011, 21:00 Uhr
[...] Analyse: Massaker als Marketing für krude Thesen [...]
24. Juli 2011, 21:10 Uhr
Wieder eine Tat mit rechtsradikalen aber auch christlichen, also religioesen Beweggruenden.
Der Massenmoerder fuehlte sich wohl auch im Namen Christi’s dazu berchtigt, dass Abendland zu retten und dafuer unschuldige Jugendliche zu opfern. Wenn Gott oder Jesus das nicht unter Kontrolle bekommt, muss ich dann wohl taetig werden, dachte er vielleicht. Man sollte in Zukunft nicht nur den Anstieg des Rechtsradikallismus im Auge behalten, sondern alle Arten von Radikalismus. Nicht nur Islamische Extremisten (Fundamentalisten) koennen gefaehrlich werden, sondern auch christliche Extremisten Die Mischung aus politischen und religioesen Motiven kann dann solche fatalen Auswirkungen, wie in jetzt in Norwegen haben. Der vermeintlich Glaeubige vermischt dann, was Recht und und was Unrecht ist. Unter dem Deckmantel des Christentums wurden auch schon sehr viele Schandtaten begangen. Und dabei vergreifen sich die meist feigen Taeter immer an den Schwaecheren, da diese sich nicht wehren koennen.
24. Juli 2011, 22:05 Uhr
Alle bislang bekannten Indizien sprechen dagegen, dass es sich bei dem Mann um einen fundamentalistischen Christen gehandelt hat. Er war nachweislich Mitglied einer Freinmaurerloge. Wer die Szene kennt, weiß, dass sich ein gleichzeitiges Engagement in fundamentalistischen Gruppierungen nach deren historisch gewachsener Anschauung vollkommen ausschließt. Zur evangelischen Kirche hielt er sich ebenfalls auf Distanz. Seine Äußerungen zum Christentum dürften sich darum einem rechtsextrem bzw. antiislamisch aufgefassten Kulturprotestantismus verdanken, wie er hierzulande in (allerdings in nicht radikalisierter Form) etwa von Günter Rohrmoser vertreten wurde. Die ARD täte gut daran, auch diesen Informationsfehler rasch zu beheben.
24. Juli 2011, 22:36 Uhr
Man spürt im Kommentar förmlich die Erleichterung darüber, dass der Täter kein Moslem war.
Alles nicht so schlimm bei den vorherigen Anschlägen. Christen sind auch nicht besser gut zu wissen.
Was für eine heuchleriche Ansicht.
Gewalt und Terror ist IMMER zu verurteilen unabhängig der Gesinnung oder der Religion.
Nicht die Menschen machen hier die Unterschiede, sondern die Medien. Sie relativieren wo es ihrer Meinung nach nützlich ist und polarisieren wenn es in den Kram passt.
Dies alles interessiert mich einen Dreck.
Ich bin dankbar das meine Familie gesund ist und ich würde jeden der meiner Familie Schaden zufügt mit ganzem Herzen hassen, Sei es ein Islamist, Linker, Rechter, fundamentalistischer Christ ode einfach nur ein Marsianer. Mein tiefstes Mitgefühl für die Opfer und deren Angehörige. Bei diesen Menschen sind meine Gedanken.
Noch eins. Im Zeitalter des Internets und der Computer sind sogenannte Ballerspiele mittlerweile genauso Usus wie früher Mensch ärgere dich…
24. Juli 2011, 22:58 Uhr
Aus meiner Sicht ist es verführerisch, sich nun allein mit diesem schlimmen Fall zu beschäftigen, ohne bei sich selber nachzusehen: Was tue ich, damit schwache Menschen wie B. nicht zur Gewalt schreiten? Beachte ich mein Umfeld, wie wirke ich auf Menschen, die abweichen? Wie kann ich positiv wirken, bevor sie radikalisieren? Die Vorraussetzungen für B.s Entwicklung bei mir soll ich betrachten, annehmbar für mich einen Weg suchen, wie so etwas weniger wahrscheinlich wieder passiert. Und das geht uns alle an. In einer Weise soll ich nun noch mehr, offener zu sein, ruhiger, wacher, stärker. Aus meiner Erfahrung heraus sind gerade bei extremen Menschen Ehrlichkeit in Verbindung mit Wohlwollen so schwer, aber auch so wichtig. Dazu brauche ich noch viel mehr Nachsicht, Toleranz, ein weites Herz, gerade für solch eigentlich schwache Menschen – bevor sie die Stärke der Gewalt für sich entdecken. Das kann ich tun. Jetzt bin ich also dran.
