Afghanisches Tagebuch – Teil 5: Trügerische Ruhe im goldenen Käfig
von Sandra Ratzow 29. Juni 2011 5:30 UhrSie liegen meist in der Nähe der schwer gesicherten Botschaften. Sie sind durch private scher bewaffnete Sicherheitsdienste und mindestens zwei Tore und Mauern geschützt – die kleinen Fluchtinseln aus dem staubigen Krisenalltag in Kabul: Restaurants und Hotels, in denen sich vorwiegend Ausländer aus dem Westen treffen. Hinter Mauern und Stacheldraht liegt eine dieser grünen Oasen in Kabuls Steinwüste: Rosen blühen, ein kleiner Springbrunnen plätschert, darin Goldfische. Ein paar Bäume spenden Schatten, überall gemütliche Sitzecken. Leise Musik. Die Kellner in diesem Restaurant tragen Krawatten und Westen. Und abends sorgen kleine Laternen für heimeliges Licht. Nur manchmal mischt sich das SOS aus einem ABBA-Song mit den Rufen des Muezzins, der irgendwo in der Nähe zum Gebet ruft. Afghanistan light. Bis die immer wieder kehrenden kurzen Stromausfälle daran erinnern, dass hier nichts so ist, wie es scheint.
Besonders am Wochenende, wenn viele Botschaftsmitarbeiter und Helfer frei haben, sind die wenigen als sicher geltenden Restaurants voll. Natürlich kennen die Taliban all diese Orte, wo sich Ausländer aufhalten. Doch eine Mitarbeiterin der US-Botschaft erklärt mir: “Selbst wenn sich ein Selbstmordattentäter vor dem Tor in die Luft sprengen würde, sitzen wir hier drin weit genug weg. Es gibt für uns nicht viele Orte in Kabul, wo wir uns ein bisschen amüsieren können.!”
Auf der Speisekarte stehen neben ein paar lokalen Gerichten – Pizza, Pasta, Burger. Die Preise mitteleuropäisch. Ein Vermögen für einen afghanischen Durchschnittsverdiener. Auch Bier und Wein wird serviert. Im muslimischen Afghanistan eigentlich verpönt und verboten. Nur mit guten Beziehungen bekommt man eine inoffizielle Lizenz. Doch manche, die hier arbeiten, sehen das pragmatisch. “Allah verbietet es nicht, dass man Spaß am Leben hat”, sagt ein Kellner doppeldeutig, “und wenn Ihr Spaß am Alkohol habt, was sollten wir dann dagegen haben?”
Gespräch mit der Besitzerin, eine der wenigen, dazu noch sehr erfolgreichen Geschäftsfrauen in Afghanistan. Hassina Syed ist auf ihre Art Teil des goldenen Käfigs. Täglich wechselt sie die Autos, selbst ihr Fahrer weiß abends noch nicht, wohin er sie morgens bringen wird. Ihr Mann lebt mit den Töchtern inzwischen aus Sicherheitsgründen in Dubai. Ist es das wert? “Einer muss ja den Anfang machen und das können nur wir Afghanen selbst!”, sagt sie.
An einem Tisch singen alle “Happy Birthday!” An einem anderen unterhalten sich angeregt Franzosen. Drei Amerikaner mit Pistolen am Gürtel ziehen entspannt an ihren Zigaretten. Plötzlich kreisen immer wieder Helikopter über uns, Sirenen hallen durch die Nacht. Der Strom fällt plötzlich minutenlang aus.
Eine Nachricht macht die Runde.: Ein Anschlag. Im ehrwürdigen InterContinental-Hotel einige Kilometer entfernt kämpfen Taliban mit den Sicherheitskräften. Die Tische leeren sich. Alle eilen zu den schusssicheren Geländewagen und rasen in ihre Hochsicherheitsgefängnisse für Diplomaten zurück. Der Ausflug in den goldenen Käfig ist vorbei…











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29. Juni 2011, 10:35 Uhr
Nach Ihrer Beschreibung ist das ja ein gewaltiger Aufwand, den man treibt um die ausländischen “GÄSTE” und “HELFER” zu schützen. Uns das alles nur für die paar Jahre, wo die Besatzer noch bleiben wollen? Da steckt doch mehr dahinter!
