Frauen im Sport – das ist eine Erfolgsgeschichte, sagt Ilse Ridder-Melchers, Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Im Interview für den Blog “Frauen am Ball” spricht sie über die großartigen Ziele, die Frauen im Sport erreicht haben, und darüber, was gerade junge Frauen in Sportvereinen für’s Leben lernen können.

Was erhoffen Sie sich für Frauen von der Frauenfußball WM?

Ilse Ridder-Melchers: Ich bin sicher, dass die Fifa Fußball WM zeigen wird, wie attraktiv dieser Sport für Frauen ist. Der Deutsche Fußball Bund (DFB) hat bereits im Vorfeld mit zahlreichen gezielten Aktionen Mädchen geworben und will sie nachhaltig für den Fußball gewinnen. Eine erfolgreiche WM wird natürlich das Interesse bei Mädchen und Frauen für Fußball, aber auch für andere Sportarten wecken. Ich wünsche mir, dass viele andere Sportverbände dies nutzen und Mädchen und Frauen für ihre Sportarten ansprechen und gewinnen.

Die Geschichte der Frauen im Sport ist eine Erfolgsgeschichte – gerade auch im Fußball. Was muss trotzdem noch für Chancengleichheit von Mädchen und Frauen im Fußball getan werden?

Ilse Ridder-Melchers: Ich stimme Ihnen voll zu: Frauen im Sport, das ist eine Erfolgsgeschichte. Die Entwicklung zeigt, dass wir in den letzten Jahrzehnten wirklich unwahrscheinliche Zuwächse hatten. Frauen haben mit vielen Vorurteilen aufgeräumt und Barrieren eingerissen, heute sind 10 Millionen Mädchen und Frauen in unseren Vereinen sportlich aktiv. Richtig ist aber auch: Im organisierten Sport sind Mädchen und Frauen immer noch unterrepräsentiert. Deshalb müssen und sollten wir die Möglichkeiten der Fußball WM nutzen, um breit für die Vielfalt des Sports zu werben. Und ich wünsche mir, dass die Medien das auch nach der WM entsprechend unterstützen.

Fußball ist also längst keine Männersache mehr. Das ist in vielen Berufen anders – da gibt es noch traditionelle Männerdomänen – zum Beispiel in technischen Bereichen. Wie würden Sie Frauen ermutigen, in so einer Männerdomäne zu arbeiten?

Ilse Ridder-Melchers: Früh übt sich, wer eine Meisterin werden will. Wichtig ist, dass Mädchen den Mut haben, etwas Neues auszuprobieren. So können sie Klischees (“Das ist nichts für mich”) aufbrechen. Wichtig ist außerdem, hartnäckig zu sein und sich durch nichts von seinen Ideen abbringen zu lassen. Und genau diese Hartnäckigkeit können Mädchen im Sport “trainieren”. Da lernen sie, “am Ball” zu bleiben und nach einem Rückschlag weiter nach vorne zu schauen und dann auf den nächsten Erfolg zu setzen und gezielt darauf hin zu arbeiten.

Was ist Ihre Botschaft an Frauen, die überlegen einen technischen Beruf zu ergreifen, wie zum Beispiel Kamerafrau oder Tontechnikerin?

Ilse Ridder-Melchers: Vorbedingung ist, dass hinter diesem Ziel, bzw. dem Berufswunsch ein starker Wunsch und ein ausgeprägter Wille stehen. Sucht euch Mentoren/-innen, Unterstützer/-innen, Personen die an euch glauben. Das können z. B. Eltern oder Lehrer/-innen sein, die sagen: “Ich stehe hinter dir, du schaffst das.” Und wenn es dann noch im Umfeld ein weibliches Vorbild gibt, das in diesen Berufen schon erfolgreich ist, sind der positiven Entwicklung keine Grenzen gesetzt. Denn diese Grenzen sind willkürlich und haben mit dem Geschlecht herzlich wenig zu tun.

Ilse Ridder-Melchers, DOSB Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung

Ilse Ridder-Melchers, DOSB Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung

Das Interview führte Hanna Grimm.