24. Juli 2011, 23:32 Uhr
Im Gegensatz zu vielen anderen hier, die Ihren Blogeintrag kommentiert haben, finde ich die Erwähnung von Thilo Sarrazin ganz und gar nicht deplaziert. Es ist völlig korrekt darauf hinzuweisen, dass es Personen wie Thilo Sarrazin und Geerd Wilders sind, die mit ihren abendländischen Untergangsszenarien
Hass und Terror hervorbringen. Wehret den Anfängen!!!
24. Juli 2011, 23:52 Uhr
Er selbst bezeichnet sich als christlicher Fundamentalist. Er sagt, er sei ein “Kreuzritter” und die Taten seien im Sinne eines Kreuzzugs christlich gerechtfertigt. Er habe 2002 die Tempelritter neu gegründet und mit ihnen zusammen sei er nun auf dem Kreuzzug gegen Multikultur.
Ein derart pervertierter Geist, wie dieser Mann ihn offenbar hat, kann jede Ideologie und jede Religion zu seinem Grund für Massenmord machen. Er hat sich das Christentum ausgesucht.
Sein Anwalt sagte der Presse, der Täter sei sogar der Ansicht, er habe nichts strafbares getan. Das würde bedeuten, er denkt nicht nur, er könne das ganze ideologisch/religiös rechtfertigen, sondern sogar vor dem ganz mundanen Gesetz unschuldig sein.
Das allein sollte doch schon zeigen, wie verdreht seine Gedankenwelt ist.
25. Juli 2011, 00:04 Uhr
An den Tagesschreiber und Dr.Seltsam:
Man begreifen Sie endlich, dass diese Irren nichts mit Hobbyschützen oder gar Sportschützen zu tun haben? Die besorgen sich aufgrund ihrer kriminellen Energie illegal jede Waffe; zur Zeit gibt es etwa die 8fache Menge an illegalen Waffen gegenüber den registrierten Waffen von ehrbaren Jägern und Sportschützen, wo letztere übrigends die viertgrößte Sportgruppe Deutschlands darstellen und das Land sogar bei olympischen Disziplinen vertreten.Registrierte Schützen müssen sich genauesten Untersuchungen und Nachprüfungen unterziehen, um überhaupt an eine legale Sportwaffe zu kommen, aber das ist den beiden Schreibern wahrscheinlich noch nicht einmal bekannt.
25. Juli 2011, 00:17 Uhr
Amokläufe haben, soweit ich gelesen habe, nur ein einziges Ziel: Der/die Täter wollen in Schlagzeilen ganz, ganz weit vorne gelistet werden.
Ihre Geschichte, angeblichen Motive etc.: austauschbare Massenware, deren “Sinn” durch den Irrsinn ihrer Tat von alleine ad absurdum geführt wird.
Durch Berichte über andere Amoktaten kommen andere Aufmerksamkeitsfanatiker erst auf die Idee, sie selbst könnte dort vorne in den Schlagzeilen sein.
Dies erfordert umsichtigen Umgang mit Amokläufen durch Medien.
Den Opfern gehören die Schlagzeilen.
Der Umstand, Täter wollen vorne in Schlagzeilen sein, gehört in den Vordergrund der Berichte.
Wirre Thesen, Theorien und Propaganda von Tätern muss gelöscht bzw. als das enttarnt werden, was es ist: Wirres Zeug.