Was gibt es in Afghanistan so Besonderes, an das ausländische Mächte mit Zähnen und Krallen festhalten wollen. Schon die UDSSR hatte sich dieses Land nicht ohne Grund einverleiben wollen. Kaum waren die Russen fort, da waren die Amis drin. Sicher, auch die BRD spielt mit, aber sehen wir das mal logisch:
- Wer hat uns genötigt, hier Militär hinzuschicken?
- Die NATO
- Wer dominiert die NATO?
- Die USA
- Wer hat in den USA das Sagen:
- Die Rüstungslobby und die Geld-Maffia
Also, das Ganze “riecht” gewaltig. Welche Bodenschätze hat Afghanistan zu bieten?
Ich fürchte, in 10 Jahren oder mehr wird sich hier nichts ändern.
29. Juni 2011, 11:45 Uhr
Nach bewährtem Irak-Muster
Das Militär abziehen und klammheimlich durch eine Söldnerarmee ersetzen. Dem Wähler wird Sand in die Augen gestreut, ansonsten bleibt alles beim Alten, nur eben dass die Söldnertruppen wesentlich brutaler vorgehen können als die Armee je durfte. Das kostet natürlich eine Kleinigkeit mehr als die Armee. Für was wohl? Für die reine Menschlichkeit sicher nicht.
29. Juni 2011, 12:23 Uhr
Afghanistan sitzt zusammen mit Iran und Pakistan auf einem etwas groesseren Gas-feld. Zusaetzlich ist es auch noch ‘Durchgangsland’ fuer eine Pipeline, welche Oel vom Kaspischen Becken an Iran vorbai an den Persischen Golf liefern kann.
Das alleine reichts schon als Begruendung aus. Zusaetzlich kommt noch Geldwaesche, Drogenhandel, Menschenhandel hinz, an dem alle etwas mitverdienen/sich zu nutze machen….
29. Juni 2011, 12:28 Uhr
@Flodur
derlei Hotels finden sie in jedem Land der dritten Welt. Sie stellen weder eine Besonderheit dar noch sind sie irgendwie anrüchig. Sie sind schlicht der erste Schritt zu einer einem weltoffeneren Land.
Zur Frage was es in Afghanistan gibt, können sie die Wikipedia befragen. Selbstverständlich stehen handfeste rohstoffpolitsche und wirtschaftspolitische Fragen im Vodergrund. Das ist weder neu noch überraschend und hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Hotel zu tun um das es in dem Artikel ging.
29. Juni 2011, 12:41 Uhr
@Flodur
“Bodenschätze im Wert von einer Billion, also 1000 Milliarden Dollar, sollen im Boden Afghanistans liegen”
Quelle: Tagesspiegel.de Armes reiches Afghanistan.
Die Chinesen sind scharf auf das Zeug, die westliche Welt auch. Aber ob die ganze Mühe nur wegen den seltenen Erden bemacht wird, ist schwer zu sagen. Es kann, muss aber nicht, mehr dahinter sein.
Aber auf jeden Fall ging es nie darum, in Afghanistan unsere Sicherheit zu verteidigen. Tihi… Peter Struck hat Humor.
29. Juni 2011, 13:02 Uhr
Als NATO angehörige haben wir uns verpflichtet ( im Abstimmungsverfahren ) einheitlich zu argieren. Man kann aber sagen das wie unter der USA als Trittbrettfahrer gelten, eigentlich war es am Anfang ein Humaniterer Einsatz jedoch ist davon nichts mehr zu sehen bzw. zu spüren. Wie soll man Menschen dort helfen, wo man nichteinmal weiß welche Gruppe diese angehören ?! Dieses wird man nie in den Griff bekommen.
29. Juni 2011, 13:14 Uhr
Soviel zu den Bodenschätzen und der Absicht länger zu bleiben:
Zitat aus Wikipedia:
Die bedeutendsten Bodenschätze sind neben Eisen- und Kupfererzen, Erdgas, Kohle und Halbedelsteinen (hauptsächlich Lapislazuli) auch Erdöl, von dem im Jahr 2006 im Norden des Landes Lagerstätten entdeckt wurden, die das 18-fache der ursprünglich geschätzten Menge enthalten.