Das Gesicht von Tätern hat NICHTS in den Medien zu suchen.
Man kann als Medien die Wirkungskette von Amokläufen unterbrechen. Das Bedienen von dumpfer Sensationslust kann z. B. als Mittäterschaft für Amok geächtet werden.
25. Juli 2011, 00:18 Uhr
Genau so wird Hass erzeugt..Dieses Buch knüpft da an.
Erstes These : Die da unten das faule Pack..
Zweite : Arbeitszwang und Repression -
Dritte : Religion ( Islam)
Aufzucht des IQ s in Deutschland durch positive u. negative Eugenik durch Kindervermehrung in der Oberschicht und Kinderverminderung bei Hartz IV
Bagatellisierung der Nazizeit.
einer weitere : Die Rasse – getarnt als Argumentation mit Genen .
Angriff auf solche ” veralteten Begriffe wie Menschenrechte.” usw
.
Methoden der Tarnung und Demagogie..
Meiner Meinung wächst auf sochem Mist Ausgrenzung und Gewalt.
Ich würde dieses Buch als Volksverhetzung einstufen. Warum eine SPD so einen Hetzer noch in ihren Reihen belässt ist mir schleierhaft..
25. Juli 2011, 00:30 Uhr
Ohje! die Drei-Tage-Frist des Schockes und der Pietät sind wohl vorüber: Jetzt kann ordentlich polemisiert werden, und zwar von allen Seiten. Das gibt Quote, die wiederum allen zuvorderst Beteiligten sehr viel Kapital einbringen wird. Die Themen sind gestellt: Sarrazin auf der einen, eine unterstellte Hegemonie der Adorno-Schüler in der Öffentlichkeit auf der anderen Seite. Es wird der übliche Schlagabtausch folgen. In diesem Sinne werden die furchtbaren Anschläge in Norwegen Öl ins bereits lodernde Feuer gießen, die Gemüter erhitzen und den Weg frei machen für die emotionalsten Äußerungen aus allen Lagern. Nur eine vernünftige, ruhige und tiefanalysierende Debatte wird nicht stattfinden, denn die Vernunftbegabten aus den verschiedenen Lagern, diejenigen die mit Leidenschaft und Vernunft einander in der Öffentlcihkeit begegnen, werden nicht zu Wort kommen. Dabei haben wir wichtige Dinge zu bereden: die bereits vollzogene, eskalierende Spaltung der modernen Gesellschaften.
25. Juli 2011, 00:40 Uhr
@WRF
“Die Gefahr, daß eine solche Tat wie in Norwegen,auch in Deutschland oder anderen westeuropäischen Staaten passieren kann, ist gegeben, wenn Kritiker der jetzigen Ausländerpolitik kein Forum mehr finden, in dem ihre Ängste und Befürchtungen Gehör finden.”
Na toll. Dann könnten 98 Menschen ja vielleicht noch Leben wenn es in Norwegen eine Partei vom Kaliber der NPD geben würde. Offenbar war die rechtspopulistische Fortschrittspartei ja doch noch zu moderat. Das beruhigt mich ja fast. Dann hab ich ja hierzulande nichts zu befürchten so lange die NPD noch nicht verboten ist. Es ist dumm Sarrazin als Brandstifter zu bezeichnen? Das einzige was hier dumm ist nach einer derartigen Wahnsinnstat die Worte “Ängste der Bürger” in den Mund zu nehmen. Man sollte sich eher Fragen vor wem man mehr Angst haben sollte, vor den “Multikultiträumern” oder diesen selbsternannten “Verfechtern der christlich abendländischen Kultur”.
25. Juli 2011, 07:43 Uhr
Ja, es stimmt… Diesesmal besteht hinter einem perfiden und grausamen Terrorakt ein u. a. “christlich” motivierter Hintergrund.
Die Gewaltbereitschaft von Christen auf eine Stufe mit der von Muslimen zu stellen, halte ich jedoch für unangemessen, vergleicht man die Häufigkeit religiös motivierter Anschläge durch Muslime mit derer anderer Religionsgemeinschaften.
Verbrechen dieser Art sind grundsätzlich zu verurteilen, seien sie religiöser oder ideologischer Art (die Grenzen sind fließend).
Aber es ist gefährlich, dieses Massaker zu instrumentalisieren um Islamkritiker mundtot zu machen oder um das Thema Integrationsproblematik zu tabuisieren.
Trotz islamfeindlicher und christlich-fundamentalistischen Tendenzen, war die Motivation Breiviks jedoch offenbar überwiegend politischer Natur, die sich gegen Liberalismus und Sozialismus wandte.
Sein Ziel war die (überwiegend christlicher Kirchen angehörende) norwegische Gesellschaft als Ganzes.
25. Juli 2011, 09:37 Uhr
Das Erschreckende an dieser Tat ist, dass sie für die Betroffenen aus heiterem Himmel kam. Sie hat unser aller Gefühl für und Bedürfnis nach Sicherheit zutiefst gestört. Sogar im als sicher empfundenen Norwegen, auf einer Jugendfreizeit kann es passieren. Plötzlich fühlen wir uns so gefährdet und angreifbar wie unsere Vorfahren zu jeder beliebigen (dunklen) Epoche der Geschichte.
Vor diesem Hintergrund verstehe ich auch die aufgeregten Kommentare und ideologisierenden Schuldzuweisungen, da sie vermeiden, sich der existentiellen Angst zu stellen, dass das auch einem selbst zustoßen könnte, jederzeit, überall, aus Gründen, die in ihrem Kern lächerlich und dumm sind.
Genau hier kann – richtig verstandenes – Christentum helfen, vertrauensvoll und ohne Hass auf Täter und Demagogen weiterzuleben und sich nicht in den Abgrund von Vorurteilen ziehen zu lassen, aber auch nicht den Fehler zu machen, Ihre Taten zu entschuldigen.
25. Juli 2011, 11:26 Uhr
Der Täter in Norwegen hat mindestens 93 Menschen getötet, weil er, soweit wir wissen, Norwegen durch Sozialdemokraten und Moslems in elementarer Gefahr sah. Er betrachtet sich als Beschützer der abendländischen Kultur. Herr Sarrazin ruft nicht zum Massaker auf, aber er stellt Moslems als eine ernste Gefahr für Deutschland dar. Bereits der Titel “Deutschland schafft sich ab” spricht hier eine deutliche Sprache.
So zu tun, als habe das eine nichts mit dem anderen zu tun, ist so geschmacklos wie Kritik an Herrn Sarrazins Thesen als Angriff auf die Meinungsfreiheit darzustellen.
Nicht jeder, der glaubt, dass bestimmte Menschengruppen uns gefährden, greift zur Schnellfeuerwaffe, aber jeder, der mit Terrorakten Menschen aus anderen Gruppen tötet, glaubt, dass sie eine Gefahr darstellen, gegen die man vorgehen müsse.
Thesen sind immer dann problematisch, wenn sie oft komplizierte Problemen (“Jugendkriminalität”) auf einfache Feinde reduzieren (“türkische Schläger”).
25. Juli 2011, 11:59 Uhr
Irgendwo habe ich gelesen, dass es falsch ist, diese Tat (wie zum Beispiel bei Fox News) als terroristischer Akt zu bezeichnen. Ich stimme zu. Denn es ist nicht NUR ein terroristischer Akt. Es ist ein a) terroristischer Akt, aber gleichzeitig ist es ein b) extremistisches Attentat, und dazu auch noch ein c) Amoklauf der extremen Art, und d) ein Massenmord. Es ist wichtig diese Tat unter allem Aspekten die sie in sich trägt zu erkennen. Das ganze is so grausam, dass man auch einen neuen Wort dafür benötigen könnte. Vielleicht fällt es irgendeinem im Forum ein, wie man so was monströses nennen könnte. Vielen Dank!