2010 wurden von Geologen aus den Vereinigten Staaten[69] zudem große Vorkommen an Bodenschätzen in beträchtlicher Höhe entdeckt.[70] So soll Afghanistan z.B. über Vorkommen an Lithium verfügen wie bisher nur Bolivien. Weitere Funde betreffen erneut Eisen und Kupfer sowie Niob, Kobalt, Gold, Molybdän, seltene Erden und Asbest.[71] Der Wert der neuerlichen Funde wird auf über 1 Billion USD geschätzt.[72] Für den Abbau der Bodenschätze wären jedoch weitere Studien sowie größere Investitionen in Infrastruktur und Sicherheitslage notwendig.[73]
29. Juni 2011, 13:25 Uhr
@Flodur
Ich sehe das nicht ganz wie Sie. Halten wir doch fest, dass Afgahnistan ein Land ohne staatliche Struckturen ist wo sich islamische Fanatiker aus aller Welt breit gemacht haben um sich auszutoben und Ihren Hass zu verbreiten mit entpsrechenden Anschlaegen in der westlichen Welt USA/ Spanien/UK etc. . Eine Intervention war noetig um gegen diese Leute vorzugehen; und nicht umbedingt gegen die Afgahnen selber. Wenn einer Moerder, Verbrecher versteckt dann muss man damit rechnen, dass man selber Ziel von Leuten wird die nach Gerechtigkeit und Ordnung aus sind.
Es ist Zeit nicht immer die Auslaender in Afgahnistan fuer alles veranwrotlich zu machen. Man kann Afgahnistan nicht Helfen wenn die dort lebenden Menschen es abweisen und in ihren alten Clanstruckturen weiter Krieg fuehren moechten. Dem afgahnischen Volk fehlt Eigentkritik und kulturelle Entwicklung. Dies kann von Aussen nicht behoben werden. DIe Menschen dort muessen sich einigen dann kann geholfen werden.
Lg
Enimo
29. Juni 2011, 13:46 Uhr
In Afghanistan wurden vor wenigen Jahren die, nach Bolivien, größten Vorkommen an Lithium entdeckt.
Ohne Lithium gibt es keine moderne Batterietechnologie. Ergo: Erobern, sichern und für den eigengebrauch abbauen und wegschaffen. Das ist der leider nun mal der American Way of Life.
Die Afghanen selbst sehen dabei, wie übrigens alle von den Amerikanern “demokratisierten” Völker, in die Röhre.
Nicht zu vergessen die großen Erdölvorkommen im Norden des Landes. Und die sehr großen Kupfererzvorkommen.
Unser Ex-Präser hatte es doch mal unverblümt in die Kamera hinein gesagt: Wir sind nur dort, weil wir unsere wirtschaftlichen Interessen schützen wollen. Bevor die Amis sich alles alleine krallen, wollen wir auch noch ein Stück von dem afghanischen Kuchen haben.
29. Juni 2011, 14:38 Uhr
Ich wäre sehr vorsichtig die Wikipedia als Quelle zu nenne, gerade wenn solch obskure Zahlen, wie 1 Billion Euro an Rohstoffen genannt werden. Auch das oben angesprochene Pipeline-Projekt ist doch längst kein Thema mehr, da der Bau im Vergleich zu den noch zu transportierbaren Öl-Mengen viel zu teuer wäre.
Auch wenn sich solche Kriege immer schnell mit wirtschaftlichen Verschwörungs- und Imperialismustheorien erklären lassen, ist es hier wohl eher nicht der Fall.
29. Juni 2011, 14:56 Uhr
@ Der Antimensch
Sie sollten das Köhler-Zitat, wenn Sie sich schon darauf beziehen, auch richtig wiedergeben. Er hat, wie Sie selbst ganz genau wissen, keineswegs gesagt, dass wir “nur” dort seien, um unsere wirtschaftlichen Interessen zu schützen. Die Äußerungen an sich waren schon umstritten genug, aber sie dermaßen verzerrt und verfälscht zu verwenden, ist abolut unseriös.
29. Juni 2011, 18:09 Uhr
@gruene Waage
Sehe ich genau so wie Sie!
Es ist doch ein wenig lustig wie einige Leute hier versuchen Argumente zu suchen warum Amerika in Afgahnistan interveniert hat und es immer wieder auf irgendwelchen Rohstoffe zurueckfuehren! Dies zeigt nur wie stark das Denken/ die Auslandsmeinung in den modernen Gesellschaften von den Medien beeinflusst wird. Tja Wir in Europa haben unsere Medien und die Afgahnen Ihre Talibans!