25. Juli 2011, 12:01 Uhr
Wollen Sie mit ihrem Beitrag allen Ernstes suggerieren, daß jegliche Kritik an den sog. “Achtundsechzigern” sowie am (politischen) “Islam” in Zukunft besser unterbleiben sollte, weil sie solch durchgeknallten Figuren wie dem Attentäter von Oslo in die Hände spielen könnte?
25. Juli 2011, 12:06 Uhr
@Daniel Marien
„Islamkritiker“? Wer soll das sein. Als Islamkritiker kann man vielleicht Leute wie Hamed Abdel Samad bezeichnen. Sarrazin, Broder, Wilders & Co. sind nichts weiter als eine Bande neofaschistischer Hassprediger und Scharfmacher.
Dass ist ja gerade das Paradoxe an Multikultihassern: Selber pauschalisieren, alle in einen Topf werfen aber für sich selbst eine sachliche Differenzierung fordern.
Und außerdem, das Ziel des Attentäters war nicht die norwegische Gesellschaft sondern das von o.g. Gruppe regelmäßig verteufelte sog. „Gutmenschentum“. Für mich hat dieser Terrorakt nur eins bewiesen, die sich in unserer Gesellschaft im stärker breit machende Gruppe an als Mahner getarnten Hetzer hat mit Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit genauso viel auf dem Hut wie Bin Laden mit Frauenrechten.
25. Juli 2011, 12:44 Uhr
Alles sehr errschreckend und beunruhigend.
25. Juli 2011, 12:46 Uhr
Der kaltblütige Massenmörder hat sich eine Medienkampange zurecht geschustert.
Ein bemantelt seinen Massenmord mit irgendwelchen rechten Motiven.
Diese weiterzukommunizieren nutzt niemandem. Außer den Auflagenzahlen der Medien und dem Täter.
Wer weiteren Amokläufen vorbeugen will, unterlässt eine breite Auswalzung von allem, was den Tätern “erhöhen” könnte.
Keine weitern Smile-Bilder des Täters.
Keine Hinweise auf angebliche Zugehörigkeiten und Motive.
Massenmord verdient keine Rechtfertigungsversuche.
Die medialen Kompensationsversuche eines Herrn S. haben mit einer Tat in Norwegen nichts zu tun.
Der Täter wusste, dass er in Norwegen festgenommen werden würde; “Anschlagspläne” gegen andere “Ziele” sind “nette” Tarnung einer eigentlich erbärmlich winzigen Persönlichkeit. Sollen diese ihn nicht noch “wichtiger” erscheinen lassen?
25. Juli 2011, 13:04 Uhr
Wenn man so dicht dran ist, wie wir zur Zeit, wir sind nur ein paar hundert Meter von der Insel entfernt, kommen einem die Diskussionen über Kontrollen etc. seltsam fremd vor. Norwegen ist bekannt für Offenheit, Toleranz, gegenseitige Hilfe… eben das was in Deutschland oft fehlt. Beobachte ich meine Landsleute, die Norwegen besuchen, merkt man, wie das Land aus ihnen irgendwie andere Menschen macht, die ihre sonst harten Ellenbogen ganz von selbst einziehen.
Entsteht jetzt ein Überwachungsstaat hat der Täter ein Ziel erreicht. Hier war ein krankes Hirn am Werk! Ich wünsche den Norwegern, dass Sie Ihre Menschenfreundlichkeit beibehalten, das ist meiner Meinung nach die beste Vorbeugung gegen Hass und Intoleranz. Wir wollen freie Bürger sein, sobald etwas passiert, schreien wir nach Kontrolle.
25. Juli 2011, 13:14 Uhr
Es ist unfassbar, was ein Irrer alles anrichten kann. Lasst den Irren nie mehr frei.
25. Juli 2011, 14:26 Uhr
Hallo Herr Gensing,
ich danke Ihnen aus tiefsten Herzen für Ihren Beitrag, da sie aus meiner Seele gesprochen haben.
In den letzten 10 Jahren wuchs eine unselige Internet-Politik-Kultur aus Hass-Bloggern zusammen, die
vor einer Islamisierung Europas warnen. Political Incorrect News, Akte Islam, Reconquista Europa und Autoren wie Henyrk M. Broder auf die sich der Attentäter explizit bezieht (Seite 591 im Manifest).
Diese Seiten fordern schon lange einen Kampf gegen den Islam, wenn auch nur auf politischen Wege.
Wir leben bereits seit Jahrzehnten mit Über einer MIllionen Muslime in Deutschland, die einen großen Beitrag geleistet haben in der Wirtschaft (Selbstständige, Gewerbetreibende) und ich sehe bei vielen durchaus den Willen und das Potential ebenfalls eine Karriere und ein erfülltes Leben zu erreichen.
25. Juli 2011, 14:45 Uhr
Bleiben wir mal sachlich:
- Die Irren sind unter uns und haben jede Möglichkeit solche Irrsinnstaten vorzubereiten und durchzuführen.
- Wir müssen einen Weg finden, diese Irren rechtzeitig zu erkennen, ohne anderen Menschen die Freiheit einzuschränken.
- Allen gemeinsam ist ihr Drang, aufzufallen und sich als Menschenretter oder ähnliches darzustellen.
- Solchen auffälligen Psychopaten gleich mit dem Gesetzt zu drohen bzw. Polizeibesuch zu verordnen, wie ich einngangs angedacht geht auch nicht, (sehe ich ein)
- Aber, jede höhere Polizeidienststelle hat einen Psychater, den man hier einschalten kann. Ich glaube, wenn solche irren Typen erst mal mit einem geschulten anderen Menschen reden können, d.h. sie sehen, dass sie beachtet werden, und sie sehen, dass sie nun unter Beobachtung stehen, würden sich solche Folgetaten minimieren oder ausschliessen.
- Wäre das Drama in Norwegen auf diese Weise zu verhindern gewesen? Ich denke “Ja”, denn man kannte und wusste von ihm vorher.
25. Juli 2011, 15:20 Uhr
Breivik ist nur ein Produkt der Gesellschaft. Die rechtspopulistische, bzw. neokonservative Gesinnung Breiviks ist nichts anderes als das, was einige westliche Gesellschaften zur Zeit “ausbrüten”. Dabei spielt das Schüren diffuser, latenter Angst als Instrument eine wichtige Rolle.
Auch hierzulande wird vornehmlich aus den Lagern der Rechtspopulisten stetig die Angst vor islamischen Fundamentalismus geschührt. Rechtspopulisten machen sich oft die diffuse Angst bei Teilen der Bevölkerung zunutze, um sie in Bahnen zu lenken. Breivik ist ein Beispiel dafür.
Typisch war wieder, dass Augenblicke nach der schrecklichen Tat der Ruf nach Vorratsdatenspeicherung, Verdächtigendatei usw. gebehtsmühlenartig aufkam.
Diese Instrumente schützen nicht vor solchen Tätern, sie schüren die diffuse Angst in der Bevölkerung, die dann entsprechend in Bahnen gelenkt werden kann.
Wie gut das funktioniert, sieht man an den Anfangsverdächtigungen der deutschen Presse (Tagesschau inklusive)
25. Juli 2011, 17:32 Uhr
Sehr geehrte User,
die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Alle wesentlichen Argumente sind genannt. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. In Fällen wie diesen, behält sich die Redaktion das Recht vor, die Diskussion zu schließen.
Wir bitten um Ihr Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen
Die Moderation
28. Juli 2011, 10:09 Uhr
[...] sich noch am Sonntag bereits auf tagesschau.de die Welt zurecht gelogen wurde, ziehen jetzt die Provinzblätter nach. Im Bonner General-Anzeiger landet man auf der Suche nach [...]