Lieben Gruss
Enimo
30. Juni 2011, 11:15 Uhr
8: Enimo
Afghanistan versteckt keine Mörder und Verbrecher; vielleicht schon mal was von Gastrecht gehört, die Deutschen wurden damals auch nicht an die Allierten ausgeliefert und Osama wäre gegen Vorlage von Beweisen von Bush auch ausgeliefert worden Geschichte sollte man kennen, bevor man etwas schreibt.
Anschlaege von Afghanen – wo denn??
Achso, London, Madrid, 11.09., Lockerbie, La Belle …Google – die etwas mehr darüber wissen, sind natürlich alle Verschwörungstheoretiker.
Es gibt einen berühmten Ausspruch, den Bush im März 2001 an die “Taliban” abgelassen hat:
“Wenn ihr tut, was wir wollen, rollen wir euch den roten Teppich aus; wenn nicht, dann wird es eben ein Bombenteppich ” (Friedensratschlag Uni Kassel)
“kulturelle Entwicklung”, was soll das sein …Ihre Maßstäbe übernehmen ??
Nee, die sind meistens uns oft geistig überlegen, was Technik und Leben dort angeht; ich war Jahre dort am Arbeiten (auch Krieg miterlebt), um das behaupten zu können.
30. Juni 2011, 11:35 Uhr
@: 10: grüne Waage
Die Pipeline, ja richtig – der Baubeginn war von den Amis auf 2012 verschoben worden, aber dazu müßten alle freiheitsliebenden Afghanen erst alle ausgerottet werden und das blöde Pakistan hat den USA eh einen Strich durch die Rechnung gemacht mit der Friedenspipeline vom Iran nach Indien bis nach China – shit happens und dazu noch ihren Hafen den Chinesen angeboten zum Stationieren ihrer Marine.
@: Enimo
laut Le Monde gibt es die Bezeichnung Taliban erstmals für die Söldner aus den Camps der CIA in Pakistan, zum Bekämpfen der Russen religiös-fanatisch nach Zbigniew Brzezinskis Idee ausgebildet.
So ist es Usus der USA, alles, was ihnen im Weg steht, als Taliban zu bezeichnen und abzuschießen.
Neuesten Untersuchungen zufolge sind aber weit über 90 % der Getöteten und im Gefängnis Einsitzenden nie an Kämpfen beteiligt gewesen; einfach Zivilisten wie Frauen und Kinder; größtenteils von der afg. Menschenrechtsorg. bestätigt.
30. Juni 2011, 19:07 Uhr
Halten wir doch mal fest:
Die USA hat ein massives Interesse an diesem Land mit seinen Vorräten und Möglichkeiten.
Die dortigen Clans, Kriegsherren, Drogenbarone usw. wollen diesen Kuchen aber für sich und bekämpfen die USA-Truppen. Sie stören damit das Vorhaben der USA. Über die NATO hat die USA die Verbündeten aufgefordert hier militärisch einzugreifen mit dem Ziel: Menschenrechte und Aufbauhilfe. Damit halten sie den USA ihre bösen Feinde vom Halse. Passt die Logik?
30. Juni 2011, 23:08 Uhr
@: 15: Rudi
Es gibt keine einfachen Antworten auch auf einfachste Fragen:
Menschenrechte und Aufbauhilfe: ales nur ein Vorwand, um die Öffentlichkeit zu verdummen; das paßt nicht zu den Massakern der USA und deren unterstützten Warlords wie z.B: Dostum, einer der größten Verbrecher und jetziger Verteidigungsminister
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Afghanistan/massaker3.html
“So wurden im Kampf um die Vorherrschaft in Kabul Human Rights Watch zufolge mindestens 25000 Zivilisten getötet. Erst die Taliban machten dem ein Ende. Bis zur Invasion der Amerikaner 2001 hatten sie zu 95 Prozent Afghanistan befriedet.”
Wo die USA Krieg führt, geht es um Öl und Ressourcen; hier kommt noch der CIA und die DEA ins Spiel, die AFG zum größten Rauschgiftlieferanten der Welt machten http://tinyurl.com/3cwu25q
http://tinyurl.com/3vceu8v mit etwas Hintergrund und eine Leseempfehlung für jeden: http://tinyurl.com/42q46bc
Wer alles “etwas” besser verstehen will:…